Mit „Allahu Akbar“ zu den Schlägertrupps
Ein Großeinsatz der italienischen Sicherheitskräfte konnte an diesem Wochenende eine Wiederholung des Straßenterrors verhindern, der am 17. Oktober in Mailand, Turin, Rom und anderen Städten enorme Schäden angerichtet hat. Am Samstag verhaftete die Polizei in Mailand Youssef Siher, den Chef des "Movimento 17 ottobre", er wird angeklagt, in terroristischer Absicht Verbrechen und organisierte Gewalt angestiftet zu haben. "Experten" mögen sich die Ausschreitungen mit angeblich spontanen Wutausbrüchen einer ökonomisch benachteiligten und sozial diskriminierten Jugend erklären, die Fakten zeichnen ein anderes Bild.
Der italienische Nachrichtendienst beobachtete den 30-jährigen Italiener marokkanischer Abstammung aufgrund seiner pro-palästinensischen Aktivitäten schon seit langem. Unter anderem engagierte er sich für die "Organisation Morgenröte", die im Einklang mit den palästinensischen Terrororganisationen PFLP und Hamas unter europäischen Muslimen islamistische Propaganda verbreitet.
Der italienischen Öffentlichkeit galt er indes als Musterbeispiel erfolgreicher Integration. Zu den Vorlesungen auf der Mailänder Università statale erschien er stets mit Sakko und Krawatte. Er promovierte in Kommunikationswissenschaften und absolvierte ein zweijähriges Masterstudium in Politologie. In beiden Fächern spezialisierte er sich auf Geopolitik, Nordafrika, den Nahen Osten und den politischen Islam. Er galt als außergewöhnlich fleißig und intelligent, spricht außer italienisch und arabisch auch englisch, spanisch und französisch. Das renommierte italienische Institut für internationale Politik (ISPI) nahm ihn als "research trainee" auf, vier Jahre lang arbeitete als freier Journalist für die radikal linke Zeitung "Il Fatto Quotidiano", in der seine anti-israelische und anti-ukrainische Haltung keineswegs störte; sein letzter Artikel erschien dort im Dezember 2025.
Das "Movimento 17 ottobre" gründete der Herr Dr. Siher erst nach den Ereignissen vom 17. Oktober. Der erklärte Zweck des Movimento, das auf Telegram und Instagram rund 10.000 Follower hat, ist es, den Terror in den italienischen Städten so lange an jedem Samstag um 15 Uhr fortzusetzen, bis die Regierung stürzt. Mitte voriger Woche war zu lesen, an welchen Plätzen sich die Schlägertrupps einzufinden hätten, und zwar genau aufgeschlüsselt für alle italienischen Großstädte. Als bekannt wurde, dass die Regierung Straßen und Plätze sperren würden, änderte Siher den Plan: das Movimento würde die Sammelpunkte erst am Samstag um 14:30 Uhr bekanntgeben.
Siher ist klug genug, sich nicht als Islamist zu deklarieren, er wendet sich schließlich auch an die gewaltbereite Subkultur anarchistischer und kommunistischer Orientierung. Ich habe mir seinen Account und seine Aktivitäten auf X angesehen, aus denen klar hervorgeht, wo er in Wirklichkeit steht. Als Matteo Salvini auf X seine Abscheu gegenüber dem Überfall der Hamas auf Israel bekundete, kommentierte er knapp: "Allahu Akbar"!
Karl-Peter Schwarz ist Autor und Journalist; er war früher bei "Presse", ORF und FAZ tätig.
