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Der Krieg und die Wirtschaft

Der Krieg und die Wirtschaft

Der französische Ökonom und Politiker Frédéric Bastiat (1801-1850) stellte einst fest: "Wenn Waren die Grenzen nicht überschreiten dürfen, werden es Soldaten tun." Diese Erkenntnis gilt allerdings auch in umgekehrter Richtung: Sobald kriegerische Feindseligkeiten ausbrechen, wird der Warenverkehr gebremst oder er kommt ganz zum Erliegen. Ein eindringlicherer Beweis dafür, als der aktuell tobende amerikanisch-israelische Krieg gegen den Iran ist gar nicht vorstellbar. Kurzum: Ein Krieg ist Gift für die Wirtschaft. Immer. Überall. Vom Krieg profitieren lediglich die Rüstungsindustrie und der beteiligte Staat, der damit sein Wachstum beschleunigen und Dissidenten mundtot machen kann. Wer vor Ausbruch der aktuellen Feindseligkeiten auf Aktien von Rüstungsunternehmen wie Rheinmetall, General Dynamcis oder Raytheon gesetzt hat, kann sich über satte Kursgewinne freuen.

 Darüber, dass rund 20 Prozent der weltweiten Ölproduktion über die nun von den iranischen Streitkräften und den Kämpfern der Revolutionsgarden blockierte Meeresenge von Hormus transportiert werden, wird tagtäglich berichtet. Dass US-Präsident Trump die Reedereien aufgefordert hat, ihre beiderseits der Meeresenge sicherheitshalber in Warteposition befindlichen Schiffe – trotz der Gefahr von Minen- Drohnen- oder Raketentreffern und ohne jeden Versicherungsschutz – wieder in Marsch zu setzen, ist ein starkes Stück.

Ebenso unerhört ist es allerdings, wenn die politischen Eliten der EU sich jetzt auf den Standpunkt stellen "das ist nicht unser Krieg" und sich bis dato beharrlich weigern, mit der Bereitstellung maritimer Kampfmittel zur Sicherung der Durchfahrt für den Gütertransport beizutragen (vage Absichtserklärungen, man werde sich unter gewissen Umständen doch an der Durchfahrtssicherung beteiligen, reichen nicht). Immerhin ist Europa auf die Waren vom Golf stärker angewiesen als die USA – zumindest, soweit es Öllieferungen betrifft. Es liegt also im vitalen Interesse Europas, den Schiffsverkehr via Hormus zu sichern, denn rund 10 Prozent des Ölbedarfs und 15 Prozent des LNG-Bedarfs der EU laufen über diese Meeresenge. Das scheint zwar nicht dramatisch viel zu sein, bedeutetet aber einen durch die Blockade ausgelösten, deutlichen Anstieg der Weltmarktpreise, der sowohl die Industrie als auch Gewerbe und Konsumenten in Euroland vor erhebliche Kostenprobleme stellt.

Weithin unerwähnt bleibt bisher der zweite, nicht minder wichtige Rohstoff, der durch die Blockade der Seestraße von Hormus nun knapp zu werden droht: Das sind stickstoffbasierte Düngemittel. Etwa 30 Prozent des europäischen Bedarfs an Harnstoff, Ammoniak und Schwefel werden in Qatar, Saudi-Arabien und Oman produziert und laufen via Hormus. Das ist alarmierend, denn: Kein Dünger bedeutet keine Aussaat und keine Ernte. So einfach ist das. Ein Ersatz ist aber weit und breit nicht verfügbar, da nämlich der weltweit größte Düngemittelproduzent, China, seine Exporte eingestellt hat, um die eigene Versorgung sicherzustellen. Euroland steckt somit in einer klassische Doppelmühle.

Da es bereits mehr als 100 Jahre her ist, dass in Europa gehungert wurde (Stichwort: britische Seeblockade während des Ersten Weltkriegs und danach), hat hier offensichtlich auch niemand eine blasse Vorstellung davon, was Hunger bedeutet. Hätten die politisch Verantwortlichen Eurolands mehr als nur Stroh in ihren Köpfen (Alice Weidel stellte nicht zu Unrecht fest "Wir werden von Idioten regiert!"), würde man doch endlich das eine oder andere Kriegsschiff in den Golf in Marsch setzen, um dort den für Europa lebenswichtigen Schiffsverkehr gegen iranische Attacken zu sichern.

Mit "das-ist-nicht-unser-Krieg-Rhetorik" (wie etwa der deutsche Kanzler Merz im Deutschen Bundestag erklärt hat) ist jedenfalls keinem EU-Bürger gedient. Wenn lebenswichtige Interessen Europas auf dem Spiel stehen, dürfen sich seine politischen Eiten nicht einfach in den Schmollwinkel zurückziehen und damit aller Welt ihre Irrelevanz einmal mehr vor Augen führen!  

Da aber auch bei der Befassung mit einem ernsten Thema wie der infolge des Krieges gestörter Lieferketten der Humor nicht zu kurz kommen sollte, sei an dieser Stelle ein Blick auf Österreichs Innenpolitik gerichtet. Dort entfaltet die beste Bundesregierung aller Zeiten soeben enorme Kraftanstrengungen, um die explodierenden Treibstoffpreise um sage und schreibe 10 Cent je Liter zu senken. Kein planwirtschaftliches Instrument ist bei der Verwirklichung dieses Vorhabens tabu. Der Vizekanzler und bekennende Marxist Andreas Babler (SPÖ) würde selbst vor direkten Markteingriffen wie einem "Preisdeckel" (wie schon bei den Mieten erfolglos vorexerziert) nicht zurückschrecken. Das löste zwar das aktuelle Problem nicht, das ja ursächlich durch einen Mangel auf der Angebotsseite bedingt ist, der dadurch nicht verschwände, würde aber zeigen, dass die amtierende Regierung alles in ihrer Macht Stehende unternimmt, um dem in Wirtschaftsfragen weithin unterbelichteten Stimmvieh in schwierigen Zeiten wenigstens Brot und Spiele zu verschaffen!

Ambitionierte Wissenschaftler der Stanford-University haben es in den 1970er-Jahren zwar geschafft, dem Gorillaweibchen Koko das Verständnis von 2.000 gesprochenen englischen Wörtern beizubringen. Doch sind mehrere Generationen von Vertretern der "Austrian Economics" bislang kläglich beim Versuch gescheitert, den Sozialisten in allen Parteien ökonomische Grundlagenkenntnisse zu vermitteln. Folgerichtig bewahrheitet sich in Deutschland und Österreich bis heute täglich Erich Honeckers Diktum "Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf!"                        

 

Andreas Tögel, Jahrgang 1957, ist Kaufmann in Wien.