Peter Schuster
Peter Schuster | 08. September 2011

Grundlagenforschung in Österreich: Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses

Besondere Bedeutung kommt Exzellenzstrategien bei der Rekrutierung und Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses zu. Erfolg verspricht die kompromisslose Kombination von drei Faktoren:

           (i) möglichst frühe Erkennung von Talenten,

           (ii) Förderung durch gezielte Herausforderungen und aktive Betreuung und

           (iii) Ausbildung in Institutionen der Weltspitze.

Die uneingeschränkte Zulassung aller Interessenten für (fast) alle Fächer ist schlicht und einfach Realitätsverweigerung oder drastischer ausgedrückt Unfug [1]. Zum Forscher benötigt man ebenso Eignung wie zum Musiker oder Schifahrer. Niemand würde auf die Idee kommen, jemanden der jämmerlich auf der Violine kratzt zum Studium am Mozarteum zuzulassen oder einen Schifahrer der nur mühsam Bogen fahren kann, in den nationalen Schikader aufzunehmen. Unzureichende Selektion vergeudet nicht nur sehr viel Geld sondern macht die unbewusst Ungeeigneten zumeist für ein Leben lang unglücklich. Überfüllte Studienfächer mit eklatantem Personalmangel und dadurch unvermeidbar schlechter Ausbildung helfen niemandem.

Zudem kommt noch erschwerend, dass auf Grund der Gesetze in der Europäischen Union Studierende einschließlich der Studienanfänger, die aus anderen EU-Ländern kommen, unter den gleichen Bedingungen wie Österreicher zum Studium zugelassen werden müssen. Um nicht missverstanden zu werden, Ortsveränderungen während des Studiums sind sehr wichtig und die Mobilität ist in Europa ohnehin viel zu gering. Das Problem aber ist die Zuwanderung von Studierenden, die auf Grund von Selektionskriterien in ihrem Heimatland keinen Studienplatz bekommen haben, und deshalb sind es nicht immer die besten, die in Österreich ihr Glück versuchen. Die meisten Studierenden in den Massenfächern schließen, wenn überhaupt, mit einem Mastergrad – seit kurzem auch mit einem Bachelorgrad – ab. Die zahlreichen Absolventen der Massenfächer können darüber hinaus mit ihrer oft schlechten Ausbildung kaum sinnvoll in den Arbeitsmarkt integriert werden.

Von der völlig freien Studienwahl, wie sie dem sozialdemokratischen Bildungsideal entspricht, wird man sich wegen Nichtfinanzierbarkeit sehr bald verabschieden müssen [1]. Eine pragmatische Vorgangsweise müsste in vielen Fächern die Ausbildung an die Berufsbilder und den Bedarf des Arbeitsmarktes heranführen. Zwei Beispiele sollen dies illustrieren: Absolventen des Magisterstudiums in der Pharmazie haben in ihrer Ausbildung zwar gelernt, chemische Synthesen durchzuführen und Pflanzenextrakte zu bereiten, aber kaum etwas von den wissenschaftlichen, kommerziellen und politischen Rahmenbedingungen der zeitgemäßen Arzneimittelforschung und Arzneimittelentwicklung erfahren. Es gibt es einen klar überschaubaren Bedarf an Magistern in den Apotheken und dementsprechend sind ausreichend viele Studierende für diesen Beruf auszubilden. Es werden viel mehr Apotheker als pharmazeutische Forscher für Industrie und Hochschule gebraucht. Die letzteren benötigen jedoch eine längere und sehr viel tiefer gehende Ausbildung in den chemischen, biologischen und medizinischen Fächern. An einigen Hochschulen Deutschlands und der Schweiz werden diesem unterschiedlichen Bedarf Rechnung tragend verschiedene Ausbildungsgänge für die beiden Berufsbilder angeboten und damit Ressourcen gespart.

Im Studium der chemischen und biologischen Fächer wurde an Österreichs Universitäten die Ausbildung in Mathematik und Physik reduziert, und dies entspricht einem fatalen lokalen Anachronismus, denn eine fächerüberschreitende Vereinheitlichung des Wissens in den naturwissenschaftlichen Kernfächern Physik, Chemie und Biologie einschließlich der Mathematik ist auf Weltniveau nicht mehr aufzuhalten. An einigen erfolgreichen Universitäten Großbritanniens wurden diesem Trend folgend chemische Departments in Departments für Chemie und Biologie oder in Departments für Materialwissenschaften umgewandelt. Bei der Reorganisation der Studien nach dem Bologna-Prozess wurde aus meiner Sicht eine große Chance verpasst: die Einführung eines Studiums zum gemeinsamen ‚Bachelor of Science‘ und eine Aufspaltung in die einzelnen naturwissenschaftlichen Fächer erst während des Masterstudiums. Viele andere Beispiele von Ausbildung verbessernden und dennoch kostenneutralen, wenn nicht sogar kostensparenden Maßnahmen sind ähnlich gelagert. Ein konstruktives Zusammenspiel von Fachhochschulen und Universitäten, um allen wirklich Talentierten eine optimale Ausbildung und Entfaltungsmöglichkeit zu bieten und gleichzeitig den gesellschaftlichen Bedarf voll abzudecken, wäre ein Gebot der Stunde.

Andere Länder zeigen, wie man erfolgreich nach Talenten in der Wissenschaft Ausschau halten kann. Zwei Beispiele aus Ländern mit völlig verschiedenen politischen Systemen sollten als Illustration dienen:

Chinesische Studenten werden vor der Zulassung zum Studium sehr selektiven Auswahltests unterzogen. Einer meiner früheren Mitarbeiter und Doktoranden ist ‚Full-Professor‘ für diskrete Mathematik an der Nankai University in Tien Tsin und führt an, dass er weder in Deutschland noch in den USA so gut ausgebildete Studenten hatte wie jetzt in China.

Die Studienstiftung des deutschen Volkes ist ein Beispiel aus unmittelbarer Nähe: Schüler und Schülerinnen in den Abiturklassen werden mit Hilfe der Lehrkräfte und durch direkten Kontakt in Form von Interviews ausgewählt, erhalten ein Stipendium und werden während ihres Studiums von erfahrenen Vertrauensdozenten beraten und betreut. Eigene von der Studienstiftung veranstaltete Sommerkurse erweitern das Wissen der Betreuten. Bundesweit werden zurzeit jedes Jahr etwa 3000 Stipendiaten aufgenommen, die Gesamtzahl der Geförderten beträgt 9500 – Tendenz stark steigend – und darunter befinden sich 900 Doktoranden. Etwa 75% der Mittel der Studienstiftung, da sind 37,3 Millionen EUR kommen von der öffentlichen Hand. Die Zugehörigkeit zu den von der Studienstiftung Betreuten wird in Deutschland als eine Auszeichnung für besondere Leistungen empfunden. Ein besonders wichtiges Merkmal der Studienstiftung ist das Einsetzen der Förderung und der Betreuung schon bei Beginn des Studiums, wodurch Selektion und Studienberatung automatisch inkludiert sind. Es wird diskutiert, die Begabtenförderung auch auf die obersten Gymnasialklassen auszudehnen.

Zum Unterschied von der Studieneingangsphase hat sich bei uns die Betreuung der Diplomanden und Doktoranden in den vergangenen zehn Jahren entscheidend verbessert. Die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) vergibt Stipendien, die Betreuung und Finanzierung von Auslandsaufenthalten zum Zweck der Erlernung von Techniken und der Durchführung von Arbeiten, die für den Fortschritt der Doktorarbeit essentiell sind, beinhalten. In vielen Fächern wurden Doktorandenkollegs eingerichtet, die eine volle Betreuung während der Dissertation sicherstellen. Ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung internationaler Standards wäre die flächendeckende und zwingende Einführung eines fachspezifischen, internationalen Stellenausschreibungs- und Auswahlverfahrens für alle Doktoranden und zwar nicht durch einzelne Professoren sondern durch ein Kollegium, ein Verfahren welches zurzeit nur in einigen wenigen Fächern praktiziert wird. Auch für die PostDoc-Phase der wissenschaftlichen Karrieren gibt es einschlägige Programme: Das Erwin Schrödinger- und das Max Kade-Stipendium für Auslandsaufenthalte mit der Erwartung, dass die Stipendiaten nach Österreich zurückkehren werden, sowie die APART-Stipendien der ÖAW, welche die Zeit von der Promotion bis zu einer Habilitation überbrücken sollen.

In die Karrieremöglichkeiten bereits etablierter junger Forscher ist in Österreich noch einiges zu investieren. Das wichtigste Kriterium für die Förderungsstrategie ist die vollständige wissenschaftliche Unabhängigkeit der Geförderten durch eigenes Budget und eigenes Personal. Nachwuchsgruppenleiter dürfen nicht einem Professor oder ‚Senior-Researcher‘ unterstellt sein. Die Start-Preise des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) sind zwar vorbildlich in Hinblick auf die kompetitive Vergabe und die garantierte Unabhängigkeit der jungen Forscher aber zahlenmäßig viel zu wenige. Manche Wissensgebiete fallen völlig heraus, obwohl es in Österreich international erstrangige junge Leute in diesen Fächern gibt. Ein Vergleich der Nachwuchsförderung in den beiden etwa gleich großen Ländern Österreich und Schweiz ist überaus illustrativ (Tabelle 1).

Tabelle 1: Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in Österreich und in Schweiz

  Österreich (FWF) Schweiz (SNF)
  Zeitraum Anträge Erfolg % Zeitraum Anträge Erfolg %
Gesamt 1996-2009 502 76 15 1999-2009 2522 402 16
Pro Jahr 1996-2009 35,9 5,4 15 1999-2009 229,3 36,5 16

Der österreichische Startpreis ist unmittelbar vergleichbar mit der erst drei Jahre später eingeführten Förderungsprofessur, welche vom Schweizerischen Nationalfonds vergeben wird. Die Erfolgsquoten für eingereichte Anträge sind nahezu gleich aber in der Schweiz werden mehr als fünfmal so viele Nachwuchsstellen vergeben. Deutschland hat mehrere Förderprogramme, welche von der DFG – Emmy Noether-Programm, Heisenberg-Professuren – , von der Max Planck-Gesellschaft – Nachwuchsgruppenleiterstellen – und privaten Institutionen vergeben werden. Nahezu alle diese Programme und ebenso die vom European Research Council (ERC) vergebenen Starting Grants haben sich als überaus erfolgreich etabliert. Ein sehr hoher Prozentsatz der Ausgezeichneten beginnt nach Auslaufen der Nachwuchsstellen eine erfolgreiche Karriere als Spitzenwissenschaftler. Leider verzeichnet Österreich eine besonders hohe Quote der Abwanderung der exzellenten Nachwuchsforscher in andere Länder, welche eine bessere Perspektive bieten. Maßgeblich, wenn auch nicht ausschließlich für diese prekäre Situation verantwortlich, ist das Fehlen einer transparenten, durchgängigen und dennoch höchst selektiven Karrierestruktur mit dem international üblichen Tenure Track.

Ein gravierendes Problem des Brain Drains aus Österreich besteht in der Tatsache, dass die Kompensation in Form eines Brain Gains aus dem Ausland viel zu schwach ist. Dies beginnt mit dem Fehlen geeigneter Programme für Gastprofessoren der internationalen Spitzengruppe – etwa in Form der Humboldt-Professuren in Deutschland – und reicht bis zu schwachen Angeboten bei Berufungen. Im letzteren Fall hat dies zur Konsequenz, dass von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen nur schwächere Wissenschaftler mit Erfolg aus dem Ausland nach Österreich angeworben werden. Es sind aber gerade die hochrangigen internationalen Gastwissenschaftler oder die rekrutierten Spitzenwissenschaftler, die mit ihrer Expertise die Wissenschaft eines Landes ungeheuer bereichern können.

Österreich – eine entwickelbare Forschungslandschaft

Bei der Feierlichen Sitzung 2010 der Österreichischen Akademie der Wissenschaften hat Präsident Denk den Satz geprägt: „Österreich hat keine entwickelte aber eine entwickelbare Forschungslandschaft.“ Ende des Zitats. An diese Worte möchte ich hier anknüpfen: Die Voraussetzungen für den Erfolg einer Exzellenzstrategie sind gegeben aber, um sie umzusetzen, fehlen kompromissloses Bemühen und konsequentes Durchhalten. Die gesetzliche Lage – UOG 2002 – ermöglicht den Universitäten eine schrittweise Umwandlung in forschungsintensive Spitzeneinrichtungen. Einer positiven Entwicklung stehen im Wesentlichen drei Hindernisse im Weg:

(i) der gegenwärtige Geldmangel,

(ii) die durch Gesetz verordnete Durchführung von Massenausbildung in einigen von Studierenden ‚überrannten‘ Fächern und

(iii) jene Berufungsgremien, die kein Interesse an echter wissenschaftlicher Qualität haben.

Alle diese Probleme sind nicht unüberwindbar und lassen sich mit entsprechendem Einsatz der Verantwortlichen in der Politik und an der Universität beheben.

Zur Pflege der Forschung in einer naturwissenschaftlichen, technischen oder medizinischen Fachrichtung gehören dementsprechend zweierlei, genügend finanzielle Mittel, um den Gerätepark für Forschung und Lehre auf dem weltweit modernsten Stand halten zu können, und die Berufung von Spitzenforschern auf vakante Stellen. Mittelmäßige Forschung bringt keine Innovationen, sie kostet nur Geld für sogenannte ‚Me too‘-Projekte. Der Schaden, der durch eine Nichtbesetzung einer Professorenstelle entsteht, ist viel geringer als jener, der durch eine Fehlbesetzung verursacht wird. Wenn eine Aufstockung der finanziellen Mittel ausgeschlossen erscheint, dann kann der Mangel durch eine Verringerung der Personalstellen behoben werden. In vielen Fächern, vor allem im mathematisch-naturwissenschaftlichen und technischen Bereich ist das Verhältnis von Lernenden zu Lehrenden so günstig, dass eine richtig durchgeführte Reduktion des Lehrkörpers bei gleichzeitiger Steigerung der wissenschaftlichen Leistung keine Verschlechterung der Ausbildung nach sich zu ziehen bräuchte. Allerdings wäre eine solche ‚Redimensionierung‘ wegen der dienstrechtlichen Situation der Mitarbeiter in der Übergangsphase mit einigen zusätzlichen Kosten verbunden.

In den vergangenen fünfzig Jahren österreichischer Wissenschaftspolitik gab es zwei Phasen einer beachtlichen Steigerung der von der öffentlichen Hand auf diesem Sektor aufgewendeten finanziellen Mittel: i) den Zeitraum von etwa zehn Jahren vor dem UOG 1975 (Eine kurz gefasste Schilderung der österreichischen Wissenschaftspolitik insbesondere in Hinblick auf den Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) findet sich in der Diplomarbeit von Richard Aichner [2]) und die Begleitmaßnahmen zur Implementierung des Gesetzes bis zum Ende der Achtzigerjahre und ii) die Zeit von 1998 bis 2008, in welcher die Zuwendungen des Bundes für Forschung und Entwicklung von 1 Milliarde EUR auf etwa 3 Milliarden EUR gesteigert wurden. Die erste Phase war wegen der Begleitumstände des UOG bei weitem nicht so wirkungsvoll, wie sie hätte sein können. Die zweite Phase hat es erlaubt, eine Reihe von Neuentwicklungen an den Universitäten und in der außeruniversitären Forschung in Richtung auf das Erreichen des Weltspitzenniveaus zu initiieren.

Um diesen vor mehr als einem Jahrzehnt begonnenen Pfad einer Exzellenzstrategie in der Grundlagenforschung erfolgreich bis zu dem gewünschten Ziel weiter gehen zu können, müssen Schwachstellen in der österreichischen Wissenschaft beseitigt werden:

(i) die akademische Forschung muss ausreichend gefördert werden und dazu sind entweder mehr direkte Mittel oder indirekte Mittel für eine Umgestaltung der Wissenschaftslandschaft notwendig,

(ii) die Rekrutierung von Spitzenkräften für die Leitung wissenschaftlicher Einrichtungen muss noch deutlich verbessert werden und dies beinhaltet sowohl eine bessere, international konkurrenzfähige Ausstattung der Forschungsstätten mit Arbeitsmitteln und Personal als auch mehr Exzellenzbewusstsein bei der Auswahl und

(iii) ein umfassendes und griffiges Programm zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, um den ‚Brain Drain‘ umzukehren.

Ausblick

Im Sinne der Vision einer wesentlichen Rolle Österreichs im zukünftigen gemeinsamen Wissenschaftsraum Europa müssten die hier angesprochenen Probleme möglichst rasch gelöst werden. Dazu appelliere ich an die zuständigen Politiker wieder zu dem im Jahre 2008 geplanten und dann nach der Regierungsbildung verlassenen Forschungspfad zurückzukehren und wie in fast allen westlichen Ländern die Ausgaben für Bildung und Wissenschaft trotz oder gerade wegen der Krise zu erhöhen. Den Verantwortlichen an den Hochschulen kommt die Aufgabe zu, Exzellenzstrategien konsequent anzuwenden, und für Berufungen nur erstrangige Wissenschafter auszuwählen. Bei der Erstellung der laufenden Budgets für Forschungsgruppen, Abteilungen und Institute müssen die erbrachten Leistungen als Orientierung ernst genommen und persönliche Präferenzen oder Abneigungen hintangestellt werden. Wenn dann auch noch die Förderung der jungen Talente verstärkt wird, ist kein Grund zu sehen, warum die österreichische Wissenschaft nicht einen weltweit erstrangigen Platz einnehmen sollte, wie dies schon heute für die Schweiz, die Niederlande, die skandinavischen Länder und andere Staaten mit vergleichbarer Größe und ähnlich erfolgreichen Volkswirtschaften der Fall ist.

Literatur:

[1] Hans Pechar. 2010. 30 Jahre Realitätsverweigerung sind genug. Der „offene Hochschulzugang“ liegt offenbar in den letzten Zügen, Und das ist gut so. – Vorauseilender Nachruf zu einem österreichischen Sonderweg und seine fatalen bildungspolitischen Folgen. Der Standard. 24./25.Juli 2010, p.31.

[2] Christoph Aichner. 2007. 40 Jahre im Dienste der Forschung. Gründung und Geschichte des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (1967-2007). Diplomarbeit, Universität Innsbruck, Philosophisch-Historische Fakultät.

Der Artikel ist der vierte Teil der ausführlichen Fassung eines Referates, das im vergangenen Jahr anläßlich des von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften veranstalteten Symposiums „Wa(h)re Forschung“ gehalten wurde. Dieses Symposium hatte den sich eben in allen Bereichen der Wissenschaft vollziehenden Paradigmenwechsel zum Thema: „Weg von der erkenntnisorientierten Grundlagenforschung und hin zur Anwendungsorientierung“ und ist eben in Buchform erschienen („Wa(h)re Forschung – Change of Paradigms?“ Präsidium ÖAW Hsg, Friedrich VDV, 4020 Linz; 2011).

 

Über den Autor:

Emer. Univ. Prof. Dr. Peter Schuster, Jg. 1941, hat an der Universität Wien Chemie und Physik studiert, war langjähriger Ordinarius für Theoretische Chemie und Leiter des Computerzentrums in Wien, Gründungsdirektor des Instituts für Molekulare Biotechnologie in Jena, Vizepräsident und Präsident der ÖAW, Mitglied höchstrangiger Akademien. Forschungsschwerpunkte: Theorie der: chemischen Bindung, Dynamik, molekularen Evolution, Struktur/Funktion von RNA und Proteinen, Netzwerke.

Details: www.science-blog.at/Autoren

Leser-Kommentare
cealis | 28. März 2015 19:49
If only there were more clever people like you!
Nur | 28. Januar 2015 07:47
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Leopold | 17. September 2011 23:21
@phaidros 14.10.2011

dieses Posting habe ich ebenfalls in Teil 3. des Referats kommentiert.
phaidros | 14. September 2011 11:14
Da es schon ein bisschen her ist erlaube ich mir, auf das neue Posting http://www.andreas-unterberger.at/2011/08/grundlagenforschung-in-osterreich-rekrutierung-von-spitzenkraeften/#comment-149045 (zum 3. Teil des Referates) aufmerksam zu machen.

BG
Zraxl | 10. September 2011 12:17
Wenn man die Grundlagenforschung in Österreich fördern will, wäre es m.E. auch hilfreich, dem wissenschaftlichen Nachwuchs die wissenschaftlichen Grundlagen zu vermitteln.

Meine inzwischen lange zurückliegenden Erfahrungen mit einer österreichischen Technischen Universität waren da jedenfalls durchwachsen. Absolventen der Studienrichtung Elektrotechnik waren damals jedenfalls nicht in der Lage, ein in üblicher Notation geschriebenes Lehrbuch der Elektrodynamik zu verstehen. Damit meine ich nicht einmal die merkwürdigen Maßsysteme, die Physiker halt so zu verwenden pflegen, sondern die üblichen mathematischen und physikalischen Konzepte waren den Absolventen unbekannt.

An dieser Fakultät gab es damals einen sehr engagierten jungen Dozenten, der in einer Spezialvorlesung interessierten Studenten wenigstens einige dieser grundlegenden Konzepte nahegebracht hat. Nachdem dieser m.E. hervorragende Mann Professor an dieser Fakultät geworden ist, hat er zwar die betreffenden Vorlesungen völlig umgekrempelt, doch von den zeitgemäßen Konzepten gab es weiterhin keine Spur in den Pflichtvorlesungen. Im Gegenteil: Die Fakultät hat damals beschlossen, die Lehrveranstaltungen zu "entrümpeln". Auf die Theoretiker hat man eingewirkt, doch nicht so sehr auf ihrer Theorie herumzureiten. Die ohnehin bereits magere Mathematik wurde weiter gekürzt, Physik wurde ebenfalls reduziert und Chemie gab es schon vorher nicht, da war also nichts zu entrümpeln.

In den Institutssitzungen wurde gar manchmal schwadroniert über große Genies und Nobelpreisträger und über viel Geld und tolle Forschungseinrichtungen. Auf die Frage, warum tun wir nichts, um einen Nobelpreis zu bekommen, gab es Gelächter. So ein Gelächter, wie man es vermutlich erhält, wenn man einen Sandler fragt, warum er nicht Bankdirektor geworden ist.

Doch all das ist lange her. Seither hat sich vieles geändert, hoffentlich zum Besseren. Manchmal, wenn ich einen jungen Elektrotechniker treffe, fage ich ihn, ob er weiß, was ein Hamiltonoperator ist. Die Antwort ist fast immer negativ.
Schnabeltierfresser | 09. September 2011 14:03
Klar, der Staat muss die Studienrichtungen an den Bedarf des Arbeitsmarktes heranführen. Nicht etwa der Arbeitsmarkt selbst. Solange wir es uns leisten können...
durga | 10. September 2011 00:55
@Schnabeltierfresser

Für Absolventen einer Reihe von Studienrichtungen hat die Wirtschaft kaum Bedarf. Dies hält Studenten aber nicht davon ab diese Fächer zu inskribieren, zB gab es 2010:

- rund 700 Anfänger in Politikwissenschaften bei Chancen von 1,2 % nach Abschluß des Studiums innerhalb eines Quartals einen Posten in der Wirtschaft zu bekommen,

- rund 340 Anfänger in Philosophie - Chancen: 0,4 %

- über 1500 Anfänger in Publizistik - Chancen 6,3 %

- über 600 Anfänger in Soziologie - Chancen 5 %

Dagegen ist der Bedarf an Absolventen naturwissenschaftlich/technischer Fächer wesentlich höher (Chancen: Maschinenbau 220 %, Chemie 162 %), die Zahl der Anfänger der genannten Fächer zwischen 300 und 400.
(alle Zahlen Karriere-Index:Wirtschaft; 2010)

Für Fächer mit geringen Karriere-Chancen müßte die Zahl der Studienplätze dementsprechend geregelt werden. Dies nicht nur um nach Möglichkeit zu verhindern, daß akademisch ausgebildete Leute keinen vernünftigen Job finden, sondern auch wegen der enormen Kosten einer wenig nutzbringenden Ausbildung: Bei Studienkosten von rund 15 000 $ per Student und Jahr (OECD-Education at a Glance 2010), d.i. rund 100 000 $ nach Ende des Studiums, kosten 5000 Absolventen derartiger Fächer bereits mehr als 500 Millionen $.
phaidros | 10. September 2011 09:26
Das ist m.E. ganz einfach erklärt: keine Studiengebühren. Müssten die Studenten (wenigstens teilweise) für den Aufwand aufkommen, den sie durch ihre zumeist teure Ausbildung verursachen, würde augenblicklich wieder Vernunft in die Studienwahl einkehren, und Spaßstudien würden nur noch von jenen betrieben werden, die sich das auch leisten können (wogegen nicht der Gerignste Einwand besteht).

Gegen an Planwirtschaft erinnernde »Stellenzahlen« aber bin ich eigentlich auch. Was nichts daran ändert, dass jede Schule, auch eine Hochschule, sich natürlich auch nach Gegebenheten zu richten hat, wie beispielsweise ganz banale räumliche oder personelle Kapazitäten, und somit Bewerber auch autonom ablehnen können sollte.

Nebenbei bemerkt: auch das Argument, dass ohnehin jeder sein Studium selbst finanziert, nämlich über die höhere Steuerleistung bedingt durch das bessere Einkommen wegen der hochwertigen Ausbildung durch ein Studium, dürfte nicht halten. Und selbst wenn: ehrlicher, direkter und »kostenwahrer« wäre es dann wohl, die Steuern etwas zu senken.