Was ist und was bedeutet für uns die Nano-Biotechnologie? - Ein Diskurs von Karin Saage und Eva Sinner

Die „Technik“ als in der ursprünglichen Wortbedeutung Kunstfertigkeit, handwerkliches Geschick, ist etwas, das schon immer zum Menschen gehörte. Schon lange vor der sprichwörtlich gewordenen Erfindung des Rades hat sich der Mensch verschiedener Werkzeuge bedient, um seine Umwelt, aber auch sein eigenes Leben zu verändern. Natürlich immer im guten Glauben an eine Verbesserung.

Auch die Gegenwart ist schon so sehr von Technik geprägt, dass wir kaum im Stande wären, die Uhr zurückzudrehen. Selbst wenn derartige Phantasien im Moment Konjunktur haben – ein Leben wie vor hundert Jahren wäre ja schließlich kein Leben frei von Technik.

Erschaffung des Menschen durch Prometheus
Am Beginn der Menschheit: Die Erschaffung der Menschen durch Prometheus, den Kreativität, »Technik« (Kunstfertigkeit, handwerkliches Geschick) und die Eigenschaft auszeichnen, das (Nach)denken seinen Handlungen voranzusetzen. Athene hilft indem sie ihre Klugheit und ihr Wissen zur Verfügung stellt (Marmorrelief, 3 Jh bC, Louvre)

Allerdings zeigen solche Phantasien, wie zwiespältig der Mensch der Technik, die doch wesensmäßig zu ihm gehört, gegenübersteht. Als wolle er mit dem Blick zurück immer wieder seiner ihm zur Verfügung stehenden Technik entfliehen.

Ein Grund dafür liegt sicher darin, dass in der jüngeren Vergangenheit sich die Biotechnologie als neue Technologie zu verselbständigen und damit immer unbeherrschbarer zu werden schien. Ein neuer Forschungszweig der Biotechnologie, der die kleinsten Bausteine des Lebens thematisiert, ist die Nanobiotechnologie, von „nanos“, dem Zwerg – die Grösseneinheit, die 1000mal kleiner als der Mikrometer ist und damit die Größe von Molekülen beschreibt.

In Kombination mit den Werkzeugen der Gentechnik, ist es ja sogar eine Hoffnung an die Nanobiotechnologie, dass mit ihr neue Möglichkeiten angegangen werden können, die dem Menschen innovativ helfen und damit wertvoll sein können.

Die Frage muß also eher lauten: wie kann man die Gesellschaft mit dem Begriff der Nanobiotechnologie anfreunden und nicht eine Ablehnung riskieren, wie es bei Gentechnik und Strahlenforschung durchaus passiert ist? Wie kann man ein Bewusstsein dafür schaffen, dass dieses Forschungskonzept immens potent, aber nicht bedrohlich sein muss?

Sicher ist ein wichtiger Schritt zu einem positiveren Verhältnis gegenüber der Technik eine breitere Diskussion innerhalb der Gesellschaft darüber, worin das Ziel dieser technischen Entwicklungen bestehen soll.

Wissen wir denn, was das Optimum für den Menschen ist, zu dem ihm die die aktuelle Forschung verhelfen soll? Meistens denkt man bei dieser Frage an das, was sich ein jeder wünscht: Gesundheit, Glück und ein langes Leben. Aber schon bei der Gesundheit fangen die Probleme an. Was ist Gesundheit? Heutzutage wird Gesundheit als Freiheit von sämtlichen Schmerzen definiert. Die Akzeptanz gegenüber altersentsprechenden Beschwerden und Makel ist sehr gesunken und bei vielen kaum noch vorhanden. Dass ein langes Leben so ohne weiteres auch nicht Ziel einer Optimierung sein kann, wussten schon die alten Griechen. Als Äos, die Göttin der Morgenröte für ihren Geliebten Tithonos bei Zeus ewiges Leben erbat, um es mit ihm gemeinsam zu verbringen, vergaß sie damit auch den Wunsch nach ewiger Jugend zu verknüpfen. Tithonos alterte immer weiter, ohne je sterben zu können – Ein nicht erstrebenswertes Schicksal, endete er so als zikadenähnliche Daseinsform. Es könnte also einen Kompromiss sein zwischen Lebensqualität und dem Recht, dem Leben zu entkommen, wenn das „Maß“ als voll empfunden wird.

Mit der Definition des Glückes ist es hingegen schwieriger: letztendlich wird Glück sicherlich von jedem ein wenig anders definiert werden. Und das ist wiederum ein Glück für die Forschung. Es scheinen sich für viele, auch skurril anmutende Technologieentwicklungen, Forscher und Geldgeber zu finden, wie zum Beispiel der Temperaturanzeige durch Farbveränderungen auf Getränkedosen, tragbare Telephone, die photographieren können oder Heimroboter in Hundegestalt. Und Vieles, das noch vor einigen Jahren nicht existent war, ist heute eine Selbstverständlichkeit, und Gefahrenpotentiale (siehe Atomenergie) sind durch die Regulativa der Gesellschaft durchaus als „gezähmte“ Technologien existent.

Aber es gibt auch technische Entwicklungen, deren ausschließlicher Nutzen unbestritten ist. Es gibt zum Beispiel neue Oberflächenbeschichtungen von Implantaten, die durch ihre Ähnlichkeit mit einer natürlichen Gewebeoberfläche, das Anwachsen bestimmter Zellarten begünstigen und damit stabiler in den Knochen integriert werden als herkömmliche Implantate. Sowohl bei Hüft- als auch bei Zahnimplantaten ist das eine wesentliche Entwicklung, um die Stabilität zu verbessern. Wegen der gründlichen Tests ist es grundsätzlich ein langer Weg vom Labor zum Patienten, deshalb ist es auch sehr wichtig, eine breite Basis von Neuentwicklungen zu legen, damit die Wahrscheinlichkeit steigt, dass es einige Forschungsprojekte bis hin zu ihrer Bestimmung in der Gesellschaft schaffen. Die Identifizierung neuer Medikamente wird ebenfalls durch die Nanobiotechnologie beeinflusst werden: die Strukturaufklärung von Molekülen des menschlichen Körpers, die für die Wirkung von Medikamenten entscheidend sind durch Erschaffen neuer experimenteller Ansätze in der Proteinforschung. Durch die Kenntnis einer molekularen Struktur können viel gezielter, und damit viel schneller, passende Substanzen gefunden werden, die dann als Medikamente eingesetzt werden können. Damit sei an dieser Stelle nur einige willkürliche Beispiele für die Relevanz und Präsenz technologischer Entwicklungen genannt. Es wird anhand dieser Beispiele noch klarer, wie breit das Spektrum in der Nanobiotechnologie ist und es ist zugegeben fast unmöglich, über alle Fortschritte in allen Gebieten informiert zu sein. Ein Blick in Richtung eines möglichen Ursprungs für technologische Entwicklungen gibt mehr Aufschluss über den Platz in unserer Gesellschaft, den die Technik unserer Meinung nach haben sollte.

Vereinfacht lässt sich sagen, dass es drei Grundmotive für eine technologische Neuentwicklung gibt: wirtschaftliche, gesellschaftliche und „individuelle“. Die gesellschaftliche und wirtschaftliche Motivationen sind in jüngster Zeit sehr nahe aneinander gerückt – was wirtschaftlich von Bedeutung ist, findet meist auch in der Gesellschaft eine hohe Akzeptanz und umgekehrt. Ein drittes Motiv ist ein sehr unkontrollierbares und fast als Zufallsereignis zu werten: die persönliche Neugier und Forschungsleidenschaft eines Menschen, der sogar unter widrigen Umständen eine Idee verfolgt. Giordano Bruno, Galileo Galilei oder Sokrates sind hier gute Beispiele für solche Forschernaturen. Die Vorstellung seines Weltbildes war gesellschaftlich extrem unpopulär und dennoch hat er seine Überzeugung bist zur Selbstaufgabe verfolgt. Das ist jetzt ein prominentes und ‚altes’ Beispiel, es würde zu weit führen, alle hier aufzuführen, die praktisch gegen die herrschende Meinung geforscht haben oder durch die Wahl eines abseitigen Themas in einem unpopulären Gebiet geforscht haben. Es ist nicht sinnvoll die drei Motive mit einer ethischen und moralischen Wertung zu versehen. Aber es ist sehr wichtig im Sinne der Gesellschaft, die alle drei Quellen letzten Endes trägt, diese Motive zu erkennen und am Leben zu erhalten. Dabei ist letzteres Motiv besonders im Auge zu behalten, da Spitzenforschung, die zu neuen Technologien führt, oft aus unpopulären Nischen zu stammen schien. Diese Art der Forschung an neuen Technologien findet in einer geschützten Atmosphäre statt – entkoppelt von wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Motiven.

Als prominentes Beispiel für so eine „Nische“, in der ein ausgezeichneter Forscher seine Erkenntnisse erzielte, ist hier Gregor Mendel zu nennen, der in einem Klostergarten Grundlagen der Pflanzengenetik erkannt hat. Seine Forschung fand ohne wirtschaftliche Unterstützung und allein aus persönlichen Motiven statt. Es wäre wünschenswert, wenn der individuelle Forscherdrang auch in Zukunft in einer Art Nischenförderung erhalten bleiben könnte, auch wenn das auf den ersten Blick den aktuellen Elitebestrebungen entgegenwirkt.
Geduld ist etwas, das die Gesellschaft momentan nicht mit der Wissenschaft zu haben scheint. Es werden Programme aufgesetzt und Ziele gesteckt, die gewachsene Ausbildungsstrukturen sowohl an Schulen als auch an Universitäten in kurzer Zeit neu strukturieren wollen – oft mit Vorbildern aus der Wirtschaft. Das mag für manche Bereiche ein geeigneter Ansatz sein, aber tendiert dazu, die Nischen zu eliminieren, in denen langfristig Forschung und Ausbildung stattfindet. Es gibt keine planbare Forschung, da es keine Vorhersehbarkeit von Visionen gibt, aus denen Neuentwicklungen werden können.

Was planbar ist, ist die Ausbildung wissenschaftlichen Nachwuchses. Ausbildung, auf welcher Ebene auch immer, ist untrennbar mit Forschung verknüpft, und je früher ein Interesse an Naturwissenschaften geweckt werden kann, um so eher entsteht eine Gesellschaft, die in Wechselwirkung mit ihren Forschungeinrichtungen sich über mögliche Ziele austauschen kann sowie eine Gesellschaft, die überhaupt erst motivierte und geeignete Forscher hervorbringt. Dabei ist ein Exkurs über den Ursprung von Forschern aus unserer Gesellschaft im Folgenden nötig.
Zunächst sei folgende Arbeitshypothese vorgestellt: Wenn die Forscher aus dem gesamten Spektrum der Gesellschaft stammen, werden sie auch Ziele und Visionen haben können, die dann wiederum den vielen Wünschen und Vorstellungen der Gesellschaft entsprechen. Waren es in der Vergangenheit oft die „reinen“ Disziplinen wie zum Beispiel Medizin, Chemie, Physik, Biologie und Mathematik aus denen die Kernentwicklungen hervorgingen, ist es in der Gegenwart mehr und mehr das fächerübergreifende Forschen, aus dem Fortschritt entsteht. Die Bildung einer Kommission aus verschiedensten Gebieten und Disziplinen, um Bewertungsgrundlagen von menschlicher Stammzellforschung in Deutschland zu beurteilen, ist ein Beispiel dafür, wie wichtig das Ringen um einen gesellschaftlichen Konsens ist, schwierige Forschungsentwicklungen fächerübergreifend und gesellschaftskonform beurteilen zu können – es wird auch in Zukunft die Situation geben, dass Forschungsprojekte schnell und kompetent beurteilt werden müssen, die potenziell gefährlich oder aus moralischen und ethischen Gesichtspunkten untragbar erscheinen – ein wichtiger Punkt in der Diskussion um die synthetische Biologie.

Das ist nicht nur aus Gründen der beiderseitigen Akzeptanz zwischen Forschung und Gesellschaft wichtig. Genauso wie das Sprichwort mit den zwei Seiten einer Medaille, so hat auch die Forschung durchaus bedrohliche Seiten – und sei es auch manchmal nur aus Unkenntnis über die Tatsachen und Hintergründe von Forschungsrichtungen. Wer weiß denn schon in unserer Gesellschaft, was ein Gen eigentlich genau ist, und was die Argumente in der Diskussion um die Gentechnik an Pflanzen so mysteriös werden lässt, dass es offenkundig nur noch „Kontras“ gibt? Es gibt einfach bestimmte Reizworte, die inzwischen von vorne herein negative Reaktionen auslösen, wie zum Beispiel „Genfood“, „Pestizide“, „Tierversuche“. Häufig ist zu diesen Themen eine ausgewogene Diskussion nicht mehr möglich.

An dieser Stelle wäre ein „science communicator“ sinnvoll. Momentan gibt es bereits eine Anleitung, wie diese Kommunikation von den Wissenschaftlern selbst ausgehen könnte und zwar publiziert von der Europäischen Kommission, 2006. Dieses ist zwar schon ein wichtiger Ansatz, wird aber in unseren Augen nur zum Teil den Effekt haben, dass die Wissenschaft den Elfenbeinturm verlässt. Ein Wissenschaftler kann sich aus verschiedenen Gründen nicht neben seiner Forschung um die Außenwirkung seiner Tätigkeit in aller Konsequenz kümmern. Zum einen ist er nicht dafür ausgebildet, zum anderen fehlt es ihm auch schlicht an der Zeit. Unserer Erfahrung nach ist also ein Forscher oft auf geeignete „Übersetzer“ angewiesen. Die Sensibilisierung in Medien, wie Zeitung und Fernsehen für aktuelle Forschungsergebnisse, hat zugenommen, jedoch ist es immer noch eher Zufall, welche Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit mitgeteilt werden. Die Pressestellen der Forschungsinstitute müssen in ihrer Position gestärkt werden, um eine bessere Präsenz und Wirksamkeit zeigen zu können. Die Forscher könnten in diesem Bereich der Wissensverbreitung mehr Bereitschaft zeigen, mit Journalisten zu kommunizieren und könnten dafür durch ein Medientraining vorbereitet werden, denn dadurch fänden beide Seiten zu einer gemeinsamen Sprache. So könnte der Gesellschaft ihr aktueller wissenschaftlicher Kenntnisstand durch die bekannten Medien nahe gebracht werden.

Allerdings muss auch die Gesellschaft, an die die Forschungstätigkeit kommuniziert wird, in der Lage sein, ihr auf Augenhöhe begegnen zu können. Oben genannte, irrationale Reaktionen auf Reizworte entstehen aus Unverständnis und Verunsicherung. An dieser Stelle könnte ein direkter Kontakt zwischen Forschung und Schule eine Perspektive bieten, wie es in jüngster Zeit in Schülerlabors oder auf Wissenschaftsforen geschieht. In diesen Schülerlabors wird Bezug auf aktuelle Forschung genommen und anhand leicht verständlicher Experimente, wie zum Beispiel die Isolation von DNA Molekülen aus Pflanzen, soll das Interesse an Forschung geweckt werden. In Wissenschaftsforen, die in den Zentren verschiedener Städte organisiert werden, wird darüber hinaus ein entscheidendes Grundverständnis vermittelt, das zu einer differenzierten Beurteilung und daraus resultierenden Akzeptanz oder Ablehnung von technologischen Entwicklungen im Alltag führen kann.

Eine Stärkung der Kommunikation zwischen Gesellschaft und Forschern würde auch ein wenig zur Entkopplung wissenschaftlicher Entwicklungen von rein wirtschaftlichen Interessen beitragen. So soll eben nicht nur die Wirtschaft ihre Bedürfnisse an die Forschung formulieren; es wäre schön, wenn dieses auch die Gesellschaft täte. Wir sollten es eben nicht einfach der Wirtschaft überlassen, konkrete Ziele und Bedürfnisse an die Forschung zu formulieren. Damit wäre sichergestellt, dass Innovationsinitiativen, wie die der Bionanotechnologie, als Ergebnis von Forschungsaktivitäten im Interesse der Gesellschaft in ihrer Mitte einen Platz hat und haben wird. Mit dem Szenario von schon oft propagierten „Hybrid-Androiden“, als Ergebnis der Nanobiotechnologie, lassen wir uns noch ein wenig Zeit auf beiden Seiten: der Forschung, die davon noch weit entfernt ist und der Gesellschaft, die das Bedürfnis noch nicht geäußert hat.

 

Über die Autoren:

o.Prof. Dr. Eva-Kathrin Sinner hat an der Universität Hannover Biologie studiert. Nach Postdoktoraten am RIKEN (Japan) und am Max-Planck Institut für Biochemie in Martinsried (München) und der Habilitation an diesem Institut wurde sie auf den Lehrstuhl für Biophysik der Universität Mainz berufen. Seit 2010 ist sie o.Prof für Nanobiotechnologie an der Universität für Bodenkultur in Wien und leitet das gleichnamige Department.

 

Dr. Karin Saage ist die Schwester von Eva Sinner und Altphilologin.

Leser-Kommentare
dsfsdf | 23. Januar 2015 20:34
Here at Toronto Secure Locks we offer an unbeatable fast Professional
Locksmith service, so if you’re locked out, need your locks changing
or replacing or even need a safe opening we can help any time of day,
we also provide an Access control, CCTV

http://localcalgarylocksmith.com/
http://0544342878.com
http://mysaite.ru
Jual Baju Muslim | 11. Oktober 2014 17:51
noticeably as good as your website nonetheless you have to get a look subsequently to the spelling by moderately a few of your posts. A number of of them are prevalent with spelling issues and I attain it similar nerve-racking to perceive the truth except I will of course illustrate your face reverse after extra.
cmd368 | 11. Oktober 2014 17:50
Credit instead of the discrete tips discussed by this situate. I have noticed that countless word firms suggest buyers generous extraordinary discounts if they select to underwrite a few cars with them. A weighty class of households possess a number of cars these days, in obtain those with elderly teenage clean fret stock-still residing by national, additional to the savings by policies might presently activate. Because a result it is cloudless to look instead of a cloudless promise.
Zynga Poker | 11. Oktober 2014 17:49
Utter appreciation you a lot instead of providing individuals with remarkably super possiblity to rehearse crypt reviews from this blog. It's perpetually as a result superb and jam-packed with a cloudless time representing me and my office colleagues to visit your website markedly three time all week to discern the unspoiled clothes you will have. Added to to finish, I'm directly of course fascinated with the spectacular in rank served by you. Affirmative 3 genuineness in this posting are markedly the similar utmost we have all one had.
ViennaCodePoet | 16. Dezember 2011 22:35
@die das Bedürfnis noch nicht geäußert hat.
Entschuldigung - wollen sie die Blog-Leser verarschen oder in welcher Welt lebt man in der Boku? Anpassung an den Backstein-Bau?

Transhumanismus:http://wiki.piratenpartei.de/AG_Transhumanismus
FutureMed2020: http://singularityu.org/
phaidros | 18. Dezember 2011 17:10
Zur Technologischen Singularität ein Buchtipp. Nicht mehr ganz neu, und dadurch auf eine Weise etwas angestaubt, aber auf andere umso visionärer: James P. Hogan, »The Two Faces of Tomorrow«
durga | 18. Dezember 2011 17:49
Sehr geehrter VCP,

Pessimismus in allen Ehren – aber schießen Sie nicht zu weit über’s Ziel hinaus?

Vorweg: Sie predigen Selbstbeschränkung als „fulminanteste Kulturleistung zu der der Mensch fähig ist“, lassen diese Kulturleistung aber bei Ihren Äußerungen vermissen. Wie kann es sonst zu derartigen Untergriffen auf die Boku als Ganzes und die Autorin des Beitrags im Besonderen kommen? (Zu Ihrer Information, die Nanobiotechnologie ist nicht im Backsteinbau untergebracht.)

Nun aber zum eigentlichen Kern der Sache. Wenn Sie das Gespenst einer massenhaften Freisetzung von de novo Nanopartikel an die Wand malen, dann sollten Sie doch eigentlich auch erwähnen, daß alle Lebewesen und auch unsere Spezies von Anfang einer ungeheuren Vielfalt und Vielzahl an natürlich entstandenen Nanopartikeln ausgesetzt waren und noch sind. Diese finden sich in Form organischer und anorganischer Partikel u.a. im Boden, in Sedimenten, im Staub der Luft, in Aerosolen (z.B. Meerwasser). Sie entstehen nach wie vor bei durch uns wenig beeinflußbaren Vorgängen wie Vulkanausbrüchen, Sandstürmen, Waldbränden, etc. Der positiven Wirkung auf uns, die beispielsweise von Meerwasser-Aerosolen ausgeht, stehen Risiken anderer Nanopartikel gegenüber – z.B. die Silikose der Lunge ausgelöst durch (Wüsten)sand, die man bereits bei ägyptischen Mumien vorfindet.

Das Spektrum an natürlichen Nanopartikeln wird noch wesentlich größer, wenn man -der Definition kleiner als 100 nm folgend - auch Viren (z.B. Picorna-, Reo-, Rhabdoviren) und Proteine dazuzählt.

Nanopartikel entstehen auch ohne Nanobiotechnologie durch viele unserer Aktivitäten, beim Verbrennen von Holz, Treibstoffen, Abfall, im Bergbau, beim Abbruch von Objekten, u.v.a.m.

Die Nanobiotechnologie ist eine noch sehr junge Wissenschaft und zum Großteil Grundlagenforschung, d.h. sie versucht vorerst zu verstehen, wie diese kleinen Partikel funktionieren. Zur Technologie wird sie, wenn nach dem Vorbild der Natur Eigenschaften und Prozesse nachgeahmt werden (Biomimetik). Wie bei jeder anderen Technologie ist auch hier die Frage nach mögliche Risiken eine zentrale.
ViennaCodePoet | 18. Dezember 2011 18:52
Die Piraten hatten in Berlin 8,9%.

Die haben allein über ihre Zugriffsrechte erheblich mehr Einfluss als es die 8,9% vermuten lassen. Die Piraten und ihre Sympathisanten sehen in Berlin also mehr oder weniger alle Daten.

So wie ich unser BZFPÖVSPGrün einschätze haben die das noch nicht annähernd behirnt: http://piratenpartei-wien.at/kodex.htm

Das wird im Machtgefüge und am Feld der politischen Strategie noch sehr interessant werden. Ob und wie sie ihre "Zugangsmacht" nutzen bleibt abzuwarten, mir fällt kein anderes Wort für diese Art von Macht ein.

@Singularity
it eludes me... mir ist es nicht gelungen den noch immer vermuteten Denkfehler stringent darzustellen...

Fakt ist... in den Life-Sciences gibt es das Äquivalent zum Moore's law,

Fakt ist, dass sich das VC in den Life-Sciences auf Erfahrungen aus der Elektronik Industrie stützt. Vermutlich gibt es (bereits) ein Äquivalent zu: http://www.itrs.net/sponsors.html . Der Link vermittelt auch eine Ahnung was netzgestützte Globalisierung wirklich bedeutet.

Fakt ist, dass die Gamer dieser Welt plötzlich auf die Bio-Wissenschaften abfahren... Das halte ich übrigens für einen Weg in den Transhumanismus... den Homo Ludens als unerhörten Hebel einsetzen...

Fakt ist, dass sowohl die molekularbiologische als auch die neurobiologische DSL fehlen - es liegt auf der Hand sie zu entwerfen, falls sie sich entwerfen lassen... falls es die DSLs dann gibt, so rudimentär sie zunächst auch sein mögen... traue ich mir kein Urteil mehr zu...

Da kommt jetzt übrigens das wirklich dicke Geld in Spiel... so eine DSL ist wertvoll... siehe dazu z.B. Eugene – A Domain Specific Language for Specifying and Constraining Synthetic Biological Parts, Devices, and Systems

Es ist möglicherweise wirklich nur meine eine Frage der geeigneten Notation, als historische Analogie fallen mir - auch nicht rasend originell - Feynman Diagramme ein.
inge schuster | 18. Dezember 2011 19:10
@ViennaCodePoet

Zum link der singularityu.org habe ich etwas nachgestöbert und bin auf ein Interview mit Ray Kurzweil - einem der Gründer der singularity university - gestoßen (http://www.wie.org/de/j18/kurzweil.asp?page=2 ). Dieser hat bahnbrechende Leistungen u.a. zur optischen/sprachlichen Texterkennung erbracht.

Das, was Kurzweil allerdings in diesem Interview an biologischen/ technologischen Ansichten verzapft, von denen er meint, daß sie Menschen zu einem ewigem Leben verhelfen werden, ist - positiv ausgedrückt - äußerst dürftig. Wenn ein derartiges Dilettieren ein Beispiel dafür darstellt, wie Zukunfts-Visionen auf der singularity university entstehen, dann braucht man diese Visionen wohl nicht sehr ernst nehmen.
ViennaCodePoet | 23. Dezember 2011 11:22
@Schuster

Überzogenes Eigenmarketing erkenne ich schon als solches... nur... von dem Kerl gibt's erheblich besseres...

Der skeptische Ansatz hat natürlich auch seine Berechtigung - "Die spannenden Fragen der Biologie sind nicht computational, dieser Weg führt in die Irre"
inge schuster | 23. Dezember 2011 13:09
@ VCP 23.12.11:22

Lieber VCP,

wenn Sie derjenige sind, für den ich Sie halte (also eher die Abkürzung VKB zutreffend?), so wünsche ich Ihnen ein besonders flauschiges, vergnügliches und intellektuell anspechendes Weihnachten!

Ihre Kommentare - manchmal vielleicht etwas schwer verständlich - sind das Salz in einem naturwissenschaftlichen Blog und ich freue mich schon Ihre nächsten Attacken!!!!!!!
ViennaCodePoet | 16. Dezember 2011 22:25
Was ist und was bedeutet für uns die Nano-Biotechnologie?

Simpel - im Rahmen unserer Wirtschaftsordnung die massenhafte, forcierte Freisetzung von de-novo Substanzen.

Welche schlecht verstandene Substanz, wann, aus welchen Gründen und Mengen wie freigesetzt wird - ist ein unwesentliches Detail. Für mich ist evident, dass dies im Rahmen unserer Wirtschaftsordnung passieren wird.

Unsere Rechtsordnung kennt einen uralten Begriff: Brunnenvergiftung.
Diese wird auch ein „science communicator“ nicht verschleiern können.

@Wer weiß denn schon in unserer Gesellschaft, was ein Gen eigentlich genau ist.
Außerdem würde ich gerne die Kontobewegungen von Frau Sinner sehen. Meine Fehlerrate bei solchen Einschätzungen ist mittlerweile sehr gering.

best guess - der massive Einsatz von synthetischer Biologie ist gegessen und paktiert und wird von den diversen Behörden und der "Rechtspflege" durchgewunken werden.

Die Life-Science Branche in toto wird auch nicht den gleichen Fehler wie die Kernenergie-Branche machen, und rechtzeitig die Diskreditierung, im Notfall die Tötung ihrer schärfsten Kritiker betreiben.

Im DDR-Jargon nannte sich das "Zersetzung", war extrem effektiv und wird von Skeptikern aus guten Gründen zu recht gefürchtet, zumal es nahezu unmöglich ist vermutet "Zersetzung" zu beweisen.

It's a damned dirty game - wird der „science communicator“ so nicht kommunizieren, bei der Personalauswahl wird man äußerste Sorgfalt walten lassen.

Oh, nein - ich habe heute keine getrockneten Pilze gegessen oder geraucht... die Zersetzung hat man übrigens auch bei Rachel Carson versucht.

Ich verfehle nicht, dass es an sich interessant ist zu verstehen wie eine Zelle "funkt".
Zraxl | 17. Dezember 2011 18:27
Ihr Einwand gegen die Nano-Biotechnologie ist in gleichem Maß berechtigt, wie jede Wissenschafts- oder Technikfeindlichkeit berechtigt ist. Insofern ist die Nano-Biotechnologie also nichts neues.

Begonnen hat das Drama ja bereits mit der Erfindung von Pfeil und Bogen. Dieses bösartige Mordinstrument hat man nur dafür erfunden, um sich gegenseitig besser und noch hinterlistiger umbringen zu können. Dann hat die chemische Forschung entdeckt, dass man den Teint schöner Frauen mit einer Bismutpaste noch zarter machen kann. Resultat: Die Frauen haben sich schwere Vergiftungen zugezogen. Dann hat die medizinische Wissenschaft herausgefunden, dass man die Symptome von Syphillis mit Quecksilber mildern kann. Die Patienten sind dann immerhin nicht mehr wegen der Syphillis gestorben. Die Geschichte ist voll mit solchen Geschichten.

Was soll man tun?
ViennaCodePoet | 17. Dezember 2011 21:53
Die fulminanteste Kulturleistung zu der der Mensch fähig ist, ist die Einsicht in die Notwendigkeit der Selbstbeschränkung.

@Insofern ist die Nano-Biotechnologie also nichts neues.
dann haben sie nicht lange und tief genug darüber nachgedacht... ein unverantwortlicher Anschlag auf die Biosphäre in ihrer Gesamtheit.

Was circa passieren wird... man wird mit aktiven Vektoren tricksen, und sich Veitstanz-artig begeilen "was alles geht"... und es wird "viel gehen"... und dann kommt der Punkt wo viele in Fassungslosigkeit erstarren werden...

In der Regel realisieren sich techn. Worst Case Szenarien als Funktion der Zeit. Ein aktiver Vektor der "gut genug" ist hat einen globalen Impact, wie sollte das auch zu verhindern sein wenn er "gut genug" ist?
Ein feiner Unterschied zu einer out-of-control Nuklearwaffe oder dem nächsten KKW das buuumst....

Die Life-Science Branche wird mit äußersten Vehemenz bestreiten, dass es den Vektor der "gut genug" ist nicht geben kann. Für mich ist sonnenklar, dass sich das realisiert ohne jetzt den konkreten Weg aufzeigen zu können wie es sich realisieren wird.

Die These, dass ein getrickster Vektor in-vivo chancenlos ist, ist nicht kühn... sie ist sündhaft... (und dieses Wort von einem Areligiösen wie mir, es gibt keine besseres Wort) ... und -in der Sache selbst unnotwendig- dem Mammon geschuldet...

Und die Zauberlehrlinge (und es werden zig-tausende sein) werden natürlich mit den alten, essentiellen Vektoren tricksen... die Science Fiction dazu ist übrigens bereits geschrieben, nicht einmal besonders originell- Grey Goo liegt irgendwie auf der Hand...

Womit ich wieder bei der Einsicht in die Notwendigkeit der Selbstbescheidung bin.
Ins Bild passt, dass der Artikel von der Really Big Agro Business Uni kommt.
Zraxl | 18. Dezember 2011 11:27
Ich will die Gefahren, die von der Nano-Biotechnologie ausgehen, keineswegs kleinreden. Doch hat es in der Menschheitsgeschichte immer wieder kleinere Katastrophen mit lokal begrenzter Wirkung (z.B. Bophal, Tschernobyl, etc.), größere Katastrophen mit überregionaler Wirkung (z.B. Abtreibung, promiskuitives Sexualverhalten) und Bedrohungen einer gesamten Auslöschung der Menschheit (z.B. nuklearer Winter, Klimaerwärmung) gegeben.

Ihrem Aufruf zur Selbstbeschränkung schließe ich mich absolut an. Allerdings glaube ich, dass es nicht sinnvoll ist, die Nano-Biotechnologie in ihrer Gesamtheit zu verteufeln, denn das Potential, das sich hier versteckt scheint mir ungeheuer bedeutend. Maschinenstürmerei bringt m.M. gar nichts. Man hat bisher den Weg gewählt, dass Bioethikkommissionen über notwendige Beschränkungen diskutieren und solche festlegen. Das scheint mir vom Ansatz her durchaus brauchbar. Ob diese Ethikkommissionen dann immer mit den geeigneten Personen besetzt werden, und wieweit der Einfluss von Mammon in diese Kommissionen reicht, ist natürlich diskutierbar.

Faktisch sehe ich hier eine Entwicklung stattfinden, die auch mit tausend Kommissionen niemand aufhalten kann (auch wenn das noch so sehr gewünscht ist). Wenn sich die Möglichkeit zu einem spektakulären aber gefährlichen Experiment ergibt, dann wird dieses auch ausgeführt. Irgend ein Professor, Assistent, Doktorand oder Freischärler probiert das sicher aus. Beispiele für wissenschaftliche Husarenstücke gibt es zu Hauf.
anubis | 16. Dezember 2011 14:14
"Geduld ist etwas, das die Gesellschaft momentan nicht mit der Wissenschaft zu haben scheint. Es werden Programme aufgesetzt und Ziele gesteckt, die gewachsene Ausbildungsstrukturen sowohl an Schulen als auch an Universitäten in kurzer Zeit neu strukturieren wollen – oft mit Vorbildern aus der Wirtschaft. Das mag für manche Bereiche ein geeigneter Ansatz sein, aber tendiert dazu, die Nischen zu eliminieren, in denen langfristig Forschung und Ausbildung stattfindet. Es gibt keine planbare Forschung, da es keine Vorhersehbarkeit von Visionen gibt, aus denen Neuentwicklungen werden können."

Diese Sätze sollte man rot-umrandet in unseren mit Bildung und Forschung befaßten Ministerien aufhängen!