Probleme, die vermeidbar sind
»Atomstrom nimmt man gern, aber Atomkraftwerke nicht. Wir sollten diese Dinge nicht mit Gut und Böse belegen.« So sagte Elisabeth Zehetner in einem "Kurier"-Interview. Die erste ÖVP-Politikerin, die der Atomkraft nicht a priori abgeneigt ist. Ihre Aussage "Ich würde mir wünschen, dass die Doppelmoral zurückgedrängt wird. Windräder ja, aber nicht bei mir. Atomstrom nimmt man gern, aber Atomkraftwerke nicht. Wir sollten diese Dinge nicht mit Gut und Böse belegen. Ich finde auch, dass Atomkraft nicht die ideale Lösung ist, aber man muss darüber diskutieren können."
Zu hoffen ist, dass nicht nur Frau Zehetner diese Meinung vertritt. Ob sich auch andere Regierungsmitglieder zu "outen" wagen, ist sehr fraglich. Allerdings hätte eine solche Diskussion nur akademischen Charakter, solange dieses schizophrene Antiatomgesetz nicht aus der Verfassung gestrichen wird. Aber dazu bedarf es einer Zweidrittel-Mehrheit. Doch solange der Nehammer-Geist im Parlament existiert, wird es diese nicht geben. Vor allem wird die links-grün versiffte Presse dafür sorgen, dass paranoide Angstzustände in der Bevölkerung am Köcheln erhalten werden.
In einer eventuellen Diskussion um den Einsatz von Atomenergie in Österreich sollte auch die Rolle radikaler Umweltschutzgruppen berücksichtigt werden. Ein Beispiel hierfür sind die sogenannten "Ökoterroristen", wie sie etwa in Berlin auftreten. Diese Gruppen sind eng mit den Grünen verbunden, denen in Österreich Frau Gewessler vorsteht.
Solche Organisationen könnten erhebliche Maßnahmen ergreifen, um ein mögliches Atomkraftwerk zu sabotieren. Für diese Akteure lassen sich – unter Berufung auf ökologische Ideale – Kollateralschäden, einschließlich Todesfällen, rechtfertigen. Diese Haltung zeigt, wie weit manche Gruppierungen im Namen des Umweltschutzes zu gehen bereit sind.
Das ist sicherlich ein weiteres Argument der Antiatomkraftmeute, warum Kernkraft verboten bleiben soll.
Andererseits: Sind Windkraft und Solar die idealen Lösungen? Ich glaube nicht. Mit der heute existierenden Technologie, wo Abbrände wiederverwertet werden können und wir Ressourcenproblemen entgegensehen, ist bei Investitionskosten wie Landverbrauch je TWh Atomkraft sicherlich um einiges günstiger als reine Ökostrom/Batterie-Technologie. Letztere ist nicht ausgereift, ungemein teuer und brandgefährlich, wie die zahlreichen Brände in Batteriefarmen in den USA beweisen. Aber – und über das wird nicht berichtet oder bestenfalls sporadisch – es sind die auch als Backup erforderlichen Gaskraftwerke, die zu den exorbitanten Stromkosten beitragen. Jetzt sollen sie noch dazu mit grünem Gas – geschuldet dem Klimawahn – anstelle von Erdgas betrieben werden. Meist stehen sie still. In Österreich gibt es reichlich Wasserkraft, die "noch" als Backup-Ressource dient. Ein weiterer Ausbau ist im Lichte des Klimawandels zu hinterfragen. Gletscher – wesentliche Lieferanten für Wasser für die Speicherkraftwerke, aber auch Laufwasserwerke – verschwinden und damit ein Teil der Stromerzeugungskapazitäten.
Bei allen Überlegungen ist zudem die einseitige Abhängigkeit von Rohstofflieferanten – insbesondere aus China – für den Bau der Stromerzeugungsanlagen zu berücksichtigen. Zentraleuropa bezieht statt russischem Gas nun wichtige Industriekomponenten und Rohstoffe wie Solarpaneele, Seltene Erden und andere Metalle aus China.
Durch Mercosur und eine mögliche Annexion Grönlands durch die Vereinigten Staaten könnte die starke Rohstoffabhängigkeit von China reduziert werden. Während die Annexion Grönlands auf deutliche Ablehnung und Widerstand seitens europäischer Staaten stößt, lässt sich argumentieren, dass der Bergbau unter US-amerikanischer Verwaltung neuen Aufschwung erfahren würde.
In dieser Hinsicht sind die gewaltigen Ressourcen an Seltenen Erden in Südwestgrönland zu nennen, die nicht entwickelt wurden, da sie Uran enthalten. Die grönländische Administration hat deshalb den Abbau verboten. Die Finanzierung für die weltweit zweitgrößte Molybdänlagerstätte in Ostgrönland, die ich schon vor 67 Jahren als solche erkannt und exploriert habe, ist bisher nicht zustande gekommen. Inwieweit die Initiative "RESourceEU" diese Gegebenheiten beeinflussen wird, bleibt abzuwarten. Ein anderes Beispiel ist die Übernahme des Kupferbergbaus Bor in Serbien, eine der größten Kupferlagerstätten Europas durch das chinesische Bergbauunternehmen Jinjin Mining.
Chinas und Australiens Erwerb europäischer Bergrechte zeigt, wie spät Europa die Bedeutung eigener Rohstoffe erkennt. Die rechtlichen Rahmenbedingungen werden oft erst nach jahrelangen Diskussionen geschaffen, sodass wichtige Industrien in fremden Händen landen. Dadurch bleibt Europa weiterhin auf Importe aus meist nicht-demokratischen Staaten angewiesen.
Irre, nicht wahr?
Gerhard Kirchner ist Bergingenieur und liebt die Umwelt.
