Schulen: einmal richtig, zweimal falsch unterwegs
Dass Schulen nun noch mehr Rechte haben sollen, darüber zu entscheiden, was sie unterrichten, ist eine absolut gute Entwicklung. Damit wird der Masseneinmarsch von arbeitslosen, aber ideologiereichen Politologie- und Publizistik-Absolventen wohl nur in den sogenannten "roten" Schulen stattfinden, also jenen, die man meist schon von außen leicht an der groß flatternden Schwulen-Fahne erkennt. Dennoch gibt es zwei grundsätzliche Defizite in dem, was die Koalition jetzt vereinbart hat.
So richtig es ist, Direktoren und Lehrern gegenüber den Behörden mehr Entscheidungsautonomie zu geben, so ist es in einer solchen Schullandschaft noch viel wichtiger, Eltern volle Transparenz zu geben, damit sie ihre Kinder optimal durch den Schulweg steuern können, damit sie die optimale Schulwahl treffen können. Das verlangen immer mehr Eltern als mündige und am Wohl ihres Nachwuchses interessierte Staatsbürger.
Es bräuchte daher dringend eine Internet-Seite, in der alle Schulen ab dem Volksschulalter nach vergleichbaren Maßstäben aufgelistet sind, dank der man für die Schulwahl nicht zahllose Internet-Seiten durchsuchen muss, wo sich jede Schule recht willkürlich vorstellt, wenn überhaupt.
Auf einer solchen Seite sollten wirklich alle schulrelevanten Informationen übersichtlich zu finden sein. Wie etwa: genaue Stundentafeln mit klar erkennbaren Schwerpunkten und Entscheidungsmöglichkeiten, darüber hinausgehende Angebote der jeweiligen Schule, durchschnittliche Klassengröße, Klassen- und Schülerzahl, Zahl der ungeprüften und geprüften Lehrer, Schulaktionen, Besichtigungsmöglichkeiten, Raumsituation, Ausstattung ...
Zu den nötigen Informationen gehört aber beispielsweise auch:
- Wie geht man an der Schule mit dem Gendern um?
- Gibt es auskunftbereite Ansprechpartner aus der Elternvertretung für interessierte Eltern?
- Gibt es einen Absolventenverein und was macht der genau (das sagt sehr viel über die Qualität einer Schule aus!)?
- Gibt es für die Fremdsprachen Native speaker?
- Ist es eine Chancenbonus-Schule?
- Hat sie einen eigenen Sportplatz?
- Zu Transparenz gehört aber unbedingt auch die Information über die Benotung und die Durchfallquoten. Das ist genau das, was ein Studentenvertreter jetzt auf dem Rechtsweg gemäß dem Informationsfreiheitsgesetz auch für die Universitäten durchsetzen will. Selbstverständlich ist das bei Mittel- und Höheren Schulen ebenso wichtig – nicht nur für die Eltern, sondern noch viel mehr für künftige Arbeitgeber (oder eventuelle weiterführende Bildungseinrichtungen), die wissen wollen, ob ein Jobbewerber aus einer Schule kommt, wo er mit hoher Wahrscheinlichkeit etwas gelernt hat, oder ob dort eh jeder durchkommt.
Das Zweite, was wirklich besorgt macht, ist der schon seit Jahren sich im Pädagogengewäsch verbreiternde Unsinn vom "kompetenzorientierten Lernen". Diese in der Praxis eigentlich längst gescheiterte Theorie wird nun von der Politik sogar weiter forciert: Sie verlangt, dass die Schulen den Fokus weg von der Wissensvermittlung hin zur konkreten Anwendung des Wissens legen.
Das heißt aber im wirklichen Leben: noch mehr phrasengefülltes Klugscheißen mit noch weniger faktenbasierter Ahnung von den Dingen, über die geredet wird. Jenes Phänomen, das von der Politik über die Medien bis zum Stammtisch-Geschwätz so oft Schmerz bereitet, ist nun noch mehr als oberstes Schulprinzip einzementiert worden.
Wir dürfen uns also auf eine noch weitergehende Verflachung des öffentlichen Diskurses und des Niveaus von Schul- und Universitätsabgängern vorbereiten. Und jene Schulen, die noch primär Wissen vermitteln wollen, die sich noch auszusieben trauen, müssen sich auf noch mehr Missbilligung durch das Bildungsministerium vorbereiten.
