Der „unsägliche Papst“
Eigentlich würde man harte Attacken auf den Papst von Medien der Kategorie "Falter" & Co erwarten und folglich als irrelevant abhaken. Doch die Zeiten haben sich geändert. Heute kommen solche Attacken offenbar mit Vorliebe aus vermeintlich kirchennahen Ecken. Solche Attacken rufen das tragische Schicksal eines der großen österreichischen Zeitungsverlage in Erinnerung, der einst der Kirche gehört hatte, der dann aber von dieser an trickreiche Manager übereignet worden ist – für ein Butterbrot oder ein Linsengericht, um es biblisch zu formulieren.
Das überrascht nun einigermaßen. Hat sich doch nicht einmal der linksliberale Medien-Mainstream über den Papst erregt. Ist doch bisher die geschlossene Ablehnung der Tötung ungeborener Kinder einer der wenigen Punkte, wo sich der linke und der konservative Flügel der Kirche noch einig sind.
Das "Verbrechen" des Papstes: Er hat unter Verwendung eines Wortes von Mutter Teresa Abtreibungen – die in der "Kleinen Zeitung" ganz in kampffeministischer Manier gerne verharmlosend als "Schwangerschaftsabbrüche", also so wie Abbruch eines Fußballspiels bezeichnet werden – als Krieg bezeichnet, den die Menschheit gegen sich selber führe. Was angesichts von Millionen getöteter ungeborener Kinder gar nicht so weit hergeholt ist.
Für den Kärntner Chefredakteur der "Kleinen Zeitung" ist das jedoch empörend. Er stänkert daher im Stil des einstigen linken Kulturkampfes gegen "die mächtigen Männer im Vatikan" – worin auch immer im 21. Jahrhundert deren Macht besteht –, sieht die Tötung eines Kindes als vom "Selbstbestimmungsrecht" der Frauen erfasst und meint, dass der Einsatz des Papstes für den umfassenden Schutz ungeborenen Lebens "der katholischen Lehre folgend" sein "mag" – so als ob nur die katholische Kirche sich für diesen Schutz aussprechen würde, so als ob das, was der Styria-Journalist verächtlich als "katholische Lehre" bezeichnet, auch zu anderen Haltungen kommen "mag".
Das bringt den Eigentümer jener Zeitung in Erinnerung, den steirischen Styria-Verlag, der fast zur Gänze einer sich selbst – also de facto den Managern – gehörenden Stiftung gehört. Diese ist ohne nennenswerte Gegenleistung in den Besitz der einst auflagenstarken und lange in den beiden südlichen Bundesländern dominierenden Zeitung gekommen, die früher einem Katholischen Pressverein gehört hatte. Der sehr fromme, aber etwas naive und wirtschaftlich ahnungslose steirische Bischof Weber hatte sich einst überreden lassen, die Zeitung an die Stiftung zu übertragen – offensichtlich ohne zu begreifen, dass die Diözese damit de facto das Eigentum aufgibt oder gar im Glauben, dass eine "Stiftung" etwas ebenso Frommes wäre wie ein "Stift".
Die Nähe zur Kirche besteht heute praktisch nur noch darin, dass die "Kleine Zeitung vom Konkurrenzblatt "Kronenzeitung" gerne verächtlich als Kirchenzeitung bezeichnet wird, und dass die eventuellen Erträge der Stiftung am Ende den Armen der Diözese zugutekommen. Die Styria als Tochter der Stiftung selbst sieht sich aber ausdrücklich und offensichtlich stolz als unabhängig von der Kirche.
Neben der "Kleinen Zeitung" und vielen kleinen Medien besitzt sie auch die "Presse" und hat deren in mehreren Etappen erfolgten Linksruck zu verantworten. Diese erstaunliche ideologische Entwicklung hat viele liberalkonservative Leser zum Abschied von der einst bürgerlichen Zeitung veranlasst, die nicht zuletzt deshalb zum Jahreswechsel 19 Mitarbeiter abbauen hat müssen (was auch mich nach 31-jähriger persönlicher Zugehörigkeit zu dieser Zeitung sehr schmerzt – vor allem auch, da sich die "Presse" nach langen Krisenjahren rund um die Jahrtausendwende sowohl wirtschaftlich wie auch lesermäßig noch sehr erfolgreich entwickelt hatte …).
PS: Um nicht missverstanden zu werden: Am Ende des vorigen Jahrtausends hat die "Presse" vom Wechsel aus dem lähmenden Eigentum der Wirtschaftskammer in jenes der "Styria" noch sehr profitiert. Das gilt insbesondere für das Sach- und Fachwissen der von dort gekommenen oder in Graz amtierenden Manager Hanns Sassmann, Julius Kainz, Peter Umundum und Kurt Schügerl, die dann aber leider keine ebenso fähigen Nachfolger mehr gefunden haben .
