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Die Herumstoßer und die Herumgestoßenen

Die Herumstoßer und die Herumgestoßenen

Viele Jahrhunderte lang hat Europa die Welt kontrolliert, herumgestoßen und zum Teil direkt regiert. Dieser Zustand ging vor 110 Jahren teilweise und vor 60 ganz zu Ende. Heute zählen Europas Nationen eindeutig selbst zu den Herumgestoßenen und trtagen immer mehr blaue Flecken davon. Und daran wird einer mit Sicherheit nichts ändern: der sogenannte "Friedensrat" des Donald Trump. An dem nehmen von Russland bis zu den Arabern ja vorerst vor allem jene teil, die hauptschuld sind, dass die Vereinten Nationen so schlecht fuknktioniert haben, die durch dieses Jux-Gremium angeblich ersetzt werden sollen. Die Europäer sollten sich daher auf anderes konzentrieren. Das ist insbesondere die Tatsache, dass die aktiven Teilnehmer der Weltpolitik, also, wenn man so will, die Herumstoßer, heute nur noch auf anderen Kontinenten daheim sind (zumindest wenn man – geographisch unsauber – Russland nicht zu Europa zählt). Die Herumstoßer heißen heute China, Russland, USA.

Alle drei sind entschlossener, rücksichtsloser, mächtiger, egoistischer und entscheidungsstärker als Europa. Einziger Unterschied: Die USA sind zum Unterschied von den beiden totalitären Diktaturen in Peking und Moskau intern noch immer eine Demokratie mit großer Freiheit für alle Bürger und ein noch immer weitgehend funktionierender Rechtsstaat (das ist zwar bedauerlicherweise weniger als ein kompletter Rechtsstaat, aber auch Österreichs Strafjustiz ist das seit einigen Jahren nicht mehr).

Russlands und Chinas Verhalten war über Jahrhunderte ähnlich dem der europäischen Kolonialmächte. Einziger Unterschied: Sie haben ihre Kolonien nicht in Übersee erobert, sondern in den angrenzenden Regionen – ähnlich wie Österreich-Ungarn, Preußen und die Türkei. Die Imperien dieser drei gingen aber im ersten Weltkrieg zu Ende.  

Russlands imperiale Eroberungen Richtung Osten, Süden und Westen haben damals hingegen nur Richtung Westen eine teilweise Reduktion erfahren. Diese Verluste haben sich die Russen aber im und nach dem zweiten Krieg sogar noch dramatisch vermehrt zurückgeholt. Dadurch sind Finnland, die baltischen Länder und Polen sogar zweimal ganz oder teilweise zu Opfern russischer Aggressionen geworden. Diese sind immer unter dem grotesken Vorwand gelaufen, Russland brauche – trotz seiner gewaltigen Größe – zu seiner eigenen Sicherheit immer noch weitere Territorien jenseits seiner bisherigen Grenzen.

Durch diese Erfahrungen geprägt beobachtet man gerade in diesen einst russisch beherrschten Gebieten heute besonders genau und besonders kritisch das Wiedererwachen eines russischen Eroberungs-Imperialismus (während anderswo im Gegensatz dazu intelligenzreduzierte Menschen meinen, dieser Imperialismus sei keine Gefahr, wenn man nur laut genug sage, dass man neutral sei – ein naiver Fehlschluss, der andere sich für neutral erklärende Länder wie Belgien gleich zweimal zu den ersten Opfern einer Aggressionsmacht gemacht hat).

Die Kolonialreiche der westeuropäischen Nationen sind längst zu Ende gegangen: Als erstes fand das spanische in Lateinamerika schon im 19. Jahrhundert ein Ende, Als letztes ging das portugiesische Kolonialimperium (vor allem) in Afrika zu Ende, das übrigens auch eines der frühesten gewesen ist.

Extrem schmerzhaft fand die französische Herrschaft über Algerien in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts ihr Ende; dem ging erst ein langjähriger und opferreicher Krieg voraus. Seither halten westeuropäische Nationen kein Gebiet in anderen Kontinenten mehr gegen den Willen der Einwohner dieses Gebiets besetzt. Das bezieht sich allerdings nur auf Übersee. Südtiroler, Basken und Katalanen hingegen müssen noch immer bei einem Staat sein, bei dem sie in ihrer Mehrheit nicht sein wollen. Sie nehmen das derzeit zum Glück für den Weltfrieden – auch, weil sie derzeit chancenlos sind und weil die Fremdherrschaft nicht wirklich drückend ist – meist recht ruhig hin.

Ganz anders Russland und China: Beide erobern und unterdrücken mit oder nach blutigen Kriegen, mit ungeheuerlichen Menschenrechtsverletzungen fremde Völker, Gebiete und Nationen, die nicht zu ihnen gehören wollen: Tibetaner, Ukrainer, Uiguren, Tschetschenen oder die Einwohner von Hongkong, die durch die lange britische Periode trotz der formalen Kolonialsituation den gewaltigen Wert von Freiheit und Rechtsstaat gelernt haben, die daher trotz der gleichen Sprache(n) keinesfalls mehr zu China gehören wollen (gar nicht unähnlich zu den Österreichern oder Deutschschweizern, die auch keinesfalls zu Deutschland gehören wollen, obwohl sie die gleiche Sprache sprechen und eine sehr ähnliche Kultur haben, speziell zu den deutschen Bundesländern Bayern beziehungsweise Baden-Württemberg).

Und nun haben auch die USA die gleiche imperiale Attitüde entwickelt. Gewiss, vorerst fast (mit Ausnahme Venezuelas) nur verbal. Gewiss, vorerst nur als irrwitziger Alleingang des jetzigen US-Präsidenten. Aber es ist keineswegs sicher, dass das unter den nächsten Präsidenten anders sein wird.

Denn die US-Demokraten sind ein zutiefst gespaltener Haufen. Da stehen auf der einen Seite die gemäßigten Demokraten. Auf der anderen aber ein immer radikaler gewordener Linksaußenflügel mit sehr abstoßenden Positionen:

  • für die Dominanz woker Radikalismen von der schwulen über die feministische bis zur Trans- und Abtreibungs-Ideologie,
  • für antiweißen Rassismus,
  • für Enteignungen (siehe den New Yorker Bürgermeister),
  • für Antisemitismus,
  • für Intoleranz (siehe die Cancel Culture linker Studenten).

So positiv ein Nachfolger zu Trump auf der Linie Obama, Clinton oder Kennedy auch wäre, so übel wäre ein demokratischer Präsident, der von den Exponenten dieser Ideologien zumindest abhängig ist, und so sehr würde er von der Mehrheit der Amerikaner wohl auch abgelehnt.

Natürlich besteht auch unter den Republikanern Hoffnung, dass sich da ein vernünftiger Präsidentschaftskandidat durchsetzt, etwa auf der Linie der Bushs oder gar des Ronald Reagan, des besten US-Präsidenten seit Generationen.

Aber realistisch müssen wir Europäer es zumindest für leicht möglich halten, dass der Trump-Nachfolger dessen Linie fortsetzt, ob er nun Vance oder Rubio heißt, wenn auch mit weniger Chaotik und primitiver Eitelkeit als Trump (siehe etwa dessen peinlichen Brief an den norwegischen Regierungschef, in dem er wie ein kleines Kind voller Trotz jammert, weil er den Friedensnobelpreis nicht bekommen hat, sodass er sich deswegen(!!) nicht mehr für den Frieden einsetzen werde; das ist eine Reaktion gewesen, mit der er sich in Wahrheit für jeden Preis disqualifiziert hat).

Daher sollten sich die Europäer eigentlich jetzt schon auf solche Präsidenten einstellen. Das kann aber kein Land Europas auch nur annähernd alleine schaffen, auch die großen nicht. Daher wird es nun ganz darauf ankommen, dass sie sich zum ersten Mal in ihrer Geschichte wirklich effektiv zusammenschließen und einander beizustehen garantieren.

Das haben sie in Sachen Wirtschaft unter der Führung einst rein bürgerlicher Regierungen auch brillant geschafft. In anderen wichtigen Politikfeldern aber haben sie sich unter dem Druck der roten und grünen Parteien beziehungsweise einer machtgierigen Richterklasse ganz auf schwer selbstbeschädigende Nebengeleise abdrängen lassen. Das ist insbesondere die Europa fast bankrott machende Klimapolitik, die Millionen Moslems hereinholende und damit den inneren gesellschaftlichen Zusammenhalt vergiftende Migrationspolitik, eine potentiell ebenso verheerende Woke-Politik und eine zentralistische Attitüde, die einzelne Mitgliedsländer gefährlich demütigt und sich bei diesen überflüssiger Weise in nationale Bereiche von den Hochschulen bis zur Justiz einmischt.

Als Folge dieser Fehlentwicklungen ist bedauerlicherweise die Zustimmung der Europäer zu einem weiteren Zusammenwachsen dort, wo es wirklich wichtig und vor allem seit der Radikalisierung in Moskau, Peking, wie Washington auch dringend nötig wäre, geschwunden. Nicht einmal mehr das so wichtige Handelsabkommen Mercosur mit Südamerika kam zustande, weil sich Linksradikale erfolgreich mit Rechtsradikalen verbündet haben.

Es wäre auch extrem gefährlich, wenn Europa auf die nächste Erpressung der Zuckerbrot-und-Peitsche-Politik des Donald Trump hineinfallen würde. Die schaut so aus: Wenn er einvernehmlich Grönland bekäme, dann gäbe es weiter den Nato-Schutz der USA für Europa. Erstens ist eindeutig klar: Wer sich einmal erpressen lässt, wird sich immer wieder erpressen lassen. Und zweitens können unverlässlich gewordene Amerikaner auch nach Erhalt von Grönland mit der gleichen Leichtigkeit wie jetzt die Nato-Beistandsverpflichtungen unter irgendeinem Vorwand für irrelevant erklären.

Europa hat nur dann eine Überlebenschance, wenn es auch eine schlagkräftige und voll entwickelte militärische Dimension bekäme, mit der es auf gleicher Augenhöhe den anderen drei Großen entgegentreten könnte. Eine solche Dimension gibt es aber nach wie vor nur embryonal.

Die kann es wohl nur dann wirklich geben, wenn auch die Führungsfrage klar entschieden ist. Ohne klare Führung droht EU-Europa so zu scheitern wie vor 220 Jahren des Heilige Römische Reich Deutscher Nation gescheitert ist, das von einer jahrhundertelang eindrucksvollen Rolle zu einer von niemandem mehr ernst genommenen Formalhülle degeneriert ist. Zugleich sind aber eben auch die in Europa relativ Großen im Weltmaßstab nur Zwerge. Ernst zu nehmen wäre nur ein geschlossenes Europa, das in Hinblick auf Wirtschaftskraft, Einwohnerzahl und zivilisatorische Stärke all seinen Mitgliedern und jenen europäischen Staaten, die dazugehören wollen – wie etwa die Ukraine oder Kanada – auch politischen und militärischen Schutz geben könnte.

Die Europäer schaffen das aber offensichtlich nicht,

  • weil sie keine brauchbaren und demokratisch legitimierten Führungsstrukturen haben;
  • weil sich Franzosen und Deutsche über die Vormachtrolle streiten;
  • weil Neutrale an eine privilegierte Extrawurst glauben, wo sie nur von den anderen profitieren, wo sie Sicherheit konsumieren, aber nichts zu ihr beitragen wollen;
  • weil die einen um die Wichtigkeit von atomarer Abschreckung wissen, die anderen jedoch an eine Welt glauben, wo man ohne Besitz von solcher Abschreckung eine Atommacht stoppen kann;
  • weil manche sich dem Wunschglauben an die Wirksamkeit eines Völkerrechts ohne einen Weltpolizisten hingeben;
  • weil manche an ein Völkerrecht ohne die wichtigste ethische und rechtliche Basis des Zusammenlebens von Völkern und Regionen glauben, also an das Selbstbestimmungsrecht;
  • weil andere glauben, dass man am Ende selbst von einem Aggressor verschont bleiben würde, weshalb einem der Rest Europas wurscht sein könnte;
  • weil die Supermächte mit Erfolg in Europa ein "Divide et impera" betrieben haben, also eine Politik nach dem Motto: Teile deine Gegner, indem du den einen schön tust, um die anderen zu isolieren;
  • weil sich andere längst schon mit einem der Aggressoren privat auf Kosten der anderen verständigt haben;
  • weil andere ihrer vom Sozialstaat verwöhnten Bevölkerung nicht die Notwendigkeit von kollektiver Verteidigung vermitteln können;
  • weil in vielen noch das Gift der einstigen "Friedensbewegung" und ihres "Lieber rot als tot" Wirkung zeigt;
  • weil andere noch immer glauben, der amerikanische Beistand wäre im Grund eh noch vorhanden oder bald wiederherstellbar;
  • weil viele sich dem Irrglauben hingeben: "Dann lernen wir halt Russisch und es wird sich sonst eh nicht viel verändern" und nicht begreifen, dass sie dann zwangsläufig auf den Freiheits- und Lebensstandard der Russen zurücksinken werden – wenn nicht gar als abhängig und damit zweitrangig darunter;
  • und weil wieder andere meinen, das Recht des Stärkeren wäre ein ohnedies unabänderlicher Naturzustand.

Daher werden die einst herumstoßenden Europäer weiterhin zum herumgestoßenen Teil der Erde gehören; und dieser Zustand wird sich wohl immer weiter verschlechtern. Daher müssen sie auch jetzt schon das vielleicht Schlimmste und in Europa noch kaum Beachtete von Trumps Irrsinns-Aktionen hinnehmen, das katastrophale Folgen haben wird: Das ist das Fallenlassen der bisher von den USA unterstützten Kurden, die vom neuen islamistischen Regime in Syrien (das von dem eng mit Trump befreundeten Muslimbrüder-Staat Türkei unterstützt wird!) besiegt worden sind und die damit verbundene Freilassung Tausender Mörder des "Islamischen Staates", von denen sich jetzt wohl viele mit dem Gruß voneinander verabschiedet haben: "Auf Wiedersehen bei den nächsten großen Anschlägen in Europa, Allah Akbar.