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Eine langfristige Energiepolitik ist nicht in Sicht

Eine langfristige Energiepolitik ist nicht in Sicht

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat die Abkehr von Atomkraft als "strategischen Fehler" bezeichnet und will nun eine Kehrtwende einleiten. Kleine, modulare Reaktoren sollen in Europa bis Anfang der 2030er-Jahre einsatzbereit sein. Von diesen Plänen ist man in Österreich wenig begeistert.

Energie-Banausen, an vorderster Front eine Dame des roten Spektrums, wie auch ein Theologe der grünen Garde und andere "Experten", unterstützt von NGOs, verteufeln Atomenergie. Gefahren werden übertrieben dargestellt. Die Reaktorkatastrophen von Fukushima und Tschernobyl sind ein Dauerbrenner. Keiner dieser Politiker analysiert die Ursachen dieser Katastrophen. Dass die frühzeitig abgeschalteten, deutschen Kernkraftwerke die sichersten der Welt waren, wird verschwiegen. Auch warum sie Strom zu Kosten erzeugen konnten, von denen Wind- und Solarkraftfetischisten bestenfalls träumen können, wird nicht analysiert. Es reicht, Atomkraft als teuer, riskant und problematisch zu bezeichnen, ohne detaillierte Studien vorzulegen.

Nuklearenergie ist laut dem Bundesverfassungsgesetz in Österreich verboten, ein Gesetz das dringend einer Revision bedarf.

Wie Oliver Grimm in der "Presse" darlegt, setzt die Europäische Union zum Zwecke der Dekarbonisierung der Energieversorgung stark auf Atomkraft. "Daran ist eine industriepolitische Weichenstellung geknüpft, die in den kommenden Jahren zu einer Renaissance der gesamten Wertschöpfungskette der Nuklearwirtschaft führen wird."

Die aktuelle weltweite Renaissance der Atomenergie kommt vielen Staaten zugute, aber nicht Österreich. Die Wertschöpfungskette, Forschung, Maschinenbau, Stahlwerke, Zementindustrie und Baugewerbe gehen leer aus.

Christian Stocker, Parlamentarier und auch Führungskräfte der Energieversorgungsunternehmen verfolgen eine sündteure Energiewende. Diese Gruppe ist mit Scheuklappen unterwegs und besitzt kaum technische Kenntnisse. In ihrem Tun wird sie von NGOs sowie einer angeblich liberalen Presse unterstützt, deren technische Kenntnisse zu wünschen übriglassen.

Ökostromanlagen

Österreich setzt weiterhin auf den Ausbau von Ökostromanlagen. Es träumt von einer Energiewende aus dem Reich der Utopie, von Wasserstoff, Batteriespeichern, die in Flauten die Stromversorgung übernehmen sollen und überspielt damit Kosten und die Verwüstung der Umwelt.

Einige Daten, die offenbar diesen Vertretern unserer Gesellschaft unbekannt sind, sind Kapazitätsfaktoren von Stromerzeugungsanlagen, wie sie in unseren Breiten beobachtet werden:

  • Solarkraftwerke 11%
  • Windkraftwerke 23%
  • Laufkraftwerke an der Donau 69 %
  • Und für Atomkraftwerke könnte man 95% ansetzen.

Solarkraft- und Windkraftanlagen haben eine Nutzungsdauer von 20 bis 25 Jahren, während Atomkraftwerke auf eine Betriebszeit von über 60 Jahren ausgelegt sind. Berücksichtigt man die Inflation während des mindestens zweimaligen Neubaus der erneuerbare Energieanlagen, ergeben sich Investitionskosten die etwa das Vierfache der Ausgaben für ein Kernkraftwerk betragen.

Zusätzlich bedingen dezentrale Ökostromanlagen eine massive Erweiterung der Infrastruktur wie Gaskraftwerke, Übertragungsnetze und Umspannwerke. Nicht zu vergessen den Rohstoff Erdgas und dessen Kosten. Stromerzeugungskosten werden daher steigen. Drastisch vorgeführt durch die gegenwärtige Situation in der Golfregion. Der Preis von Gas steigt drastisch.

Erdgas

Da die Menge der Strom-Produktion in Öko-Anlagen von den Wetterbedingungen abhängig ist, müssen bei Flauten Gaskraftwerke einspringen, oder es muss Strom von vornehmlich Atomkraftwerken in Nachbarstaaten gekauft werden.

Die Gaskosten steigen auf Grund weltpolitischer Ereignisse in unbekannte Höhen. Österreich produziert Gas in nur unzureichenden Mengen und ist auf Import angewiesen. Es gibt aber Gasvorkommen in Österreich, die den Bedarf über 30 Jahre decken könnten.

Allerdings müsste für die Ausbeutung das verbotene Fracking erlaubt werden. Diese Methode ist nicht neu, schon seit dem Ende der 1940er-Jahre wird Fracking in der Erdöl- und Erdgasförderung eingesetzt.

  • 2012 plante die OMV Probebohrungen im Weinviertel.
  • 2014 kam die Methode des Schiefergas-Fracking im Parlament zur Sprache. FPÖ, Grüne und NEOS waren für ein Verbot, nicht so ÖVP und SPÖ, die lediglich die Option eines "temporären Fracking-Verbots" prüfen wollten.
  • 2017 hat ein Team aus Forschern der Montanuniversität Leoben in alten Bohrlöchern der Umgebung nachgemessen. Sie kommen zu dem Fazit, "dass das Schieferöl- und Schiefergaspotenzial in der Vergangenheit überschätzt wurde".
  • Herbert Hof­stätter, Professor in der Montanuniversität Leoben, meldete 2014 ein Patent "Bio Enhanced Energy Recovery" (BEER), eine saubere Methode des Frackings an.
  • 2022 forderte die Ex- Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck, Fracking zu erlauben, wurde aber von ihrer eigenen Partei zurückgepfiffen.
  • 2023 spricht sich die damalige Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) gegen Fracking aus und will diese Fördertechnik verbieten.

OMV-Konzernchef Alfred Stern hält es für unmöglich, den kurzfristigen Energiebedarf mit Fracking-Erdgas aus Österreich zu decken. Diese Einschätzung ist angemessen, insbesondere angesichts des Ziels, dass Österreichs Wirtschaft bis 2040 klimaneutral sein soll. Viele Ökonomen bezweifeln jedoch, dass dieses Datum tatsächlich erreichbar ist. Unabhängig davon wird die OMV auch nach 2040 beträchtliche Mengen Gas nach der Umstellung von einem Energiekonzern zu einem Petrochemiekonzern benötigen.

Natürlich löst es nicht die Probleme, mit denen Österreich und Europa zurzeit kämpft. Es ist wichtig, an die Zukunft zu denken; niemand kann garantieren, dass katastrophale Ereignisse nicht erneut eintreten.

Hier fehlt es an langfristigem Denken, das in der österreichischen Energiepolitik nicht vorhanden ist. Unsere eigenen Ressourcen können nicht entwickelt werden, da die Rahmenbedingungen es nicht erlauben. Umweltbedenken dominieren und hindern die Entwicklung der Ressourcen. Es wäre Zeit, in die USA zu blicken, wo seit Beginn der Zweitausender Jahre Schiefergas gewonnen wird. Die Vereinigten Staaten sind damit zum größten Erdgasproduzenten der Welt aufgestiegen, haben tausende Arbeitsplätze in strukturschwachen Regionen geschaffen, und vor allem sind sie inzwischen so gut wie unabhängig von Energieimporten.

Zukunft?

Atomkraft ist nicht erwünscht.

War Österreich von der Lieferung von Erdgas vor dem Ukraine-Krieg abhängig von Russland, bezieht es jetzt Erdgas aus mehreren Quellen, unter anderem von den USA. Österreichs mögliche Lagerstätten werden nicht untersucht. Die Haltung vieler Österreicher gegenüber der Erschließung von Fracking-Gaslagerstätten ist vergleichbar mit ihrer Einstellung zum Bau von Atomkraftwerken.

Die notwendigen Investitionen für die Untersuchungsbohrungen, so wird argumentiert, seien besser angelegt im Ausbau von Ökostromanlagen. Die Idee, Erdgas durch Windkraft und Photovoltaik zu ersetzen, demonstriert mangelndes technisches Verständnis.

Was für eine Politik! Klima ist wichtiger als das Wohlergehen der Bevölkerung und der Industrie. Nicht mehr zeitgerechte Gesetze gehören gekübelt und der Blick sollte auf die Technologie erfolgreicher Staaten gerichtet werden.

Tatsachen sind für unsere Medien offenbar irrelevant, oder werden, weil politisch nicht korrekt, verschwiegen. Aber auch sonst gibt es speziell zur Atomkraft wenig Wissen. Leider ist das auch bei den Parlamentariern unabhängig ihrer Couleur festzustellen.

Dinosaurier, sind vor etwa 60 Millionen Jahren ausgestorben. Nicht so im Hohen Haus, dort finden sie sich noch in erdrückender Anzahl. 

 

Gerhard Kirchner ist Bergingenieur und liebt die Umwelt.