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Die Linke und der Schah, der ORF und der Iran

Die Linke und der Schah, der ORF und der Iran

Keine Frage: Beim mutigen Versuch Israels und der USA, den Iran niederzuringen, sind wir nur ängstliche Zaungäste. Wenn auch Zaungäste mit einem klaren inneren Wunsch: dass möglichst wenige Zivilisten dabei Opfer werden, dass die in einer wahnwitzigen Ideologie verfangenen schiitischen Mullahs ihre blutige und von der Bevölkerung gehasste Terrorherrschaft nicht mehr fortsetzen können, dass insbesondere die unterjochten iranischen Frauen bald aufatmen können, dass es keine iranischen Raketen mit Reichweiten nach Europa gibt, und dass Israel, ein Land, das Österreich immer besonders am Herzen liegt, künftig endlich in Frieden leben kann. Umso empörender hat sich da in den letzten Tagen der österreichische Zwangsgebührensender ORF verhalten.

Eine Redakteurin namens Rosa Lyon hat für das ORF-Fernsehen am Vorabend des Krieges aus dem Iran kommentiert. Sie sitzt einsam vor der Kamera und hat dabei dennoch – man fasst es nicht – ganz nach dem Wunsch der dort (noch) herrschenden Mullahs einen Schleier über den Kopf geworfen. Was für eine widerliche Anpassung an eines der grauslichsten Regime der Welt! Das wird durch das, was der gleiche ORF unmittelbar davor zeigte, noch viel widerlicher.

Denn in mehreren Originalszenen aus Teherans Straßen zeigt sogar der ORF davor viele Frauen, die sich schon ganz ohne Kopftuch auf die Straße wagen, die dort ganz offensichtlich inzwischen sogar die große Mehrheit bilden. Da ist es wirklich ein absolutes Rätsel: Wenn sich die Iranerinnen das auf offener Straße trauen, warum um Himmels Willen traut sich die ORF-Korrespondentin das in einer total abgeschirmt wirkenden Umgebung nicht? Warum ist es nicht geradezu eine Selbstverständlichkeit und Pflicht, dass sich eine österreichische Journalistin bei einem – wenn auch ohnedies ahnungslosen – Kommentar für das österreichische Publikum vor der Kamera genauso bekleidet zeigt, wie es all ihre Kolleginnen tun?

Als Erklärung scheint dazu perfekt die Information zu passen, die einem ORF-Kollegen aus dem Minenfeld der dortigen Redaktionskonferenzen berichtet: Da tritt Frau Lyon seit längerem als selbstbewusste und herrische Wortführerin des linken kampffeministischen Flügels auf. Nur gegenüber den Mullahs ist sie halt nicht selbstbewusst, sondern unterwürfig.

Das führt den Beobachter freilich zu einer besonders beklemmenden Frage: Ist das Kopftuch über dem Haupt der Dame vielleicht gar nicht feige Anpassung an die Mullahs, deren Bürokraten ihr sonst das nächste Visum verweigern könnten (freilich wäre schon eine solche Anpassung schlimm genug, da man sich in einem solchen Fall als aufrechte Redaktion eindeutig nicht erpressen lassen dürfte, sondern halt auf die Reise nach Teheran verzichten müsste, da echte und auch gezeigte Unabhängigkeit immer wichtiger ist als das Lokalkolorit!)? Ist es aber gar nicht Unterwürfigkeit, sondern vielleicht gar eine Sympathieerklärung an das islamische Kopftuch?

Das erinnert daran, dass hierzulande immer öfter linke Feministinnen davon schwadronieren, dass das islamische Kopftuch – das im schiitischen Iran als Schleiergebot auftritt, dessen Missachtung manche mutigen Frauen das Leben gekostet hat! – gar kein Zeichen der Unterdrückung der Frauen durch Väter, Männer oder Brüder sei, gar keine Folge der tiefen Frauenverachtung durch einen sich als Religionsgründer ausgebenden Kriegsherrn, sondern ein Zeichen der "Befreiung" wäre! Immerhin hat auch schon unser weiser Bundespräsident darüber nachgedacht, ob man nicht seinen eigenen Frauen aus Solidarität mit den islamischen Frauen auch das Tragen von Kopftüchern empfehlen solle …

Was auch immer sich Frau Lyon dabei gedacht haben sollte: Faktum ist, dass praktisch alle österreichischen Zuschauer bei ihrem Kopftuch-Auftritt nicht mehr auf das hörten, was die Frau aus einem – zu dieser Stunde noch: potentiellen – Kriegsgebiet zu sagen hatte, sondern nur noch auf den Schal starrten, und sich lautstark oder innerlich empörten, warum sich der österreichische Gebührenfunk so widerlich an ein übles Regime anbiedert.

Faktum ist aber auch, dass sich frühere ORF-Generalintendanten sehr konkret eingemischt hatten, welche Bekleidung ihre Redakteure vor der Kamera tragen (was bis heute etwa an Krawatten zu sehen ist). Und dass sie mit Sicherheit im Fall Lyon zumindest nachträglich eingeschritten wären. Sie hätten dies aus dem klaren Bewusstsein getan: Ein immer lautstark auf seine Unabhängigkeit pochender Gebührenfunk darf sich keine Zeichen eines so feigen Opportunismus erlauben, was auch immer Lyons wahre Motive gewesen sein mögen. Und schon gar nicht dann, wenn diese Zeichen offensichtlich Anpassung an und Unterwerfung unter ein totalitäres Regime ausdrücken.

Letztlich ist das glatter Verrat einer privilegierten österreichischen Journalistin am Freiheitskampf der iranischen Frauen. Das ist er gleich doppelt so, da das Kopftuch der Frau Lyon eigentlich überflüssig gewesen sein dürfte, wie jedenfalls die vom ORF selbst unmittelbar davor ausgestrahlten Originalaufnahmen der vielen mutigen iranischen Frauen ohne Kopftuch – von denen sich etliche in den vergangenen Monaten in ihrem Kampf um Kopftuchfreiheit sogar umbringen haben lassen – eindeutig bewiesen haben.

Das bringt unwillkürlich die Zeit vor einem halben Jahrhundert in Erinnerung: Damals waren es exakt die Studenten aus dem gleichen linksradikalen Milieu, zu dem Frau Lyon offenbar gehört, die mit großer Aggressivität gegen den damals in Teheran regierenden Schah demonstriert hatten. Sie hatten neben dem Sieg der Kommunisten im Vietnam-Krieg, im Sturz des Schah und im Erfolg des damals noch im Exil wartenden Obermullahs Khomeini ihre großen Herzensanliegen. Letztlich hatten sie mit allen Anliegen auch großen Erfolg – freilich sehr zur Katastrophe für die betroffenen Völker von Vietnam bis Iran. Diese Allianz zwischen den atavistischen Mullahs und den Linksradikalen hatte sich anfangs auch im Iran selbst gezeigt, als ein Linker zum ersten Staatspräsidenten gemacht worden ist, als linke Studenten die in Teheran stationierten amerikanischen Diplomaten über ein Jahr lang als Geiseln hielten und die Mullahs dabei wohlwollend zusahen.

Da muss es ja allen Linken heute zutiefst weh tun, wenn dieses Regime gestürzt werden sollte, wenn der einzige Name, den Iraner auf den Straßen Teherans wie Hamburgs sehnsuchtsvoll rufen, jener des Schah-Sohnes ist. Oder wenn gar Israel auch aus diesem Konflikt als Sieger hervorgehen sollte.