Warning: Illegal string offset 'portraitimage' in /var/www/lweb50/htdocs/science-blog.at/conf.php on line 67
Das Verenden der orientalischen Atommacht Iran
Leo Dorner
 

Das Verenden der orientalischen Atommacht Iran

Ein Jahr wird der Sturz des Mullah-Regimes in Anspruch nehmen, ließ jetzt der Chef des Mossad verkünden. Wesentlich länger als alle bisherigen Prophezeiungen aus den USA und Israel. Dass man sich überhaupt auf Aussagen über einen möglichen Punkt in der Zukunft eines Krieges kapriziert, dessen Beginn soeben erst angefangen hat, kann bedeuten: A) dass man denselben am liebsten ohne Mühen und Gefahren hinter sich haben möchte – dies die Einstellung des linken Populus in den USA und Europa. Oder B) dass man die Ressourcen des Irans mächtig unterschätzt hat, obwohl diese stark geschrumpft sein müssen. Oder C) dass man für mögliche Verhandlungen einige Angeln auslegt, um die Mullahs und ihre Proxys in einem letzten tödlichen Netz zu fangen. 

Während das offizielle Israel das Ende der orientalischen Atommacht Iran feiert, ist man in Washington noch am Überlegen, ob und wie man die Unmengen des angesammelten und aktiven Atommülls dem Mullah-Regime entwenden und gesichert entsorgen könnte. Vor allem sind die vielen Tonnen des Uran-angereicherten Materials ein Dorn im Auge von Israel und USA.

Wie oft in Zeiten eines noch auszufechtenden Krieges ist zurzeit ungewiss, welche Jubelmeldungen welcher Kriegspartei durch den aktuellen Stand der Dinge real gedeckt sind, und welche anderen unter Propaganda und Taktik fallen.

In der offiziellen Einschätzung Israels ist der Iran nicht mehr fähig, auch nur eine der bereits konkret anvisierten elf Atombomben zu erzeugen und kriegsfähig einzusetzen. Schon die Schäden an den verstreut und versteckt in den Bergen des Landes georteten Beschaffungsanlagen ("facilities") seien irreparabel, folglich gehe vom Möchtegern-Atomstaat der schiitischen Gotteskrieger keine atomare Kriegsgefahr mehr aus. Der Iran sei auch nicht mehr fähig, weitere ballistische Raketen herzustellen, und angesichts dieser überaus erfreulichen Meldungen sei Israel den Wünschen der USA gefolgt und habe seine Angriffe auf das große Erdgasfeld South Pars stark gedrosselt – auch um die steigenden Weltmarktpreise des weltweit unersetzlichen Energiemittels Öl abzusenken.

Diesen Erfolgsmeldungen widersprechen Berichte aus Israel und vielen sunnitischen Staaten im Nahen Osten bis hin zum Irak, wonach es iranischen Raketen und Drohnen immer noch gelingt, die Abwehrriegel der angegriffenen Staaten und US-Stationen zu durchbrechen. Ob sich die angerichteten Schäden mit denen im Iran, die wesentlich gewaltiger sein müssen, überhaupt vergleichen lassen, ist nicht überprüfbar. Das schiitische Regime versucht, alles geheim halten, was seinem "ewig siegreichen Ruf" schaden könnte.

Auch Europa profitiert von den Erfolgsmeldungen, die Israel und USA kolportieren, denn die iranischen Raketen erreichten schon bisher ohne Mühe die Ostflanke der europäischen Staaten im Mittelmeerraum. Und dass Israels Premier Netanyahu keine näheren Beweise für seine Behauptungen lieferte, kann zweierlei bedeuten: Entweder ist die desaströse Lage im heutigen Iran so augenscheinlich und offenkundig, dass es keiner weiteren Beweise bedarf, oder "es gibt doch noch etwas zu tun", worüber die Karten aber bedeckt bleiben sollen. 

Von den drei Kriegszielen:

  1. Beendigung der Atomwaffenbedrohung durch einen fanatischen Gottesstaat mit "eschatologischen Zielen",
  2. Einstellung seiner ballistischen Aktivitäten, die mittlerweile bereits alle Staaten im Nahen Osten, nicht nur Israel, und ohnehin alle USA-Stützpunkte in den befreundeten sunnitischen Staaten bedrohen und
  3. Beendigung des totalitären Unrechtsstaates im Iran, sind die Punkte 1 und 2 ein gutes Stück vorangekommen, während, wie zu erwarten, das finale Ziel eines politischen Umsturzes (ähnlich wie im Deutschland des Jahres 1945) nicht ohne radikale Neuerungen erreichbar sein wird.

Mittlerweile haben 22 Staaten den USA ihre Unterstützung zugesagt, um den neuralgischen Punkt für den Welthandel in der Straße von Hormuz wieder zu befrieden und die iranische Blockade aufzuheben. Scheinbar nur "verbale Noten", aber von wichtiger künftiger Bedeutung: Nicht alle wollen als "Papiertiger" und Gespött in die Geschichte des 21. Jahrhunderts eingehen.

Das bisher letzte und inzwischen wieder aufgeschobene Ultimatum der USA an den Iran forderte die freie Zufahrt in den Persischen Golf und die Unterlassung aller Angriffe auf alle Handelsschiffe durch Drohnen, Minen und mobile Klein-U-Boote.

Hinter den Paravents der Tagesmeldungen lauert eine militärische Zuspitzung. Während eine politische Zuspitzung mit Massenprotesten und Straßenkämpfen in den Städten des Irans erst für die Zeit nach dem Krieg erwartet wird. Ein solches Nachkriegsende geht somit von einem Sieg der beiden westlichen Mächte aus, den zu erringen zur unbedingten Bedingung weiterer Nachfolge-Szenarios aufgestiegen ist. Auch dieser Zwang zum Sieg und zu einer Beseitigung des unterliegenden Regimes erinnert an das Deutschland des Jahres 1945.

Das Regime in Teheran weiß um seinen drohenden Untergang, ersichtlich daran, dass es seine mächtigen Propaganda-Posaunen noch prächtiger als bisher erschallen lässt. Sollte die Energieversorgung des Irans angegriffen werden, werde der Iran zusammen mit seinen Proxys unter der vertrauten Devise eines vielberufenen "jüngsten Gerichtes" verheerend zurückschlagen: "Koste es, was es wolle."

Und die Papiertiger in EU-Europa wissen nun nicht, wem sie glauben sollen: einem Iran, der mit Raketenangriffen gegen Europa und sogar gegen Nordamerika droht, oder jenen Stimmen, die das ganze "Raketen-Gerede" als vernachlässigbare Propaganda abtun, die möglicherweise von den USA selbst angefacht wird.

Die Angriffe des Irans (und der libanesischen Hisbollah) gegen Israel haben sich mittlerweile verstärkt. Stehen die Revolutionsgarden mit dem Rücken zur (letzten) Wand, weshalb man zu offensichtlichen Rache-Akten gegen die Zivilbevölkerung greift und neben Tel Aviv auch Jerusalem zu schädigen versucht? Wobei man nicht genau weiß, wie der Ausdruck "Zivilbevölkerung" im Iran und im Islam generell wahrgenommen wird. 

Dass Israel genötigt ist, mit dem scheinbaren Zick-Zack-Kurs Trumps mitzugehen, liegt in der Logik dieses Krieges, der eine Befreiung von einer globalen Gefahr für die ganze Menschheit anstrebt.

Welche Prügel den Befreiern im Falle des Falles der Massenmord-Diktatur von Saddam Hussein zwischen die Füße geworfen wurden, ist noch nicht vergessen und noch nicht gänzlich von der Antikriegspropaganda im Gefolge der diversen Friedensachsen (von Chirac bis Putin, vom Vatikan bis Schröder und Merkel) unter den Teppich gekehrt worden.

 

Leo Dorner ist ein österreichischer Philosoph.