Die Neidgenossen
"Fünf Prozent der Österreicher gehört so viel wie den anderen 95 Prozent." Ja, das ist wirklich Gift für die Demokratie – aber nicht diese angebliche Verteilung von Eigentum, sondern die Tatsache, dass führende Politiker des Landes daraus einen Skandal machen, dass sie daraus die Berechtigung zur Umverteilung ableiten, dass sie unter diesem Vorwand den Leistungsträgern in diesem Land noch mehr rauben wollen für einen ineffizienten Staat, für ein Pensionssystem, das ohne grundlegende Änderungen zwangsläufig gegen die Wand donnert.
Solange man nicht diese Aspekte dazu erwähnt, ist die obige 95-Prozent-Statistik absurd. Sie zu politischer Demagogie zu verwenden, ist tief populistisch und schadet der Demokratie wie jede unberechtigte Hetze gegen eine Minderheit.
Noch mehr Schaden richten aber die Folgen an. Denn dieser Kampfaufruf heißt in den Ohren der jungen Menschen, von deren Dynamik und Fleiß unsere Zukunft abhängt: Es zahlt sich eh nicht aus, durch große Anstrengung um die Chance zu kämpfen, ein Vermögen aufzubauen; denn wenn das gelingt – was ja immer nur eine kleine Minderheit schafft –, dann kommt mit Sicherheit eine Partie Neidgenossen, macht dich herunter und will dir das Erworbene wegnehmen.
Eine weitere schlimme Folge: Jene wenigen, die es geschafft haben, werden – ohne das unbedingt laut zu verkünden – umso öfter Wege suchen, um ihr Vermögen in Sicherheit zu bringen, ins Ausland zu retten, je öfter sie solche Attacken hören.
Tatsache ist auch, dass die großen Familienvermögen in Österreich fast alle erst nach dem Krieg irgendwann von Null aufgebaut worden sind, dass da keine Riesenerbschaften dahintergestanden sind – egal wie sie heißen: Swarovski oder Glock, Mateschitz oder Graf.
Oder anders formuliert: Noch kein Volk ist durch neiderfüllte Umverteilung reich geworden. Im Gegenteil.
Ich schreibe in jeder Nummer von Österreichs einziger Finanz- und Wirtschafts-Wochenzeitung "Börsen-Kurier" die Kolumne "Unterbergers Wochenschau".
