Inge Schuster
Inge Schuster | 23. August 2012

Carl Auer von Welsbach: Vorbild für Forschung, Entwicklung und Unternehmertum

Der österreichische Chemiker Carl Auer von Welsbach (1858 – 1929) war Forscher, Entdecker, Erfinder und Unternehmer in einer Person. Seine drei großen Erfindungen - das Gasglühlicht, die Metallfadenglühlampe und der Zündstein - haben weltweit eine neue Epoche eingeleitet, seine auf diesen Erfindungen basierten Firmen florieren heute noch. Welcher Voraussetzungen bedurfte es zu derartig grandiosen Erfolgen?

Inge Schuster

Abbildung 1: Das Auer von Welsbach Denkmal vor den Chemischen Instituten der Universität Wien. Details: Jüngling mit brennender Fackel an der Spitze. Inschrift auf der Rückseite

Carl Auer von Welsbach kam 1858 in Wien zur Welt. Sein Vater stammte aus einer oberösterreichischen Flößerfamilie, hatte sich als Autodidakt zum Direktor der k.u.k. Hof-und Staatsdruckerei emporgearbeitet und daraus einen weithin berühmten, typographischen Musterbetrieb geschaffen. Der Sohn hatte Begabung, Bildungsdrang, enormen Fleiß und Durchsetzungskraft vom Vater geerbt, diesen in seinen Erfolgen aber weit übertroffen.

Lassen sich Art und Weise, in der Carl Auer von Welsbach Forschung & Entwicklung betrieben hat, als Leitbild auf unsere Zeit übertragen?

Welche Rolle spielten dabei persönliche Eigenschaften und Fähigkeiten, wie Bildung, Wissen, Expertise, Eigeninitiative, Kreativität und systematische Forschung, welche Risikobereitschaft und Geschick in finanziellen Belangen?

Schlußendlich aber auch: welches Umfeld ermöglicht solche Erfolge?

Der Weg zum Wissenschafter

Auer von Welsbach hatte von Jugend an seine Interessen und Fähigkeiten richtig erkannt und eingeschätzt. Diese lagen überwiegend auf naturwissenschaftlichen Richtungen und waren gepaart mit einer besonderen Eignung für akribische experimentelle Arbeiten. So erklärt sich die Wahl der Studienfächer Chemie und Physik, vorerst an der Technischen Hochschule in Wien.

Bereits nach drei Semestern entschloß er sich aber sein Studium in Heidelberg fortzusetzen, welches den Ruf eines Mekkas der Naturwissenschaften hatte und enorm viele Studenten und arrivierte Spitzenwissenschafter anzog.

Insbesondere verdankte Heidelberg seinen Ruf einem Dreigestirn an Persönlichkeiten, die zusammen das gesamte Spektrum der damaligen Naturwissenschaften repräsentierten und außerordentlich zu deren Fortschritt beitrugen, nämlich dem Mathematiker und Physiker Gustav Robert Kirchhoff (1824-87), dem Universalgelehrten Hermann von Helmholtz (1821-94) und dem Chemiker Robert Bunsen (1811-99). Kennzeichnend für diese drei Wissenschafter waren ihr interdisziplinäres theoretisches und praktisches Wissen und ihre hervorragende Kooperation. Auf häufigen Spaziergängen diskutierten sie wissenschaftliche Fragen fachübergreifend, ohne auf Barrieren einzelner Disziplinen zu stoßen (dazu Bunsen: „Ein Chemiker, der kein Physiker ist, ist gar nichts“).

An dem von Robert Bunsen geleiteten Chemischen Institut erhielt Auer seine wissenschaftliche Bildung, die prägend für sein Forschungsgebiet, die darin angewandten Methoden und die daraus resultierenden Innovationen wurde.

Das Bunsensche Laboratorium

Bunsen hatte Durchbrüche in der Chemie ebenso wie in der Physik erzielt. U.a. konstruierte er die Zink-Kohle Batterie (bis zur Erfindung des Dynamos die effizienteste elektrische Energiequelle), erfand die Wasserstrahlpumpe und entwickelte das Standardutensil jedes Laboratoriums, den sogenannten Bunsenbrenner (zusammen mit Peter Desaga) und die Schmelzfluß-Elektrolyse zur Reindarstellung von Metallen. Vor allem entwickelte er zusammen mit Kirchhoff die Spektralanalyse mit deren Hilfe ihnen die spektakuläre Entdeckung von zwei neuen Elementen – den Alkalimetallen Rubidium und Caesium – gelang.

Das vielversprechende Potential der neuen spektroskopischen Methode – nicht nur als Werkzeug zur Entdeckung damals noch unbekannter Elemente, sondern beispielsweise auch zur Analyse des Lichts und damit der Zusammensetzung von Gestirnen - führte zu einem Ansturm von Studenten und Gast-Wissenschaftern aus aller Welt. Zwischen 1852 und 1889 dürften wohl mehr als 5000 Studenten und Gäste in dem Bunsenschen Laboratorium gearbeitet haben. Eine Liste der Mitarbeiter und Schüler [1] ist ein „Who is Who in Chemistry“. Daß „nur“ drei Mitarbeiter (Fritz Haber, Philip Lenard, Adolf von Baeyer) mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurden, ist darauf zurückzuführen, daß dieser erst von 1901 an verliehen wurde.

In diesem wissenschaftlich zu Höchstleistungen stimulierendem Klima verbrachte Auer zwei Jahre (1880 – 82), arbeitete über Trennung und Spektralanalyse Seltener Erden und schloß mit der Promotion zum Doktor ab. (Seltene Erden sind eine Gruppe von 17 Metallen, die als Oxyde in Erzen vorliegen und auf Grund sehr ähnlicher chemischer Eigenschaften nur äußerst schwer voneinander getrennt werden konnten.)

Seine Heidelberger Arbeiten hat Auer nach seiner Rückkehr nach Wien veröffentlicht.

Der unabhängige Forscher und Erfinder

In Wien konnte Auer von Welsbach die Forschungsarbeiten über Trennmethoden der Seltenen Erden nahtlos fortsetzen – neben einem hervorragenden theoretischen und experimentellen Know-How in diesem Gebiet, hatte er auch die benötigten Geräte, Materialien und sogar Gesteinsproben aus Heidelberg mitgenommen. Er arbeitete selbständig und selbstverantwortlich, als unbezahlter „Privatgelehrter“ vorerst in einem Labor des 2. Chemischen Instituts der Universität, dessen Vorstand der organische Chemiker Adolf Lieben war.

Diese reine Grundlagenforschung führte bereits 1885 zur Entdeckung zweier neuer Elemente der Seltenen Erden, Praseodym und Neodym, die er in aufwändigsten Trennverfahren isoliert und charakterisiert hatte. Später entdeckte er zwei weitere Elemente, Ytterbium und Lutetium.

Seine ausgefeilten Trennmethoden ermöglichten es Auer – dann bereits in seiner eigenen Firma in Atzgersdorf (s.u.) – 10 Tonnen Uranerzrückstände aus Joachimsthal aufzuarbeiten und daraus die weltweit größte Menge an Radium zu isolieren.

Ausgehend von seinem Stammgebiet, den Seltenen Erden, und den dafür entwickelten Techniken schlug er neue Wege ein: In kreativer Weise verknüpfte er dabei Erkenntnisse und Methoden der Heidelberger Zeit mit neuen Ansätzen, die er mit Ausdauer, hohem handwerklichen Können und enormen Einsatz ausführte.

Abbildung 2: Das Auer'sche Gasglühlicht.
A: Bunsenbrenner,
B: Glühstrumpf mit Haltevorrichtung C. (Quelle:,.Bieler Anzeiger" No. 72, 25. März 1893).

Erfindung des Gasglühlichts. Auf Untersuchungen zum außerordentlichen Strahlungsvermögen (Candoluminiszenz) von Seltenen Erden beruht die Erfindung des Gasglühlichts. Auer experimentierte mit Salzen unterschiedlicher Seltener Erden, mit denen er ein Baumwollgestrick imprägnierte, das in Form eines Strumpfes die Gasflamme des Bunsenbrenners umhüllte (Abbildung 2). Nach Veraschung des Gewebes blieb ein Gerüst aus den Oxyden der Elemente übrig, das in der Gasflamme hell strahlte: der Glühstrumpf. Auer war 27 Jahre alt als er das Patent für das erste „Gasglühlicht“ erhielt - einen modifizierten Bunsenbrenner, der den Glühkörper „Actinophor“ (aus Oxyden des Magnesiums und der Seltenen Erden Lanthan und Yttrium) zum Strahlen brachte -, 28 Jahre als er eine ehemals chemisch-pharmazeutische Firma in Wien-Atzgersdorf erwarb um dort (allerdings noch mit Mangel behaftete) Glühstrümpfe bereits in kommerziellem Maßstab herzustellen und 33 Jahre als das nun ausgereifte „Auerlicht“ – aus 99 % Thoriumoxyd und 1 % Ceroxyd - seinen globalen Siegeszug anzutreten begann.

Das Auerlicht übertraf alle bis dahin bekannten Lichtquellen – auch die ersten elektrischen, von Thomas A. Edison entwickelten Kohlefadenglühlampen - an Leuchtkraft, längerer Lebensdauer (1000 h) und niedrigeren Energiekosten. Bereits im ersten Jahr wurden 300 000, im zweiten 500 000 Auer-Brenner verkauft. In wenigen Jahren hatte sich der jährliche Umsatz an Glühstrümpfen allein in den USA auf 80 Millionen Stück erhöht [2].

Dieser außerordentliche Durchbruch in der Lichttechnik wurde 1929 folgendermaßen beschrieben [3]:

„In jener langen Spanne, beginnend mit dem Augenblick, in dem Prometheus die brennende Fackel zu den Menschen brachte und ihnen damit Feuer und Licht schenkte, bis zu jenem Zeitpunkt, da Auer seine Versuche anstellte, war stets nur glühender Kohlenstoff, die einzige Quelle künstlichen Licht gewesen, im Kienspan, in der Tranlampe, in der Kerze, im Petroleum, im Leuchtgas und in der Kohlenfadenlampe Edisons. Jetzt zum ersten Male lernte man wirkliche Lichtspender kennen, Licht war bisher nur gleichsam der Abfall der Wärmeerzeugung und der Verbrennung gewesen. Die Geburtsstunde des Auer-Strumpfes war gleichzeitig die Geburtsstunde der modernen Lichtwissenschaft und Lichttechnik“

Erfindung der Metallfadenglühlampe. Trotz des wirtschaftlichen Erfolgs des Gasglühlichts beschäftigte sich Auer von Welsbach mit der Entwicklung einer innovativen elektrischen Glühlampe auf der Basis eines Glühfadens aus Metall. Um die Temperatur des Glühfadens und damit seine Leuchtkraft zu erhöhen, experimentierte er mit höchstschmelzenden Metallen, für deren schwierige Verarbeitung er erst ein neues Verfahren entwickelte – dies war der Beginn der Pulvermetallurgie. 1898 meldete er dann die erste Glühlampe mit einem Osmiumglühfaden – das Auer-Oslicht - zum Patent an, 1902 erfolgte die Markteinführung. Diese Lampe übertraf die Edison’sche Kohlefadenlampe an Lichtqualität, hoher Lebendauer und einem um 60 % niedrigerem Energieverbrauch und leitete den Siegeszug der elektrischen Beleuchtung ein. 1905 wurde der Osmiumglühfaden durch einen Glühfaden aus Wolfram ersetzt, dem Metall mit der höchsten Schmelztemperatur. Der Name, der von Auer gegründeten, weltbekannten Firma OSRAM (s.u.) ist eine Synthese der Namen Osmium und Wolfram.

Erfindung des Zündsteins als spin-off der Erzeugung von Gasglühstrümpfen. Als Rohstoff für die Erzeugung von Glühstrümpfen wurde Monazitsand aus Brasilien importiert, der viel Cer und wenig Thorium – die Hauptkomponente des Auer-Lichts – enthält. Dementsprechend sammelten sich große Halden an übriggebliebenem Cer an und Auer suchte nach einer Verwendung. Aus seiner Heidelberger Zeit kannte er die pyrophoren Eigenschaften des Metalls, d.h. bei mechanischer Bearbeitung Funken zu erzeugen, und entwickelte optimale Zusammensetzungen von Cer-Eisen-Legierungen mit dem Ziel, Zündvorrichtungen für Feuerzeuge, Gasanzünder und Gaslampen sowie zur Geschoß- und Minenzündung zu bauen. 1903 patentierte er diese Legierungen als „Auermetall“, aus welchem seitdem die Zündsteine aller Feuerzeuge gemacht sind.

Der durchschlagende Erfolg seiner Erfindungen steigerte die Popularität Auers und zeigte auch, welcher Nutzen sich aus einer Verbindung von akademischer Forschung und kommerzieller Nutzung ergeben kann.

Neben zahllosen hohen akademischen Auszeichnungen, Ehrenmitgliedschaften und Orden wurde Auer durch kaiserliches Dekret in den erblichen Adelsstand erhoben. Sein Wappen zeigt u.a. eine brennende Fackel und trägt die Inschrift „Plus Lucis“

Der Unternehmer

Auer von Welsbach besaß einen sechsten Sinn für vermarktbare Forschungs-Ergebnisse und daraus resultierendes Unternehmertum, aber auch für entsprechende Werbung für sich selbst und seine Produkte. Arbeitsweise, wissenschaftlicher Anspruch und wirtschaftliches Denken Auer von Welsbachs paßten ausgezeichnet in den Stil der damaligen Gründerzeit. Auer wirkte authentisch: er verkörperte sein Arbeitsgebiet voll, war überzeugt von der Bedeutung seiner Forschung und bereit für diese sich selbst und auch seine finanziellen Ressourcen einzusetzen. Im Bewußtsein des Marktpotentials seiner Ergebnisse sicherte er diese umgehendst durch weltweite Patente ab.

Die Umsetzung von Innovationen zu kommerziellen Produkten erforderte zu allen Zeiten die Bereitstellung ausreichender finanzielle Ressourcen für die nötigen Investitionen. Anfängliche Forschungs-& Entwicklungsarbeiten Auers und sein Start als Unternehmer waren durch Vermögenswerte aus Familienbesitz und dem Erlös früher Patente gedeckt, nicht aber die Investitionen in Fabrikanlagen und deren Ausstattung, Rohmaterialien sowie in geeignetes Personal wie sie für eine Serienproduktion in großtechnischem Maßstab des Gasglühlichts und später der Metallfadenlampe benötigt wurden.

Gründung der Deutschen Gasglühlicht Gesellschaft (heute OSRAM). Auer von Welsbach fand in dem Bankier Leopold Koppel einen passenden, visionären Partner. Koppel, ein Selfmade-Mann, der sich vom kleinen Bankgehilfen zum Millionär und Bankbesitzer emporgearbeitet hatte, erkannte das Potential, das in Auer’s Erfindungen steckte. Als Investor gründete er 1892 zusammen mit Auer als Erfinder die Deutsche Gasglühlicht Gesellschaft (später Auergesellschaft) mit dem Hauptsitz in Berlin und Tochterunternehmen in Österreich, England (Welsbach Company) und USA.

Die Firmengründung erwies sich als nachhaltig. Mit dem beginnenden Siegeszug der Wolframfadenlampe - nach deren 1906 erhaltenen Warenzeichen - in OSRAM GmbH umbenannt, fusionierte der Konzern nach dem 1. Weltkrieg mit den Konkurrenten AEG und Siemens. Heute ist die OSRAM GmbH (im Besitz der Siemens AG) ein „Global Player“ in der Lichttechnik mit einem Marktanteil von 19 %, einem Umsatz von 4,69 Milliarden € und mehr als 41 000 Beschäftigten in rund 50 Tochterunternehmungen in aller Welt (Osram GmbH, Geschäftsbericht 2007).

Gründung der Treibacher Chemischen Werke GesmbH. Die Verwertung der Patente zu seinen bahnbrechenden Produkten machte aus Auer einen reichen Mann der u.a. 1907 in Treibach (einem Teil der Gemeinde Althofen, Kärnten) ein High-Tech Unternehmen errichtete und damit die Seltenen Erden-Industrie begründete. Dieses Werk erwies sich als erfolgreich und wirtschaftlich stabil. Es ist heute ein Export-orientiertes Unternehmen mit den Schwerpunkten Seltene Erden, Metallurgie und Hochleistungskeramik. Es beschäftigt 670 Mitarbeiter und erreichte 515 Millionen € Jahresumsatz (Treibacher Industrie AG, Daten und Fakten 2007).

Auer von Welsbach und das Umfeld einer modernen Forschungs- & Entwicklungslandschaft

Auer hat sich lebenslang vor allem mit dem Thema „Seltene Erden“ beschäftigt und erreichte darin höchste wissenschaftliche und technische Kompetenz. Unabhängig in Planung und Ausführung seiner Projekte konnte Auer Beobachtungen erschöpfend analysieren und interpretieren. Die Frage „Warum?“ führte zu mehr und mehr Einblick in die komplexe Materie, die Frage „Wofür?“ zu kreativen Anwendungen, die Frage „Wie?“ zu methodischen Verbesserungen und technologischen Durchbrüchen.

Im Vergleich dazu dominiert heute die Suche nach raschem Erfolg, führt zu schellem Wechsel von Zielvorgaben, und damit bleibt ungenügend Zeit um solides Wissen und Kompetenz im neuen Fachgebiet aufbauen zu können. Oberflächliche Kenntnisse und mangelhaftes Verstehen von Mechanismen und Techniken werden häufig kaschiert durch starre Vorschriften („Standard Operation Procedures“), welche die persönliche Arbeitsweise rechtfertigen. Wesentliche Untersuchungen werden in zunehmenden Maße auch an externe Auftragsfirmen vergeben („outsourcing“) und damit die Chance auf eigene Erfahrung vertan. Mangelnde Kompetenz führt vielfach zu unrichtiger Abschätzung von Potential und Risiko von Entwicklungsprodukten und daraus resultierend zu niedrigen Erfolgsraten bei gleichzeitig hohen Entwicklungskosten.

Sicherheitsaspekte in Hinblick auf Einrichtungen, Methoden, Materialien, Mitarbeiterschutz und Sicherheit von Produkten, wie sie heute gelten, aber auch überbordender Bürokratismus hätten sicherlich einige der Arbeiten Auer von Welsbachs stark behindert, wenn nicht überhaupt unmöglich gemacht. Dies trifft beispielsweise auf den Umgang mit einem seiner wichtigsten Materialien, dem schwach radioaktivem 232Thorium zu. Vermutlich sähe das Produktespektrum Auers heute anders aus, zeugte aber ebenso wie damals von Exzellenz und Innovation.

Wie werden Bildung, Forschung, Innovation heute gesehen? In ihrer Lissabon-Strategie hat die Europäische Union erklärt: „Damit ein wirklich wettbewerbsfähiger, wissensgestützter Wirtschaftsraum entstehen kann, muss Europa besser werden - bei der Hervorbringung von Wissen durch Forschung, bei dessen Verbreitung durch Bildung und bei dessen Anwendung durch Innovation. Dieses „Wissensdreieck“ aus Forschung, Bildung und Innovation funktioniert am besten, wenn die Rahmenbedingungen das Wissen begünstigen, das zum Nutzen der Wirtschaft und Gesellschaft zur Wirkung gebracht wird.“[4] Zur Förderung diese Ziels laufen EU Rahmenprogramme – zur Zeit das bis 2013 dauernde 7te Programm mit einem Volumen von 50 Milliarden Euro, welches „die Dynamik, die Kreativität und die herausragenden Leistungen der europäischen Forschung in den Grenzbereichen des Wissens verbessern soll.“

Die Förderung der Kreativität als essentieller Triebkraft innovativer Leistungen muß dabei zweifellos ein Hauptanliegen sein.

Kreativität und Umsetzung in innovative Leistung. Kreativität, allgemein verstanden als Originalität und Flüssigkeit des Denkens, Sensibilität gegenüber Problemen und Flexibilität der Ideen, benötigt ein geeignetes Umfeld um Ideen auch in Innovationen umzusetzen. Eine recht anschauliche Darstellung dieses Umfelds, entnommen der Financial Times Deutschland [5] zeigt ein Dreieck von drei von einander abhängigen Feldern, die das Zustandekommen kreativer Leistung bestimmen:

  • Das Feld des Erkennens der persönlichen Begabungen und Defizite,
  • das Feld des Erkennens persönlicher Präferenz oder Ablehnung von Gebieten und
  • das Feld, das die Existenz oder das Fehlen von Ressourcen, von Unterstützung oder Behinderung zeigt.

Ein Blick in unsere reale Welt der (angewandten) Forschung zeigt, daß wohl nur in den wenigsten Fällen optimale Bedingungen in allen drei Feldern vorliegen, es müssen also Kompromisse eingegangen und damit Abstriche in Wert und Qualität der umzusetzenden kreativen Ideen in Kauf genommen werden:

  • Persönliche Fähigkeiten und Kompetenz in einem Gebiet stoßen nicht unbedingt auf die nötigen Ressourcen – ein Umfeld, das vor allem akademische Forscher häufig vorfinden.
  • Persönliche Fähigkeiten gepaart mit ausreichenden Ressourcen aber wenig Freiraum im Arbeitsgebiet sind vielfach Charakteristika industrieller Forschung.
  • Ausreichende Ressourcen und Vorlieben für ein Themengebiet können ein Fehlen persönlicher Talente nicht wettmachen und höchstens mediokre Leistungen ergeben.

Im Falle Auer von Welsbachs stimmte offensichtlich das gesamte Umfeld: Er war unabhängig, bestimmte selbst seine Spielregeln, wählte Forschungsgebiete aus, in denen er höchste Kompetenz mit persönlichen Begabungen verbinden konnte und verstand es dafür auch die nötige Unterstützung aufzutreiben. Sein Werdegang ist ein Beispiel für die Relevanz des von der EU Union proklamierten „Triangel des Wissens: Bildung, Forschung, Innovation“, insbesondere für die grundlegende Bedeutung einer exzellenten Ausbildung.

Sollte sein Werdegang nicht dazu dienen um Rezepte abzuleiten, auf welche Art und Weise Durchbrüche in Grundlagenforschung und angewandter Forschung erzielt werden können?

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[1] http://www.rudolf-werner-soukup.at/Publikationen/Dokumente/Bunsenbibliothek_Teil_2_Rekonstruktion.pdf (Abruf: 21. August 2012)

[2] Sidney Mason (1915) Contribution of the chemist to the incandescent gas mantle industry. J.Industr.Engin.Chem. April 1915, p.279

[3] Robert Plohn (1929) Seltene Erden Da s Lebenswerk Auer von Welsbachs; Abruf: 22.8.2012).

[4] Vorausdenken, Optionen abwägen, die Zukunft gestalten: Zukunftsforschung für Europa. Schlussbericht der hochrangigen Expertengruppe für die Europäische Kommission. Abteilung RTD-K.2 – “Wissenschaftliche und technologische Zukunftsforschung; Verbindungen zum IPTS” September 2002.

[5] Jürgen Fleiß. Kreativität Antriebskraft für den täglichen Erfindungsprozeß. Financial Times Deutschland.14.10.2007

Weiterführende links:

Homepage des Auer von Welsbach Museum in Althofen, die ausführliche illustrierte Details zur Biographie und den Forschungen und Erfindungen Auer von Welsbachs bietet. Das Museum selbst ist vom 1. Mai bis 26. Oktober täglich außer Montag geöffnet.

Leser-Kommentare
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Natürlich lernen Sie so etwas nicht in der Volksschule.
Der hier beschriebene Mensch ist die Antithese des Sozialismus!
Sein ganzer Werdegang, alle für ihn einflußreichen Persönlichkeiten, alle Marktumsetzungen ist den Sozialisten ein Graus.
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Bgm. Manfred Mitterdorfer | 10. September 2012 10:36
Als Bürgermeister der Stadtgemeinde Althofen danke ich Frau Dr.Inge Schuster für den so fachkundigen und doch allgemein verständlichen Beitrag über Carl Auer von Welsbach. Die Gemeinde Althofen, eine Kleinstadt in Mittelkärnten blickt auf eine über 800jährige von Härten und Schicksalshaftigkeit getragenen Geschichte zurück, eine Geschichte, die mit der schönen Vorstellung einer "guten alten Zeit" gründlich aufräumt und uns eines besseren belehrt.Allein das letzte Jahrhundert brachte unserer Stadt jenen Aufschwung und jene Bedeutung, die uns zum wirtschaftlichen Mittelpunkt einer weiten Region werden ließ.Wir in Althofen sind einem großen Förderer, einem genialen Erfinder und weit über seine Zeit blickenden Menschen größten Dank schuldig, dem Physiker Carl Auer v. Welsbach.Als er 1898 seinen Industriebetrieb in unserer Gemeinde gründet, war dies der Anfang einer industriellen Entwicklung, die sich bis zum heutigen Tag fortsetzt und die unserer Stadt als Zentrum der Arbeit für eine weite Region Ansehen, sichtbaren wirtschaftlichen Erfolg und Anerkennung brachte. Hätte Carl Auer v. Welsbach nicht bei uns geforscht und gearbeitet, wäre Althofen eine kleine Landgemeinde, wie es viele in unserem Lande gibt. Als Dank für seine großartigen Leistungen widmete unsere Gemeinde Dr.Carl Auer v. Welsbach ein kleines Museum in der Altstadt von Althofen, ein Museum, das sich in seiner Einmaligkeit weltweit zeigen kann. Zum Besuch dieses Museums lade ich herzlich ein, es wird nicht nur für den technisch interessierten Menschen zu einer tiefgehenden Bereicherung. Für uns in Althofen lebt der Name Carl Auer v. Welsbach und das was er geschaffen hat täglich fort und dies auch in all der kommenden Zeit.
inge schuster | 10. September 2012 13:49
Lieber Herr Bürgermeister,

vielen Dank für Deinen Kommentar, der so überaus deutlich aufzeigt, wie bahnbrechende Innovationen verbunden mit unternehmerischem Mut und Weitblick auch nach mehr als hundert Jahren Wirtschaft und Gesellschaft einer ganzen Region bestimmen!

Wir - mein Mann und ich - sind Eurer Gegend verbunden, seit wir vor 51 Jahren als Ferialpraktikanten in den Auer'schen Treibacher Werken arbeiteten und viel von den Methoden - und auch den Schwierigkeiten - im Umgang mit den Seltenen Erden kennenlernten. Labors und Arbeitsbedingungen waren damals schon herausragend (vor allem, wenn wir diese mit der Situation an der Uni Wien verglichen). Daneben gab es eine Reihe erwähnenswerter Sozialleistungen beginnend von einer recht guten Kantine bis zur Teilnahme (natürlich inklusive Bus gratis) an den Friesacher Burgfestspielen (damals gab der legendäre Hannes Sandler den Lear).

Unsere äußerst positiven Erfahrungen mit den Menschen Kärntens - ihrem gleichzeitigem dem Brauchtum-Verhaftetsein und ihrer Offenheit und auch Begeisterung für neue Ideen - und mit der Schönheit , Vielfältigkeit und kulturellen Bedeutung der Landschaft, haben uns vor mehr als 35 Jahren dazu bewogen, unseren Zweiwohnsitz in Eurer Region zu errichten.

Als Wahlkärntner ist es uns zutiefst Verpflichtung herausragende Leistungen und Errungenschaften in diesem Land publik zu machen!
althofen-Fan | 07. September 2012 14:51
@dssm

und welche grandiose Antithese zum Sozialismus!

Streben nach Exzellenz, das

- Auer früh weg vom (Unter)-durchschnitt an der damaligen Wiener TU nach Heidelberg gehen ließ,

- ihn nach seiner Rückkehr nach Wien bewog von einer durchaus möglichen akademischen Karriere (im Umkreis von vorwiegend zweitklassigen Wissenschaftern) Abstand zu nehmen

- ihn seine Kinder selbst unterrichten ließ,

- ihn an der Kompetenz seiner Kollegen, insbesondere aber auch an der seiner medizinischen Kollegen zweifeln ließ. (Nach Aussagen seiner Familie hat Auer nie ärztlichen Rat in Anspruch genommen.)

Auer war aber alles andere als asozial: er hat Krankenhäuser mit nötigen Einrichtungen versorgt, die modernste Schule der Monarchie in Kärnten (Meiselding)errichten lassen, eine Kuhherde gekauft um im 1. WK Klagenfurter Kinder mit genügend Milch versorgen zu lassen, Kinder auch mit der dringendst benötigten Kleidung ausgestattet, usw.

Was unsere Sozis daraus lernen könnten?

Zum Wohltäter wird nur jemand, der über seinen, durch eigenen Intellekt und Anstrengungen erworbenen Besitz frei walten kann.
prometheus | 01. September 2012 21:11
Vielen Dank, verehrte Frau Prof. Dr. Inge Schuster für Ihren konzentrierten Beitrag über das österreichische Erfindergenie.
Sie leisten damit einen äußerst notwendigen Beitrag zur Nachhilfe, da Carl Auer von Welsbach in den österreichischen Schulbüchern im Gegensatz zu T. A. Edison nicht mehr aufscheint.
Am 1. 9. 2012 und zwar exakt am 154. Geburtstag des Erfinders der Metallfadenglühlampe - Dr. Carl Auer von Welsbach (*1. 9. 1858 +4. 8. 1929) im ORF-Teletext Seite 102:
Aus für letzte Glühbirnen
Heute geht das von der EU verfügte Aus für Glühbirnen in die vierte und letzte Runde.
Diesmal betrifft es die 40- und 50-Watt-Glühbirnen.
Offiziell gilt nun nach Beendigung des im September 2009 begonnenen Stufenplans,
dass Glühlampen mit Leuchtfaden aller Watt-Klassen in der EU nicht mehr erzeugt oder
hierher importiert werden dürfen. Nur Restbestände dürfen verkauft werden – wobei
manche Online-Händler noch einige Vorräte zu haben scheinen.
Also Glühlampen mit Leuchtfaden aller Watt-Klassen !!!

Haben die EU-Kommissare vielleicht unsere Automobile vergessen? Allein in diesen sind doch Glühlampen mit Leuchtfaden in allen Klassen bis 100 Watt im Einsatz:
• Blinkleuchte
• Brems-/Schlusslicht
• Hauptscheinwerfer
• Nebelscheinwerfer
• Kofferraumleuchte
• Bremsleuchte
• Kennzeichenleuchte
• Nebelschlussleuchte
• Rückfahrleuchte
• Innenraumleuchte
• Türleuchte
• Motorraumleuchte
• Park-/Positionsleuchte
• Umriss-/Begrenzungsleuchte
• Positions-/Begrenzungsleuchte
• Zusatzbremsleuchte
• Türsicherungsleuchte
• Handschuhfachleuchte
• Leseleuchte
• Einstiegleuchte
• Blink-/Begrenzungsleuchte
• Abbiegescheinwerfer
• Tagfahrleuchte

Oder steuern sie auf ein Nachtfahrverbot hin? Mittlerweile schon alles denkbar.
Nun, die Kohlefadenlampe des T.A. Edison ist inzwischen schon Geschichte.
Aber die Metallfadenglühlampe, die Carl Auer von Welsbach 1898 erfand, werden wir sicher noch sehr lange nutzen können und müssen.
leopold | 02. September 2012 10:33
Die EU-Kommissare haben auch auf die Glühlampen in Haushaltsgeräten wie Kühlschränken, Backöfen, etc. vergessen!
dssm | 25. August 2012 20:06
Und nun wie es heute läuft.
Längerfristig angelegte Entwicklungen sind unerwünscht. Sehr schnell steht das Finanzamt vor der Tür (hat vier Jahre gedauert) und dann wird es happig. Kostet viel Zeit und Nerven.
Ist die Basis gelegt, braucht man Kapital; das hat man entweder selber oder der Ofen ist aus. In einer Großbank wird man wohl schwerlich auf eine Neuentwicklung Geld bekommen.
Beginnt man zu produzieren, dann sind da zahlreiche Normen und Vorschriften. Alle diese sind eigentlich nicht für das Neue gemacht, daher sehr schwer einzuhalten – werden aber unter Androhung von Strafe durchgesetzt.
Dann der Gewerbeschein, logischerweise fällt etwas Neues nicht genau in eine bestehende Sparte ...
Ist der Exportanteil dann sehr hoch (hier >95%), steht schon wieder das Finanzamt da und prüft pingelig jeden Beleg. Welcher Entwickler hat schon seine Zeit darauf verschwendet die Exportbestätigungen genau zu sammeln und darauf zu achten, daß der Text von Lieferscheinen, Proformafacturen und Rechnungen ident ist? Typischerweise hatte man nicht das Geld für einen Buchhaltungsfachmann! Ist die Prüfung niederschmetternd, wird die Bank wohl einen unfreundlichen Brief schreiben....
Sollte man auch das noch überlebt haben, weiß man was Ungerechtigkeit ist!
Jahrelang kein Einkommen und nun soll man genau so Steuer zahlen wie diejenigen welchen Jahr für Jahr ihr gesichertes Einkommen hatten; eine jährlich progressive Einkommenssteuer ist hier ein Albtraum – man weiß danach: diese Lenkungsabgabe dient dem Zweck den Erfinder und Unternehmer von zukünftigen Ausritten abzuhalten.
Sollte das immer noch nicht reichen, so gibt es wohl bald eine Vermögensabgabe, damit niemand den Kapitalstock aufbauen kann um so ein Projekt anzugehen....

Ach ja: Förderungen. Da sitzt man Beamten gegenüber, welche erst einmal bezweifeln ob die Neuentwicklung möglich ist, ob das Neue gebraucht wird, ob es sich dann produzieren lässt, ob die Kalkulation stimmt … Die Zeit mit diesen Gestalten ist eine gestohlene.
Nachher hört man dann, ja wenn Sie das gleich richtig beschrieben hätten! Antwort: Ja dann wäre es wohl keine Neuentwicklung gewesen.
inge schuster | 27. August 2012 19:48
"Da sitzt man Beamten gegenüber, welche erst einmal bezweifeln ob die Neuentwicklung möglich ist, ob das Neue gebraucht wird, ob es sich dann produzieren lässt, ob die Kalkulation stimmt"

Genau diese Erfahrung macht man auch in Firmen. Auch dort muß man auf die Entscheidungsträger von Anfang an überzeugend wirken. Was von diesen nicht verstanden wird oder nicht in ihr Weltbild paßt, fällt durch.

In der Pharma ist man zudem gezwungen mindestens 10 - 15 Jahre im Voraus Abschätzungen zu Bedarf, Marktpotential und Konkurrenzsituation zu treffen. Eine Voraussage, die an das Erstellen von Horoskopen grenzt. Wer hier zu vorsichtig agiert, verliert gegen andere, forschere Bewerber. Fachliche Details im Proposal sind auch nicht immer günstig, führen sie doch zur Verunsicherung der (häufig fachfremden) "Begutachter" und erleichtern damit deren negative Entscheidungen. Das Ärgste was einem passieren kann, ist die Feststellung: "Dazu ist ja noch gar nichts publiziert!"
socrates | 25. August 2012 17:21
Sensationell waren auch die ersten Farbfotos, die er von seinen Kindern 1908 machte!
socrates | 25. August 2012 17:22
Rundgang im Museum - auer von welsbach museum
www.althofen.at/AvW_Museum/Seiten_d/rundgang.html
Ein Farbfoto seiner Kinder aus dem Jahre 1908 weisen Carl Auer von Welsbach als ersten Farbfotografen in Österreich aus. Das Familienalbum zeigt seine ...
inge schuster | 26. August 2012 19:17
@socrates

vielen Dank für die Details zu Schiffsschraube und Nähmaschine!

das zeigt nur, daß Auer eben einen unwahrscheinlichen Riecher für den Wert seiner Erfindungen und entsprechendes Geschick in der Wahrung seiner Rechte gehabt hat . Um welche Summen es sich dabei handelte, geht bespielsweise aus einem Artikel der New York Times vom 26. Juni 1898 hervor:

" Dr. Auer von Welsbach has until now been keeping back his newly invented incandescent electric light, which it is said will thrown incandescent gaslight quite into the shade. But since his patent was bought of him for 2,000.000 florins by the Austrian Incandescent Gas Company, more and more as been transpiring regarding te new lamp."

(2 Mio Gulden im Licht der damaligen Gehälter: Univ.Prof. etwa 2000 fl/Jahr, Leutnant 600 fl/Jahr, Tageslohn rund 1 fl.)
vermiculus | 25. August 2012 15:32
Was für ein gigant! Der im alleingang die welt veränderte!

Warum lernt man sowas nicht in der volksschule? Da wird (bzw. wurde vor 40 jahren) ein unangebrachter patriotismus gepflegt mit "dem erfinder der nähmaschine", Madersberger. Bloß, daß die nähmaschine, wie sie sich durchgesetzt hat, var von einem amerikaner namens Singer stammt - klingelt's?

Oder "der erfinder der schiffsschraube", Ressel. Bloß, dass der moderne schiffsantrieb keine "schraube" ist (wie nämlich das originalpatent von Ressel), sondern ein propeller - der von Stephenson stammt.

Aber "Auer von Welsbach"? Fehlanzeige. Den namen kennt man wohl, aber für die meisten könnte er wohl ebensogut komponist oder politiker sein.

Danke für diesen wirklich lesenswerten, kurzweiligen artikel, das Auer-museum in Althofen steht fix auf dem programm!
socrates | 25. August 2012 17:36
Viele Erfindungen wurden an mehreren Orten gleichzeitig gemacht, viele gestohlen und der Erfinder war selten kommerziell erfolgreich. Ein gutes Beispiel ist die Nähmaschine, die sicher nicht von Singer erfunden wurde. Aus Wikipedia:
Wie alle Maschinen hat auch die Nähmaschine eine längere Entwicklungszeit hinter sich. Früher gebrauchten die Menschen Gräten zum Nähen. Später waren die Nadeln aus spitzen Knochen oder Horn mit einem Öhr. Erst im 14. Jahrhundert gelang es, aus Stahl eine Nadel herzustellen. Sie war jahrhundertelang das wichtigste Werkzeug für die Herstellung von Kleidern.
Bis 1830 nähte man mit der Hand. Der Beruf des Schneiders war sehr geachtet und der Name eines guten Schneiders bedeutete den Damen der Gesellschaft einiges. Ein geübter Schneider konnte 30 Stiche in der Minute machen. Erst in der Mitte des 18. Jahrhunderts beschäftigte man sich damit, die Nähnadel durch eine Maschine zu bewegen.
Die ersten mechanischen Experimente zur Herstellung einer Naht wurden von dem in England lebenden Deutschen Charles Frederick Wiesenthal 1755 durchgeführt. Seine Idee war, mit einer zweispitzigen Nadel und Öhr in der Mitte, die Handnähbewegung von einer Maschine ausführen zu lassen. Diese Nadelform wurde später auch von Joseph Madersperger, John James Greenough und anderen benutzt. Sie findet auch heute noch in der Stickindustrie Verwendung. Archivunterlagen zufolge hat Wiesenthal jedoch nie eine arbeitsfähige Nähmaschine fertiggestellt.
Die erste arbeitsfähige Nähmaschine für Schuhmacher baute der Engländer Thomas Saint 1790, der seinen Entwurf patentieren ließ. Die Maschine war ganz aus Holz und hatte eine Gabelnadel, einen Vorstecher und eine Hakennadel. Sie nähte damit einen Kettenstich.
Auch in Deutschland gab es Erfinder, die die mühsame Handnäharbeit durch Maschinenarbeit ersetzen wollten. Unter ihnen war Balthasar Krems aus Mayen im Rheinland (Eifel) wohl der bedeutendste. Um das Jahr 1800 konstruierte der Deutsche ebenfalls eine Kettenstichnähmaschine, die erstmalig eine Nadel mit dem Öhr an der Spitze und einen gesteuerten Greiferhaken hatte. Ein interessantes Konstruktionsmerkmal war der Stachelradtransport für das Nähgut, welcher durch Anwendung eines Pausengetriebes fortlaufend schrittweise arbeitete. Die Maschine war allerdings nur für die so genannten Jakobinermützen einsetzbar, die Krems industriell herstellte. Sein letztes Modell, welches etwa 300 bis 350 Stiche in der Minute genäht hat, ist erhalten geblieben und steht im Genovevamuseum in Mayen.
Erster Nähmaschinenfabrikant der Welt war der Franzose Barthélemy Thimonnier. Er entwickelte 1829/30 sein am 17. Juli 1830 patentiertes Nähmaschinengrundmodell Couseuse, dem weitere bessere Modelle folgten. In demselben Jahr ging Thimonnier mit seinem Partner Ferrand nach Paris und gründete die Societé Germain Petit und Cie, die einerseits diese neuen Nähmaschinen in Serie herstellen sollte, andererseits gleichzeitig für die französische Militärverwaltung Uniformen produzierte. Die mit über achtzig Nähmaschinen arbeitende Gesellschaft war erfolgreich. Nur Thimonnier hatte ein Problem: er wurde mit der Abwesenheit von Heimat und Familie nicht fertig und verließ Paris 1831 fluchtartig. Der Hersteller Germain et Petit arbeitete noch Jahrzehnte weiter – die oft erzählte Zerstörung der Fabrik hat nach Archivunterlagen niemals stattgefunden.
Auch das Abenteuer in Manchester endete in gleicher Weise. Hier sollte Thimonnier den neuentwickelten Cousobrodeur für das Unternehmen Lakeman in Serie bauen, flüchtete jedoch nach wenigen Monaten zurück nach Amplepuis zu seiner Familie. Auf den Weltausstellungen in London und Paris wurde deutlich, dass Thimonnier den Zug der Zeit durch unverständliches Verhalten und langes Zögern verpasst hatte. Er starb am 5. Juli 1857 verarmt in Amplepuis. Originalnähmaschinen von Thimonnier stehen im Museum von Amplepuis und in der Sammlung Doyen in Lyon.
Von 1807 bis 1839 arbeitete der Kufsteiner Joseph Madersperger an der Herstellung und Verbesserung seiner Nähmaschine. Diese war zuerst mit einer zweispitzigen Nadel mit dem Öhr in der Mitte ausgestattet, er entschied sich jedoch im Laufe der Entwicklung für die öhrspitzige Nadel. Seine hervorzuhebende Erfindung aber war eine schiffchenähnliche Einrichtung zur Erzeugung des Doppelstiches. Leider gelang es ihm nicht, die Öffentlichkeit damals zu überzeugen. Er verstarb 1850 im Armenhaus in Wien. Sein einfaches Grab ist heute noch im Friedhof St. Marx zu besichtigen.
Ähnlich erging es dem Amerikaner Walter Hunt im Jahre 1834. Er entwickelte die erste Maschine, die mit zwei Fäden arbeitete und auch mit einem Schiffchen ausgestattet war. Zu seinem Bedauern brachte er allerdings seine Maschine nicht zum Laufen. Das erste US-Patent für eine auch zur Lederverarbeitung geeignete Nähmaschine erhielt John James Greenough am 21. Februar 1842. Ihm gelang jedoch kein wirtschaftlicher Erfolg.[1]
Eine besondere Herausforderung war die Entwicklung einer Pelznähmaschine, da die Verarbeitung von Leder und Pelzen durch die Härte und unterschiedliche Materialstärke kompliziert wird. 1870 begann das Berliner Unternehmen von Joseph Priesner mit ersten Versuchen. Zwei Jahre später konnte er die erste Pelznähmaschine der Welt auf den Markt bringen. Sie trug die Typenbezeichnung Ia und fertigte mit zwei Fäden eine feste, geschlossene Naht, die aber noch nicht dehnbar genug war. Priesner präsentierte auf der Weltausstellung 1873 die Electra I a und wurde mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.[2]
Im Jahre 1846 baute wiederum ein Amerikaner namens Elias Howe eine nach dem gleichen Prinzip arbeitende Nähmaschine. Diese Maschine leistete die Näharbeit von vier bis sechs Handnäherinnen. Gerechterweise muss man Elias Howe als den Erfinder der Doppelsteppstich-Nähmaschine bezeichnen. Man geht auch bis zur heutigen Zeit davon aus, dass Howe die eigentliche Entwicklung der Nähmaschine zu verdanken ist. Es war in Boston um 1839, als Elias Howe, verarmter Mechaniker, der Schwierigkeiten hatte seine Frau und die drei Kinder zu ernähren, seinen Chef zu einer Kundin sagen hörte: „Wer da jemals eine Maschine erfände, die nähen kann, der machte ein Vermögen!“ Diese Idee ließ Howe nicht mehr los. Er beobachtete die Finger seiner Frau und versuchte zuerst, deren Handbewegungen maschinell umzusetzen. Der erste Versuch schlug fehl, aber er ließ sich nicht entmutigen. Er tüftelte so lange herum, bis er eine Nähmaschine gebaut hatte, die 250 feste Stiche in der Minute nähte. Bei einem Wettbewerb gegen geübte Handnäherinnen nähten die Näherinnen 50 Stiche pro Minute, seine Maschine jedoch 300. Aus Mangel an Geld wurde sie mit Patentversprechen von seinem Bruder verkauft. Patentiert wurde sie aber am 1. Dezember 1846 in London auf den Namen von W. Thomas.
Dennoch fand er niemanden, der sie kaufen wollte, und führte seine Maschine auch zwei Herstellern vor. Diese jedoch schreckten vor dem Preis von 300 US-Dollar zurück und fürchteten zur gleichen Zeit die Drohungen der Schneidergilde. Da er in Amerika nichts erreichen konnte, reiste er mit seiner Familie nach England, weil er sich dort mehr Chancen ausrechnete.
Zwei Jahre später kehrte er ärmer denn je in die USA zurück; die Schiffspassage verdiente er sich als Schiffskoch. Angekommen, erlebte er eine bitterböse Überraschung: In den zwei Jahren, die er fort war, hatte ein gewisser Isaac Merritt Singer, ebenfalls ein Mechaniker aus Boston, eine Nähmaschine erfunden und patentieren lassen, die man nun in den Geschäften für 100 Dollar kaufen konnte. Howe focht das Singers Patent an. Der Prozess zog sich allerdings in die Länge. Der Richter kam schließlich zu dem Ergebnis, dass die Gewinne der Nähmaschinen Singers geteilt werden mussten und so erhielt Howe bis zu seinem Tod mit 48 Jahren jede Woche 4000 Dollar an Patentgebühren. Da Howe auch die übrigen Patentprozesse gewann, machte ihn seine Erfindung schließlich doch noch zu einem reichen Mann.
socrates | 25. August 2012 17:48
ad Ressel aus Wikipedia
Josef Ludwig Franz Ressel (tschechisch Josef Ludvík František Ressel; * 29. Juni 1793 in Chrudim (Böhmen); † 9. Oktober 1857 in Laibach) war ein österreichisch/slowenisch/böhmischer Forstbeamter und Erfinder.
Ressel war einer der Erfinder des Schiffspropellers (neben John Ericsson und Francis Pettit Smith; Robert Fulton und David Bushnell hatten bereits Propeller an ihren U-Booten), und zwar derjenige, der ihn zur technischen Reife brachte. Damals schon wurde dieser auch als Schiffsschraube bezeichnet, weil er Ähnlichkeit mit der Archimedischen Schraube hatte. Sie wurde in Ö patentiert.

1829 unternahm er eine Reise nach Paris und ließ dort erneut eine Schiffsschraube bauen, die er einem begeisterten Publikum erfolgreich vorstellte. Da es Ressel aber versäumt hatte, mit der ausführenden französischen Firma einen Vertrag über die Nutzung der Schraube zu schließen, wurde er von Geschäftemachern um den Erfolg seiner Arbeit betrogen.
Das mit Erfindungen ist so eine Sache: Jedes Land hat aus Geschäftsinteressen eigene Erfinder, was nichts mit der Realität zu tun hat. Stetter (Wien) hatte ein Patent auf den Reaktor, Fermi bekam dafür den Nobelpreis und Stetter eine Abschlagszahlung. Wir sagten: Die Lokomotive ist vom Lokomotivowitsch.
dssm | 25. August 2012 19:46
Natürlich lernen Sie so etwas nicht in der Volksschule.
Der hier beschriebene Mensch ist die Antithese des Sozialismus!
Sein ganzer Werdegang, alle für ihn einflußreichen Persönlichkeiten, alle Marktumsetzungen ist den Sozialisten ein Graus.
FranzAnton | 23. August 2012 19:07
Herzlichen Dank, Frau Professor, für Ihre stets äußerst kompetenten und interessanten Beiträge!