Die Wurzeln der europäischen Krise
Die Schwäche Europas und vor allem seiner Wirtschaft hat viele Ursachen. Diese reichen von den Folgen zweier großer Kriege im Nahbereich über die durch den Green Deal und die CO2-Steuern verteuerten Energiekosten und die demographische Katastrophe bis zu einem Faktor, der von Medien und Politik besonders ungern angesprochen wird. Dabei ist er der Schlüssel zu vielem anderen.
Das hat etwa Mercedes dieser Tage unwidersprochen in einer anschaulichen Berechnung gezeigt. Diese lautet vereinfacht: Eine Arbeitsstunde kostet in Deutschland 50 Euro, in den USA 40 und in Rumänien 10 Euro. Von China gar nicht zu reden, dort gibt es sowieso keine echte Kostenberechnung, dort steht man praktisch mit dem ganzen Staat in Wettbewerb, der speziell in vermutete Zukunftsbranchen wettbewerbsverzerrende Unsummen fließen lässt. Das sind Künstliche Intelligenz, Elektroautos und die Produktionsmittel für Alternativenergien.
Bei der KI hat Europa sowieso alles verschlafen, beziehungsweise niedergeregelt, da kann die westliche Welt nur hoffen, dass die USA den Chinesen auch weiterhin Paroli bieten. Und bei Elektroautos und Alternativ-Energie-Produkten werden die chinesischen Exporte nach Europa sogar massiv im Zuge des Green-Deal-Masochismus gefördert.
Aber genauso bedrückend ist der Arbeitskosten-Unterschied zwischen Deutschland, der führenden Wirtschaftsmacht Europas, und westlichen Staaten wie dem EU-Mitglied Rumänien und den USA. Der ist in Österreich ähnlich groß, auch wenn die Republik früher lange von einem kleinen Lohnunterschied zu Deutschland profitiert hat, der zur Auslagerung von KfZ-Zulieferproduktionen in die Alpenrepublik geführt hatte. Das ist aber Vergangenheit. Schon lange gehen neue Aufträge primär nach Osteuropa und Ostasien.
Die Arbeitskosten sind die Löhne samt den darauf aufsetzenden Abgaben. Beides ist extrem schwierig zu reduzieren. Denn die Staatsbudgets sind mangels echter Reformen speziell im Pensionsbereich zu defizitär, die können nicht die Einnahmen aus den Lohnnebenkosten ersetzen. Und eine echte Lohnreduktion – etwa durch Einfrieren der Nominallöhne auf zwei Jahre – würde zu einem Generalstreik führen. Das wird wohl ebenso wie eine echte Staatsreform erst dann geschehen, wenn Deutschland und Österreich so gegen die Wand gekracht sind, wie in den letzten Jahren etwa Argentinien oder Griechenland. Dort waren dann plötzlich alle Tabus hinweggefegt.
Ich schreibe in jeder Nummer von Österreichs einziger Finanz- und Wirtschafts-Wochenzeitung "Börsen-Kurier" die Kolumne "Unterbergers Wochenschau".
