Die Mullahs hoffen immer noch
Das Mullah-System hofft immer noch, irgendwie überleben zu können. Der zweitälteste Sohn des "neutralisierten" bisherigen Ayatollah soll den Laden übernehmen. Er gilt als Hardliner und ist für Israel ein weiterer Beweis für den unerfreulichen Tatbestand, dass der Gottessstaat noch nicht bereit ist, seinen defaitistischen Kurs zu ändern – und ein unhintergehbarer Anlass zugleich, auch den neuen Führer-Nachfolger ins Visier zu nehmen. Noch ein "Dead man walking" mehr auf der umkämpften Bühne.
Was für ein Glück, dass man die religiösen Überzeugungstäter noch rechtzeitig vom Bau ihrer Bombe (11 sollen geplant gewesen sein) abhalten konnte.
Die Frage, ob sich der gottesstaatliche Iran bis zum letzten oder nur bis zum vorletzten Hemd verteidigen wird, führt auf peinlichere Fragen: Wie viele Mitläufer werden ab wann abfallen, und ab wann und mit welcher Gründlichkeit werden die verbleibenden Führungsköpfe beginnen, einander loszuwerden?
Aber nicht einmal ein Bürgerkrieg in den USA dürfte die Tyrannen von Khomeinis Gnaden retten, weil Israels Selbsterhaltungswille weitermachen wird müssen, auch wenn die US-Demokraten überm Teich Amoklaufen sollten.
(Unnötig zu ergänzen, dass die Unwägbarkeiten eines aktuellen Krieges nicht vorhersehbar sind.)
Mittlerweile konnten die Amerikaner das größte Kriegsschiff der Mullahs versenken und auch sonst (zusammen mit Israel) viele Angriffsziele vernichten. Dennoch bleibt die Lage in vielen Provinzen und in der großen Handelsstraße am Golf unübersichtlich. Auch die Angriffe der Mullahs gegen die arabischen Nachbarstaaten könnten unerwartete Konsequenzen nach sich ziehen. Unser Sultan in Ankara dürfte bereits heftig mit sich zu Rate gehen. Schon das Zusammenspiel der USA mit den Kurden kann ihm nicht gefallen. Diese operieren nun auf iranischem Staatsgebiet, und ihre Zusammenarbeit mit den von Trump "willkürlich" in den Krieg gezwungenen Good Guys scheint bestens zu funktionieren.
Bereits am 2. März näherten sich zwei SU-Bomber des Irans einer US-Basis in Katar (al-Udeid) und gefährdeten ungefähr 10.000 US-Soldaten sowie eine Gasaufbereitungsanlage (Ras Laffan). Beide Angreifer wurden trotz Tiefflugs als bombentragende Maschinen erkannt, und ein katarischer F-15-Kämpfer, der nur zwei Minuten entfernt lauerte, konnte sie nach kurzem Luftkampf neutralisieren. Ungewöhnlich war, dass die Iraner mit bemannten Flugzeugen angriffen, nicht wie üblich mit Raketen und Drohnen.
Nun wirft das humorlose Katar den Herren in Teheran vor, sie beabsichtigten, ihr kleines Land in einen großen Krieg verwickeln zu wollen. Der Scheich und Premierminister Mohammed bin Abdulrahman bin Jassim Al-Thani äußerte sich diplomatischer: Seine Exzellenz sprach von einem "eskalierenden Ansatz", der keinen Wunsch nach einer Deeskalation erkennen lasse. Überhaupt scheinen im dortigen Außenministerium einige Hardliner zu logieren, sie bestehen nämlich auf einem Recht zur Selbstverteidigung auch für ihren Zwergstaat, vielleicht aus einem noch anderen berühmten Grund: Bei der dortigen Fußball-WM 2022 hat ein deutsches Team seine woken Knie schamlos entblößt.
Außerdem behaupten die USA (bekannte notorische Lügner), sie hätten weitere 20 Kriegsschiffe des Feindes versenkt. Darunter eines der "Soleimani-Klasse", nach einem General benannt, der von den Amerikanern auf spektakuläre Weise attentiert und befördert worden ist (2020, noch in Trumps erster Amtsperiode). Soleimani genoss im Gottesstaat eine geradezu kultische Verehrung, nicht verwunderlich, denn dieser Hoffnungsträger war für die meisten Terrorüberfälle der Hisbollah und anderer Mullah-Freunde im Nahen Osten und darüber hinaus erstverantwortlich.
Ein trauriges Europa-Kapitel im aktuellen Krieg gegen den iranischen Gottesstaat ist die Obstruktionsarbeit des Dauerkommunisten in Madrid, der bei den Führungseliten von NATO und EU einige heftige Migräneanfälle verursachen dürfte. Denn die Folgen seines kindischen Verhaltens können nicht ausbleiben. Sein heutiges Spanien erinnert an das Spanien zur Zeit der Befreiung des Iraks unter Bush junior. Ob und wie der antiamerikanische Kurs der spanischen Extremlinken mit der Franco-Ära und deren Bürgerkriegen zusammenhängt? Vielleicht in den berüchtigten Seelentiefen der kommunistischen Enkelkinder? Oder gar mit der mittelalterlichen Liebe zur flächendeckenden katholischen Inquisition im vormodernen Spanien, das den Verbrechen der Mullahs kaum nachstand?
Leo Dorner ist ein österreichischer Philosoph.
