Grönland, das große Versäumnis
Keine Frage, das Vorgehen Donald Trumps gegen Grönland ist durch nichts gerechtfertigt, außer seinem Wunsch, dass er die riesige Insel und ihren Rohstoffreichtum einfach haben will. Der Grund, den er vorschützt, überzeugt nicht: Die Insel würde sonst in den Einflussbereich Russlands und China geraten.
Damit gewinnt Grönland auch militärisch an Bedeutung. Jedoch sind Inselbewohner wie Eigentümer Dänemark bereit, der Nato und den USA weitere Stützpunkte einzuräumen – nur haben die USA in den letzten 20 Jahren nie danach verlangt.
Nein, es geht Trump – abgesehen von der Eitelkeit, als jener Präsident in die Geschichte einzugehen, der das US-Territorium um ein Riesenstück erweitert hat, – eindeutig um die dortigen Rohstoffe, vor allem um die seltenen Metallerden. Und die sind für die wirtschaftliche Zukunft entscheidend, für Rüstung wie auch Alternativenergie-Produkte. Sie stehen im Zentrum aller ökonomischen Überlegungen, seit China seinen teilweise sogar exklusiven Zugriff auf diese Metalle zur brutalen Erpressung all jener nützt, die sie brauchen.
Da müssen sich freilich auch die Europäer fragen: Warum sind sie nicht selber längst auf die Idee gekommen, die seltenen Metallerden Grönlands abzubauen, um sich unabhängiger von China zu machen? Sie würden das sicher auch viel umweltfreundlicher und sozialer tun als China. Dieses nimmt ja nirgendwo, und schon gar nicht in den afrikanischen Ländern, wo es sich um ein Butterbrot exklusive Schürfrechte erworben hatte, Rücksicht auf die Natur oder die lokalen Arbeitskräfte.
Die Befassung Europas mit Grönland hatte bis jetzt nur eineinhalb Themen: Zum einen war das die Frage, wie schnell die dortigen Gletscher abschmelzen und den Meeresspiegel erhöhen – diesbezügliche Prognosen aus den 90er Jahren sind freilich nicht einmal annähernd eingetreten. Zum zweiten und nur ganz selten ging es auch um romantische Berichte über ein paar zehntausend Ureinwohner. Da diese aber fast alle im Süden leben, hätte sich an deren Leben gewiss nichts durch ein paar Abbaugebiete weiter nördlich geändert.
Nein, das war es nicht. Die Schuld liegt darin, dass es halt lange einfach war, die Erdmetalle in China zu kaufen. Und so hat man sich selbstverschuldet in die Abhängigkeit eines Erpressers begeben.
Ich schreibe in jeder Nummer von Österreichs einziger Finanz- und Wirtschafts-Wochenzeitung "Börsen-Kurier" die Kolumne "Unterbergers Wochenschau".
