Nicht Trump und nicht die EU retten die Ukraine, sondern …
… am ehesten ein südafrikanisch-kanadisch-US-amerikanisches Genie, das Russland an der Ukraine-Front in große Nöte gebracht hat. Das ist gleich in mehrerlei Hinsicht erfreulich, nicht nur deshalb, weil es den Freiheitskampf der Ukraine unabhängiger macht von Donald Trumps in Wahrheit egoistischem Verlangen nach Selbstaufgabe und sklavischer Unterwerfung der Ukraine unter Russland. Nicht nur deshalb, weil der Freiheitskampf der Ukraine nicht mehr ganz von der gut gemeinten, aber zögerlichen und waffentechnisch unzureichenden Unterstützung durch die EU abhängig sein dürfte. Nicht nur deshalb, weil damit auch die infame Packelei der Rechtspopulisten mit Russland (die derzeit in Europa auf dem Siegeszug sind, weil sie in vielen anderen Dingen einfach Recht haben) ins Leere geht.
Nachdem die Ukraine am Anfang etliche Erfolge durch den Einsatz von Drohnen gegen die darauf unvorbereiteten Russen erzielt hatte, haben diese in der Folge – nicht zuletzt durch iranische Hilfe – in Sachen Drohnen gleichgezogen. Die Russen haben zwar von Starlink direkt keine Satelliten-Empfänger zur Steuerung der russischen Drohnen bekommen, solche aber durch getarnte Käufe in aller Welt erwerben lassen.
Jetzt aber hat Musk durch eine geschickte Maßnahme die Russen ausgetrickst: durch ein "Whitelist"-Verfahren. Aus dem gesamten Kriegsgebiet haben nur noch jene Satelliten-Empfänger volle Verbindung, die auf einer von der Ukraine freigegebenen Liste stehen. Alle anderen funktionieren nicht – oder noch fataler für Russland: Die Starlink-Satelliten brechen ab einer bestimmten Geschwindigkeit der russischen Drohnen die Verbindung ab, sodass die russischen Drohnen plötzlich zu Boden stürzen.
Das erklärt auch die Gebietsgewinne, welche die Ukrainer in den letzten Tagen erzielt haben. Diese Entwicklung verändert den ganzen künftigen Verlauf der Kämpfe an der Front. Damit werden die schlecht trainierten und mit völlig falschen Informationen in den Kampf geschickten russischen Soldaten noch mehr zu dem, was nicht nur sprichwörtlich Kanonenfutter heißt.
Nun wäre es gewiss vorschnell, daraus schon den endgültigen Sieg der Ukraine bei ihrem Abwehrkampf abzuleiten. In den Kriegen der Geschichte hat es immer wieder ganz überraschende Entwicklungen gegeben. Allerdings haben russische Armeen fast noch nie durch taktische oder waffentechnische Erfolge gepunktet, sondern durch das hemmungslose Opfern des eigenen Menschenmaterials (und die Tiefe des russischen Raumes).
Eines können die Russen freilich auch ohne Starlink ganz gewiss fortsetzen: ihre Terrorangriffe mit Raketen auf die ukrainische Infrastruktur, welche vor allem die Strom-, Wasser- und Wärmeversorgung der ukrainischen Städte schwer trifft. Für eine effektivere Abwehr von Raketen und Cruise missiles benötigt die Ukraine daher weiterhin dringend offizielle westliche Waffenhilfe. Tatsache ist aber, dass die Ukrainer trotz Kälte, trotz vieler anderer Qualen unverdrossen einen weiteren Kriegswinter schon fast überstanden haben, und dass es keine Anzeichen gibt, dass die Bevölkerung bei einer – nach der ukrainischen Verfassung notwendigen – Volksabstimmung der Hergabe ukrainischen Territoriums zustimmen würde.
Die sogenannten Friedensverhandlungen werden auch in Zukunft mit Gewissheit nichts bringen. Sie werden nur aus ganz anderen Zielen als dem eines baldigen gerechten Friedens weitergeführt:
- Die Ukraine denkt nicht daran, einen russischen Siegfrieden zu akzeptieren und schon gar nicht die Abtretung von Territorien, welche die Russen nie erobert haben. Sie bleibt aber am Verhandlungstisch, weil sonst Donald Trump böse wäre, der sich als großer Friedensstifter gerieren möchte.
- Ebensowenig ist Russland bereit, sich aus der Ukraine zurückzuziehen oder wenigstens der Restukraine Freiheit und Selbstständigkeit zuzugestehen. Putin ist dazu umso weniger bereit, als er zuletzt schon schwere und demütigende Niederlagen erlitten hat: Dazu gehören die totalen Niederlagen der russischen Verbündeten in Syrien und Venezuela; dazu gehört die schwere Bedrängnis der iranischen Mullahs; dazu gehören die westlichen Angriffe gegen die das Seerecht schwer verletzenden Schiffe der russischen Schattenflotte; dazu gehören die Hinweise, dass Indien unter westlichem Druck kein russisches Öl mehr kauft; dazu gehört die Tatsache, dass die von Putin so gepriesene russische Armee in vier Jahren nicht einmal 20 Prozent der Ukraine besetzen hat können. Würde Putin jetzt auch noch sein ukrainisches Abenteuer sieglos beenden, dann wäre er auch intern schwer gefährdet und als Loser, als Verlierer, als Papiertiger, als verantwortungsloser Vernichter von Millionen Russen gebrandmarkt. Der Diktator hat aber dennoch, wenn auch aus einem ganz anderen Grund großes Interesse, dass die globalen wie die russischen Medien regelmäßig von einem offenbar bald bevorstehenden Frieden schreiben. Das ist für ihn sogar kriegswichtig, damit es gelingt, wieder einen neuen Schub Soldaten zu rekrutieren. Denn Putin hat ja aus Rücksicht auf die Stimmung im Lande und aus Rücksicht auf seine Lüge, dass es da keinen Krieg gäbe, nie gewagt, Wehrpflichtige an die Front zu schicken. Statt dessen hat Russland immer mit gewaltigen Geldgeschenken (und etlichen anderen Pressionen) Männer aus der in vielen Regionen bitterarmen Bevölkerung dazu gebracht, sich für die Armee zu melden. Zwar kann selbst viel Geld angesichts einer die Million überschreitenden Opferzahl die Begeisterung nicht mehr erhöhen, die Uniform anzuziehen. Das können aber sehr wohl Meldungen über einen angeblich knapp bevorstehenden Frieden, wie vor ein paar Tagen die Londoner "Times" nachgewiesen hat. Im Glauben an einen solchen wollen dann bei "fast" knapp vor dem Erfolg stehenden Friedensverhandlungen jedes Mal immer doch noch etliche weitere Russen schnell dabei sein, um die großen Geldsummen zu kassieren, ohne noch lange in einen Krieg ziehen zu müssen.
Zurück zur Schlüsselfigur Musk: Seine Leistungen für die Ukraine würden ihn – wenn er sie durchhält und sie wirklich zu einem Zurückdrängen der Russen und der Bewahrung der ukrainischen Freiheit führen – ganz im Gegensatz zu Trump wirklich zu einem würdigen Empfänger des Friedensnobelpreises machen. Das wäre eine faszinierende Ironie der Geschichte:
- Ist doch Musk einerseits einer der bei den Linken am meisten verhassten Menschen.
- Hat er doch andererseits gewagt, auf auch öffentlich klare Distanz zu dem von ihm anfangs hochgeschätzten Trump zu gehen.
Die wichtigste Botschaft aus dem eindrucksvollen Agieren von Musk für die restliche Welt lautet aber: Es sind doch nicht nur die drei alten Männer Trump, Putin und Xi, die allein das Schicksal der Welt bestimmen. Es gibt immer wieder sehr wohl mutige Menschen, die ihnen entgegenzutreten wagen. In Russland und China sind sie zwar bisher erfolglos geblieben und haben das bitter büßen müssen – weshalb den Nawalnys naturgemäß umso mehr Verehrung gebührt –, zumindest im freien Amerika ist das trotz Drohungen Trumps jedoch uneingeschränkt möglich.
Eine genauso wichtige Botschaft ist die kraftvolle Bestätigung der Überlegenheit der Privatwirtschaft, des freien Unternehmertums. Es sind große Erfinder- und Unternehmer-Persönlichkeiten wie eben der in schwierigen Verhältnissen aufgewachsene Musk, welche die Welt voranbringen, welche neue Dinge in die Welt bringen, und nie die Staaten, auch wenn diese Billionen an Steuern, Schulden und Rohstoffprofiten verschlingen. Die Staaten haben nur eine wichtige Aufgabe: Unternehmern die Luft zum Atmen zu lassen, Sicherheit, eine geordnete Infrastruktur und Justiz zur Verfügung zu stellen, und den jungen Menschen, vor allem den begabtesten unter ihnen, eine gute Ausbildung zu ermöglichen.
Musk hat nicht nur den Aufbau des großartigen Starlink-Systems geschafft, nicht nur als weitaus erster im Westen ein erfolgreiches Elektroauto in den Markt gebracht. Er hat einst auch das heute weltbekannte Bezahlsystem Paypal mitbegründet. Er hat ebenso als erster wiederverwendbare – und damit viel billigere – Weltraumraketen gebaut, welche der einst so gerühmten Nasa, den diesbezüglich zeitweise dominierenden Russen und auch den EU-Weltraumbemühungen total den Rang abgelaufen hat. Und er hat – keineswegs die unwichtigste seiner Leistungen – durch Übernahme der durch politische Korrektheit und EU-Druck marod in den Seilen hängenden Kommunikationsplattform Twitter, die er in "X" umgetauft hat, historische Leistungen für die globale Meinungs- und Informationsfreiheit erbracht, die so vielen in Europa leider zuwider ist.
Man kann den USA, der Ukraine, aber auch uns Europäern wünschen, dass Musk noch lange genau das weitertun kann, was er bisher getan hat – was in Wahrheit ständig etwas Neues gewesen ist – und dass er dabei denselben Charakter zeigt. Auch wenn ich den Sinn einer Stadt auf dem Mond oder Mars (noch?) nicht ganz erkennen kann.
PS: Kleine Anmerkung zu X/Twitter: Wie haben doch alle Genossen über Musk geschimpft und gewettert, als dieser die Plattform übernommen hat, wie geschlossen sind sie doch angeblich zur Konkurrenz abgewandert! Und was sehe ich dort heute zufällig? Ein Inserat der SPÖ! Das ist nichts anderes als ein weiterer Triumph Elon Musks.
