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Andi Babler – unser Popstar

Andi Babler – unser Popstar

Andi Babler – man muss ihn einfach lieben, wenn man ein Herz für verlässlichen Politklamauk hat. Selten hat ein Anführer so hingebungsvoll daran gearbeitet, die eigenen Reihen zu verwirren, die Mitte zu verprellen und den politischen Mitbewerbern die Arbeit abzunehmen. Babler ist gewissermaßen das Geschenk, das nicht aufhört zu geben: ein wandelndes Argument dafür, warum Realpolitik gegen stramme Ideologie schneller untergeht als ein linkes Filmprojekt.

Während andere noch mühsam Wähler überzeugen wollen, erledigt er das Gegenteil im Alleingang – mit einer Mischung aus Agitprop und Brüll-Rhetorik, die klingt, als hätte man die 70er Jahre digitalisiert, aber leider nicht weiterentwickelt. Gottseidank ist seine Partei von gleicher Innovationskraft beseelt und hat den abgeschmackten Christian Kern, der sich zu einer gefährlichen Konkurrenz für den Helden der Arbeit aufschwingen wollte, unter den roten Teppich gekehrt. Aus Sicht seiner Gegner ist das natürlich ein Segen.

Wo Babler krakeelt, wachsen die Zustimmungswerte – nur eben nicht bei ihm. Er wirkt wie politisches Kraftfutter für die FPÖ: Jede seiner Wortmeldungen lichtet die Reihen der Genossen, jede Idee bringt ein paar Prozentpunkte für das verhasste "Räächts".

Besonders beeindruckend ist seine Fähigkeit, Debatten zu führen, die außerhalb eines sehr kleinen, sehr homogenen Milieus schlicht nicht stattfinden. Ikonisch etwa die "woame Moizeit" für Österreichs Biafrakinder – ein politischer Rohdiamant irgendwo zwischen Kabarett und Konzeptkunst.

Während sich der Durchschnittswähler fragt, wie er Miete, Energie und Alltag stemmen soll, diskutiert Babler mit bewundernswerter Konsequenz Themen, die wirken, als seien sie im Sesselkreis arbeitsloser Politologen entworfen worden: Die Mehrwertsteuer für Kunstwerke senken, um anschließend noch mehr Vermögenssteuer von den Millionen österreichischer Milliardäre einzutreiben.

Er schafft es damit, Politik wie ein Seminar für untalentierte Hochstapler erscheinen zu lassen: Hier die Sorgen der Unterdrückten, dort moralisch durchwaberte Rettungspakete, so konkret wie ein Wolkenbild. Für die FPÖ ist das ideal – sie muss nur daneben stehen und schweigen, während der politische Gegner sich selbst aus dem Spiel plappert.

Und dann diese unerschütterliche Gewissheit! Zweifel? Fehlanzeige. Korrektur? Wozu. Babler steht für eine Politik, die nicht fragt, ob etwas funktioniert, sondern ob es sich gut anfühlt – zumindest im Politbüro. Das hat etwas rührend Konsequentes, fast schon Kunstvolles: Scheitern als Haltung.

So gesehen ist Babler tatsächlich einer der besten Politiker – nur eben aus unerwarteter Perspektive. Ein Mann, der unbeirrt einen Pfad beschreitet, an dessen Ende ein nie dagewesenes Tohuwabohu stehen muss. Oder anders gesagt: Wenn es ihn nicht gäbe, man müsste ihn erfinden.

 

Silvio Pötschner ist HNO-Facharzt und Gerichtssachverständiger.