Unterschiedliche Klimagefahren
Die Antwort auf die Frage, seit wann es Menschen gibt, hängt davon ab, welche unserer Vorfahren man schon als Menschen bezeichnet. Die Wissenschaft ortet derzeit die ersten "modernen Menschen" vor 300.000 Jahren. Wer will, kann das Phänomen "Mensch" auch ein paar Millionen Jahre früher datieren. Es bleibt ein schwer vorstellbarer, aber erdgeschichtlich doch sehr kurzer Zeitraum. Sicher ist hingegen, dass die Menschheit wie ihre zoologischen Vorgänger nur dank zweier Eigenschaften überlebt hat: dem Selbsterhaltungstrieb und dem Arterhaltungstrieb.
Seit gut 50 Jahren zeitigt der Selbsterhaltungstrieb im europäischen Sozialstaat eine gefährliche Tendenz: Für Existenzsorgen sind die anderen zuständig.
Der Arterhaltungstrieb hingegen degenerierte in der "alten Welt" zum "Selbstunterhaltungstrieb".
Die Folge ist das Sinken der sogenannten Fertilitätsrate auf zuletzt 1,2. "Jedermann", also jeder Mann zeugt im Schnitt 1,2 Kinder, und jede Frau bekommt 1,2 Kinder.
Das ist wegen der 0,2 statistischen Kinder kein billiges Material fürs Kabarett und auch nicht für philosophisches oder politologisches Geschwätz, sondern brutale Mathematik.
Nimmt man der Einfachheit halber an – und wir sind nicht mehr weit davon entfernt – die Quote sinkt auf 1 (1 Mann plus 1 Frau = 1 Kind), dann halbiert sich ein Volk innerhalb einer Generation. Dann muss man davon ausgehen, dass es in der übernächsten Generation dieses Volk nicht mehr gibt. Wenn nicht ohnehin – abgesehen von den Gefahren, die von verrückten Staatsmännern und ihren "Followers" ausgehen – die Alterspyramide schon vorher den Zusammenbruch auslöst.
Europa hat ein gesellschaftliches Klimaproblem, um das sich niemand kümmert.
Meteorologische Klimaschwankungen gibt es auf Grund kosmischer oder solarer Einflüsse seit 4.600 Millionen Jahren, und auch wenn sich die Erde derzeit in einer Warmphase einer Eiszeit befindet, wie die Geologen wissen, so scheint die Gefahr der Verbrutzelung des Planeten, wie eine Angstpropaganda droht, eher gering: Die herrschende vierte, nach dem Fluss Würm benannte Eiszeit begann vor 6,1 Millionen Jahren und dauert immer noch an.
Die Wissenschaft hat schließlich die Vergleichsmöglichkeit mit den anderen Planeten unseres Sonnensystems. Menschlichen Einfluss auf diese Geschwister der Erde behaupten nicht einmal die gewissenlosesten Agitatoren.
Aber das Schmelzen des Gletschereises, in Österreich besonders der vielbeweinten Pasterze am Großglockner? Dass der Name aus dem Slawischen kommt und "Weideland" heißt, wissen die Drahtzieher der Klimapropaganda sehr wohl, verstehen es aber, diesen Tatbestand zu verheimlichen. Vor 2000 Jahren, also um die "Zeitenwende", war der untere Teil der Pasterze tatsächlich Weideland der Alpenslawen und der obere Teil war Wald. 2015 ist ein Baum aus dieser Zeit – eine Zirbelkiefer – ausgeapert.
Das kinderfeindliche Klima unserer Gesellschaft scheint die politischen Parteien, aber auch Institutionen wie die Kirche nicht sonderlich zu berühren. Im Gegenteil: Die sozialdemokratische Arbeiterkammer-Präsidentin Renate Anderl nennt die Erziehung der Kinder durch ihre eigenen Mütter "Hundsarbeit". Damit zertrümmert sie im Einklang mit dem "Kommunistischen Manifest" des Karl Marx bei den jungen Menschen jeden Anreiz zur Familiengründung von vornherein.
Wer es, wie Bundeskanzler Stocker wagt, die Erziehung der eigenen Kinder von der Lohnarbeit abzugrenzen, wird von den Linken in Politik und Medien mit einer grob sinnverändernden Kürzung eines Zitates (man könnte auch eine härtere Formulierung verwenden) durch die Gassen gejagt, bis er die Hand küsst, die ihn mit der Peitsche der Unwahrheit schlägt. Bis er sich, für viele unverständlich, für die Wahrheit sogar entschuldigt, statt sie offensiv zu verteidigen.
Dass sich die ÖVP mit dieser Orgie an Falschaussagen der Medien und insbesondere des ORF prügeln lässt, statt in der Öffentlichkeit den korrekt wiedergegebenen Ausspruch zu propagieren und den an sich ja richtigen und vor allem menschenwürdigen Gedanken zu vertreten, der damit ausgedrückt wurde, zählt zu den Unbegreiflichkeiten ihres politischen Auftritts in der Öffentlichkeit.
Vor längerer Zeit wurde in einer seriösen Runde von Frauen und Männern über den Begriff "Glück" diskutiert. Eine Mutter formulierte ihre Gefühle am schönsten und deutlichsten: "Das größte Glücksempfinden ist es, ein neugeborenes Kind das erste Mal im Arm zu halten." Männer und kinderlose Frauen können mitempfinden und daran Anteil haben. Kritik an diesem Mutterwort ist jedenfalls moralischer Abfall.
Man kann das Glück und die Freude der Mütter am Heranwachsen der nächsten Generation nicht als Lohnarbeit oder aus sozialdemokratischer Sicht sogar als "Hundsarbeit" definieren. Zutiefst zu bedauern sind alle Kinder, deren Mütter die Hinwendung zu ihnen vor allem als unangenehme Belästigung und nicht als echtes Glück und echte Freude wahrnehmen. Die Lebenserfahrung zeigt erfreulicher Weise, dass es ohnehin nur wenige oder gar keine solchen Mütter gibt.
Unsere Gesellschaft ist wohl die humanste in der Menschheitsgeschichte. Wenn jetzt Parteien und Medien deren Zerstörung zum obersten ideologischen Ziel erheben, werden der "Spaß" und der "Genuss" die Entstehung eines gesellschaftlichen Klimas des Glücks und der Freude an Kindern verhindern.
Und der bitterste Witz, den es gibt, wird Realität werden: Die Erde klagt in ihrem Kreis, dass sie Menschen habe. Ein Nachbarplanet tröstet sie: "Keine Sorge. Das geht vorüber."
Willi Sauberer, Schüler Hugo Portischs, war ab 1961 Mitarbeiter von Alfons Gorbach, Josef Klaus und Hermann Withalm und von 1971 bis 1994 Chefredakteur einer kleinen Salzburger Tageszeitung. Der konservative Publizist schreibt vorwiegend über gesellschaftspolitische, zeithistorische und lokal-geschichtliche Themen.
