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Wie ein liberales (und ein wenig konservatives) Bildungssystem ausschauen müsste

Wie ein liberales (und ein wenig konservatives) Bildungssystem ausschauen müsste

Man hat nie so richtig gewusst, was die Neos damit eigentlich genau gemeint haben, als sie vor allem in den Jahren des Parteigründers Matthias Strolz ständig das Wort "Bildung!" als ihr wichtigstes Anliegen getrommelt hatten. Dennoch klang es sympathisch, weil ja in der großen liberalen Denkwelt seit langem einige spannende Ideen zum Thema Schulen kursieren, weil einige liberale Grundideen zweifellos auch Schlüssel für ein besseres Bildungssystem wären. Als da aber bei den Neos nie etwas Konkreteres auf den Tisch kam, legte man dann den häufigen Ruf "Bildung!" als typisch parteipolitischen Versuch beiseite, unter den Lehrern Anhänger für die neue Kleinpartei zu gewinnen. Dann tauchte noch einmal Hoffnung auf, als die Neos unbedingt das Bildungsministerium haben wollten: Da könnte ja jetzt vielleicht doch etwas Positives kommen. Und dann das! Als ganzer Leistungsausweis eines angeblich liberalen Bildungsministers sind jetzt bloß einige unausgegorene linke Ideen auf den Tisch der Nation gewürgt worden.

Die Ernüchterung begann ja schon damit, als ausgerechnet Christoph Wiederkehr zum Bildungsminister gemacht wurde. Ist er doch jener Mann, der zuvor in der Wiener Rathauskoalition der treueste Vollstrecker der sozialistischen Bildungspolitik geworden ist, der keine einzige konkrete Idee zur Behebung der katastrophalen Situation in den Wiener Pflichtschulen präsentiert oder gar umgesetzt hat.

Jetzt also darf er sich an den Höheren Schulen vergreifen. Und prompt landet wieder der alte sozialistische Vorschlag einer Zwangsgesamtschule auf dem Tisch – lediglich gemildert durch die Abschwächung auf sechs statt acht Jahre, welche nach den Wünschen des Herrn Wiederkehr alle Kinder zusammen in einer Klasse sitzen müssen. Ohne Rücksicht darauf, ob sie aus einem bildungsorientierten oder völlig desorientierten Hintergrund kommen; ohne Rücksicht, ob sie wenigstens die deutsche Sprache perfekt beherrschen oder nicht.

Dahinter steckt immer die alte Idee: Die einheimischen bildungsorientierten Kinder sollen abfärben auf jene Klassengenossen, die das nicht sind, die sprachfremd, kulturfremd oder gar von einer mittelalterlichen Zwangsreligion geprägt sind. Das klingt in der Theorie nett. Das funktioniert auch halbwegs – aber nur wenn der Anteil solcher mitzureißender Kinder zehn Prozent nicht übersteigt. In der Realität, in den Wiener Schulen insbesondere, gibt es aber einen viel größeren Anteil, meist sogar eine große Mehrheit migrantischer und bildungsferner Kinder, sodass der Prozess des Abfärbens in die Gegenrichtung funktioniert.

Immer seltener bekommen Kinder österreichischer Eltern dort Anreize Richtung Hochsprache, Richtung Kultur oder Richtung zivilisierten mitteleuropäischen Benehmens. Sie übernehmen statt dessen selbst - da ja auch sie noch nicht sonderlich sprachfest sind – Anteile dessen, was man als Migrantendeutsch kennengelernt hat (Auslassen von Artikeln, ständige Verwendung des Infinitivs, Ignorieren der Fälle). Sie erleben dort die Rückkehr des Faustrechts. Und immer öfter wird sogar von zwölfjährigen (nichtislamischen) Mädchen berichtet, die freiwillig ein Kopftuch tragen, um nicht als "Hure" belästigt und begrabscht zu werden.

Das Faszinierende ist, dass es noch immer Politiker gibt, die nicht verstehen können, dass das so ziemlich das Letzte ist, was die allermeisten österreichischen Eltern für ihre Kinder wollen. Dass sie lieber viel Geld oder Zeit aufbringen, um ihre Kinder in Privatschulen oder in die wenigen noch guten öffentlichen Schulen in anderen Bezirken zu schicken. Oder gar an Schweizer oder britische Internatsschulen.

Als zweite Idee, mit der Wiederkehr unsere Kinder beglücken will, verlangt er die Einschränkung des Unterrichts in Latein oder anderen Fremdsprachen zugunsten völlig undefinierter KI- und "Demokratie plus Medien"-Fächer. Beide neuen Fächer sind aber typisch populistische und undurchdachte Zeitgeistkonstrukte.

Heute nach "KI"-Unterricht für alle zu rufen ist ungefähr so, als ob man vor ein paar Jahren jedem Schüler zwangsweise das Programmieren beizubringen versucht hätte, oder sie noch früher zu Fernsehtechnikern, Automechanikern, Fließband-Experten oder Dampfmaschinen-Experten ausgebildet hätte – was halt immer gerade der letzte Schrei des so rasch fortschreitenden Fortschritts gewesen ist. Wer so der scheinbaren Aktualität nachhechelt, begreift nicht, dass der letzte Schrei sehr bald immer der vorletzte ist, dass wir keine aktuellen Fachidioten, sondern immer noch und immer wieder breite Grundlagenausbildung brauchen, die sich auf alle Situationen anzupassen versteht, die elastisch genug ist, um zu verstehen, dass es immer neue Herausforderungen gibt und geben wird, auf der alle Neuentwicklungen aufbauen können. Das ist insbesondere eine gute Mathematik.

Die KI-Welt ist nicht nur eine Welt der Mathematik, der Algorithmen, sondern auch eine der Sprache, in der das Beherrschen der am meisten logisch aufgebauten Sprache der Welt, also des Lateinischen, eine extrem hilfreiche Vorbereitung sein kann. Es ist daher auch in diesem Zusammenhang ein völliger Unsinn, Latein noch weiter zu dezimieren. Ganz abgesehen davon , dass Latein noch immer der wichtigste sprachliche Schlüssel in die Welt der Kunst, der Geschichte, der Jurisprudenz, der Philosophie oder der Medizin ist.

Das gilt erst recht für die modernen Sprachen, deren Unterricht Wiederkehr ebenfalls reduzieren will. Nur sehr naive Menschen können glauben, dass man durch KI-Übersetzungs-Computer den Wert eines Gesprächs in einer gemeinsam beherrschten Sprache ersetzen könnte.

Noch dümmer ist das, was Wiederkehr da als zweiten neuen Gegenstand propagiert: Unterricht in Medien und Demokratie. Die von links immer wieder kommenden Vorschläge in diese Richtung haben einen klaren Hintergrund: Sie würden vielen Studenten der Publizistik und Politologie einen Job verschaffen. Und das sind – ganz zufällig – die einzigen Fächer, deren Absolventen größere Probleme haben, irgendwo unterzukommen. Denn in Wahrheit haben sie bei diesem Studium in Österreich außer Ideologie fast nichts gelernt. Gleichzeitig sind sie – ganz zufällig – jene Fächer, deren Studenten, Absolventen und Professoren ideologisch am weitesten links stehen.

Ohne es offen zugeben zu müssen, könnte man also durch dieses neue Unterrichtsfach mit einem Streich die Schulen in linke Indoktrinierungsanstalten verwandeln. Dabei haben die Menschen 250 Jahre lang Demokratie mit einer Ausnahme sehr gut ohne solche Unterrichtsfächer praktizieren können. Und die eine Ausnahme, wo Demokratie nicht gut geendet hat – Deutschland 1933 – hätte man mit Politologengewäsch gewiss nicht verhindern können.

Das, was statt ideologischer Indoktrination jeder Schüler mitbekommen sollte, sind Fakten, die aber nur von Juristen vermittelt werden: Das sind die wichtigsten Regeln von Verfassung, Strafrecht und Grundrechten wie der Meinungsfreiheit. Aber Juristen haben keine Job-Probleme und daher lobbyieren sie auch nicht für die Einführung eines solchen Faches...

Wie aber schauen die wirklich spannenden Ideen liberaler Denker aus, wie man das Schulsystem verbessern könnte? Da gibt es zwar keine fertige Ideologie, aber kluge Grund- und Ansätze aus dem Geist eines freiheitsorientierten Liberalismus, die in die richtige Richtung führen würden. In Stichworten:

  1. Lasst die Vielfalt der Eltern beobachten und entscheiden, was gut für ihre Kinder ist, statt eine ministerielle Planbürokratie. Mehr privat statt Staat.
  2. Die Eltern sollten vor allem durch die freie Wahl der Schule und des Schultyps die Richtung vorgeben können, wo es noch ein vermehrtes Angebot braucht.
  3. Eltern erkundigen sich bei der Schulwahl viel gezielter, was für das weitere Leben ihrer Kinder wichtig und hilfreich ist (beziehungsweise ab etwa dem 14. Lebensjahr gemeinsam mit den Kindern).
  4. Für diese Entscheidung wichtig sind komplett öffentliche statistische Daten über den Erfolg jeder Schule, jeden Schultyps – auch durch Analysen eines eventuellen späteren Studiums und durch Umfragen bei Arbeitgebern, welche Ausbildung sich bewährt hat.
  5. Es braucht ganz stark einen Wettbewerb unter den Schulen, welche besser ist – durch ihre Lehrer, durch ihre Fächerauswahl, durch die vermittelte Vorbereitung auf die Welt –, damit sich genügend Schüler beziehungsweise Eltern für sie entscheiden.
  6. Das heißt aber auch, Schulen – an besten wohl Direktoren, eventuell auch nach Mitsprache von anderen Lehrern und von Elternvertretern – sollten sich viel leichter von unfähigen Lehrern und Schülern trennen können.
  7. Eine besonders spannende liberale Idee ist die der Einführung von Vouchern, also staatlichen Gutscheinen, welche die Eltern bei der Schule ihrer Wahl einlösen können, womit auch arme Eltern ihre Kinder in gute Schulen schicken können, womit der Unterschied zwischen staatlichen und privaten Schulen egalisiert und einem fairen Wettbewerb Platz machen würde.
  8. Bei diesen Vouchern kann es Zusatzpunkte für behinderte oder migrantische Kinder geben.
  9. Zugleichen bekommen die Schulen bei der Aufnahme von Schülern alle Freiheiten, sich etwa durch Aufnahmsprüfungen die für sie besten aussuchen zu können.
  10. Schulen und Lehrer haben finanzielle Vorteile, wenn ihre Schule sich als eine der gefragtesten erweist.

Auf den ersten Blick scheint es, als ob das große Problem der vielen Kinder mit anderer Muttersprache dadurch nicht gelöst würde. Zwar gibt es in der Tat für die vielen problematischen Folgen der Migration keine Zauberformel, die alle diese Folgen aus der Welt schaffen würde. Aber jedenfalls wäre es da zentral und wichtig, die Eltern viel mehr in die Verantwortung zu rücken, ihnen zugleich auch diese Verantwortung klarzumachen.

Das würde bei den Migranteneltern vor allem bedeuten, ihnen zu vermitteln, wie wichtig es ist, den Kindern schon frühzeitig die deutsche Sprache zu vermitteln. Dies geschieht ganz eindeutig am besten dadurch, dass die Eltern schon mit den kleinen Kindern Deutsch zu reden versuchen, selbst wenn sie es noch nicht perfekt können. Was zweifellos auch heißt, dass die migrantischen Nur-Hausfrau-Mütter selbst in Deutschkurse gehen müssten. Wozu man sie zweifellos am besten dadurch motivieren kann, dass man ihnen klarmacht, wie wichtig das für den Lebenserfolg ihrer Kinder ist.

Zu diesem Zweck sollte der Staat aber auch finanzielle Reizmittel einsetzen. Das heißt: Wenn sich Eltern nicht um den Deutsch-Erwerb ihrer Kinder bemüht haben, muss es eine Reduktion der Familienbeihilfe geben. Solches motiviert ganz erstaunlich. Sinnvoll dafür wären Sprachstandserhebungen mit vier und sechs Jahren.

Herrn Wiederkehr ist in Hinblick auf die kleinen Kinder jedoch nichts von alledem eingefallen, sondern nur der sozialistische Glaube an noch mehr staatliche Kindergärten.

Wer jedoch etwa in Wien die Kindergärten in den immer zahlreicher werdenden Problembezirken kennt, kann da nur lachen. Da ist die Betreuerin/Elementarpädagogin/Tante oft schon die einzige, die Deutsch spricht. Ansonsten spielen in der einen Ecke jene Kinder, die von daheim an die türkische Sprache gewöhnt sind, in der nächsten die mit Arabisch, dann die mit Somali usw. Deutsch lernt dort niemand.

Mit anderen Worten: Wenn Bildungspolitiker nicht endlich die Bedeutung der Eltern verstehen, von der Schulwahl bis zur Spracherziehung, dann werden sie mit hundertprozentiger Sicherheit ein nur noch schlechter funktionierendes Bildungssystem produzieren.

Im ganzen Bildungssystem liegt ganz eindeutig der Schlüssel in den sechs liberalen Prinzipien: Freiheit, Leistung, Markt, Vielfalt, Transparenz, Verantwortung ­– aber die Lösung wird ganz sicher nicht im gleichen Atemzug um die zwei konservativen Prinzipien herumkommen: Die heißen Familie, also Eltern, und Heimat, also Österreich und dessen Anspruch auf die deutsche Sprache und ein gutes Bildungsniveau.