Die Typen von Epstein bis Hochegger
Man kommt kaum mehr mit, wen aller der amerikanische Netzwerker Jeffrey Epstein in seine Netze gezogen hat. Der Mann ist zwar – unter nie geklärten – Umständen vor sieben Jahren im Gefängnis umgekommen. Dennoch kommen fast täglich noch neue Verstrickungen und Namen ans Tageslicht, dennoch ruinieren noch immer neue Epstein-Files ganze Karrieren. Das Vorgehen Epsteins erinnert aber immer intensiver auch an einige prominente österreichische Fälle, die ebenfalls intensiv die Strafgerichte bemühen.
Epstein hat seinen wie auch immer funktionierenden Bordell-Betrieb jedenfalls eindeutig benutzt, um Prominenten wie dem Bruder des jetzigen englischen Königs einen Gefallen zu tun. Dieser ließ sich sogar zusammen mit einem unter ihm liegenden Mädchen fotografieren. Bei vielen anderen Männern, die bei Epstein waren, besteht ein ähnlicher, wenn auch nicht so eindeutiger Verdacht. Womit sie sich alle nach amerikanischem Recht des Missbrauchs Jugendlicher schuldig gemacht haben könnten.
Vom britischen Botschafter in den USA, Peter Mandelson, über Ex-Präsident Clinton bis zum französischen Exminister Jack Lang sind inzwischen drei linke Spitzenpolitiker ebenso wie viele andere weniger Bekannte schwer belastet.
Der Fall Mandelson (der unter Tony Blair der zweitmächtigste Mann in London gewesen ist) hat nun sogar den britischen Premier Starmer in äußerste Bedrängnis gebracht, weil er Mandelson zum Botschafter gemacht hatte; selbst die Entlassung seines Kabinettschefs, der die Schuld auf sich genommen hat, hat Starmer da keine wirkliche Entlastung gebracht. Zu Starmers Not tragen freilich auch die Meinungsumfragen wesentlich bei, bei denen die regierende Labour-Partei so wie die Konservativen jeweils nur noch knappe 19 Prozent hat, während die rechte Reformpartei über 29 Prozent hat, was ihr nach britischem Wahlrecht eine sichere absolute Mehrheit einbringen könnte.
Der eindeutig prominenteste Freund Epsteins heißt aber Donald Trump. Bei diesem gibt es sogar klare Hinweise auf Zusammenhänge mit jungen Frauen. Zwar hat Trump bisher vieles abschütteln können. Aber die Epstein-Affäre hat ihn jedenfalls jetzt schon etliche Unterstützungspunkte bei christlichen und weiblichen Wählern gekostet.
Umso dringender ist Trump noch vor den Zwischenwahlen für den US-Kongress an Erfolgen interessiert. Diese erhofft er einerseits durch eine Belebung der Wirtschaft als Folge von Zinssenkungen, welche der von ihm ausgewählte Notenbankchef vornehmen könnte. Andererseits drängt er außenpolitisch mit großer Vehemenz die Ukraine, bis Juni einem Frieden nach russischem Diktat zuzustimmen, sodass er rechtzeitig vor dem November den großen Friedensengel spielen könnte. Nur scheinbare Erfolge dieser Dimension könnten den Republikanern helfen, aus dem gegenwärtigen Stimmungstief noch herauszukommen.
Epstein hatte aber durchaus auch prominente Frauen in seinem Beziehungsnetz, darunter Hillary Clinton, die norwegische Kronprinzessin und eine norwegische Diplomatin. Diese Frauen sind aber gleichzeitig auch klarer Beweis, dass er auch über die verfügbaren jungen Frauen hinaus Mittel der Anziehungskraft gehabt haben musste, weshalb auch bei vielen Männern in seinem Kontaktfeld keineswegs sicher ist, ob die auch alle mit dem Missbrauch junger Frauen zu tun hatten, ob die etwa im besten Fall nur seine Gastfreundschaft genossen haben. Wir werden wohl nie alles erfahren über die Dinge, die da passiert sind, jedenfalls ging es auch um einen intensiven Informationsaustausch und Geldanlagen. Epstein hat ja nicht gerade aus Nächstenliebe gehandelt. Deshalb wächst in den USA auch die Vermutung, ob Epstein nicht auch für einen ausländischen Geheimdienst gearbeitet hat.
Der Mann, seine Geschichte und die jungen Frauen sind jedenfalls mit Sicherheit Stoff für zahlreiche filmische und literarische Agenten- und Thriller-Stories, auch wenn die volle Wahrheit auf immer verborgen bleiben dürfte.
Geographischer, aber nicht unbedingt inhaltlicher Wechsel nach Österreich. Denn auch am Rande der österreichischen Politik, die wir naturgemäß viel besser kennen, gibt es den absolut gleichen Typ, dessen Hauptberuf darin besteht, ständig zu netzwerken, sich möglichst eng an möglichst viele Machtträger heranzuschmeißen, deren Vertrauen zu erwerben, sich ihnen dienstbar zu zeigen – und in Wahrheit nur seine eigenen Interessen im Auge zu behalten, egal ob sie diese Interessen PR oder sonstwie nennen. Das soll nicht heißen, dass dabei immer gesetzwidrig gearbeitet würde, oder gar dass sexuelle Dienste im Spiel wären.
Aber jedenfalls gehört es zu den schwierigsten wie wichtigsten Aufgaben eines wirklich guten Politikers mit Staatsmann-Qualitäten, solche Typen zu durchschauen und sie fernzuhalten.
Da fällt mit etwa Rudi Fußi ein, der in seiner Umtriebigkeit schon bei mehreren Parteien aufgetaucht ist, am häufigsten bei der SPÖ, deren Chef er sogar einmal werden wollte. Zumindest in der rechtlich schwer unsauberen Silberstein-Affäre hat Fußi nachweisbar eine dubiose Rolle gespielt. Freilich hat diese Affäre die schwer linkslastigen Staatsanwälte nie interessiert.
Da fällt mir etwa der PR-Mann Wolfgang Rosam ein. Dieser ist von Wolfgang Schüssel noch hinausgeworfen worden, dessen Nähe er intensiv gesucht hatte. Schüssels Nachnachnachfolger Karl Nehammer hat sich hingegen der Dienste Rosams bedient – was Nehammer offensichtlich nicht gut getan hat. Denn es war nach Insider-Informationen Rosam, der Nehammer den Tipp gegeben hat, einer Koalition mit der FPÖ eine Absage zu erteilen, solange dort Herbert Kickl das Sagen hat: Genau dieser Ratschlag hat jedoch viele bürgerliche Wähler zur FPÖ getrieben, die keinesfalls eine neue Koalition der ÖVP mit einer Linkspartei wollen. Das hat in der Folge Nehammer den Job gekostet.
Da fällt mir der Wichtigmacher Thomas Schmid ein. Auf diesen ist offenbar auch Schüssel eine Zeitlang hineingefallen und hat ihn einst in seinem Abgeordnetenbüro beschäftigt, wo allerdings keinerlei illegale Aktivitäten des Mannes bekannt sind. Auf Schmid ist aber noch viel mehr Sebastian Kurz hineingefallen, der ihn für einen Freund gehalten hatte. Seit Schmid aber mit seinen eigenen, eindeutig auch illegalen Netzwerken gegen die Wand gedonnert ist, tut er in Kooperation mit den linken Staatsanwälten alles, um Kurz vor den Strafrichter zu bringen (offenbar aus Rache, weil er seltsamerweise geglaubt hatte, die ÖVP könne ihn vor den linken Staatsanwälten retten ...).
Der zweifellos übelste Typ dieser heimischen Kategorie heißt Peter Hochegger. Dieser hat sich an noch viel mehr Promis und Unternehmen herangemacht, dabei sehr viel Geld verdient und sich jetzt sogar in einem Buch voller grauslicher Eitelkeit zu den schmutzigen Tricks bekannt, mit denen er dabei vorgegangen ist. Er ist deswegen sogar bei den Freimaurern hinausgeflogen. Er ist eindeutig mitverantwortlich, dass Karl-Heinz Grasser heute im Gefängnis ist.
Die banale Lehre aus all diesen Geschichten: Im Nachhinein weiß man es immer. Aber im Vorhinein ist es für Männer der Machtspitze immer extrem schwierig, sich vor bestimmten Leuten in Acht zu nehmen, drängen sich doch so viele heran, muss man doch auch vielerlei Aufgaben auf andere Menschen übertragen, auf die man sich verlassen können müsste. Wer ist da echter Freund? Wer ist Speichellecker? Wer ist Intrigant? Wer ist fähig? Wer verbirgt seine Unfähigkeit, Bösartigkeit oder Dummheit hinter einem gewinnenden Wesen?
Im Grunde ist es durchaus nachvollziehbar, wie sich da viele Spitzenmänner verhalten: Sie halten fast alle gerne an den alten vertrauten Seilschaften fest.
So halten jene SPÖ-Exponenten, die sich einst schon im VSStÖ oder in irgendwelchen feministischen Gruppen kennengelernt haben, auch nachher bis zuletzt zusammen.
Das Gleiche gilt bei der ÖVP für CV und Junge ÖVP (die katholische Jugend, die früher – siehe etwa die Namen Schüssel und Busek – ebenfalls ein hochqualitatives bürgerliches Nachwuchsbecken gewesen ist, ist so weit nach links abgeschwommen, dass sie sich heute höchstens für den linken Rand der Grünen eignet). Das Gleiche gilt bei der FPÖ für die Studentengruppe RFS, für die Korps, Sängerschaften und schlagenden Verbindungen. Das Gleiche gilt für Grüne und KPÖ in Hinblick auf die diversen NGO oder extremistischen Studentengruppen.
Denn wenn man einmal oben ist, kann man kaum mehr neue Freunde gewinnen, die wirkliche Freunde sind, man kann höchstens noch durch jahrelange Beobachtung die Kompetenz, Ehrlichkeit und Loyalität eines Menschen kennenlernen oder zumindest erahnen. Echte Freunde hat man nur noch von früher. Oder man hat gar keine, verlässt sich auf niemandem – und ist dann aber sehr, sehr einsam.
