Die Redaktion
Die Redaktion | 05. Juli 2012

Ein Jahr Science-Blog

Mit dem Artikel „Hat die Menschheit bereits den Boden unter den Füßen verloren?” - verfaßt von dem prominenten Waldökologen Gerhard Glatzel - wurde vor einem Jahr der Science-Blog aus der Taufe gehoben. In einer ersten Bilanz möchten wir nun aufzeigen, wie sich der Blog in dieser Zeitspanne entwickelt hat, wie unser Blog wahrgenommen wird, und warum wir nach wie vor Bedarf für einen derartigen Blog sehen.

Der Science-Blog hat seit seiner Gründung ein klares Ziel: Er soll eine zeitgerechte, erste österreichische Plattform zur Information und Diskussion über Naturwissenschaften sein. In seinem Mission Statement ist dieses Ziel so formuliert:

„Laien über wichtige naturwissenschaftliche Grundlagen und Standpunkte zu informieren, deren Grenzen in kritischer Weise abzustecken, Vorurteilen fundiert entgegenzutreten und insgesamt, in der Form eines zeitgemäßen Diskussionsforums, das zur Zeit leider sehr geringe, allgemeine Interesse an Naturwissenschaften zu steigern“.

Wie hat sich der Science-Blog entwickelt?

Seit Beginn des Blogs sind im wöchentlichen Abstand insgesamt 53 Artikel erschienen. Diese haben in bunter Reihenfolge Themen aus der Mathematik und verschiedenen den Naturwissenschaften zuzurechnenden beziehungsweise auf Naturwissenschaften basierten Gebieten behandelt. Dabei wurde ein weiter Bogen gespannt von Physik, Geowissenschaften, Weltraumforschung, Chemie, Biologie bis hin zur molekularen Pharmakologie und Medizin.

Entsprechend dem interdisziplinären Charakter moderner naturwissenschaftlicher Forschung und Anwendung, wiesen auch die meisten Beiträge fließende Übergänge zwischen mehreren Fachgebieten auf, bis hin zur Anwendung naturwissenschaftlicher Techniken auf kulturhistorische Fragestellungen. Daneben erschien auch eine Reihe wissenschaftspolitischer Artikel, die sich mit spezifisch österreichischen Problemen befaßten, vor allem mit der Einstellung von Gesellschaft und Politik zu naturwissenschaftlicher Bildung, Forschung und deren Förderung.

Mit seiner, die gesamten Naturwissenschaften umspannenden Breite unterscheidet sich unser Blog grundlegend von anderen Science Blogs im Ausland. Diese werden zumeist von einem einzelnen Blogger betreut, beschränken sich häufig auf ein einziges  Fachgebiet und weisen inhaltlich sehr variable Qualitäten auf.

Mit dem Anspruch „höchste Seriosität und erste Qualität“ bieten zu wollen, haben wir einen anderen Weg beschritten, indem wir bis jetzt insgesamt 25 international ausgewiesene, renommierte österreichische Wissenschafter als Autoren rekrutieren konnten. Deren Beiträge – in leicht verständlicher (deutscher) Sprache abgefaßt – entstammen ihren jeweiligen Kompetenzbereichen, stellen also „Wissenschaft aus erster Hand“ dar. Unsere Autoren beteiligen sich an der Initiative ausschließlich deshalb, weil sie mithelfen wollen, die mißliche Situation naturwissenschaftlicher Bildung in unserem Land zu verbessern – keiner von ihnen benötigt einen Prestigegewinn, keiner erzielt daraus irgendwelche Vorteile, keiner verfolgt irgendwelche politische Interessen.

Für diese Unterstützung können wir unseren Autoren nur herzlichst danken!

Wird der Science-Blog wahrgenommen?

Die Resonanz auf den Blog kann als durchaus positiv bezeichnet werden:

Eine Suche in Google (Zeitraum: 1 Jahr, Seiten: Deutsch; nach Relevanz sortiert, 10 Ergebnisse pro Seite; abgerufen am 30.6.2012, 19 Uhr) nach dem Stichwort „science blog“ ergab insgesamt 938.000 Ergebnisse. Unser Blog war dabei 3 Mal auf Seite 1, 3 Mal auf Seite 2 und 7 Mal auf Seite 3 angeführt (das entsprach 43% der Treffer auf den vorderen Seiten).  Dies erscheint beachtlich, da ja unter „science blog“ auch viele andere Blogs aufscheinen, vor allem das deutsche Blog-Netzwerk „ScienceBlogsTM“ mit insgesamt 35 Blogs
Der Link zu unserem Blog steht auf der Homepage einiger wichtiger Institutionen (u.a. der Österreichischen Akademie der Wissenschaften  und der Industriellenvereinigung), auf der Blogroll von Blogs (z.B. Kritisch gedacht) und Artikel aus unserem Blog wurden in anderen Blogs empfohlen.

Unsere Reichweite liegt bei mehreren Tausend Besuchern im Monat, wobei auch ältere Beiträge (da sie ja praktisch nicht an Aktualität verlieren) wiederholt angeklickt werden. Damit erreichen Beiträge eine Leserschaft, die das Fassungsvermögen auch sehr großer Hörsäale bereits übersteigt.
 Die meisten Besucher verhalten sich allerdings passiv, d.h. sie beschränken sich auf das Lesen der Inhalte des Blogs, geben dazu aber keine schriftlichen Kommentare ab (üblicher Tenor: „ich habe xxx gelesen, hochinteressanter Artikel; ich kann dazu aber nichts schreiben“).

Ein verhältnismäßig sehr kleiner Anteil an aktiven, d.h. postenden Lesern ist ein Charakteristikum auch der meisten anderen, etablierten internationalen Wissenschafts-Blogs. (Beispiel: Marc Scheloske “Was über Wissenschaftsblogs zu sagen ist“ erschienen am 2. Mai 2012. Bis 30. Juni 1103 Leser aber nur drei Kommentare. www.wissenswerkstatt.net/2012/05/02/was-ueber-wissenschaftsblogs-zu-sagen-ist/).

Welchen Bedarf sehen wir für einen Science Blog in Österreich?

Unsere Welt ist durch (Natur-)Wissenschaften und Technik geprägt. Diese haben unserer Zivilisation zu sehr großen Fortschritten verholfen. Sie können allerdings auch von negativen Auswirkungen begleitet werden. Lösungen für gegenwärtige und zukünftige Herausforderungen – beispielsweise für Probleme der Energieversorgung, des Klimawandels, des Alterns und der damit verbundenen Defizite – lassen sich nur mit Hilfe naturwissenschaftlicher Forschung finden. Naturwissenschaftliches Basiswissen („scientific literacy“) führt zu einem immer besseren Verständnis von Prozessen, die  in uns und um uns herum ablaufen. Es befähigt uns, diese kritisch zu beurteilen ebenso wie regulierend einzugreifen.

An derartigen Grundlagen zeigt sich unsere Gesellschaft desinteressiert. Allgemeines Unwissen und, daraus resultierend, fehlendes Verständnis und Verunsicherung führen zu der in unserem Land besonders ausgeprägten Naturwissenschafts- und Technikfeindlichkeit. Diese negative Einstellung wirkt sich auch auf die Karriereplanung der Jugend aus und führt zu einem Mangel an Nachwuchs in den von Forschung und Wirtschaft dringlichst benötigten Disziplinen.
Unverständnis und Ablehnung naturwissenschaftlichen Wissens sind in beträchtlichem Ausmaß durch das Versagen der für Bildung und Information zuständigen Einrichtungen – Schule und Medien – bedingt. Diese sind nicht imstande und/oder streben offensichtlich auch nicht an, zu einer wesentlichen Verbesserung der Situation beizutragen.

Versagen der Bildungseinrichtung Schule

Ungeachtet eines seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts ungeheuer angestiegenen Wissens in naturwissenschaftlichen Fächern und der Anwendung dieses Wissens auf alle Facetten unseres Lebens, sind diese Fächer in unseren Lehrplänen nicht nur enorm unterrepräsentiert (die Zahl der Unterrichtstunden wurde gegenüber früher zum Teil sogar drastisch gekürzt). Sie werden auch nicht in der heute nötigen integrativen Weise – das heißt aufeinander aufbauend beziehungsweise einander ergänzend – angeboten. Es darf nicht verwundern, wenn Pflichtschulabgänger in der für den Stoffumfang viel zu knapp bemessenen Zeit kaum viel an Wissen mitbekommen (wie auch beim PISA-Test 2006 und 2009 dokumentiert).

Zu den durch Lehrpläne verursachten Defiziten kommt erschwerend, daß gute Lehrer für naturwissenschaftliche Fächer häufig fehlen, daß die Ausbildung der Lehrer kaum das in diesen Fächern heute benötigte interdisziplinäre Wissen berücksichtigt, daß Lehrer mit der für Naturwissenschaften essentiellen Forschung nie in Berührung kamen. Aber selbst, wenn ein guter Lehrer vorhanden ist, unterrichtet er ja "nur" einen Nebengegenstand, dessen Bedeutung (gemessen an Lehrplan und Stundenzahl) und Lerneinsatz sich in keiner Weise mit den Hauptgegenständen messen darf.

Dem niedrigen Stellenwert naturwissenschaftlicher Fächer entsprechend  fehlen bis jetzt auch Bildungsstandards dafür, was ein Absolvent der Pflichtschule, der AHS wissen sollte.
Schlußendlich fehlt es dann auch an der Motivation der Schüler, deren Akzeptanz der Fächer desillusionierend ist (Meinung zum Chemieunterricht: zu schwierig, zu abstrakt, zu wenig verstanden). Sie sind in ihrer Ablehnung möglicherweise auch geprägt durch Vorurteile aus Familie und Freundeskreis.

Versagen der Medien

Aus dem oben Dargelegten ist es nur zu verständlich, daß Jugendliche am Ende der Schulzeit bestenfalls rudimentäre naturwissenschaftliche Kenntnisse besitzt. Den Mangel an naturwissenschaftlicher Bildung können sie als Erwachsene aber kaum mehr nachholen. Fachliteratur erscheint für Laien weitestgehend unverständlich, die Suche nach leicht lesbarer Information endet häufig bei pseudowissenschaftlichen Darstellungen.

Print- und Unterhaltungsmedien gehen davon aus, daß Nachrichten/Sendungen mit seriösem naturwissenschaftlich-technischem Inhalt prinzipiell nicht die erhoffte Quote bringen können. Dementsprechend ist naturwissenschaftliche Information unterrepräsentiert, rangiert auch in den besten Printmedien unseres Landes am unteren Ende der Rubriken und wird dann häufig nur in "mediengerechter", das heißt reißerischer, weitestgehend oberflächlicher Form gebracht. Postings zu diesen Beiträgen sind rar und häufig nichtssagend, können jedoch enorme Zahlen erreichen, wenn Ängste hinsichtlich einer „Zeitbombe“ geschürt wurden oder über angebliche Skandale berichtet wurde.

Der mit Zwangsgebühren finanzierte ORF, der ja seinen Bildungsauftrag erfüllen sollte, hat  „wissenschaftliche“ Sendungen in den letzten Jahren drastisch reduziert: von 303 Stunden Sendezeit im Jahr 2009 auf 232 Stunden in 2011 – von insgesamt 17.704 Programmstunden. Es hat also dafür nur noch knapp über 1 Prozent seiner Sendezeit zur Verfügung gestellt (Quelle: ORF-Jahresberichte 2009, 2010, 2011)

Aber auch in diesen wenigen Sendungen beschränkt sich ein beträchtlicher Teil auf das Aufzeigen schöner Bilder von Landschaften, Fauna und Flora. Es wird aber kaum wissenschaftliche Information geboten.

Die Fragen „Sind von Medien kommunizierte Wissenschaften, insbesondere die Naturwissenschaften, unserer Gesellschaft zumutbar? Kann man die Menschen damit vielleicht sogar begeistern?“ sind aus den Erfahrungen in der Vergangenheit zweifellos mit „Ja“ zu beantworten. In den Siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts liefen hervorragend gemachte, spannende Serien „Alles Leben ist Chemie“ (kommentiert von dem weltberühmten Polymerforscher Hermann Mark) und „Der gläserne Mensch“ (kommentiert von dem international renommierten Internisten Karl Fellinger). Diese Serien fanden enormen Zuspruch und Interesse in praktisch allen Bevölkerungsschichten und waren richtige Straßenfeger.

Das aktuelle Versagen von Bildungseinrichtungen und Medien in der Vermittlung naturwissenschaftlichen Wissens läßt sich in beiden Fällen auf eine kurze Formel reduzieren: Desinteresse und mangelnde Kompetenz der Programmgestalter führt zu inadäquaten Programmen, für deren  Umsetzung viel zu knappe Zeitspannen angesetzt sind.


Abbildung. Wissenschaft in den ORF Programmen.  Das ORF-Fernsehen strahlte 2011 netto 17.704 Programmstunden aus, davon entfielen nur knapp über 1 Prozent auf Wissenschaft und Bildung (große Grafik). Das kleine Insert zeigt die Reduktion der Sendezeit von 303 Stunden im Jahr 2009 auf 232 Stunden in 2011( Quelle: ORF-Jahresberichte 2009, 2010, 2011).

In diesem wenig positiven Umfeld sehen wir den Science-Blog als vielversprechende Möglichkeit, um naturwissenschaftliche Inhalte einem breiteren Kreis zu kommunizieren: auf Grund der ausgewiesenen hohen Kompetenz der Autoren können Besucher seriöse Information erwarten. Auf dieser Plattform können wichtige Themen auch in Hinblick auf deren Möglichkeiten und Auswirkungen für Österreich diskutiert werden.

Die Zukunft dieser Plattform ist daher einzig von der Unterstützung durch Leser und User abhängig. Auch scheinbar laienhafte Kommentare sind eine wichtige Verbreiterung des Sichtfeldes und zeigen den Autoren, wie sie bei Nichtexperten verstanden werden. Die Redaktion des Blogs freut sich aber auch über jeden konstruktiven Hinweis und Vorschlag.

Jeder Link auf den Blog oder auf einzelne Artikel verschafft diesem Bemühen um grundlegende und sachliche Informationen eine breitere Basis. Und wir alle wissen, dass die Mundpropaganda im Freundeskreis überhaupt die glaubwürdigste Form ist, einer wichtigen Initiative zu mehr Verbreitung zu verhelfen.

Denn letztlich hängt vom wissenschaftlichen Niveau und Wissen der Öffentlichkeit die Wettbewerbsfähigkeit Europas und insbesondere unserer Heimat ab. Damit aber auch unser künftiger Wohlstand, Frieden und Stabilität.

Leser-Kommentare
al3ab banat | 23. Juni 2015 21:03
good luck my bro
al3ab banat | 23. Juni 2015 20:51
good luck my bro
clothing manufacturer | 03. Mai 2015 19:06
Das größte Problem am Grundlagenwissen besteht darin, dass man grundsätzlich immer viel zu wenig davon hat. Aber das ist vermutlich eine Erkenntnis, die man wohl erst nach langem Studium und mit viel Praxis in seiner ganzen Schrecklichkeit begreift.

Natürlich kann man die Fachausbildung in einer HTL nicht mit dem Lehrstoff eines Gymnasiums vergleichen. Nach Abschluss der Ausbildung an einer HTL ist man in der Lage, unmittelbar mit der Berufslaufbahn als Techniker zu beginnen. Es ist sicher auch richtig, dass man an einer HTL einen Zugang zu einem Fachgebiet bekommt, den man ansonsten kaum erhält. Aber auch für Absolventen einer guten AHS gibt es durchaus hervorragende Chancen, sehr gut durch ein technisches Studium zu kommen und als Techniker erfolgreich zu sein. Der Zugang zur Technik wird wohl ein anderer sein, aber das stört überhaupt nicht, da das Gebiet der Technik riesengroß ist und viele Techniker mit unterschiedlichsten Qualifikationen benötigt werden.

Wichtig ist halt, dass der naturwissenschaftliche Unterricht an AHS irgendwie cool ist. Die wichtigsten Voraussetzungen für angehende Techniker oder Naturwissenschaftler sind die Begeisterung zum Fach, Neugierde, und ein ausgeprägter Spieltrieb. Der Rest findet sich.
Sue | 16. April 2015 08:44
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phaidros, wieder | 05. Juli 2013 09:16
Jeff Schatz
Wertkonservativer | 21. Juli 2012 09:09
Als bereits recht alter, hier im A.U.-Blog überdies als rechter Naivling und unverbesserlicher Optimist belächelter Mensch, verfolge ich die immer hochklassigen Science-Blog-Beiräge von Beginn an mit großem Interesse.

Klar, dass ich - bar jeder wissenschaftlichen Vorbildung - nur staunen kann über das vielfältige Wissen, das uns hier von hochqualifizierten Fachleuten leicht verständlich und überaus kompetent vorgelegt wird.
Auch wenn ich da manchmal wirklich nicht mitkomme, wissens- und lebensbereichernd sind diese Science-Blog-Beiträge allemal!

Dank an Familie Schuster und an meinen Freund Matthias Wolf:
bitte weitermachen!

(mail to: gerhard@michler.at)
inge schuster | 22. Juli 2012 01:06
Lieber Herr Michler,

Es ist sehr schön Sie zum treuen Leserkreis unseres Blogs zählen zu dürfen!

Wahrscheinlich gehöre ich - ebenso wie Sie - der Klasse der unverbesserlichen Optimisten an. Als solcher hoffe ich, daß wir mit unserem Blog nach und nach vielleicht mehr Menschen ansprechen können, als dies durch (auch gut besuchte) Vorträge möglich wäre. (Nur Lamentieren, wie unbefriedigend die Situation der Naturwissenschaften in unserer Bevölkerung ist, liegt mir halt nicht.)
Erwin Tripes | 11. Juli 2012 15:13
Ob es ein besonderes Renomme für diesen Blog darstellt, wenn die Industriellen darob so begeistert sind?
Habe diesbezüglich(hier betreffend die Pharmaindustrie)bereits mit Frau Schuster mehrfach die Klinge gekreuzt, bin von dieser Seite her aber nur Verschwörungstheoretiker geblieben,weil dieser Industriezweig beonders fürsorglich, streng wissenschaftlich und ethisch sei, was mir bis dato verborgen war.Dazu nun wiederum ein aktueller Beitrag mfG, E.T.

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/enthuellungen/ethan-a-huff/betrugsskandal-glaxosmithkline-bekennt-sich-schuldig-und-zahlt-rekordstrafe-von-drei-milliarden-dol.html
inge schuster | 11. Juli 2012 19:45
Lieber Herr Tripes,

Zu Ihrem posting und dem link möchte ich mit einem meiner Lieblingszitate aus dem Mahabharata antworten. Krishna sagt (am Ende des Kampfes in Khurukshetra): Niemand ist vollkommen gut, niemand ist vollkommen schlecht.
So halte ich es auch mit der Industrie und speziell mit der Pharma, deren Positiva und Negativa ich nun seit 42 Jahren verfolge.

Da während meiner aktiven Zeit es eines meiner Hauptforschungsgebiete war, das Schicksal von Pharmaka (und anderen Fremdstoffen) im menschlichen Organismus und deren negative Auswirkungen auf diesen zu untersuchen und prediktive Modelle dazu zu erstellen, sind mir diesbezügliches Unwissen und daraus resultierende "Fehlleistungen" seitens der Industrie aber auch von Kliniken und niedergelassenen Ärzten wohlbekannt.

Der aktuelle Fall von Glaxo ist in seiner Dimension nicht der einzige und auch nicht einmal der größte. Neben den durch Unwissen und Schlamperei verursachten "Fehlleistungen" treten hier leider auch immer wieder kriminelle Handlungen auf.

Dennoch, unterm Strich ist die Pharma und ihr Wirken als positiv bilanzierend anzusehen:

- Gesundheitlich profitieren ungleich mehr Menschen von den Fortschritten der Pharma als Menschen Schaden erleiden (auf Grund von nachgewiesenen, schweren Nebenwirkungen werden rund 3 % der bereits eingeführten Medikamente wieder vom Markt genommen.)

- Der Wissenschaft hat die Pharmaforschung in den letzten Jahrzehnten zu enormen Durchbrüchen verholfen. Beispielsweise hat die Entdeckung von Cyclosporin als neuartigem Immunsuppressivum nicht nur die vorher kaum erfolgreiche Organtransplantation und ein weitgehend normales Leben vieler Hunderttausender Organempfänger ermöglicht (allein in der EU erihielten 2010 rund 30 000 Schwerstkranke neue Organe). Cyclosporin hat auch das Fach der Immunologie geradezu revolutioniert und zu Einsichten verholfen, die ohne Pharmaforschung (und den dazu nötigen Ressourcen) kaum möglich gewesen wären.

Persönlich stehe ich einer Reihe von medikamentösen Therapien allerdings recht kritisch gegenüber, vermittle entsprechende Informationen auch an meine Studenten und befreundete Ärzte und ziehe für den eigenen Gebrauch hochwirksame Kollektionen aus meinem Weinkeller vor.
Erwin Tripes | 14. Juli 2012 12:04
Liebe Frau Schuster!
Ich freue mich, daß Sie in Ihrem Urteil einen mittleren Weg gehen. Freilich habe auch ich nie behauptet, daß die gesamte Industrie per se schlecht, oder kriminell sei. Nur dort wo sie es ist, kann sie dies leider bis zum tödlichen Nachteil der Konsumenten mit ungeheurer Macht, politisch wie finanziell, viel zu lange Zeit durchsetzen.
Da ich die Nebenwirkungen der Schulmedikamentation wesentlich höher einschätze, als offiziell aus den Rückrufdaten von Medikamenten glaubhaft gemacht wird, mache ich schon sehr lange einen großen Bogen um diese „Heilmethoden“ und habe mich mit gleicher kritischer Skepsis wie Sie mehr der Natur iwS zugewendet.
Daher würde ich mich freuen, wenn Sie mich in die Reihe Ihrer einschlägigen Informationsempfänger aufnehmen würden. Würde mich mit bescheidenem Wissen revanchieren.
Mein erlesener Weinkeller blieb allerdings ein Jahr unberührt, weil ich meine Leber schonen wollte/mußte, was nach einem Jahr absoluter Alkoholfreiheit wirklich Wunder gewirkt hat.
In Zukunft werde ich auch dabei mäßiger kosten.
MfG, E.T.
inge schuster | 22. Juli 2012 00:34
Lieber Herr Tripes,

Gerne schicke ich Ihnen einschlägige Information. Als erstes ist bereits "Drug discovery in jeopardy" unterwegs, ein äusserst kritischer Artikel über die problematische Situation der Pharma im allgemeinen und die Auffindung neuer Wirkstoffe im besonderen. Der Artikel ist zwar schon beinahe 6 Jahre alt, sein Inhalt trifft aber nach wie vor zu. (Ich teile diesen Artikel auch an meine Studenten aus.)

Der Autor, Pedro Cuatrecasas (Jg 1936) gehört zu den weltweit prominentesten und meistzitierten Wissenschaftern und weiß wovon er spricht, da er beide Seiten kennt: die akademische Forschung als langjähriger Professor an mehreren renommierten Universitäten, die Pharmaforschung und -Entwicklung als Präsident und Direktor großer Konzerne.

Viel Vergnügen beim Lesen!
Florian Freistetter | 07. Juli 2012 18:23
Was ich immer noch vermisse, ist ein RSS-Feed. Vielleicht ist der einfach nur sehr gut versteckt, oder ich habe ihn übersehen. Aber ein Blog sollte eigentlich einen Feed haben. Wer gerne viele Blogs liest, hat meistens keine Zeit, jeden Tag jedes einzelne Blog im Browser aufzurufen und zu sehen, ob es was neues gibt. Ein Feed informiert einen automatisch, wenn ein neuer Beitrag erschienen ist. So etwas sollte es hier eigentlich geben... dann geht das 2. Jahr des Science Blogs vielleicht nicht so sehr an mir vorüber - die Artikel hätten mehr Aufmerksamkeit verdient!
Matthias Wolf | 08. Juli 2012 07:26
Danke für den Hinweis, wir werden das gerne aufgreifen!
inge schuster | 08. Juli 2012 13:11
Es ist sehr erfreulich, daß der erfolgreichste Wissenschaftsblogger im deutschen Sprachraum an unserem Blog und seinen Artikeln interessiert ist!!

Von dem Zuspruch den das Astrodictium Simplex hat, können wir (vorerst) nur träumen. (Es gehört natürlich auch zu den blogs, die ich wöchentlich mindestens ein Mal mit Vergnügen lese.)
Johann Glaser | 07. Juli 2012 12:04
Zur Beliebtheit von Naturwissenschaft und Technik als Schulfächer möchte ich ein paar ergänzende Worte beisteuern.

Eine ganz zentrale Eigenschaft der naturwissenschaftlichen und technischen Fächer ist, dass sie alle auf enorm vielen Grundlagen aufbauen. Für abgehende Akademiker und für Wissenschaftler sind diese Grundlagen längst in Fleisch und Blut übergegangen, sie sind völlig selbstverständlich und integraler Bestandteil bei sämtlichen Gedankengängen.

Dieses Selbstverständnis der Grundlagen der eigenen Disziplin wird gar nicht mehr wahrgenommen, genauso wie die enorme Komplexität des Bewegungsablaufs beim Gehen nicht mehr wahrgenommen wird. Hierbei hat ein Übergang stattgefunden, von Kenntnissen hin zu Fertigkeiten.

Auf diese Grundlagen aufbauend kommen dann erst die eigentlichen "Themen". In der Elektrotechnik beruht z.B. jeder Entwurf einer Schaltung auf dem Verständnis des Ohm'sches Gesetzes ("Verständnis", nicht nur die Formel!), der Kirchhoff'schen Gesetze, dem Umgang mit Kennlinien nichtlinearer Bauteile, usw. Interessant (und in den Medien kommunizierbar) sind aber nur diese "Themen". Die Grundlagen dazu will keiner hören, obwohl ohne ihnen die "Themen" nicht machbar sind.

Für Schüler stellen diese Grundlagen aber ein massives Problem dar. Erstens, weil sie als neue Wissensinhalte erworben werden müssen. Zweitens, weil sie bewusst und regelhaft verarbeitet und gedacht werden müssen. Drittens, weil es so enorm viele sind, die alle gleichzeitig wichtig sind. Und viertens, weil Schüler ihre Anstrengung gleich auf mehrere völlig unterschiedliche Fächer aufteilen müssen.

Im Lehrplan einer AHS ist es aufgrund der für jedes Fach notwendigen Fülle an Grundlagen gar nicht möglich, diese so ausführlich zu behandeln, wie es notwendig wäre. Im Bereich der Technik schaffen das gerade einmal HTLs, und zwar für ein einzelnes Fach, in fünf (statt vier) Jahren und mit fast doppelt so vielen Unterrichtsstunden pro Woche.

Da es unmöglich ist, die notwendigen Grundlagen zu vermitteln so dass sie selbstverständlich werden, beschränken sich alle technischen und naturwissenschaftlichen Fächer nur auf oberflächliches Rezepte-auswendig-Lernen. Damit ist es aber auch unmöglich, diese "Themen" zu verstehen. Das gesamte Fach bleibt mühsam, abstrakt und unverständlich.

Und letztendlich können die Faszination und die Eleganz der jeweiligen Fächer nie erkannt werden.

Ein zweites Problem kommt daher, dass die Grundlagen für Akademiker und Wissenschaftler so selbstverständlich sind. Sie und wohl auch viele (auch gute) Lehrer können gar nicht mehr erkennen, dass ihr gesamtes Fach, ja ihr gesamtes Denken schon diese Grundlagen integrieren. Und sie können nicht erkennen, wenn ihr Gegenüber (z.B. die Schüler), dieses Selbstverständnis fehlt.

Die Beschäftigung mit einem technischen oder naturwissenschaftlichen Fach erfordert wie gesagt auch die Aneignung der Grundlagen. Das bedeutet eine lange und mühsame Durststrecke, die jeder Schüler durchmachen müsste, bevor er sich mit den "Themen" "auf Augenhöhe" beschäftigen kann.

Um das alles zu "kapieren" braucht es aber nicht nur Anstrengung sondern auch genügend Intelligenz. Ein weiteres Problem ist leider, dass viele Schüler gar nicht genügend Intelligenz haben (von der Bereitschaft sich anzustrengen ganz abgesehen). Sie besuchen aber trotzdem Schulen, in denen das eigentlich unterrichtet werden sollte. Das wiederum senkt das Niveau der gesamte Klasse und hindert die (oft engagierten) Lehrer daran, das Fach ordentlich zu unterrichten. Was wiederum den (wenigen) guten Schülern den Zugang zu diesem Fach verwehrt.

Abschließend möchte ich noch ein gesellschaftliches Thema ansprechen. Wie auch im Artikel bemängelt, haben viele Bürger ein viel zu geringes Wissen über naturwissenschaftliche und technische Fächer. Dieser Mangel an Kenntnissen führt aber dazu, dass die Dinge "mystisch" bleiben. Darum wird ihnen alles zugetraut.

Die Menschen sind daher sehr anfällig für Manipulation (durch Medien, Esoterik, Geschäftemacher, usw.). Ich kenne mehrere Akademiker (!), die Angst vor Mikrowellenherden haben, weil das Essen danach "verstrahlt" wäre. Daran sieht man, was die Hysterie um radioaktive Strahlung anrichtet, wenn sie sich auf elektromagnetische Strahlung überträgt, weil der Unterschied nicht bewusst ist.
inge schuster | 07. Juli 2012 17:18
Lieber Herr Glaser,

Sie haben natürlich recht mit ihrem statement:

"Im Lehrplan einer AHS ist es aufgrund der für jedes Fach notwendigen Fülle an Grundlagen gar nicht möglich, diese so ausführlich zu behandeln, wie es notwendig wäre."

Da Physik eine gewisse Kenntnis von Mathematik voraussetzt, ist diese Schülern im Prä-Abakus Stadium nur schwer zu vermitteln. Zumindest ist aber die Stundenzahl für Physik seit meiner Schulzeit unverändert geblieben. Warum es aber zu einer Kürzung der Stundenzahlen in Biologie (früher Naturgeschichte) und insbesondere Chemie, trotz der Wissensexplosion in diesen Fächern, kommen konnte, ist mir unbegreiflich.

Ich möchte den niedrigen Stellenwert, welcher der naturwissenschaftlichen Ausbildung unserer Jugend zugemessen wird, im folgenden an Hand des Umfangs und der Positionierung des Chemie-Unterrichts in den Lehrplänen aufzeigen:

Chemie wird in der Unterstufe nur in der 4. Klasse (HS, AHS, etc.) unterrichtet. Mit 2 Wochenstunden (d.i. 60 – 70 Unterrichtsstunden a 50 min. im gesamten Schuljahr) soll hier ein Überblick über praktisch das ganze Spektrum der Chemie gegeben werden: von Einteilung und Eigenschaften der Stoffe, Aufbauprinzipien der Materie, Grundmuster chemischer Reaktionen, Rohstoffquellen und ihrer verantwortungsbewussten Nutzung, bis hin zur Biochemie und Gesundheitserziehung. Natürlich möglichst nicht in Form von Frontalunterricht und das Ganze außerdem untermalt mit vielen anschaulichen Experimenten.

Es darf nicht verwundern, wenn Pflichtschulabgänger in diesem Nebengegenstand kaum etwas mitbekommen haben.

Auf dieser fragwürdigen Chemie-Einführung baut dann die Oberstufe der AHS auf („Der Chemieunterricht in der Oberstufe erweitert und vertieft die erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten aus der Unterstufe”: BMUKK, Lehrpläne). Mit jeweils 2 Wochenstunden, allerdings erst in der 7. und 8. Klasse (früher gab es auch in der 6. Klasse Chemie), soll nun den Schülern der gesamte komplexe Stoff eingetrichtert werden, plus vielen anschaulichen Experimenten.

Problematisch ist allerdings, daß sich der Biologie-Unterricht bereits in der 5. und 6. Klasse der Oberstufe mit Inhalten befaßt, zu deren Verständnis Grundkenntnisse in Chemie/Biochemie erforderlich wären, die über den Schnellsiederkurs der Unterstufe hinausgehen:

- In der Biologie in der 5. Klasse beschäftigt man sich mit dem „modellhaften Verstehen der Zusammenhänge zwischen Lebensvorgängen und bestimmten Zellstrukturen“ und mit dem „Einblick in biotechnische Verfahren”,

- in der 6. Klasse mit „Einblicken in die grundlegende Funktionsweise des Immunsystems“, „Wissen um die Bedeutung der Mitose für Wachstum, Zelldifferenzierung“, „Grundlagen von Information und Kommunikation in Nervensystemen und im Hormonsystem des Menschen“.

Dieses „Wissen“ wird also vermittelt bevor Schüler gelernt haben, was Proteine, DNA, RNA, Membranen,... also die Hauptkomponenten zellulärer Strukturen überhaupt sind. Wenn ich nicht weiß, wie Proteine aussehen und funktionieren, wie verstehe ich dann z.B. die Funktionsweise des Immunsystems, die neuronale Kommunikation?

Wenn also die "Allgemeinbildung", auch von AHS-Absolventen, naturwissenschaftliches Wissen weitestgehend vernachlässigt, darf man sich nicht wundern, daß unsere Gesellschaft den Naturwissenschaften mit großem Mißtrauen bis hin zur Ablehnung gegenübersteht. Die immensen Fortschritte, die wir durch die rasante Entwicklung der Naturwissenschaften erfahren haben - die natürlich auch negative Begleiterscheinungen haben können -, werden konterkariert durch unbestimmte Ängste, die ja nicht auf berechtigter (d.h. auf Wissen resultierender) Kritik beruhen.
Zraxl | 07. Juli 2012 18:30
@Johann Glaser
Das größte Problem am Grundlagenwissen besteht darin, dass man grundsätzlich immer viel zu wenig davon hat. Aber das ist vermutlich eine Erkenntnis, die man wohl erst nach langem Studium und mit viel Praxis in seiner ganzen Schrecklichkeit begreift.

Natürlich kann man die Fachausbildung in einer HTL nicht mit dem Lehrstoff eines Gymnasiums vergleichen. Nach Abschluss der Ausbildung an einer HTL ist man in der Lage, unmittelbar mit der Berufslaufbahn als Techniker zu beginnen. Es ist sicher auch richtig, dass man an einer HTL einen Zugang zu einem Fachgebiet bekommt, den man ansonsten kaum erhält. Aber auch für Absolventen einer guten AHS gibt es durchaus hervorragende Chancen, sehr gut durch ein technisches Studium zu kommen und als Techniker erfolgreich zu sein. Der Zugang zur Technik wird wohl ein anderer sein, aber das stört überhaupt nicht, da das Gebiet der Technik riesengroß ist und viele Techniker mit unterschiedlichsten Qualifikationen benötigt werden.

Wichtig ist halt, dass der naturwissenschaftliche Unterricht an AHS irgendwie cool ist. Die wichtigsten Voraussetzungen für angehende Techniker oder Naturwissenschaftler sind die Begeisterung zum Fach, Neugierde, und ein ausgeprägter Spieltrieb. Der Rest findet sich.
Johann Glaser | 10. Juli 2012 23:34
@Inge Schuster:

Vielen Dank für die ausführlich Beschreibung der Lehrpläne. Ich muss zugeben, dass ich die aktuellen Lehrpläne nicht kenne. Und ich muss zugeben, dass mein Posting nur Probleme angesprochen hat, aber überhaupt nichts zu einer Lösung beigetragen hat. Leider weiß ich auch keine Lösung für dieses Problem. Ein kleiner Beitrag wäre, mehr Fleiß und mehr Engagement der Schüler zu fordern. Aber das allein vermag die angesprochenen Probleme leider auch nicht zu lösen.

Als langjähriger begeisterter Techniker bin ich selbst schon längst auf der Seite der angesprochenen Akademiker und merke gar nicht mehr, auf wie (hoffentlich :-) ) vielen verinnerlichten Grundlagen mein gesamtes Denken und Handeln beruht. Mein Posting beruht aber auf der Beobachtung von Kollegen, Studenten, und Schülern, die noch auf der anderen Seite sind, wo die Grundlagen zwar teilweise bereits gelernt, aber eben noch nicht verinnerlicht sind.

Ich hoffe mit meinem Posting einen bisschen helfen zu können, die Vermittlung von naturwissenschaftlichen und technischen Themen zu unterstützen. Ich möchte damit darauf hinweisen, dass man didaktisch ganz gezielt berücksichtigen muss, dass eigene Selbstverständlichkeiten für die Schüler, Studenten, Leser, ... eben ganz und gar nicht selbstverständlich sind. Und dass man sich die eigenen Selbstverständlichkeiten bewusst machen muss (sonst sieht man sie ja eben nicht).

@Zraxl:

Hehe, danke für die Erkenntnis über zu wenig Grundlagenwissen. :-)

Aber zu HTLs und AHS. Ich habe selbst eine HTL besucht, kenne aber viele Technik-Studenten aus HTLs und auch AHS. Aus meiner eigenen Beobachtung ist der Vorsprung von HTLern (zumindest im Elektrotechnik Studium) bereits im ersten Semester nach wenigen Wochen weggeschmolzen.

Rückblickend komme ich aber zu einem etwas anderen Bild. Der Vorteil bezüglich Mathematik und der wissenschaftlichen, genauen Beschäftigung mit den Themen ist weggeschmolzen. Aber die Vorstellungen und das Vorwissen, an das man die neuen Erkenntnisse anhängen kann, das begleitet einen dennoch weiterhin und bringt (je nach Aufgabengebiet) immer noch einen Vorsprung.

Dazu ein Beispiel von einem Freund aus einer AHS, der Maschinenbau studiert hat. In etlichen Diskussionen hat er mich mit Fragen konfrontiert, die für mich (obwohl ich Elektrotechnik gemacht habe) problemlos zu beantworten waren. Aber nicht, weil ich diese speziellen Themen gelernt hätte, sondern weil die HTL ein gutes Verständnis und Vorstellungsvermögen vermittelt hat.