Die fünf Todsünden des Heinz Lederer
Täglich rutscht der ORF noch tiefer in seine eigene Jauchegrube. Nach Alexander Wrabetz und Pius Strobl ist es nun Stiftungsrats-Vorsitzender Heinz Lederer, der den Skandalen nicht mehr entkommt. Die Vorwürfe gegen ihn sind so ungeheuerlich, dass nur noch ein Rücktritt in Frage kommen kann. Der ebenfalls belastete Wrabetz ist zwar schon abgegangen und kann jetzt bloß noch beim Fußballklub Rapid zeigen, wie talentiert er ist, neuerlich eine der bekannten Marken dieser Republik um viel öffentliches Geld gegen die Wand zu fahren; aber eine seiner übelsten Taten kommt erst jetzt ans Tageslicht. Strobl geht zwar in Pension; aber auch bei ihm wird erst zu Ende seiner schlimmen Tätigkeit das Allerschlimmste bekannt: nämlich die Inszenierung des Abschusses von Roland Weißmann und die ungeheuerlichen Bezüge, die er sich selbst zu erschleichen versucht hat und die die Bezüge des Generaldirektors übertreffen.
- Lederer gibt sich öffentlich als "Eigentümer" des ORF aus. Das ist ungeheuerlich. Das grenzt schon fast an einen Betrugsversuch. Denn der Stiftungsrat ist so etwas wie ein Aufsichtsrat, aber niemals der Eigentümer. Seine Zusammensetzung wird nur vom Eigentümer bestellt. Sollte Lederer aber doch Eigentümer geworden sein – und uns das bisher nur verschwiegen worden sein –, dann ist es absolut inakzeptabel, dafür von uns allen weiterhin satte Zwangsgebühren für den Betrieb seines Eigentums einzustreichen. Und es ist geradezu kriminell, wenn das Parlament uns zwingt, diese Gebühren auch zu zahlen.
- Lederer hat Weißmann zum Rücktritt als ORF-Generaldirektor gezwungen. Denn seine Behauptung ist absolut unglaubwürdig, dass Weißmann das ganz aus eigenem getan hätte, nur weil ein Rechtsanwalt ihn mit vier Jahre alten Vorwürfen konfrontiert hat, die er aber sofort als unrichtig bezeichnet hat und deren Beweisstücke ihm angeblich gar nicht gezeigt worden sind.
- Lederer hat beim Herausgeber einer Wochenzeitschrift angerufen und dabei wilde Drohungen gegen deren Chefredakteurin ausgestoßen, sie würde im ORF nicht mehr auftreten können. Das ist eine ganz massive Überschreitung seiner Kompetenzen. Denn nach dem Gesetz bestimmen allein der Generaldirektor und die Redaktion, wer in dem Staatssender auftreten darf.
- Lederer hat damit darüber hinaus eine der infamsten Schmutztaktiken der theoretisch zur Objektivität verpflichteten Redaktion des Staatsfernsehens übernommen und durch seine plumpe Art an die Öffentlichkeit getragen. Denn natürlich ist es auch für die Redaktion des ORF gesetzwidrig, wenn sie eine wichtige Persönlichkeit wie einen Chefredakteur eines bekannten Mediums generell boykottiert und auf eine schwarze Liste setzt. Was sie aber zahllose Male gemacht hat.
- Lederer hat schließlich auch massiv gegen die Compliance verstoßen. Denn er war als Berater – sein Hauptberuf – für Unternehmen tätig, die mit dem ORF Geschäfte machen. So hat er den eng mit dem ORF verbundenen Skiverband beraten. So hat er in einem dieser Geschäfte sogar eine Baufirma beraten, die das Radio-Gebäude in der Argentinierstraße erworben hat. Dass es da überdies bekannte Freimaurer-Verbindungen gibt, macht das Ganze noch unappetitlicher. Es sei nur daran erinnert, dass im ORF so penible Compliance-Vorschriften herrschen, dass sich die Redakteure alle besseren Reise- und Essenseinladungen vor Annahme genehmigen lassen, wenn deren mutmaßlicher Wert 100 Euro übersteigt.
Aber offenbar gilt im ORF noch der antike Spruch: Quod licet Iovi, non livet bovi …
Lederer dünkt sich offenbar sicher. Denn der Minister, der für den ORF zuständig ist, ist ausgerechnet sein Parteifreund Andreas Babler. Das hilft. Denn der ist entweder selber Mitakteur der Mega-Intrige oder aber er begreift gar nichts. Jetzt wird halt vor Gericht diese Schmutzwäsche gewaschen.
PS: Unfassbar ist auch, dass die sonst so mundeifrigen Redaktionsräte bisher keinen Ton des Protestes dagegen von sich gegeben haben, dass ein Stiftungsrat ohne jede redaktionelle Kompetenz so eine noch dazu gesetzwidrige Aussage über redaktionelle Belange gemacht hat. Aber die stramme parteipolitische Haltung der Redaktionsräte ist ja nicht gerade unbekannt …
PPS: Die völlig mit seiner Stiftungsrats-Tätigkeit unvereinbaren Tätigkeiten des Herrn Lederer werden dadurch in keiner Weise besser, dass auch sein Stellvertreter Schütze andere genauso unvereinbare Beratungsmandate hatte wie Sky oder Netflix.
