Wie weit ist es nach Minneapolis? Wie weit ist es nach Teheran?
Die Entfernung zwischen Minneapolis und Wien ist mit 7692 Kilometern weit mehr als doppelt so groß wie die zwischen Teheran und Wien (3178). Dennoch erregen zwei Todesfälle in der amerikanischen Doppelstadt Medien und Politik in Österreich und anderen europäischen Ländern viel mehr als 15.000 bis 43.000 Todesfälle in Iran. Schon finden in Europa erste Demonstrationen wegen der beiden Toten statt. Schon wird der Boykott der bevorstehenden Fußballweltmeisterschaft in den USA gefordert. Schon erregen sich Schlagersänger bei irgendeiner (von den hiesigen Medien groß gebrachten) Preisverleihung lautstark über Minneapolis. Die iranischen Toten erregen hingegen fast nur die iranische Exil-Gemeinde. Dabei sind die Toten da wie dort Opfer staatlicher Waffenträger geworden, deren Handlungen man auch als Morde bezeichnen kann. Woher kommt dann der krasse Unterschied in den Reaktionen?
Umso mehr wäre es Aufgabe europäischer Redaktionen, da kühlen Kopf zu bewahren und sich, auch wenn es aus dem Iran fast kein Bildmaterial gibt, um die richtigen Relationen zu bemühen. Wäre es. Denn fast alle Medien tun das Gegenteil.
Der Kampf um die richtigen Relationen wäre schon deshalb angebracht, weil es neben der dramatischen quantitativen Unterschiede auch qualitative Unterschiede bei den Morden gibt. Denn in Iran wird den Demonstranten seit Tagen aus sicherer Entfernung gezielt in den Kopf geschossen. Die beiden amerikanischen Morde sind hingegen in einer unmittelbaren Auseinandersetzung, in einem Handgefecht passiert, also keineswegs von langer Hand geplant gewesen.
Nun entschuldigen manche der europäischen Desinformationsmedien ihr Verhalten damit, dass die USA eine befreundete Demokratie seien, wo man viel genauer hinschauen müsse. Dieses scheinheilige Argument führt aber dazu, dass in den Köpfen der Medienkonsumenten fast zwangsläufig ein völlig falsches Bild entsteht, dass viele Trump auf eine Schlechtigkeitsstufe mit den Mullahs und sogar auch mit Russlands Putin stellen, der Millionen Opfer auf dem Gewissen hat. Damit stehen für viele einfache Menschen eine rechtsstaatliche Demokratie – was die USA immer noch eindeutig sind – und die blutrünstigsten Diktaturen auf einer Stufe des Abscheus.
Diese Berichterstattung ignoriert überdies den dramatischen Unterschied, dass es im Iran keinerlei Strafe für die Tausenden Mörder gibt, dass hingegen in beiden amerikanischen Fällen mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit den Tätern ein Strafverfahren vor einer unabhängigen Jury bevorsteht.
So war es etwa auch im Fall der Tötung des afroamerikanischen Kleinkriminellen Floyd im Jahr 2020. Danach hat der Polizist, der tödlich lange auf Floyd gekniet ist, eine Haftstrafe von 22 Jahren erhalten. Trotzdem haben sich alle Linken in Europas Medien und Politik maßlos über den Tod Floyds erregt und Demonstrationen veranstaltet; Englands Fußballer haben sogar vor jedem Spiel durch eine Kniebeuge gegen den Mord an Floyd demonstriert.
Die Tatsache, dass sich Floyd nach einem Eigentumsdelikt keineswegs friedlich festnehmen hat lassen, wurde dabei ebenso ignoriert wie die Tatsache, dass in den USA Schwarze weit öfter durch Schwarze ermordet werden als durch Weiße, obwohl diese ja dort quantitativ die deutliche Überzahl stellen, und dass die folgenden Blacklivesmatter-Demonstrationen radikaler Schwarzer und Linker in den USA gewaltige Schäden und Rechtsverletzungen verursacht haben.
Zurück nach Minneapolis: Die einseitige Berichterstattung übersieht überdies, dass der Grund des wilden und aggressiven Verhaltens der Demonstranten Maßnahmen zur Abschiebung illegaler und sich versteckender Migranten gewesen sind, dass diese Maßnahmen eindeutig eine korrekte rechtsstaatliche Grundlage haben, selbst wenn man die dahinterstehenden Gesetze ablehnt. Auch ist es ein massiv verzerrendes Bild, wenn die Mainstreammedien sich ständig darüber erregen, dass Trump seine ICE-Polizisten gezielt in demokratisch regierte Staaten und Städte schickt – was er zwar tatsächlich getan hat, aber vor allem deshalb, weil die illegalen Migranten vor allem in solche Städte gegangen sind.
Wenn aber Berichterstattung schon gezielt ständig fast nur Missstände in demokratischen Rechtsstaaten dramatisieren muss, dann wären wohl Missstände im eigenen Land, in Österreich, noch mehr berichtenswert – ohne dass man dabei etwas manipulieren muss. Denn in Österreich ist fast gleichzeitig ein randalierender Häftling unter sehr problematischen Umständen ums Leben gekommen. Das wird nun genauso wie die beiden Todesfälle in den USA genau untersucht und daher medial abgehakt. Aber wenn hierzulande mit einer solchen Untersuchung gleich wieder alles in Ordnung ist, dann entsteht natürlich die Frage: Warum nicht auch in Hinblick auf Minneapolis?
Der wahre Unterschied ist, dass es bei der Tötung des randalierenden Häftlings offenbar keine unabhängig mitfilmenden Handy-Besitzer gegeben hat, deren Berichte ins Internet gestellt worden sind. Genau das aber ist jener Punkt, wo Europa wirklich aufwachen muss: Denn gerade die Internet-Berichte, die da zur Aufdeckung zweier mutmaßlicher Morde geführt haben dürften, werden von der Politik, den alten Medien und vor allem der EU immer massiver bekämpft. Immer mehr wird da verboten. Der wahre Grund ist klar: In Europa deckt das Internet eher nur selten Morde durch polizeiartige Milizen auf; Internet-Beiträge gehen dafür umso häufiger und kritischer mit der Politik ins Gericht. Minneapolis liefert den besten Beweis, wie wichtig die Vielzahl von Millionen Medien in unabhängigen Händen geworden ist, deren Besitzer nicht von der Politik massiv unter Druck gesetzt werden können, wie es klassischen Medien aus Europa oder den USA ständig passiert.
Noch einmal zurück in den Iran. Die dortigen Vorgänge veranlassen aber auch ohne empörenden Verzerrungen in der Medienberichterstattung zu einigen beklemmenden Beobachtungen:
- Alle Zahlen über Todesopfer aus dem Iran werden nur mit distanzierenden Floskeln versehen, dass sie leider nicht überprüft werden können, dass sie alle von Regimegegnern stammen – bei Berichten aus Gaza sind hingegen immer die zweifellos übertriebenen Zahlen kritiklos aus Hamas-Quellen übernommen worden.
- Die UNO und ihre diversen Gremien, etwa auch jene, die angeblich den Menschenrechten dienen, haben sich jahrelang an Empörung über Israels Kämpfe zur Befreiung seiner Geiseln nicht genug tun können – in Hinblick auf die weit größere humanitäre Katastrophe im Iran bleiben sie hingegen still und desinteressiert.
- Noch stiller sind die zahlreichen NGOs, die sich etwa zu Gaza laut aufgepudelt haben, etwa auch die "Ärzte ohne Grenzen" – dabei wären gerade Ärzte in Hinblick auf den Iran besonders zum Aufschrei gefordert, werden doch dort Ärzte, die geflüchtete Demonstranten nach Verletzungen versorgen, gejagt und eingesperrt, werden doch dort verletzte Demonstranten aus Krankenhäusern abgeführt.
- Zumindest zweischneidig ist auch das Verhalten von US-Präsident Trump zu bewerten: Wohl scheint es ihm gelungen, das Mullah-Regime durch Drohungen zumindest vorerst von der öffentlichen Hinrichtung inhaftierter Demonstranten abzuhalten – aber etliche von ihnen sind lebend verhaftet worden und danach unter rätselhaften Umständen gestorben; und vor allem war seine Zusage an die Demonstranten, dass Hilfe für sie unterwegs sei, offenbar gelogen und hat viele Iraner selbstmörderisch auf die Straße getrieben.
- Am schlimmsten aber ist, dass die Zurückhaltung vieler Medien bei der Berichterstattung über den Iran eindeutig damit zu tun hat, dass dort erstens in großem Maßstab islamische Verbrechen stattfinden, und dass zweitens die iranischen Mullahs einst ja nur mit Hilfe revoltierender linker Studenten an die Macht gekommen sind, die auch von linken Studenten in Österreich unterstützt worden sind.
PS: Auch Nigeria ist deutlich näher als Minnesota: Dort sind vor zwei Tagen 160 Christen in einem Dorf von kriminell-dschihadistischen Banden ermordet worden. Davon habe ich in den Medien, geschweige denn im Zwangsgebührenfunk keine Wort gefunden oder gehört. Die sind an so etwas nicht interessiert, solange man es nicht den Amerikanern, den Juden oder den Europäern anhängen kann.
