Die strategischen Fehler des Westens
Ohne Donald Trump mit Adolf Hitler vergleichen zu wollen: Aber in einer Hinsicht ähneln sich die beiden Herren frappant. Und das waren ihre schweren strategischen Fehlentscheidungen durch die ohne Notwendigkeit erfolgte Eröffnung einer zweiten Front während eines Krieges. Hitler hat das sogar gleich zweimal getan, einmal durch den Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941 und dann durch die Kriegserklärung an die USA im Dezember des gleichen Jahres. Ähnlich steht heute der Westen "dank" dem Angriff der USA und Israels auf den Iran da, ohne dass er noch davor eine geschlossene Antwort auf den Überfall Russlands auf die Ukraine und auf die wachsende Bedrohung durch China gefunden hätte. Stattdessen hat der amerikanische Präsident die Europäer, seine einzigen denkbaren Verbündeten, durch seine irrsinnigen Zollerhöhungen provoziert, ja sich durch diese mit der ganzen Welt verfeindet.
Es hilft jetzt wenig, wenn sich der Westen gegenseitig die Schuld zuschiebt und Vorwürfe macht, wie es jetzt geschieht:
- Wenn die Amerikaner etwa sagen:
- Europa hat viel zu wenig für seine eigene Verteidigung getan;
- Europa hat stattdessen den USA fast die gesamten Kosten für den atomaren Schutzschild und Amerikas Weltpolizisten-Engagement (etwa gegen Serbien oder den Irak) überlassen;
- Europa ha, statt etwas für die eigene Verteidigung zu tun, das Leben genossen;
- Europa hat zugleich moralistisch überheblich ständig die USA kritisiert;
- Europa hat nicht begriffen, dass Irans Raketen und die Einschränkung der Energieversorgung für die Europäer viel gefährlicher sind als für die USA;
- Europa hat die wirtschaftlichen und Sicherheits-Gefahren durch China überhaupt nicht begriffen;
- und Europa hat sich selbst durch die Massenzuwanderung, Einschränkung der Meinungsfreiheit sowie woke (schwule, feministische, familienfeindliche und Trans-) Gesetzgebung weit von den gemeinsamen Werten entfernt.
- Wenn die Europäer umgekehrt sagen:
- Die USA haben durch die unprovozierten Zollerhöhungen der Wirtschaft zu beiden Seiten des Atlantiks schwer geschadet;
- die USA haben nicht begriffen, dass Russland auch für Amerika eine gefährlichere Bedrohung als der Iran ist;
- die USA brechen das Völkerrecht (obwohl in zwei von den USA angegriffenen Ländern die große Mehrheit eines brutal unterjochten Volkes den Angriff begrüßt hat);
- die USA haben die Europäer seit Jahren nicht mehr auf Augenhöhe behandelt;
- und die USA haben zusammen mit Israel ohne jede Konsultation mit den Europäern die aktuellen Kampfhandlungen mit dem Iran begonnen.
Im Grund sind all diese gegenseitigen Vorwürfe weitgehend oder sogar ganz richtig. Aber es ist fatal, dass diese Vorwürfe derzeit auf beiden Seiten des Atlantiks dominieren. Stattdessen sollten Europäer wie Nordamerikaner:
- diese Vorwürfe in die Geschichte zurücksinken lassen,
- sich gemeinsam auf die zuletzt stark angewachsenen Bedrohungen durch die eng aneinandergerückten imperialistischen Diktaturen in Moskau, Peking und Teheran konzentrieren,
- sich wieder auf die gemeinsamen christlich-jüdisch-aufklärerischen Fundamente als geistige Basis besinnen,
- erkennen, was für eine Bedrohung der Islam und damit die Migration aus islamischen Kulturen – aber nicht aus anderen! – für die Zukunft bedeutet,
- sich militärisch auf diese globale Mehrfach-Bedrohung einstellen, statt in naiver Realitätsverdrängung sagen, das sei nicht "unser Krieg", denn vom Golf bis zum Schwarzen Meer ist jeweils der ganze Westen bedroht,
- wirtschaftlich wieder und stärker denn je zzusammenzurücken und eine Zollfreizone bilden,
- das nationale und kulturelle Überleben (von der Migration bis zur Wokeness) nicht durch linksideologische Richter zerstören lassen, wie es die Italiener gerade jetzt leider erlaubt haben.
In Wahrheit ist es die letzte Chance für den Westen, um die Sache der freiheitlichen, geordneten, an der Rechtsstaatlichkeit orientierten, demokratischen und marktwirtschaftlich blühenden Welt zu retten. Es ist die letzte Chance, um den Rückfall in das ständig zu Krieg führende Chaos miteinander rivalisierender und sich die restliche Welt unterjochender Diktaturen zu verhindern.
Aber alles deutet darauf hin, dass der Westen längst zu matt, zu schwach, zu kurzsichtig populistisch für diese Erkenntnis und die daraus folgenden Schlüsse geworden ist. Gewiss, es sind in der Geschichte schon viele große Kulturen untergegangen. Aber dennoch wäre es unermesslich schade um den Westen und unsere Lebensweise. Sie zu retten wäre noch immer jede Anstrengung wert. Unabhängig von Benzinpreis, Parteienstreit, Brandmauern, Neutralitätsillusionen, von chinesischen Plastikspielsachen oder Elektroautos.
