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Gott und die Weltpolitik: Ist das immer derselbe Gott?

Gott und die Weltpolitik: Ist das immer derselbe Gott?

"Mein Reich ist nicht von dieser Welt." Diese klaren Worte von Jesus Christus scheinen total in Vergessenheit geraten zu sein. Gott ist heute in der Politik deutlich präsenter als in den letzten Jahrhunderten. Das gilt insbesondere für den amerikanischen Teil der Welt. Das gilt noch viel mehr für die islamische Welt, wo aber jetzt binnen weniger Jahre – zum Glück – die zwei bösartigsten und totalitärsten Formen eines Gottesstaates niedergerungen worden sind.

Die Berufung auf den Koran mit seiner hemmungslosen Kriegshetze, mit seiner Versklavung der Frauen und mit seinen Tötungs- (oder ebenfalls Versklavungs-)Absichten gegenüber allen Nichtmoslems ist beiden real existierenden Formen islamischer Gottesstaaten und ihrem blutigen und mörderischen Wirken gemeinsam. Sei es der "Islamische Staat" sunnitischer Fanatiker in großen Teilen des Irak und Syriens, sei es die "Islamische Republik" schiitischer Gewaltherrscher im Iran mit Satrapen vom Libanon über den Irak bis zum Jemen.

Beide Schreckensregime konnten – vorerst – in die Schranken gewiesen werden. Beide Male ist dies eindeutig den Vereinigten Staaten zu danken. Im Falle des "Islamischen Staates" mit Hilfe vor allem der (ebenfalls islamischen, aber pluralistischen und toleranten) Kurden. Im Fall des Iran mit Hilfe vor allem Israels.

Freilich muss man ehrlicher Weise sagen: Das Gift, aus dem das Unheil erwuchs, ist noch keineswegs aus der Welt. Beide Formen des islamischen Totalitarismus können jederzeit wieder ausbrechen:

  • Im Falle des Iran ist der totalitäre schiitische Mullahismus nicht einmal noch so besiegt, wie man es beim "Islamischen Staat" eine Zeitlang gehofft hatte. Die Beseitigung von Dutzenden Führern des Mullahismus hat offensichtlich ihre aggressive Ideologie bisher in keiner Weise eliminiert. Und es ist mehr als fraglich, wie weit es den Amerikanern und Israel letztlich gelingt, den Mullahismus ganz zu besiegen.
  • Auch der "Islamische Staat" ist keineswegs ganz eliminiert. Er lebt erstens dadurch weiter, dass seine Ableger in mindestens einem halben Dutzend afrikanischer Staaten aktiver und mörderischer denn je unterwegs sind, dass er insbesondere den dortigen Christen einen hohen Blutzoll abverlangen kann. Und zweitens ist er auch in Nahost wieder gefährlich, weil die ihn besiegt habenden Kurden von den USA im Vorjahr verraten und der neuen syrischen Regierung ausgeliefert worden sind. Diese neue Regierung ist genauso islamistisch wie der von der Achse Kurden-Amerikaner besiegte "Islamische Staat" – nur steht sie für eine andere, mit dem IS sogar verfeindete radikal-islamische Bewegung, nämlich die der Muslimbrüder. Diese syrische Regierung ist nur dank der Unterstützung durch die ebenfalls von den Muslimbrüdern beherrschte türkische Regierung an die Macht gekommen.

Damit sind wir nach "Islamischem Staat" und Mullahismus beim dritten Typus islamischer Bedrohung für Rechtsstaat und Demokratie gelandet: bei den Muslimbrüdern. Sie haben das gleiche Ziel wie die anderen beiden: Sie alle wollen einen totalitären Gottesstaat, in dem alle Nichtmuslime, aber auch Frauen bestenfalls Menschen zweiter Kategorie sind. Die Muslimbrüder verfolgen nur eine andere Strategie auf dem Weg zu diesem Ziel als "Islamischer Staat" und Mullahismus: Sie wollen es nicht durch Krieg, nicht durch Dschihad, sondern durch Unterwanderung früher nichtislamischer Nationen und durch demokratische Mehrheitseroberung erreichen.

Das ist ihnen etwa in der lange Zeit kemalistisch-laizistisch gewesenen Türkei geglückt. Diese Muslimbrüder-Strategie kann man mit der Machtergreifung der Nazis 1933 in Deutschland und jener der Kommunisten 1948 in der Tschechoslowakei vergleichen, worauf dann beide Male Demokratie und Rechtsstaat auf viele Jahre mausetot waren.

Als vierte totalitäre Variante des heutigen Islam kann man die Träume von einer Wiederauferstehung des Kalifats ansehen. Diese Träume sind zwar noch wenig konkret geworden, gleichen aber ebenfalls denen der schon weiter gediehenen anderen Bewegungen und werden besonders in den Straßen europäischer Staaten gefeiert.

Als fünfte, noch rückständigere und noch brutalere Art des Islamismus sind die Taliban zu nennen, die Afghanistan erobert haben und die jetzt ihre Terrorherrschaft auf Teile des benachbarten Pakistan ausdehnen wollen.

Was freilich die dortige, am ehesten als national-islamisch zu bezeichnende Regierung gar nicht gern sieht, die recht typisch für viele andere islamische Länder zu sehen ist, die keine expansive Ideologie verfolgen, die aber auch ganz klar auf den Islam als Element der nationalen Identität setzen, die man als sechste Variante islamischer Herrschaft einordnen kann.

Dringend notwendig wäre eine siebente Variante des Islam. Die gibt es aber nicht. Die kommt nur in westlichen Wunschträumen vor. In der wirklichen Welt gibt es kein mehrheitlich islamisches Land, das wie viele europäische Staaten laizistisch und rechtsstaatlich-demokratisch wäre, das alle Religionen gleich behandeln würde.

Es ist daher völlig unbegreiflich, dass in Europa angesichts der offensichtlichen Gefahr durch den Islam welcher Variante immer manche Politiker, Staatsanwälte und Richter den Islam prinzipiell unter Schutz zu stellen versuchen, dass sie ihn wie eine der anderen durchwegs friedlichen Religionen behandeln, dass sie Kritik und Zitierung von Fakten über den Islam sogar als "Hetze‘" bekämpfen. Das ist im Grund ein Missbrauch des für Religionen, wie etwa die christlichen, die jüdische oder die buddhistische, durchaus nachvollziehbaren gesetzlichen Schutzes. Das ist, wie wenn Nationalsozialismus oder Kommunismus ihre Ideologie als Religion bezeichnen und gleiche Behandlung, gleichen Schutz wie eine solche verlangen würden und auch bekämen.

Es ist ebenso völlig unbegreiflich, dass manche christlichen Theologen behaupten, dass der Gott dieses immer wieder so teuflisch realisierten Islam der gleiche Gott wie jener wäre, den alle christlichen Religionen wie auch die Juden verehren. Sie machen den Gott, der im Zentrum der christlichen Religion steht, zu etwas völlig Beliebigem, wenn er ihrer Meinung nach auch ohne das zentrale Gebot der Nächstenliebe und ohne die zehn Gebote auskommen kann, wenn seine Gläubigen an deren Stelle das Gebot der kriegerischen Eroberung setzen können.

Es gibt im politischen Westen auch jenseits der Theologen-Dummheiten erbärmliche Unterwerfungsgesten unter den Eroberungsislam, die vor allem Ahnungslosigkeit beweisen. Dazu gehört etwa die sozialdemokratische Bürgermeisterin von Göttingen, die mit großer Begeisterung in der alten Universitätsstadt das Lautsprechergebrüll der Muezzin-Gebetsaufrufe eingeführt hat. Dazu gehören die bisher völlig unbedeutend gewesenen britischen Grünen, die jetzt bei Nachwahlen durch Verbrüderung mit radikalen Moslemführern vor allem aus dem Dunstkreis der Muslimbrüder einen Sitz errungen haben. Die sich dabei nicht einmal scheuten, auf islamistischen Plattformen zu werben, welche Homosexualität offen als "Verbrechen gegen Allah" bezeichnet.

Es gibt freilich auch im jüdischen und christlichen Spektrum bisweilen Exponenten, die auf Eroberung setzen, wenn auch zum Glück in diesen Religionen nur als Minderheitsbewegung.

  • Man denke an die jüdischen Versuche, die Wegnahme arabischer Besitzungen am Jordan-Westufer biblisch zu begründen.
  • Man denke an den orthodoxen Patriarchen in Moskau, der allen Ernstes gerade wieder ausdrücklich die Eroberung weiterer ukrainischer Gebiete verlangt hat, und an den serbischen in Belgrad, der die Russen bei ihrer Aggression unterstützt.

Das muss klar als Exzess gebrandmarkt werden, der mit Christentum absolut nichts zu tun hat.

Der "God Gap" in den USA

Auch in die US-amerikanische Politik ist Religion, ist der Glaube in den letzten Jahren mit großer Intensität zurückgekehrt. Die Intensität ist so groß, dass die "Washington Post" sogar von einem "God Gap" quer durch die amerikanische Gesellschaft spricht. Auf der einen Seite, auf jener der Republikaner, stehen die Christen, auf der anderen, also bei den Demokraten, finden sich primär die Menschen ohne sonderlichen Bezug zur Religion.

Bei den Republikanern finden sich vor allem zwei christliche Gruppen, die es dort ein, zwei Dekaden früher praktisch nicht gegeben hat, als die Partei fast nur für die WASP gestanden ist, die "weißen angelsächsischen Protestanten". Heute aber finden sich dort die weitaus dynamischsten Gruppen unter den Christen:

  • Das sind einerseits die Katholiken, die früher fast nur bei den Demokraten zu finden waren. Das sind vor allem die Wertkonservativen unter ihnen, die von der Agitation der Demokraten für Abtreibung, für Feminismus und für die trans-schwule LGBTQ-Bewegung abgestoßen worden sind.
  • Das sind andererseits die Evangelikalen, eine relativ neue, sehr konservative, sehr patriotische christliche Richtung, die sich außerhalb der etablierten Kirchen entwickelt hat, aber nicht gegen diese agitiert (die auch in Südamerika recht erfolgreich ist).

Beide christlichen Gruppierungen fühlen sich Israel und dem Judentum aus religiösen Gründen sehr eng verbunden. Sie stehen damit ganz im Gegensatz zu früheren antisemitischen Akzenten unter den Christen, die etwa ganz besonders bei Martin Luther zu finden gewesen sind. Die enge Bindung speziell der Republikaner an Israel ist gar nicht mehr so sehr durch die jüdischen Wähler in den USA determiniert, sondern durch diese christlichen Gruppen.

Dabei ist Donald Trump selbst alles andere als ein Vorbild für einen sonderlich christlichen Lebenswandel. Jedoch die beiden Männer, die ihn am engsten umgeben und von denen beide auch am ehesten für seine Nachfolge in Frage kommen, sind demonstrativ bekennende Katholiken: Vizepräsident J.D. Vance und Außenminister Marco Rubio.

Zumindest in Amerika ist also Gott ganz stark zurück in der Politik.

Es kann aber letztlich keine Frage sein: Das ist ein ganz anderer Gott, als jener, auf den sich etwa die Mullah-Schlächter berufen.