Was wirklich diesen Krieg entscheiden wird
Es ist ganz eindeutig, welche Faktoren ausschlaggebend waren und sind, dass die Ukraine nun schon vier Jahre dem Angriff einer eigentlich viel größeren und stärkeren Macht standhalten kann. Im Iran-Krieg werden hingegen total andere militärische Aspekte die Auseinandersetzung entscheiden – dort aber wahrscheinlich viel schneller als in der Ukraine.
- Das war eindeutig die große moralische Entschlossenheit der ukrainischen Bevölkerung, die Russen abzuwehren, ihr Land zu verteidigen und die damit verbundene Tapferkeit ihrer Soldaten. Auf der anderen Seite haben immer öfter russische Kommandeure die ihnen untergebenen Uniformierten niedergeschossen, weil diese lebensgefährliche Angriffsbefehle verweigert haben. An diesem Unterschied ändert die Tatsache nichts, dass auch auf ukrainischer Seite viele junge Männer versucht haben, sich dem Militärdienst zu entziehen.
- Das waren andererseits die viel größere Kreativität und Entschlossenheit der gesamten ukrainischen Nation auch außerhalb der Armee, die sich insbesondere in der elektronischen und noch mehr in der Drohnen-Kriegsführung zeigte. Die Ukraine hat durch diese kollektive Kreativität mit ihren billigen Drohnen eine Waffe entwickelt und ständig weiterverbessert, welche die Russen am Beginn des Krieges nicht einmal noch gekannt haben.
- Das war die einseitige Unterstützung der ukrainischen Armee durch die Starlink-Internet-Satelliten des Elon Musk, die ihr einen großen Aufklärungs-Vorteil verschafft hat.
Damit ist zwar noch lange nicht sicher, dass die Ukraine den Krieg gewinnt, aber jedenfalls gilt jetzt ein ermattetes Einschlafen der Front zwischen zwei gleichermaßen erschöpften Kampfparteien als viel wahrscheinlicheres Szenario als eine Kapitulation der Ukraine.
Die Auseinandersetzung der USA und Israels mit dem Iran schaut schon deshalb anders aus, weil es bis heute keine Front gibt. Denn die amerikanisch-israelische Seite hat nirgends eine solche eröffnet, eröffnen können oder wollen.
Am ehesten hätte man glauben können, dass die im Norden des Iran lebenden Kurden zu einem Bürgerkrieg imstande und bereit wären. Jedoch dürften die zu den Sunniten zählenden iranischen Kurden trotz jahrelanger ethnischer und religiöser Verfolgung durch das Mullah-Regime wenig motiviert sein, in den Krieg zu ziehen, nachdem ihre Brüder in Syrien von den USA zuletzt so im Stich gelassen worden sind. Dabei waren gerade die syrischen Kurden – mit Unterstützung der USA – entscheidend für das Niederringen der mörderischen Banden des "Islamischen Staates". Nun aber sind sie den neuen nationalistisch-islamistischen Machthabern in Syrien hoffnungslos ausgeliefert, müssen sich ohne US-Unterstützung zurückziehen und unter Druck aus Damaskus die festgenommenen Kämpfer an die siegreiche Zentralregierung übergeben und damit de facto freilassen.
Der Iran-Krieg wird viel wahrscheinlicher durch die gegenseitige logistische Erschöpfung entschieden werden. Genauer durch die Frage: Wem gehen rascher die Raketen und Abwehrraketen aus? Denn keine Seite ist imstande, die derzeit verfeuerten Raketenwaffen auch nur in absehbarer Zeit nachzuproduzieren.
In dieser Hinsicht scheinen die USA vorerst vielfach überlegen zu sein. Sie richten ihre Luftschläge gezielt auf die Abschussbasen der iranischen Raketen. Vor dem Krieg hat der Iran nach verlässlichen Analysen rund 2000 Mittelstreckenraketen gehabt, die etwa Israel oder manche Ziele in Europa treffen können, und bis zu 8000 Kurzstreckenraketen, die vor allem für Ziele rund um den Golf, also auch Schiffe, gefährlich sind. Ein guter Teil davon ist schon abgefeuert beziehungsweise in ihren Rampen zerstört worden. Deshalb scheint die Intensität des iranischen Raketenbeschusses bereits abgenommen zu haben.
Auf der anderen Seite sind die iranischen Raketen imstande, ein Vielfaches an Abwehrraketen auf israelischer, arabischer und amerikanischer Seite zu beschäftigen. Dazu kommt, dass die Abwehrraketen viel teurer sind, die USA können kaum mehr als eine pro Tag herstellen.
Das führt dazu, dass die USA ihre Verteidigungsstellungen gegenüber China und Russland gefährlich zu entblößen beginnen. Sie haben schon etliches an Raketen aus Europa und Ostasien in den iranischen Kriegsraum abtransportiert.
Genau diese Entwicklung droht wiederum den innenpolitischen Widerstand in den USA gegen den Krieg zu verstärken. Denn nicht nur die Demokraten, sondern auch der isolationistische "MAGA"-Flügel der Republikaner rund um Vizepräsident Vance sieht ihn skeptisch. Dazu kommt, dass er ohne die von der US-Verfassung vorgeschriebene Zustimmung des US-Senats geführt wird. Auch deshalb ist eine Mehrheit der Amerikaner gegen den Iran-Krieg.
Diese Entwicklung sehen aber auch die Mullahs und ihre Schergen in den Revolutionsgarden. Sie kämpfen daher trotz einer militärisch eigentlich aussichtslosen Situation weiter. Sie schießen jeden inneren Widerstand brutal nieder. Und sie werden – wenn auch mit reduzierter Raketenintensität – weiterkämpfen, solange es geht. Solange nicht ein Teil der Armee desertiert, scheint daher das Konzept Donald Trumps nicht aufzugehen, dass es zu einem inneren Umsturz im Iran kommt. Zugleich ist es fast unmöglich, mit Drohnen die Anti-Mullah-Demonstranten gegen Scharfschützen zu verteidigen, die in sie hineinfeuern. Und auch die Drohung, dass jede neue iranische Führungsmannschaft von den USA und Israel liquidiert wird, hat nur wenig Aussicht, die schiitischen Fanatiker zum Einlenken zu bewegen.
So bleibt fast als letzte Hoffnung, dass in der Mullah-Clique ein Mann an die Spitze gespült wird, bei dem Vernunft über Fanatismus und Hass siegt, der mehr das iranische Volk als die wirre Mullah-Ideologie im Sinn hat, der das Blutvergießen beenden will, der zur Abrüstung von Raketen und Atomwaffen bereit ist – und der dafür die Zusage bekommt, dass das Mullah-Regime an der Macht bleiben kann.
Was freilich Millionen Iraner bitter enttäuschen wird.
