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Die wahren Kosten der Stromerzeugung

Die wahren Kosten der Stromerzeugung

Der weitere Ausbau von Windkraft- und auch von Photovoltaikanlagen wird immer wieder als eine der wichtigsten Maßnahmen für die Energiewende und den Kampf gegen den Klimawandel gefordert. Asien kümmert das kaum. Dort will man genügend preiswerten Strom produzieren. Windkraft- und PV-Plantagen werden zwar gebaut, doch Basis der aufstrebenden Industrie und des Wohlstands der Bevölkerung sind Kohle- und Atomkraftwerke.

In Österreich wird infolge direkter und indirekter Elektrifizierung ein Stromverbrauch von 150 TWh prognostiziert. Das entspricht etwa einer Verdoppelung des gegenwärtigen Verbrauchs.

Viele Studien von namhaften Instituten, Medien und Energieversorgern über den Verbrauch sind teilweise sehr vage. Deren Annahmen über den zukünftigen Bedarf sind als fraglich einzuschätzen. Wind, Wasser und Photovoltaik werden als Basis für die Stromproduktion in allen Berichten vorausgesetzt.

Die letzten verfügbaren Daten für die nachfolgenden Berechnungen stammen von Wien-Energie, 16. Februar 2026 und IG Windkraft. Daraus ist ersichtlich, dass 2025:

  • Mit Photovoltaik rund 9,4 TWh und
  • mit Wind rund 9,6 TWh produziert wurden.

Für 2040 wird folgende Produktion angepeilt:

  • Mit PV rund 41 TWH und mit
  • Wind rund 52 TWh.

Daher ist ein Zubau erforderlich, der 2040

  • mit PV etwa 31,6 TWh und mit
  • Wind etwa 42,4 TWh produzieren kann. 

Was der Klimawandel bisher kostet

Bisher sollen für den Energiewandel in Deutschland bereits über 500 Milliarden Euro ausgegeben worden sein.

Während Deutschland den Ausstoß von CO₂ von 1250 Millionen Tonnen halbieren konnte, waren das in Österreich gerade einmal 16 Prozent (von 79,7 auf 66,6). Die Kosten je Tonne Einsparung waren in Deutschland 833 Euro. Es kann angenommen werden, dass die bisherigen Gesamtkosten für Österreich rund ein Zehntel, also 50 Milliarden, betrugen. Damit ergäben sich Kosten von 3817 Euro je Tonne eingesparten CO₂. Unglaublich.

"Der Standard": "Bis 2040 sollen in Österreich etwas mehr als 53 Milliarden Euro aufgebracht werden, um die Stromnetze an die Erfordernisse einer zunehmend dezentralen Stromerzeugung anzupassen. Die Summe setzt sich aus 9,0 Milliarden Euro für das Übertragungsnetz zusammen, die von der Verbund-Tochter Austrian Power Grid schon bis 2034 in entsprechende Projekte gesteckt werden sollen, plus 44,4 Milliarden für den Ausbau der Verteilnetze bis 2040."

Kosten en detail

Auskunft von IG Windkraft über Kosten von Windkraftwerken zu erhalten, ist nicht möglich. Anfragen werden nicht beantwortet. So viel zu Transparenz. Doch ab und zu kann man aus den Medien solche Daten extrahieren.

In "Mein Bezirk Neusiedl am See" berichtet Stefan Schneider: "Knapp 200 Millionen Euro kostete Österreichs größter Windpark"; er gibt damit interessante Details frei. In diesem Windpark wurden 43 Windräder durch 23 hochmoderne Windräder mit einer Gesamtleistung von rund 122 Megawatt ersetzt. Sie erzeugen künftig über 20 Jahre jährlich etwa 251 Millionen Kilowattstunden Strom.

Daraus ist ersichtlich, dass

  • 1 Windrad 8,7 Millionen Euro kostet,
  • eine installierte Leistung von 5,30 MW hat,
  • 10,9 Millionen KWh im Jahr erzeugt und
  • mit einem Kapazitätsfaktor von 0,23 arbeitet.

Für Photovoltaikanlagen werden genannt:

  • Kosten von 1336 Euro je KWp installierter Leistung;
  • Arbeiten mit einem Kapazitätsfaktor von etwa 0,11;
  • 1 Paneel liefert etwa 1100 KWh im Jahr.

Der Kapazitätsfaktor ist der Nutzungsgrad einer Anlage. Ein Nutzungsgrad von 1 würde bedeuten, dass die Anlage ständig – also während 8760 Stunden an 365 Tagen – arbeitet.

Interessant dabei ist, dass in den Angaben von IG Windkraft die installierte Leistung der 1447 Windräder 4221 MW beträgt und diese 9,6 TWh produzieren. Daraus ergibt sich jedoch ein Kapazitätsfaktor von 0,26. Das ist merkwürdig, denn es sind ja "hochmoderne" Windräder, die im größten Windpark Österreichs installiert wurden, aber nur einen Kapazitätsfaktor von 0,23 aufweisen.

Ob der geringere Nutzungsgrad auf eine Klimaänderung hinweist oder auf fehlerhafte Angaben im Bericht zurückzuführen sind, wird wohl erst die Zukunft ergeben.

Möglichkeiten, Strom mit geringeren Kosten zu produzieren

In Anbetracht dieser Kosten wäre es angebracht, Stromproduktionssysteme zu untersuchen, die eine geringere Investition erfordern. Das wären Werke mit hoher Energieeffizienz, Gaskraft- oder Atomkraftwerke. Gaskraftwerke sollen mit Wasserstoff betrieben werden. Angesichts der exorbitanten Kosten für grünen Wasserstoff, eine Idee die wohl eher nicht verfolgt werden sollte.

Im Journal EIKE stell Manfred Haferburg fest, dass eine "H2Backup-Kilowattstunde realistisch in der Größenordnung von etwa 1 €/kWh – eher darüber liegt. Zum Vergleich – ein Kernkraftwerk wie Isar2 hat dies für weniger als 5 ct/KWh erzeugt. Und dazu noch ganz und gar CO2-frei".

Atomkraft wäre daher die Lösung, Wind- Photovoltaik- und auch den zusätzlichen Ausbau von Wasserkraft zu ersetzen, und damit auch die Kosten für zusätzlichen Netzausbau zu reduzieren.

Was wären die Kosten, wenn man Ökostromausbau durch Reaktoren ersetzt?

Die sie zu reduzierenden Kosten wären:

  • 51,4 Milliarden für den Ausbau der Netze gemäß Verbund-Tochter Austrian Power Grid.

Die Kosten für den Netzausbau erscheinen, verglichen mit Kosten aus anderen Staaten, plausibel.  Eine Erneuerung der in die Jahre gekommenen Windflotte würde nötig sein.

Soll Windkraft 42,4 TWh produzieren, wären etwa 3971 Windräder zu errichten, ausgerüstet mit Turbinen einer Leistung von 5,3 MW. Nimmt man den Erfahrungswert aus dem jüngst in den Dienst gestellten größten Windpark Österreich als Basis, würde das Investmentkosten von rund 35 Mrd. Euro bedeuten.

Hinzu gesellen sich die Kosten für PV-Anlagen, die 31,6 TWh produzieren können. Dafür sind etwa 29 Millionen Paneele erforderlich, die 31,6 TWh bis 2040 erzeugen sollen, sind das weitere 38 Mrd. Euro.

Nur für den Ausbau der Windkraft- und Solarkraftanlagen bis 2040, wären

  • für Windkraft 35 Mrd. Euro und
  • für Photovoltaik 38 Mrd. Euro aufzuwenden.

Das sind 73 Mrd. Euro für die Produktion von 74 TWh im Jahr. Hinzu addieren sich die Netzkosten von 51,4 Mrd. Euro.

Ökostromanlagen verlangen auch den Ausbau von Backup-Anlagen, die während Flauten die Stromversorgung übernehmen. Das können Batteriespeicher, Gaskraftwerke oder Atomkraftwerke sein. Deren Kosten sind völlig unbekannt.

Atomkraft

In die Energiepolitik wird weltweit der Ausbau von Atomkraft, trotz der hohen Investitions- und Kapitalkosten, als Teil der Lösung betrachtet. Damit will man den Ausstoß von CO₂ verringern, Ressourcen schonen und den Landverbrauch reduzieren. Ein weiterer Vorteil von Atomkraftwerken ist die Tatsache, dass zwar die initiale Investition sehr hoch erscheint; doch können diese Werke für 60 und mehr Jahre betrieben werden. Von Kernkraftgegnern werden immer wieder die hohen Investitionskosten erwähnt. Bei all den negativen Argumenten wird vergessen, dass Wind- oder Solarkraftwerke nach 20 bis 30 Jahren Betrieb erneuert werden müssen.

Beliebt ist auch das Argument Sicherheit und Endlagerung. "Endlager" sollte man aber eher als Zwischenlager betrachten, denn der "Atommüll" beinhaltet noch große Mengen Energie und kann bereits in neueren Reaktoren wiederverwendet werden. 

Die Gegenwart zeigt, dass es sich lohnen würde, über Stromproduktionskonzepte auch hierzulande nachzudenken. Nicht umsonst denken in den USA große energieintensive Betriebe wie Google, Microsoft und andere Tech-Riesen daran, eigene private Atomkraftwerke zu bauen. Die sollen zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Einerseits geht es um den irrsinnigen Energiehunger moderner, auf die Verarbeitung Künstlicher Intelligenzen (KI) ausgelegter Rechenzentren, andererseits darum, diese CO₂-frei zu betreiben.

Die Atomindustrie sucht daher nach Wegen

  • erstens die Investitionskosten zu verringern und
  • zweitens die Sicherheit von Reaktoren zu erhöhen.

Im Gespräch dazu sind die Small Modular Reactors (SMR). Das sind Atomkraftwerke mit bis zu 300 MW Leistung und neuen Betriebssystemen. Die Forschung dazu ist besonders in China weit fortgeschritten.

China meldete den erfolgreichen Test eines Kugelhaufen-Reaktors – ursprünglich eine deutsche Erfindung.

China entwickelt auch einen Thorium-Flüssigsalzreaktor – und hofft auf eine "globale nukleare Innovation".

Laut ntv hat China in der Wüste Gobi den Thorium Flüssigsalz Versuchsreaktors TMSR-LF1 getestet. Mitte 2024 erreichte dieser erstmals Betriebstemperatur. Die Volksrepublik plant bereits den Bau eines weiteren Reaktors, der bis 2030 Strom erzeugen soll. Gleichzeitig soll er auch Wasserstoff produzieren können.

Anders als bei klassischen Reaktoren gibt es keine festen Brennelemente im Reaktor. Vielmehr ist das Spaltmaterial in flüssigem Salz gelöst. Das hat den Vorteil, dass die Zusammensetzung des Gemischs kontrolliert werden kann: Brennstoff kann hinzugefügt, überflüssige Stoffe können während des laufenden Betriebs herausgefiltert werden.

Zugleich verspricht dieses Design einen großen Sicherheitsvorteil: Das flüssige Salz mit dem Brennstoff kann bei Überhitzung schnell aus dem Reaktor abgelassen werden, um Schäden zu verhindern. Dafür sorgt ein Notverschluss, der aus einem stets gekühlten, festen Pfropfen Salz besteht. Wird etwa die Stromzufuhr und damit die Kühlung unterbrochen, schmilzt der Verschluss, und das Salz fließt in ein Auffangbecken. Dieses Konzept soll eine große Nuklearkatastrophe unmöglich machen.

Laut dem Journal Cicero haben 14 europäische Länder die Absicht, solche Reaktoren zu errichten. Unter anderen will Polen eine Flotte von SMR-Kraftwerken errichten. Ferner hat Vattenfall-Chefin Anna Borg den Bau von fünf SMR-Reaktoren in Schweden ankündigt – mit der Zielsetzung, die Strompreise zu stabilisieren und Dekarbonisierung voranzutreiben.

SMRs werden nun auch in Deutschland durch Katherina Reiche, Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, als Lösung der völlig aus den finanziellen Fugen geratenen Energiewende in Betracht gezogen.

Über Kosten für die Errichtung von SMRs liegt noch keine Erfahrung vor. Die Kosten für konventionelle Atomkraftwerke wie Barakah (VAE) und El Dabaa (Ägypten), wo Rosatom derzeit Reaktoren errichtet, sind bekannt.

Laut Wikipedia besteht das Atomkraftwerk Barakah in den VAE aus vier Blöcken. Es sind Druckwasserreaktoren vom Typ APR-1400, die von der Korea Electric Power Corp. (KEPCO), einer staatlichen koreanischen Gesellschaft gebaut wurden. Alle finden sich im kommerziellen Betrieb und erbringen eine Nettoleistung von 5348 MW. Die Gesamtkosten des Projekts werden auf 32 Mrd. US$ geschätzt.

In Ägypten wird zurzeit das Kernkraftwerk El Dabaa errichtet, das im Endausbau aus vier russischen WWWER-1200 Reaktoren bestehen soll. Die Nettoleistung soll 4400 MW, und die Projektkosten sollen 30 Mrd. US$ betragen.

Betrachtet man die Situation in Österreich, so könnten acht russische WWWER-1200 Reaktoren – es können auch andere sein – so viel Strom erzeugen wie die bis 2040 geplanten Wind und Solaranlagen. Die Kosten dafür wären einmalige 61 Mrd. Euro für Atomkraftwerke, die über 60 Jahre betrieben werden können, während die Kosten für Wind- und Solaranlagen, die die gleiche Menge Strom erzeugen, 73 Mrd. Euro erfordern und alle 20 bis 25 Jahre erneuert werden müssen.

Rosatom würde außerdem die Abbrände zurücknehmen. Damit wäre das "Problem" Endlagerung für Österreich gelöst.

Dass dabei auch weniger Infrastruktur wie Netze, Speicher, Gaskraftwerke etc. erforderlich ist, bringt Kostenvorteile und geringeren Verbrauch an Ressourcen; gleichzeitig wird die Landschaft geschützt.

Zusammenfassend kann festgestellt werden:

Die bisherigen Kosten der Energiewende sind enorm. Die Vorteile eines weiteren Ausbaus mit herkömmlichen Atomkraftwerken, anstelle mit Ökostromsystemen, sind offensichtlich.

Moderne Reaktorkonzepte sind vermutlich preiswerter und bieten erhöhte Sicherheit und Flexibilität im Betrieb. Österreich sollte sich zur Stabilisierung der Strompreise und Förderung der Dekarbonisierung an den aktuellen Plänen europäischer Länder, insbesondere Polens und Schweden, für den Bau von SMR-Kraftwerken orientieren. Die Kosten herkömmlicher Atomkraftwerke wie Barakah (VAE) und El Dabaa (Ägypten) zeigen, dass Atomkraftwerke als kostengünstigere und langlebigere Alternative zu erneuerbaren Anlagen eine Alternative sind. Abschließend ist hervorzuheben, dass Atomkraftwerke weniger Infrastruktur benötigen, Ressourcen schonen und Landschaft schützen.

 

Gerhard Kirchner ist Bergingenieur und liebt die Umwelt.