Reinhard Böhm †
Reinhard Böhm † | 06. September 2012

Spielt unser Klima verrückt? Zur Variabilität der Klimaschwankungen im Großraum der Alpen

Treten mit dem Klimawandel extreme Klimasituationen - Hitzewellen, Kältewellen, Trockenperioden und Starkniederschläge - immer häufiger auf? Die Analyse von 250 Jahren Klimavergangenheit aus direkten Messungen im Großraum Alpen (HISTALP) spricht dagegen.

Reinhard Böhm für den Science-Blog

Im öffentlichen Diskurs wird es als erwiesen betrachtet, dass der Klimawandel mit einer Zunahme von Häufigkeit und Intensität extremer Wettersituationen einhergeht. So formulierte beispielsweise Erwin Mayer, ein Klimaexperte von Greenpeace, im Jahre 2005 „Heute gibt es in der Wissenschaft keine Zweifel mehr daran, dass das Klima immer extremer wird!“

Zu diesem Thema hat sich der Weltklimarat IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) in seinem jüngsten, 2012 erschienenen Bericht [1] allerdings sehr vorsichtig geäußert: „Confidence in observed changes in extremes depends on the quality and quantity of data and the availability of studies analyzing these data, which vary across regions and for different extremes“ und diesbezüglich angemerkt: „Extreme events are rare, which means there are few data available to make assessments regarding changes in their frequency or intensity.”

Tatsächlich existiert ein ungewöhnlich langer und hochwertiger Datensatz aus dem Großraum Alpen, welcher auf die weltweit längste Tradition an Klimaaufzeichnungen – bis 250 Jahre in die Vergangenheit – zurückblicken kann. Diese Daten erfüllen die Ansprüche an Qualität und Quantität der Messreihen, an Dichte des Messnetzes und statistischer Signifikanz. Führt man an Hand dieser Klimadaten eine Analyse von Klimavariabilität und Klimaschwankungen aus, so findet man nur schwerlich einen Trend der Extremwerte, der vom Trend der Mittelwerte abweicht [2]. Im Gegenteil: Die Temperaturschwankungen sind in den letzten Jahrzehnten sogar geringer geworden. Es ist zwar wärmer geworden, aber die Schwankungen haben eindeutig nicht zugenommen.

Klimadatensammlung aus dem Großraum Alpen

HISTALP (Historical Instrumental Climatological Surface Time Series of the Greater Alpine Region) ist eine öffentlich zugängliche, internationale Klimadatenbank der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) für den Großraum Alpen [3]. Diese Datenbank enthält in monatlicher Auflösung mehr als fünfhundert Zeitreihen von mehreren Klimaelementen (Temperatur, Luftdruck, Niederschlag, Sonnenscheindauer und Bewölkung), darunter 58 Langzeitreihen, die zumindest bis 1830 - einige davon bis vor 1800 - in die „frühinstrumentelle Klimaperiode“ zurückdatieren.

Was bedeutet „Großraum Alpen“ (GAR: Greater Alpine Region)? Dieser schließt auch größere Gebiete Mitteleuropas und des Mittelmeerraums ein, wobei die Alpen eine scharfe Klimagrenze zwischen drei Hauptklimazonen (atlantisch, kontinental, mediterran) darstellen. Abbildung 1 zeigt die aktuelle Karte der Messstationen, wobei entsprechend den Klimazonen eine Regionalisierung in Subregionen Nordost, Nordwest, Südost und Südwest erfolgte.


Abbildung 1. HISTALP Stationsnetz (Stand 2008).
Ein Netzwerk von ca. 200 Standorten und mehr als 500 einzelnen Klimazeitreihen, darunter 32 Langzeitreihen, die zum Teil bis 1760 zurückdatieren. Die objektiv analysierte Regionalisierung wird durch unterschiedliche Farben wiedergegeben, die Klimagrenzlinien sind eingezeichnet.

Qualität der Messreihen. Da Messungen in frühen Perioden nicht unbedingt nach heutigen, standardisierten Kriterien stattfanden, wurde für diese Zeitabschnitte eine Anpassung an den aktuellen Zustand von Messstationen und Technologien durchgeführt. Diese Korrekturen von Fehlern und Inhomogenitäten – die sogenannte „Homogenisierung“ der Originaldaten – erfolgte hinsichtlich Änderungen des Standorts, der Instrumentierung, der Mess- und Auswertemethoden, der Umgebung und anderen wichtigen Kriterien. Beispielsweise wurden mehrjährige Parallelmessungen an einer historischen Installation und der modernen Gartenaufstellung in der Langzeitstation des Stifts Kremsmünster durchgeführt. Diese ermöglichten die Bestimmung der Abweichungen der historischen Messungen von den aktuellen Messungen und damit die Erstellung von Korrekturmodellen für den Vergleich der Messwerte der Gegenwart mit den historischen Abschnitten der Messreihen (Abbildung 2).


Abbildung 2. Langzeitmessstelle im Stift Kremsmünster: Parallelmessung der Temperatur.
Links: Historische Installation: 6 m vom Boden, Ausrichtung NNE, rechts: moderne Gartenhütte: 2 m vom Boden. Mitte: Differenz der gemessenen Temperatur: „historisch minus modern“ im Tagesverlauf, für die Monate Jänner – Juni.

Zeitliche Auflösung der Messreihen – ausreichend um Klima-Extrema anzuzeigen? Der Datensatz HISTALP wurde zunächst für Zeitreihen in monatlicher Auflösung entwickelt: dadurch war es möglich die „instrumentelle Periode“ sehr weit in die Vergangenheit – bis maximal zum Jahr 1760 – auszudehnen. Die monatlichen Datensätze erweisen sich als durchaus geeignet vor allem die wirtschaftlich bedeutenden und großräumigeren Extremwerte verlässlich anzuzeigen: diese werden in monatlicher, aber auch saisonaler, jährlicher Auflösung gut sichtbar und voll analysierbar. Ein Beispiel dafür ist an Hand der Zeitreihen von lokalen Niederschlagsmengen in Abbildung 3 dargestellt.

Die Debatte um Extremwerte als Folge des Klimawandels und um deren gravierende humanitäre und volkswirtschaftliche Folgen wird bei uns noch heute von der Hochwasserkatastrophe im August 2002 dominiert. Auch wenn die damaligen, enormen Niederschläge nur wenige Tage andauerten, treten sie in den Zeitreihen von Abbildung 3 überaus deutlich hervor. Dabei stellen die im Kerngebiet des Hochwassers gemessenen Monatssummen die absolut höchsten Werte auch der längsten Zeitreihen dar. Dass diese Katastrophe räumlich begrenzt war, wird aus den Messungen in den nicht sehr weit entfernten Städten Wien und Regensburg ersichtlich.


Abbildung 3. Niederschlagszeitreihen für den Monat August im Kerngebiet der Hochwasser-Katastrophe im August 2002 und in entfernten Randgebieten.
Die Niederschlagsmenge im August 2002 ist farbig (pink) hervorgehoben und mit dem Zahlenwert angegeben (Datenquelle: www.zamg.ac.at/histalp)

Für die Zeit seit 1950 kann in Österreich für die Klimaelemente Minimum- und Maximumtemperatur sowie Niederschlagssumme nun auch auf rund 50 Zeitreihen in täglicher Auflösung zurrückgegriffen werden, die auf der Basis hochkorrelierter Referenz-Messstationen homogenisiert wurden.

Analyse: 250 Jahre Klimavergangenheit [2]

Es kann kein Zweifel daran bestehen, dass es in den letzten Jahrzehnten wärmer wurde, im Alpenraum sogar stärker als im weltweiten Mittel (Abbildung 4). Im Alpenraum können dabei zwei Phasen beobachtet werden: zwischen 1790 und 1890 kam es zu einer Abkühlung um rund 1 °C, in den darauffolgenden 116 Jahren zu einer Erwärmung um 1,48 °C. Im Vergleich dazu war die globale Erwärmung 1890 – 2005 mit 0,74 °C nur halb so hoch. (Globale Messsysteme existieren erst ab 1850.)


Abbildung 4. Abweichungen der Jahrestemperatur vom Mittelwert 1901 –2000.
Mittlere Temperatur im Alpenraum (HISTALP-Datenbank): Abweichungen der Einzeljahre und 20-jährig geglättet (rot). Im Vergleich dazu das weltweite Ländermittel 1858 – 2005 (blau; Climatic Research Unit, Univ. East Anglia, Norwich).

Mit der Klimaerwärmung werden natürlich auch Hitzewellen häufiger. Werden damit aber auch die Schwankungen insgesamt immer häufiger und stärker? Stimmt die allgemeine Ansicht, dass es kaum noch Übergangsjahreszeiten gibt, dass alle Jahreszeiten immer mehr durch extreme Kalt-Warm-Schwankungen gezeichnet sind? Unsere Studie [2] zeigt eindeutig, dass das nicht so ist. Dazu gibt es überraschende Ergebnisse (Abbildung 5):

  1. In den letzten 250 Jahren wurden im Alpenraum die saisonalen und jährlichen Schwankungsbreiten heiß-kalt, trocken-feucht nicht stärker und damit nicht extremer.
  2. Auch die letzten 30 Jahre, die stark durch den Einfluss des Menschen geprägt sind, zeigen im Vergleich zu den Jahrzehnten davor keinen Trend zu mehr Variabilität.
  3. In Langzeitverläufen zeigen sich bei Temperatur, Niederschlag und Luftdruck zwei lange Wellen der Variabilität mit einer Wiederkehrzeit von etwa hundert Jahren. Die Tatsache, dass dieser Zeitverlauf in allen drei, unabhängig von einander gemessenen Klimaelementen auftritt, spricht dagegen, dass es sich um Artefakte auf Grund unterschiedlicher Messtechnologien handelt. Variabler („verrückter“) war das Klima in der Mitte der beiden vergangenen Jahrhunderte, weniger variabel („ruhiger“) zu Beginn und Ende der Jahrhunderte. Diese langen Wellen lassen sich vorerst nicht erklären. Eine mögliche Ursache sind Wechselwirkungen mit den Ozeanen, die im Klimasystem sozusagen ein Langzeitgedächtnis besitzen.

 
Abbildung 5. Veränderungen der Klimaschwankungen für die drei Klimaelemente: Luftdruck, Temperatur und Niederschlag in den drei Subregionen (NW, S, NE) des Alpenraums.  Die Zeitverläufe stellen den 90 %-Bereich dar, innerhalb dessen die einzelnen Jahresmittel (bzw. -summen) in 30-jährigen Subintervallen gelegen sind. Die Subintervalle wurden „übergreifend“ (von Jahr zu Jahr fortschreitend) über die regionalen Zeitreihen berechnet.

Fazit und Ausblick

Die Analyse eventueller Trends von Extremwerten in der Vergangenheit erfordert lange und räumlich dichte Zeitreihen und eine sorgfältige Homogenisierung (siehe oben) dieser Datenreihen, um zu signifikanten Ergebnissen zu kommen, da ja die sehr seltenen, sehr starken Ausreißer das Ziel der Analyse sind. Trendanalysen auf der Basis der HISTALP Datenbank, die beide Voraussetzungen erfüllt, kommen zu folgenden Ergebnissen:

  • Mit der generellen Klimaerwärmung (Abbildung 4) steigen auch Extremwerte, die sich auf Hitze beziehen, und im gleichem Maß ist ein Rückgang der Kälteindizes zu beobachten. Eine umfassende Trendanalyse der oben erwähnten, in täglicher Auflösung verfügbaren homogenisierten Zeitreihen zeigt innerhalb Österreichs eine eher einheitliche Tendenz zu wärmeren Minimum- und Maximumtemperaturen.
  • Die Analyse dieser Zeitreihen hinsichtlich Niederschlagsindizes ergab deren größere räumliche Heterogenität. Eine Langzeitstudie in zwei benachbarten, durch den Alpenhauptkamm getrennten Tälern (Rauristal und Mölltal) der Region Hohe Tauern wies auf einen möglichen Ansatzpunkt für die Weiterentwicklung auf dem Gebiet der Zeitreihenanalysen von Klima-Extremwerten hin. Zumindest in dieser Region ist eine deutliche Ähnlichkeit der Trends von auf Tageswerten beruhenden niederschlagsbezogenen Extremwerten mit den Trends, bzw. den geglätteten Verläufen von Jahres-Gesamtniederschlägen zu sehen. Sollte dieses Ergebnisses auf andere Regionen übertragbar sein, könnte auch in Fällen unzureichender Extremwertindizes auf Tagesbasis eine Abschätzung auf der Basis homogenisierter Zeitreihen mit längerer Zeitauflösung getroffen werden.
  • Die Schwankungen in den Klima-Parametern haben in den letzten 30 Jahren, in einer von Menschen geprägten „Greenhouse Gas“ Atmosphäre, nicht zugenommen, für die Temperatur sogar abgenommen (Abbildung 5). Zumindest für den Großraum Alpen ist es also nicht unbedingt zu erwarten, dass zum Beispiel in Gegenden mit generell fallendem Niederschlagstrend (wie etwa im Südosten des Alpenbogens) ein Anstieg der Starkregen zu erwarten ist oder, im umgekehrten Fall in Regionen mit Niederschlagszunahme (wie etwa im Nordwesten des Alpenbogens) die Trockenperioden häufiger werden.

 

Nachweise und Quellen:

[1] Special Report of the IPCC (2012): Managing the risks of extreme events and disasters to advance climate change adaptation (SREX); (abgerufen 1. September 2012)

[2] R. Böhm (2012): Changes of regional climate variability in central Europe during the past 250 years. ; The European Physical Journal Plus 127/54, doi:10.1140/epjp/i2012-12054-6

[3] R. Böhm et al., (2009): HISTALP (instrumentelle Qualitäts-Klimadaten für den Großraum Alpen zurück bis 1760).
Wiener Mitteilungen 216, 7 – 20  (PDF-download)

 

Anmerkungen der Redaktion

Der Autor

Reinhard Böhm wird hier vorgestellt.

 

Addendum (11.9.):

Dr. Böhm hat dankenswerter Weise eine Stellungnahme zu einigen der Postings abgegeben, die im Verlauf der Diskussion seinem Artikel folgten. Auf die folgende Abbildung wird darin Bezug genommen:

Entwicklung der Meereisfläche der Antarktis (rot) und der Arktis (blau) seit 1979 (NSIDC 2010b).

 

Das angesprochene "Alcoclim-Heft" können Sie hier herunterladen:

Auer et.al.: ÖBMG (vol.25) "Alcoclim 1767-2000"

Leser-Kommentare
buy bulk Instagram accounts | 10. Mai 2016 08:35
Diese Arbeit beschreibt Meß- und Analysemethoden, die Problematik von Metadaten, etc
buy bulk Instagram accounts | 10. Mai 2016 08:35
Diese Arbeit beschreibt Meß- und Analysemethoden, die Problematik von Metadaten, etc
peobqj | 06. Mai 2014 13:45
btexavbu
Dalma | 28. Januar 2014 21:27
Theer's nothing like the relief of finding what you're looking for. http://aktfainxvu.com [url=http://hfsejct.com]hfsejct[/url ] [link=http://oqbnvaelcw.com]oqbnvaelcw[/link ]
Mango | 11. Januar 2014 00:29
Good to find an expert who knows what he's tanlkig about!
Navid | 09. Januar 2014 19:43
You are so awesome for helping me solve this mytyers.
Matthias Wolf | 10. Dezember 2012 06:39
Für Sachinteressierte: eine populärwissenschaftliche, gut gemachte Einführung die Problematik des Klimas und seiner Simulation (in englischer Sprache) finden Sie hier (zu bewältigen in etwa15'):

http://preview.tinyurl.com/OU-ClimatePrediction-Basics .

Es findet sich eine umfassende (und dabei laiengerechte, aber dabei nicht unzulässig verkürzte. Wissenschaftskommunikation, wie sie eben sein soll.) Darstellung der Problematik, und viele der von so mancher Seite in den Raum gestellten Pauschalbehauptungen werden hier aufgelöst. Dahinter steht die Universität Oxford.
november | 09. Oktober 2012 19:20
Ich habe das gerade gelesen, schlimm. Mein Beileid den Angehörigen.

http://www.zamg.ac.at/cms/de/klima/news/klimaforscher-reinhard-boehm-ist-gestorben
Matthias Wolf | 09. Oktober 2012 20:13
Ein Großer ist voraus gegangen.

Die Adelung durch sein Mitwirken war und ist dem Science-Blog eine große Ehre.

Und wenn ich mir eine persönliche Bemerkung gestatten darf: Dr. Böhm kannte ich selbst zwar "nur" telefonisch, dennoch wird mir sein Andenken Zeit meines Lebens Inspiration und Ansporn zugleich sein.

Tief betroffen,
Matthias Wolf

P.S. Danke für die Nachricht, november.
november | 09. Oktober 2012 22:20
Ja, ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich habe ihn auch nicht persönlich gekannt, aber mir hat auch seine entspannte Art und seine Weise, wie er sich hier auf science-blog eingebracht hat, gefallen. Offenbar hat er das gute Wetter ausgenutzt und ist zu Fuß auf den Sonnblick (was selbst für mich eine Herausforderung wäre).
inge schuster | 10. Oktober 2012 09:40
Lieber November,

Vielen Dank für diese bestürzende Nachricht!

Aus diesem Anlaß möchte ich im dieswöchigen blog Reinhard Böhm noch einmal zu Wort kommen lassen. Aus unserem letzten mail-Verkehr bereite ich eine Zusammenstellung seiner Ansichten zur Klimahysterie, aber auch ganz allgemein zum Wissenschaftsbetrieb in Österreich vor.
Marcus Aurelius | 12. September 2012 17:28
@ An den immer wieder amüsanten Phaidros:

Vielen Dank für Ihre lehrreiche und (sich, Euer Gnaden, nicht mich) entlarvende Nachhilfestunde in Prozentrechnung; aber 4% von 0,4 Promille bleiben nun mal 4 vom Hundert, also ein Fünfundzwanzigstel, somit 0,016 Promille anerkannten menschlichen CO2-Beitrags zur Erdatmosphäre, der uns von unzweideutig materiell interessierten Kreisen als Weltuntergang untergeschoben wird. — Wer diesem fürwahr homöopathischen Anteil einen Einfluss auf das Weltkima zumisst, sollte entweder die Volksschule oder einen Psychiater seines Vertrauens aufsuchen.

Und warum ~400 ppm (parts per million) CO2 in der Erdatmosphäre, deren anthropogener Anteil besagte 0,016 Promille beträgt, qua des von Ihnen behaupteten körperlich größeren Volumens (es geht um Moleküle!) einflussreicher sein sollten als die anderen, übermächtigen gasförmigen Bestandteile der Lufthülle unseres Planeten — um uns das zu verklickern, werden Sie wohl Ihre Tarot-Karten befragen müssen. (Oder die Ihres BIÖ.)

Mit wie immer herzlichen und herzhaften Grüßen!
phaidros | 12. September 2012 17:58
Meine Vorgangsweise ist eine andere: ich befrage das Physiklehrbuch.

In einem gebe ich Ihnen allerdings recht: ich informiere mich sehr und bewusst ausgewählt absolut einseitig.

Und zwar ausschließlich auf der Seite, die mir kein Wunschergebnis einhämmern will, sondern die unvoreingenommen zur Kenntnis nimmt, was die Natur an Information bietet.
phaidros | 12. September 2012 18:05
An den Leser: wir wissen deswegen, dass mittlerweile rund 30% des atmosphärischen CO2 aus Verbrennungsvorgängen stammen, weil sich das durch Isotopenvergleiche belegen lässt. Das meiste natürliche CO2 (wobei man sagen muss, der CO2-Zyklus ist recht kompliziert) entstammt den Ozeanen, die einen bestimmten Anteil eines radioaktiven Isotops 14C (sprich: »C-14«) enthält, der in fossilen Quellen gänzlich fehlt. Dadurch stimmt der atmosphärische Anteil nicht mit dem ozeanischen überein.

Dazu aus einem Artikel vom »Hamburger Bildungsserver«:

Das zusätzliche Kohlendioxid ist anthropogen

Es gibt mehrere Belege dafür, dass der Anstieg der CO2-Konzentration in den letzten 200 Jahren ursächlich auf anthropogene CO2-Emissionen zurückzuführen ist. Zum einen ist es die erwähnte Geschwindigkeit des Anstiegs nach 1800.

Zweitens weist der wachsende Unterschied zwischen dem Konzentrationsanstieg auf der Nord- und auf der Südhalbkugel auf eine zunehmende CO2-Quelle in der Nordhemisphäre, wo tatsächlich ca. 90% aller CO2-Emissionen erfolgen.

Drittens folgt die Zunahme der CO2-Konzentration sehr genau dem Anstieg der fossilen Emissionen. Die Emissionen der 1980er Jahre lagen bei 5,46 Gt C pro Jahr, die der 1990er Jahre schon bei 6,3 Gt C pro Jahr.

Viertens zeigt die mit der CO2-Zunahme einhergehende Abnahme von O2-Molekülen in der Atmosphäre, dass die Ursache hauptsächlich in der Oxidation von organischem Kohlenstoff durch die Verbrennung von fossilen Energieträgern und durch die Waldvernichtung liegen.

Ein letzter Hinweis liegt schließlich in der Veränderung der isotopischen Zusammensetzung des atmosphärischen Kohlenstoffs, d.h. in der beobachteten Abnahme der Isotopenverhältnisse von 13C zu 12C und 14C zu C. Der Grund liegt darin, dass fossiles CO2 im Vergleich zum atmosphärischen Kohlendioxid ein kleineres 13C/12C-Verhältnis besitzt und keinen Radiokohlenstoff (14C) enthält.


( http://bildungsserver.hamburg.de/treibhausgase/2052404/kohlendioxid-konzentration-artikel.html )
phaidros | 12. September 2012 18:17
Nun stellt sich die Anschlussfrage, wie ein anteilsmäßiger Ausstoß von 4% eine so eine Anreicherung bewirken kann: das hat mit »Fließgleichgewichten« zu tun, also Gleichgewichtspositionen, die nicht statisch eingehalten werden, wie bei einer Kinderwippe, auf der links und rechts die Kinder einander die Waage halten, sondern dynamisch: wie ein Stausee, bei dem an einem Ende Wasser zu-, am anderen Ende abfließt.

Fließt auch nur 1% mehr Wasser zu, aber die gleiche Menge ab, so wird der Spiegel über alle Grenzen steigen - die Staumauer schlussendlich überflutet. Und das, obwohl der Zufluss nur geringfügig erhöht wurde.

Grundsätzlich verfügt die Natur über Regelmechanismen, die ein »Überlaufen des Stausees« verhindern (würde die Natur zum Umkippen neigen, hätte sie das längst getan), aber die Frage ist, mit welchen Mechanismen und wie schnell kann sie den »Wasserablauf« nachregeln, und wo pendelt sich der neue Stand ein. Etwas physikalischer gefragt: wo entsteht die neue Equilibriumsposition.
november | 12. September 2012 19:03
Und warum ~400 ppm (parts per million) CO2 in der Erdatmosphäre, deren anthropogener Anteil besagte 0,016 Promille beträgt

Der vorindustrielle Wert war ~280 ppm, die Differenz auf 400 ppm, also 120 ppm, stammt praktisch ausschließlich vom Menschen. Auch wenn nur 4 oder 5 % der jährlichen Emission von Menschen stammen, können diese zusätzlichen Emissionen nicht vollständig in den Kohlenstoffzyklus aufgenommen werden. Dadurch kommt es zum Anstieg der Atmosphärenkonzentration. Das gehört praktisch zum Allgemeinwissen, und wird deswegen nicht jedesmal neu erwähnt.
phaidros | 13. September 2012 08:15
...und weil november das nochmal zitiert hat, auch dieser Satz darf so nicht stehenbleiben:

~400 ppm (parts per million) CO2 in der Erdatmosphäre, deren anthropogener Anteil besagte 0,016 Promille beträgt

Das wäre noch nicht einmal richtig, wenn es so wäre, wie Marcus Aurelius sich das wünscht: dann wären es nicht 0,016‰, sondern 4%,.

Richtig ist, ganz wie november schreibt, dass praktisch der gesamte Anteil über 280 ppm anthropogen ist, also ~30%.
phaidros | 11. Oktober 2012 13:44
Lieber Marcus, es freut Dich vielleicht zu hören, dass Du mit einem Argument ganz recht hast (Du ziehst allerdings einen falschen Schluss daraus): mit einer Simulationsrechnung konnte ich mich davon überzeugen, dass der Anteil an anthropogenem CO2 (»erkennbar« am fehlenden 14C) tatsächlich, ganz genau wie Du sagst, 4% nicht übersteigen kann (was aber auch vereinfacht ist, denn Durchmischungseffekte bzw. deren Vorzustand sind darin unberücksichtig).

Das soll allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch ein um nur 4% erhöhter Ausstoß den Gesamtlevel auch um ein Vielfaches von 4% ansteigen lassen kann - ohne weiteres auch die beobachteten 40%! Siehe dazu das Beispiel des Stausees, der bei 4% erhöhtem Zu- aber unverändertem Abfluss früher oder später überlaufen muss.

BG phaidros.vie@gmail.com
Reinhard Böhm | 11. September 2012 15:20
Lassen Sie mich versuchen, einiges aus der regen Diskussion seit dem 6.9.12 zu kommentieren. Da ja, wie es sich für ein lebhaftes Posting gehört, alles auch ein wenig kreuz und quer durcheinander geht, nehme ich mir diese Freiheit auch.

Zuerst einige generelle Punkte:

° Der Ordnung halber und speziell in der Zeit nach zu Gutenberg wichtig: Ich war nicht „Co-Autor des IPCC-Berichts“, sondern ich habe beim 2007 erschienenen AR-4 (4th Assessment Report) als Reviewer zu einigen Kapiteln des Bandes 1 (The physical Schience Basis) fungiert. „Mitarbeiter“ also schon, aber „Co-Autor“ nicht.

° Das Copyright behindert manchmal die Kommunikation im Wissenschaftsbereich, wie ich bei einigen Verweisen z.B. auf die Abstract-Sammlung“ in unsrer HISTALP-Website hier im Science-Blog gesehen habe. Ich biete daher an, jedem, der keinen Zugriff auf manche Zeitschriften hat, auf Anfrage pdfs von Artikeln zuzusenden. Ich füge hier gleich auch ein Stück „graue Literatur“ bei, das den Vorteil hat, dass das Copyright bei der ZAMG selbst liegt. [Siehe download-Link im Addendum, am Ende des SB-Artikels, Anm.]

Das führt gleich zu spezifischen Punkten:

° Dieses „ALOCLIM-Heft“ aus unserer Institutsreihe bringt einiges aus der Stationsgeschichte („Metadaten“) und beschreibt ausführlicher, als in peer-reviewten Journals möglich den Hintergrund unserer Homogenisierungsbemühungen (z.B. die von „DerTurm“ am 9.9., 12:11, oder von dssm am 6.9., 22:40 angesprochenen).

° Zur Frage Arktis-Antarktis bzw. Inlandeis-Meereis: Sie wurde zwar ohnehin schon teilweise im Blog diskutiert, aber ich möchte ganz kurz ein wenig Systematik dazu fügen:

Arktis:

eine große Inlandeismasse (Grönland) mit Meeresspiegel-Potenzial von rund 6m, Eisalter bis zu mehr als 100.000 Jahre, bei jedem der den Untergrund erreicht habenden Bohrkerne wurde zunächst noch „Eem-Eis“ aus der letzten Zwischeneiszeit gefunden, „Abschmelzen“ an der Oberfläche bereits gut modellierbar und sehr langsam über Jahrhunderte bis Jahrtausende (siehe Eem-Analogon mit keinem eisfreien Grönland), Unsicherheit allerdings durch die nicht-Modellierbarkeit der Eisdynamik der kalbenden Gletscher, die entweder vom Landesinneren her kommen könnte (Hansen’s Horrorszenario „slippery slope to hell“) oder (durch aktuelle Forschungsergebnisse vor allem im aktuellen internationalen Polarjahr gestützt) eher von den im nun wärmer werdenden Meerwasser von den im Meer endenden Zungenenden her angenagt (was wenig dramatisch wäre).

Ein- bis mehrjähriges (wenige Jahre) Meereis mit starker Rückgangstendenz (flächendeckende Satellitenmessungen seit 1979) bei der Minimalbedeckung im September, die Zukunft (wann ist allerdings je nach Modellauf sehr variabel) wird wohl eine jährliche Neubildung sein, da eine weitgehende Eisfreiheit im arktischen Winter physikalisch schwer argumentierbar ist

Antarktis:

Eine noch viel größere Inlandeismasse von rund 60m Meerespiegeläquivalent, rund 5m davon in der Westantarktis (nach neueren Messungen des British Antarctic Survey etwas weniger), der überwiegende Teil in der Ostantarktis. Die meisten Forschungsstationen befinden sich auf der Antarktischen Halbinsel, die in eine Zone mit positiven Temperaturtrends hineinragt, ganz wenige in oder am Rand der Ostantarktis mit dort keinen steigenden Temperaturen (Neumayer, South-pole, Vostok…). Das Inlandeis der Ostantarktis ist sehr stabil und überaus träge (wahrscheinlich ist jetzt noch nicht das neue Gleichgewicht nach dem Übergang vom letzten Glazial zum holozänen Warmklima erreicht). Der Eiskörper der Westantarktis sitzt auf einem z.T. mehr als 1000m unter dem Meeresspiegel liegenden Untergrund auf und ist somit potenziell „aufschwimmgefährdet“ – wofür es jedoch keinen aktuellen realen Hinweis gibt.

Eisbohrkerne zur Klimarekonstruktion werden meist in der Ostantarktis gebohrt und reichen bis zu etwa einer Million Jahre zurück, auf stabile Isotope (Temperatur) und auf eingeschlossene Gasbläschen (Treibhausgase) ausgewertet bis rund 800.000 Jahre

Antarktisches Meereis:

Trotz aller abbrechender Schelfeisplatten (hauptsächlich von der antarktischen Halbinsel) gibt es keinen Langfristtrend (Vergleich Arktis-Antarktis siehe Abbildung aus unserer Infoplattform:

[Bitte Abbildung "Entwicklung der Meereisfläche der Antarktis (rot) und der Arktis (blau) seit 1979 (NSIDC 2010b)" im Addendum oben im Artikel beachten, Anm.]

Wer meine etwas längeren Kommentare dazu lesen will, kann das auf den Seiten 256-264 meines Buches „Heiße Luft“ tun - das übrigens seit einigen Monaten auch gratis auf dem Webbooks des Austria Forums (http://www.austria-lexikon.at/af/Web_Books )

Zum Schluss (für heute) möchte ich noch zu dem pessimistisch-sarkastischen Satz von „november“ vom 9.9., 13.23 etwas sagen: „Deswegen ist ein Versuch, eine Vermittlerrolle zwischen den beiden Seiten einzunehmen, vollkommen sinnlos“.

Ganz so sehe ich das nicht, vielleicht auch deshalb, weil ich mir die Freiheit nehme, gar keine „Vermittlerrolle“ anzustreben. Ich versuche lediglich, und das kann ich nur empfehlen, soweit es meine Zeit zulässt, den Glaubens- bzw. Mammon-gesteuerten Aufgeregtheiten in der Klimadebatte meine Kommentare entgegenzusetzen, die ich versuche, möglichst nahe an der Rationalität und möglichst weit weg vom Gefühl anzusiedeln. Zum einen ist das so etwas wie ein Ventil, das Druck ablässt und damit wieder mehr „Gelassenheit der Seele“ bewirkt – also ganz eigennützig, wenn man will. Zum anderen beobachte ich sehr wohl, und da ist der aktuelle Beitrag zum Thema „Klimawandel und Extremwerte“ ein ganz gutes Beispiel, dass manche Leute doch ins Nachdenken geraten, und diese „Selbstverständlichkeit“, dass die „Verrücktheit von Wetter und Klima“ zunimmt, ihnen nicht mehr so selbstverständlich aus dem Mund bzw. aus der Feder fließt. Und auch auf der anderen Seite habe ich bemerkt, dass es dort durchaus ernst zu nehmende Leute gibt, die sehr wohl etwas Seriöses zum Thema beizutragen haben.

Ich gebe zu, dass meine beiden positiven Beobachtungen eher im persönlichen Kontakt zustande kommen, als vor Publikum. Aber „das Sägen harter Bretter“ erfordert eben Geduld, die man sich im Trubel der Hier und Jetzt nicht nehmen lassen sollte.
november | 11. September 2012 16:18
@Dr.Böhm
Danke, dass Sie sich zurückegmeldet haben, und einige Missverständnisse, die in der Diskussion aufgetaucht sind, berichtigt haben.

Ich muss mich zuerst entschuldigen, dass ich Ihre Rolle in Verbindung mit dem AR-4 falsch dargestellt habe. Dieser Fehler ist mir in der Hitze des Gefechts passiert, ich wollte dadurch die Seriosität des IPCC hervorheben.

Und wenn ich richtig zwischen den Zeilen gelesen habe, läßt sich meine ursprüngliche Frage aus Mangel an seriösen Daten nicht beantworten.

Mein pessimistischer Satz bezog sich vor allem auf die Erfahrungen, die ich in diesem Forum gemacht habe. Es ist einfach mühsam, jedesmal die gleichen falschen Argumente widerlegen zu müssen. Ich stimme aber zu, dass es in persönlichen Gesprächen leichter fällt, andere von der Richtigkeit der Klimaerwärmung zu überzeugen.
november | 11. September 2012 19:50
...wird wohl eine jährliche Neubildung sein, da eine weitgehende Eisfreiheit im arktischen Winter physikalisch schwer argumentierbar ist

Schwer zu argumentieren ist es sicher, aber manche halten es für möglich:

“Under a moderate warming (?F0 = 15 Wm?2), modeled sea-ice thickness varies seasonally between 0.9 and 2.2 m. Further warming (?F0 = 20 Wm?2) causes the September ice cover to disappear, and the system undergoes a smooth transition to seasonally ice-free conditions. When the model is further warmed (?F0 = 23 Wm?2), a saddle-node bifurcation occurs, and the wintertime sea ice cover abruptly disappears in an irreversible process.”

Eisenmann, Wettlaufer (2008) Nonlinear threshold behavior during the loss of Arctic sea ice; PNAS http://www.pnas.org/content/106/1/28.full
DerTurm | 16. September 2012 21:13
Sehr geehrter Herr Dr.Böhm,

vielen Dank für die Antworten, Erläuterungen und Verweise.

Ich wünschte, es gäbe im "Klimazirkus" mehr echte Wissenschaftler wie Sie, und weniger politische Rampen..., wie Rahmstorf oder Schellnhuber, Hansen uva.

Lieder lässt es meine eigene wissenschaftliche Arbeit derzeit nicht zu, mich wieder einmal mehr in das Thema Klima zu vertiefen, aber es läuft mir ja nicht davon...
DerTurm | 09. September 2012 12:11
Fielen Dank für einen (in Zeiten der Klimahysterie) wissenschaftlich fundierten Beitrag zum Thema extreme Wetterereignisse.

Es ist beruhigend, dass es noch Wissenschaftler gibt, die nicht dem BigMoney hinterherhecheln und schreiben, was Ideologen und Politiker lesen wollen...

Gerade Greenpeace, ein globaler Konzern mit 80 Millionen Umsatz alleine in Deutschland, dessen Geschäftszweck die Akkumulation von Spendengeldern auf der Alarmismuswelle ist, und das IPCC, das in den 70er Jahren in Villach gegründet wurde, mit dem Zweck, die durch den Menschen ausgelöste Globale Klimakatastrophe zu beweisen sind ja nicht wirklich glaubwürdige Vertreter des Klimabusiness (das IPCC ist übrigens auch massiv vom WWF unterwandert).

Zu den Messreihen habe ich noch einige Fragen:

- Wurde der Wärmeinseleffekt berücksichtigt?
- Sind die Stationen nach Qualität (urban/Rural) klassifiziert?
- Wie werden die Tages-Mittelwerte gemessen (min/max)?
- Wir wird mit der Änderung der Messwerte (min/max, 4x/Tag, 3x/Tag) umgegangen?
phaidros | 09. September 2012 13:12
Lieber DerTurm,

darf ich Dir ebenfalls das Dokument ans Herz legen, das Fr. Schuster weiter unten bereits vorgestellt hat: http://www.zamg.ac.at/histalp/downloads/abstract/Boehm-2009a-F.pdf (vom gleichen Autor). Dort sollten die meisten Deiner Fragen beantwortet werden.

Auch an den Buchtipp »Heiße Luft (nach Kopenhagen)« (ebenfalls Dr. Böhm) darf ich an dieser Stelle nochmals erinnern: http://www.andreas-unterberger.at/Tipps-und-Hinweise/Buecher/311 .

Was den verbleibenden Rest betrifft schlage ich vor, Fragen zu sammeln und Hrn. Böhm bzw. den Damen und Herren der Zamg en bloque vorzulegen.

BG phaidros.vie@gmail.com
Matthias Wolf | 09. September 2012 13:22
Das Angebot gilt freilich auch für @dssm, @november und alle anderen Poster mit Fragen zur Sache, gerne übernehmen wir die Koordination und werden Ergebnisse hier veröffentlichen.

Vorher möchte ich noch auf die Klimaseiten der ZAMG verweisen, die ebenfalls ein hervorragender Einstiegspunkt in die Materie sind, und ich meine, dass auch dort Einiges aufgeklärt werden dürfte: www.zamg.ac.at/Klimawandel.
november | 09. September 2012 13:33
Es ist auffallend, dass es vor allem Publizisten, Politologen, Soziologen und linke Ökonomen zu Greenpeace zieht. Deren Paranoia und häufiger Alarmismus kann einem gewaltig auf die Nerven gehen. Allerdings muss man ihnen beim Klimaschutz eines zugestehen: Ihre Maximalforderung, Emissionen reduzieren, erneuerbare Energien fördern und letztendlich weitgehend komplett von fossilen Rohstoffen abkommen, deckt sich mit dem wissenschaftlichem Imperativ. Während auf der anderen Seite die Position der "Skeptiker", eigentlich Klimaleugner, vollkommen irrational, manchmal sogar verrückt ist, und sich mit keinerlei Daten unterlegen läßt.

Deswegen ist ein Versuch, eine Vermittlerrolle zwischen den beiden Seiten einzunehmen, vollkommen sinnlos. Weil die eine Seite einfach nichts zum Thema beizutragen hat. Genauso wie jeder Dialog zwischen Wissenschaftlern und religiösen Fundamentalisten zum Thema Evolution zum Scheitern verurteilt ist.
DerTurm | 09. September 2012 14:43
Lieber Phaidros, ich würde mich gerne ausführlicher damit beschäftigen, aber wie du weißt, arbeite ich gerade an meiner "Allgemeinen Theorie des Risikos" welche den Großteil meiner Zeit verschlingt. Gerade durch meine wissenschaftliche Arbeit zum Thema Risiko (im aus meiner Perspektive Randgebiet der Risikowahrnehmung und Risikokommunikation) ist der "Klimazirkus" geradezu ein Paradebeispiel für entartete Prozesse.

Ein anderes Beispiel bot sich letztes Jahr im Vergleich der Dioxin-Eier mit der EHEC-Epidemie.

@november:

Wenn ich "Es ist auffallend, dass es vor allem Publizisten, Politologen, Soziologen und linke Ökonomen zu Greenpeace zieht. Deren Paranoia und häufiger Alarmismus kann einem gewaltig auf die Nerven gehen." lese, dann sind wir schon wieder einer Meinung, nur eben nicht in der Konsequenz.

Ich denke, dass all die politischen Eingriffe in das System letztendlich mehr Schaden anrichten, als sie Gutes hervorbringen können. Schließlich dient der so genannte "Klimaschutz" in seiner heutigen Form letztlich der Umverteilung von Vermögen von der Bevölkerung zu einigen wenigen Leuten, die sich durch ihre Politiknähe und ausreichendes Startkapital rechtzeitig strategisch positionieren konnten.

Was das ganze für die Umwelt und letztendlich für den Wohlstand der Weltbevölkerung gebracht haben wird, können wir wohl erst in einigen Jahrzehnten beurteilen.

Ich fürchte jedoch, dass es ähnlich aussehen wird, wie mit der Entwicklungshilfe, welche in Afrika unterm Strich der letzten 50 Jahre eigentlich mehr geschadet als genutzt hat.
november | 09. September 2012 15:39
@Turm

Vergessen sie einmal die leidige Politik. Wie sollte ihrer Meinung nach der Klimaschutz aussehen, rein wissenschaftlich, damit das Strahlungsgleichgewicht zwischen Sonne und Erde wieder hergestellt wird und sich das Klima wieder stabilisieren kann? Mit anderen Worten, wie würden sie den Anstieg der Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre stoppen?
diko | 09. September 2012 18:05
Sehr geschätzter "Turm",
danke und nochmals danke für ihre fundierten Kommentare, - diese zu lesen sind mir gleichermaßen Genugtuung und Wohltat, - zum Unterschied der, offensichtlich im Dienste der Klima - Einblödungslobby stehenden - Propagandaschreiberlinge.
november | 09. September 2012 18:14
@diko

Haben sie auch etwas zum Thema zu sagen, oder trollen sie einfach nur zum Spaß?
phaidros | 09. September 2012 18:55
Sg. diko,

»Klimaentblödungslobby«? »Propagandaschreiber«?

Ob da nicht etwas die Fantasie mit Ihnen durchgeht?

Wenn Ihnen Kommentare »Genugtuung und Wohltat« sind, so outen Sie sich dadurch als jemand, der eine völlig falsche Meinung über die Möglichkeiten und Grenzen der Naturwissenschaften hat: Naturwissenschaft soll und kann nur das finden, was tatsächlich vorhanden ist, das Erzeugen von Wunschergebnissen liegt gänzlich außerhalb ihrer Fähigkeit.

Dass es keine menschgemachte Erwärmung gäbe, ist nach derzeitigem Stand des Wissens so ein Wunschergebnis, das die Naturwissenschaft einfach nicht zu produzieren in der Lage ist.

Bitte bedenken Sie auch: Wenn heraus kommt, was niemand hören will, so ist das der Natur völlig egal, sie benimmt sich, wie sie sich benimmt. Sie macht die Regeln. Aufgabe des Naturwissenschaftlers ist es, diese so gut wie möglich zu beschreiben.

Versuche, auf Erkenntnisse einzuwirken, sind angefangen bei der katholischen Kirche über das Dritte Reich bis in den Ostblock jedesmal völlig schief gegangen, um nur einige Beispiele zu nennen. Sie sind nebenbei erwähnt auch vollkommen hirn- und sinnlos. Nichts anderes als der Versuch, auf Forschungsergebnisse einzuwirken ist aber dauerndes Lospoltern dagegen.

Forschung kann nur funktionieren, wenn sie frei ist. Und damit keine Unklarheiten aufkommen: das ist sie. Nicht immer wurden die Ergebnisse gut dargestellt, aber ich werde nicht müde, denen, die die Basisarbeit leisten, die Stange zu halten!

BG phaidros.vie@gmail.com
phaidros | 09. September 2012 19:01
Lieber DerTurm, die meiste Arbeit, die ich kenne, erfolgt ziemlich genau in der hier von Dir zurecht gelobten Weise und im selben Geiste wie dem der ZAMG (Das scheint zu sein, was Du nicht anerkennen kannst).

Wenn daher Dr. Böhm ausdrücklich schreibt, auch die IPCC ist besser als ihr Ruf, so habe ich persönlich nicht den geringsten Grund, daran zu zweifeln.
Marcus Aurelius | 10. September 2012 00:00
Genossen und Genossinnen,
(oder sag' ich lieber: Brüder und Schwestern in Christo?)

Die CO2-Lüge war und ist eine weltweite Geschäftsidee, die von denen zu bezahlen ist, die weder Grundstücke noch Dächer besitzen, auf denen sich die Subventionen für Zufallsenergie abgreifen lassen:

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/ein_paar_fakten_ueber_co2_die_selten_erwaehnt_werden/

Menschlicher Einfluß auf das Weltklima ist eine quantité négligeable. Sonnenzyklen kommen und gehen, Gletscher und Polkappen wachsen und schmelzen, das Greenpeace-Lieblings-Werbetierchen Eisbär (sehr spendenträchtig, solange als bedroht gelogen) vermehrt sich ungebremst; in Alaska, Nordkanada und Grönland gibt es wieder heftige Abschußquoten, vom WWF abgesegnet, etc.

In Bayern war es vor 150 Jahren zu warm für das Gedeihen des Hopfens, so daß man zu Weinbau überging und das Bier aus Mecklenburg importierte. Grönland hat seinen Namen nicht von ungefähr. Klimawandel ist so alt, normal und natürlich wie das Universum. Das seltsame, leichtgläubige Säugetier namens Mensch hat darauf nicht den geringsten Einfluß.

Menschengemachtes "global warming" ist eine gehypte Geschäftsidee, die von den Medien jahrelang konzertiert gefördert wurde, weil die Politik den Bürger "für einen guten Zweck" leichter aussackeln kann und weil die werbende Großindustrie, nicht blöd, sich ebenfalls ein grünes Mäntelchen umhängte.

Vorbei, gelaufen, als organisierter Betrug (Climategate, IPCC) identifiziert. Briten und Amis (sogar Obama!) haben die Notbremse gezogen. Nur die EU lässt sich noch von den Quecksilberfunzel- und anderen Lobbyisten ein X für ein U vormachen. Wen wundert's? Dort sprudeln auch Schmiergelder ohne Ende — und leichtfertige Damen im ersten Stock. Und wir bauen wieder Kohle- undf Gaskraftwerke, um den "alternativen" Traum noch für ein Weilchen am Leben zu erhalten, weil Wind- und Solarenergie zu unzuverlässing sind — obwohl die Backup-Kraftwerke das angeblich hochgiftige CO2 in rauhen Mengen absondern.

In Frankreich kostet eine Kilowattstunde 7 ct, in D und Ö 25. Die energieintensive Industrie ergreift die Fluch und nimmt ihre Arbeitsplätze mit; viele Privathaushalte können ihren Strom nicht mehr bezahlen. Wie blöd kann man eigentlich sein?
Noch Fragen?
phaidros | 10. September 2012 06:00
Lieber Marcus,

Sie wollen das anscheinend nicht begreifen: wir reden hier nicht von Politik, wir reden von Wissenschaft. Wir reden davon, ob das Kind Fieber hat, nicht davon, was in der Krankenversicherung schief rennt.

Keulen wie »CO2-Lüge« und »Genossen« sind daher zu 100% unangebracht, und in der Sache schlichtweg falsch.

Sie scheinen zu glauben (und das ist ganz schön überheblich, das kann ich mir nicht verkneifen), dass es sich um eine »Idee« handelt, die ein paar Naivlinge »glauben« wollen. Aber das ist nicht der Fall: es gibt derzeit keine alternative Erklärung.

Sonnenflecken, Vulkanismus, Gletscher, all das wird durchaus berücksichtigt. Kleines Problem dabei: nichts und auch keine Kompbination von all dem gibt eine Korrelation zum Temperaturanstieg her, die auch nur ähnlich »gut« wäre wie die zwischen Temperatur und CO2-Anstieg. Das geben die Daten einfach nicht her, aber das nehmen Sie nicht zur Kenntnis.

Mit welcher Kompetenz stellen Sie fest, dass menschlicher EInfluss vernachlässigbar ist?
Marcus Aurelius | 10. September 2012 10:12
@Phaidros:

Sie fragen: "Mit welcher Kompetenz stellen Sie fest, dass menschlicher EInfluss vernachlässigbar ist?"

(a) Mit der Kompetenz der einfachen Mathematik: Der menschliche Beitrag zum CO2-Gehalt der Atmosphäre beträgt (auch laut IPCC) ein Fünfundzwanzigstel von vier Promille, also eine homöopathische Dosis — und ebenso wirkungslos wie diese.(b) Mit der Kompetenz der wissenschaftlich unbestrittenen Tatsache, dass in weit vorindustriellen und dünn besiedelten Jahrhunderten der CO2-Gehalt der Erdatmosphäre häufig um ein Vielfaches höher lag als heute.
(c) Es braucht keine Kompetenz, um zu wissen, dass es seit 12 Jahren um keinen Furz wärmer wird.

Seien Sie gegrüßt!
phaidros | 10. September 2012 11:10
Dass Sie nicht begreifen können, dass diese Dosis durchaus genügt, obwohl ich es Ihnen bereits nicht nur gesagt, sondern auch vorgerechnet habe, ist nicht der Defekt der Klimaforschung. DIe »Kompetenz der einfachen Mathematik« genügt hier nicht, auch wenn das über Ihr Vorstellungsvermögen geht. Sie liegen einfach falsch.

c) (Fast ;-) ) ganz genau, wie Sie sagen: es ist inkompetent zu behaupten, dass es nicht wärmer würde. Das Jahr 2012 entwickelt sich zum wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.
phaidros | 10. September 2012 11:13
... und was die »Kompetenz der einfachen Mathematik« betrifft: 0,4‰ sind nicht ein 25tel von 4‰, sondern dessen 10tel. Das so nebenbei.
phaidros | 10. September 2012 11:29
Für den Leser, was die behauptete »Wirkungslosigkeit« betrifft, kann man sich natürlich leicht vom Gegenteil überzeugen: eine normale Schmerztablette enthält bspw. 500mg Paracetamol. In 5 Litern (rd. 5000 g) Blut verdünnt, im Bereich 0,1‰ der Masse, also deutlich weniger.

Wirkung wohl unbestritten.

Noch ein kleiner Unterschied: in Masse-Anteilen liegt das CO2 im atmosphärischen Anteil wesentlich über 0,4‰.
diko | 10. September 2012 14:10
Marcus Aurelius,
*****************!)
ebenfalls danke für ihre immer wieder, bestens fundierten und formulierten Sachbezug, Fakten- u. Tatsachenhinweis.
phaidros | 11. September 2012 20:13
@DerTurm - Fragen: gerade eben bin ich über den einzelnen Satz gestolpert, der eigentlich alle Deine Fragen beantworten sollte (den ich aber nicht gefunden habe):

»Berkeley Earth also has carefully studied issues raised by skeptics, such as possible biases from urban heating, data selection, poor station quality, and data adjustment.« (http://berkeleyearth.org/results-summary/ )

In den Papers findest Du sicher die dazugehörigen Details des jeweiligen »wie«, aber berücksichtigt werden diese Dinge auf jeden Fall: http://berkeleyearth.org/papers/
DerTurm | 16. September 2012 21:15
@november:

Die Frage ist recht einfach zu beantworten, was aber weiter auszuholen erfordert. Ich hoffe, ich komme morgen Abend dazu.
terbuan | 07. September 2012 15:51
Danke für diesen hochinteressanten Beitrag!
Danke auch für die bisherigen Kommentare und Hinweise von Inge Schuster.
Als an Statistik und langfristigen Zeitreihen besonders interssierter Zeitgenosse habe ich diese Arbeit von Herrn Reinhard Böhm sehr genossen, meine Skepsis an der nur alleine von der Menschheit verursachten Klimaerwärmung bleibt dennoch bestehen, vielleicfht habe ich es einfach nur lieber wärmer :-)

Mit der ZAMG habe ich ja eine mehrfache Beziehung. Erstens wohne ich ganz in der Nähe und habe schon als Kind die Wetterballons bewundert und den Wetterbericht beim Eingangstor an der Hohen Warte studiert, darüberhinaus habe ich beim Kauf des Buches "Die ZAMG von 1851-2001, 150 Jahre Meteorolgie und Geodynamik" festgestellt, dass es dort einen Doppelgänger von mir gibt oder gab. Die Damen im Büro haben mich mit einem ehemaligen Mitarbeiter verwechselt und meinten, ich käme auf Besuch. Und kürzlich blieb mitten auf der Grinzinger Allee ein Range Rover stehen und der Fahrer grüßte mich freundlich. Zu meinem fragenden Gesichtsausdruck meinte er nur "ZAMG!" Ich begriff sofort und erwiderte mit "Alles Gute!" Wer ist nun mein Doppelgänger, Inge Schuster, kennst Du ihn?
Liebe Grüße
terbuan
inge schuster | 09. September 2012 23:27
Vielleicht hast Du eine entfernte Ähnlichkeit mit Fritz Neuwirth in jüngeren Jahren(siehe http://derstandard.at/2397485/Fritz-Neuwirth-ZAMGDirektor )??????
terbuan | 10. September 2012 11:20
Inge, ich habe jemand anderen lokalisiert:
Auf der Facebook-Seite der ZAMG gibt es ein Foto von der Mannschaft der "Fachabteilung Umweltmeteorolgie", der Mann ganz hinten rechts könnte es sein
:-)
http://www.zamg.ac.at/cms/de/umwelt/umwelt-aktuell/fachabteilung-umweltmeteorologie
lG/terbuan
diko | 10. September 2012 14:16
terbuab,
ich glaube eher, dass der Hinweis von Frau Professor - eher zutrifft, als die vom Mann ganz hinten rechts.
terbuan | 10. September 2012 14:20
diko
Jetzt gehe ich doch glatt demnächst auf die Hohe Warte und befrage die Damen im Sekretariat! :-)))
lG/terbuan
november | 07. September 2012 08:23
Danke einmal für den interessanten Beitrag. Es ist sicher sehr mühsam sich durch über 200 Jahre an Daten zu wühlen um die Messreihen zu homologisieren und ein Signal zu finden.

Ich habe aber eine Frage zum Thema Variabilität. Selbst wenn es nur für den Alpenraum so einen guten Datensatz gibt, ist die Schlussfolgerung doch irgendwie allgemein gültig. Selbst bei keiner höheren (oder sogar geringeren) Variablität verschieben sich die Extremwerte gemäß dem jeweiligen Trend, was ja rein statistisch zu erwarten ist. Würde man aus unterschiedlichen regionalen Trends nicht erwarten können, dass sich die globale Variabilität erhöht, einfach weil sich die jeweiligen Normalverteilungskurven unterschiedlich weit (Temperatur) oder in unterschiedliche Richtungen (Niederschlag) verschieben? Mit anderen Worten, manche Gegenden sehen immer mehr Rekordnierderschläge und Überschwemmungen, während andere immer mehr Rekordtrockenheit und Dürren erleben.

Aber vielleicht ist es sinnlos darüber zu spekulieren, weil man zu wenige Datensätze hat.

Außerdem hat sich offenbar durch die schnelle Erwärmung der Arktis im Zusammenhang mit dem immer schnelleren Abtauen des Meereises der Verlauf des Jet Streams verändert, was wiederum das Wettergeschehen auf der Nordhalbkugel durcheinander bringen könnte (= eventuell wieder höhere Variabilität bei uns, oder ganz anderes Klima?).

Jedenfalls sollte man Öffentlichkeit und Politik darauf hinweisen, dass man nur Aussagen treffen kann, die auch tatsächlich gut fundiert sind. Die Unsicherheiten im Klima und in unserem Wissen darüber sollten ein ausreichendes Argument für Klimaschutz sein.
november | 07. September 2012 09:38
Selbstredend muss die Öffentlichkeit auch über die Unsicherheiten aufgeklärt werden. Das arktische Meereis schmilzt z.B. viel schneller als noch im IPCC-Bericht von 2007 angenommen. Dort ist man noch ausgagangen, dass die Arktis irgendwann gegen Ende dieses Jahrhunderts (wenn nicht noch später) im Spätsommer weitgehend eisfrei werden könnte. Inzwischen scheint es immer wahrscheinlicher, dass bereits vor 2020 so weit sein könnte.
inge schuster | 07. September 2012 12:13
Eine exzellente, sehr objektive Darstellung zu diesen Fragestellungen finden Sie in einem Gastkommentar von Reinhard Böhm in der Presse (5.12.2009): "Ein Quäntchen Klima gefällig?":

http://diepresse.com/home/meinung/gastkommentar/526348/Ein-Quaentchen-Klima-gefaellig

Ich möchte auch noch hinweisen auf ein Interview mit Helga Kromp-Kolb im ORFIII am letzten Mittwoch im sogenannten, von Barbara Stöckl moderierten science-talk:

http://tvthek.orf.at/programs/4039577-Science-Talk/episodes/4562625-science-talk
(Zu diesem Zeitpunkt war der Artikel von Reinhard Böhm bereits un den science-blog gestellt; er enthält auch wesentlich mehr facts und kein Bauchgefühl.)
november | 07. September 2012 12:56
Danke für die Links (das Video werde ich mir später ansehen).

Klimaforschung war wahrscheinlich lange ein obskures Themengebiet, welches erst in den letzten Jahrzehnten in den Fokus von Politik und Wirtschaft geraten ist. Viele der daraus entstandenen "postnormalen" Streitereien haben mit der Wissenschaft gar nichts zu tun. Vielleicht täusche ich mich, aber ich habe den Eindruck, dass Böhm versucht auf die "Skeptiker", häufig eigentlich Leugner, zuzugehen um auf ihre Vernunft zu setzen. Ich weiß nur nicht, ob das funktionieren kann, weil diese Leute bisher alle Argumente abgeblockt haben.

Ich finde es nett, dass sich andere um meinen Bauch kümmern :-), aber das Thema Variabilität wird sehr wohl ernsthaft erörtert. Siehe auch eine aktuelle Arbeit dazu von James Hansen, die natürlich auch kritisiert wurde. Hier eine Diskussion von Hansen selbst darüber:
http://www.columbia.edu/~jeh1/mailings/2012/20120811_DiceDataDiscussion.pdf

Was Skeptiker oft übersehen ist, dass Unsicherheiten in beide Richtungen gehen. Die Entwicklungen in der Arktis übertreffen tatsächlich die Befürchtungen der meisten Experten und deren Modelle. Wahrscheinlich kein Grund zum Optimismus.
inge schuster | 07. September 2012 15:21
@november 12:56

danke für den link - sehr interessant und zweifellos berücksichtigenswert!!!!! Die Meßreihen gehen allerdings noch nicht sehr lange zurück und damit bleibt die Frage nach der statistischen Relevanz der seltenen Extremereignisse.

(Im übrigen: Bauchgefühl bezog sich auf das Interview mit Kromp-Kolb, das ohne Angabe irgendwelcher Fakten und zugrundeliegender Methoden und Daten auskam - das was man sich im ORF halt offensichtlich unter science vorstellt.)
DerTurm | 09. September 2012 12:35
@november:

Gerade das arktische Meereis ist ein hochdynamisches System, das nicht nur von der Temperatur abhängt.

Im Artktischen Meer gibt es zunächst einmal eine ganze Reihe von riesigen Strudeln, welche das gesamte Eis immer in Bewegung halten.

Dann schwanken warme Zuflüsse stark, was mal eine größere, mal eine geringere Schmelze zur Folge hat.

Das heurige Minimum geht zu einem nicht unbeträchtlichen Teil auf einen starken Sturm im August zurück, welcher das Eis ordentlich aufgeräumt hat: das Eis in der Beaufort See binnen fünf Tagen auf die Hälfte und in der Chukchi See binnen zehn Tagen auf ein Drittel.

Dazu kommen dann noch die immer größeren Einträge von Wärme über die Flüsse, welche in die Arktis münden (und nichts mit dem pöfen CO2 zu tun haben).

Zudem wissen wir nicht viel über die Ausdehnung des Eises vor 80 Jahren, vor vielen vielen Jahren war die Arktis im Sommer regelmäßig eisfrei.

Und dass in der Antarktis das Eis immer mehr wird, interessiert klarerweise niemanden...
DerTurm | 09. September 2012 12:37
@november:

Hansen hat sich spätestens mit seinen Death Trains als KlimaClown selbst disqualifiziert. Seine jüngsten Pamphlete wurden von einer Reihe von Wissenschaftlern als unwissenschaftliche Propaganda in der Luft zerrissen.
DerTurm | 09. September 2012 13:28
...ich habe (auch in der Diskussion mit phaidros) schon des öfteren auf das IMHO Hauptproblem mit den Klimawissenschaftlern (insbesondere IPCC, wobei das IPCC immer schon eine politische Organisation und keine wissenschaftliche war und ist) hingewiesen:

Viel zu viele Klimatologen sind von der rein deskriptiven Wissenschaft zur normativen übergegangen. Die Motivation ist klar: die Medien interessieren sich für das Normative und für schlechte Nachrichten. Damit kann man gutes Geld verdienen (hat doch John Christy schon vor Jahren gesagt: "We have a vested interest in creating panic, because then money flows to climate science".

Und wenn dann Schellnhuber, Rahrmstorf & Co. organisiert "als Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen" eine "Große Transformation" (also eine globale Zentralregierung in Kombination mit einem Masterplan auf dem Weg in die Nachhaltigkeit und Klimaverträglichkeit) propagieren, dann sollten eigentlich sämtliche Alarmglocken schrillen.
phaidros | 09. September 2012 13:37
Kleine Korrektur, DerTurm: Zwischen 1974 und 2002 ging das Schelfeis um 17500km² zurück, 2002 schmolz ein 3200km² großes Areal in etwas mehr als einem Monat. Das Anwachsen des antarktischen Eises bezieht sich meines Wissens auf das Landeis. Dazu die allwissende Müllhalde (http://de.wikipedia.org/wiki/Eisschild ):

»Aufgrund der globalen Erwärmung wird für den Antarktischen Eisschild eine Zunahme des Eisvolumens während des 21. Jahrhunderts prognostiziert. Der Grund dafür ist, dass die Erwärmung in der sehr kalten Antarktis keine nennenswerte Verstärkung des Eisschmelzens bewirken kann, jedoch die Schneefallmenge zunimmt.«
november | 09. September 2012 13:44
@Der Turm

Hier haben Sie eine Zusammenfassung zur Situation des Arktischen Meereis mit weiterführenden Links:

http://thinkprogress.org/climate/2012/09/08/802631/understanding-the-human-caused-arctic-death-spiral/

Der Sturm konnte dem Eis nur deswegen so zusetzen, weil das Eis bereits so geschwächt ist.

Die Antarktis wird nicht ignoriert. Das Meereis zeigt zwar einen leicht positiven Trend, die Gletschereismasse geht aber genauso zurück. Als Kontinent, der direkt über dem Südpol positioniert ist, besitzt sie einfach ein eigenes Klima und folgt einer anderen Dynamik.

An ihrem IPCC- und Hansen-Bashing und dem Zitieren von John Christie merkt man schon zu welchem Lager sie gehören. Dieses Forum hier nennt sich aber "science-blog".
phaidros | 09. September 2012 13:47
(Postings überschnitten)

Auch hier muss ich Dir entgegen halten, DerTurm: wie @november weiter oben schreibt: zum EInen hat eine Seite absolut nichts zur Diskussion beizutragen, hört aber nicht auf, sie führen zu wollen.

Zum Zweiten ist es völlig destruktiv und keiner Sache förderlich, ununterbrochen nur Lüge, Inkompetenz und Profitgier im engeren und weiteren SInn zu unterstellen (die man übrigens der Skeptikerfraktion mindetens mit demselben Recht unterstellen könnte, da zumeist Big Oil dahintersteht - siehe EIKE).

Auch das IPCC ist wesentlich besser als sein bewusst mittlerweile beschädigter Ruf (mission accomplished?). Im letzten Sachstandsbericht von 2001 wurde bspw. eine Erhöhung des Meeresspiegels von 9-88cm (sic) bis Ende des Jahrhunderts vorhergesagt, keine silbe von dutzenden Metern.

Auch hier gebe ich eine Empfehlung Dr. Böhms weiter: nicht die politisch motovierten Zusammenfassungen lesen, sondern sich den 3000-seitigen (schon wieder sic) Basistext besorgen, der nichts außer extrem sorgfältiger Wissenschaft enthält. Dr. Böhms sehr einleuchtende Motivation: 3000 Seiten als Lesetext sind natürlich viel zu viel, aber als Nachschlagewerk kann es gar nicht umfangreich genug sein.

BG phaidros.vie@gmail.com
DerTurm | 09. September 2012 14:05
"Geschwächtes Eis" ist so ein normatives Konstrukt, das nicht in mein deskriptives Wissenschaftsbild (ich betrachte mich als skeptischen Empiriker) passt.

Da das Eis ständig in Bewegung ist*, wird es auch nicht sonderlich alt. Im Durchschnitt beträgt das Alter des arktischen Eises 4 Jahre, mit einem Maximum von 8.

Wie schon geschrieben: das System ist hoch dynamisch, daher betrachte ich jegliche "Prognose" als Kaffeesudleserei.

Und um noch auf ein anderes Post zu antworten: längst sind nicht alle "Skeptiker" verschrobene Spinner, die nichts zustande bringen. Unter ihnen gibt es viele, die zahlreiche fundierte Publikationen veröffentlicht haben.

Sobald mir jemand erzählt, wie etwas sein muß, und dass etwas umumkehrbar sein soll, hat derjenige das Feld der Wissenschaft längst verlassen und ist zum Politiker geworden.

...und insbesondere dann, wenn sich so genannte Wissenschaftler weigern, ihre Daten zwecks Überprüfung durch dritte herauszugeben, ist sämtliche Glaubwürdigkeit verspielt.

Zum Thema Arktiseis halte ich mich lieber an http://wattsupwiththat.com/2012/09/02/sea-ice-page-upgrades-observations-and-questions/ - auch die Kommentare sind interessant zu lesen.

*http://www7320.nrlssc.navy.mil/hycomARC/navo/arcticicespddrf_nowcast_anim365d.gif
november | 09. September 2012 14:15
Also sie sind hierhergekommen, um über den wissenschaftlich-politischen Komplex zu lästern, ich verstehe.

Ich habe aber einen Tipp für sie: Wenn sie schon unbedingt WUWT lesen müssen, achten sie genau die Kommentare von Julienne Stroeve. Sie ist eine amerikanische Expertin vom NSIDC, und wahrscheinlich eine der ganz wenigen im Forum, die weiß, wovon sie spricht.
phaidros | 09. September 2012 14:23
»Geschwächtes Eis« würde ich ganz einfach in Hinblick auf die Kerntemperatur interpretieren, ganz deskriptiv. -0.1°: Eis, schmilzt bei Zuführung auch geringer Wärmemengen. -50°: ebenfalls Eis, verträgt aber ganz ordentliche Wärmezufuhr, bis es geschmolzen ist.

Was die ordentlichen Publikationen betrifft: hier gibt es zum Glück den Mechanismus der peer-reviewten Veröffentlichung. Also wird man sie auch in einschlägigen Fachjournalen lesen können. Ist das nicht der Fall, sind sie auch nicht ordentlich.

Weder der Wissenschaftler, insbesondere aber auch das Journal setzt gerne den eigenen Ruf aufs Spiel, der 10x schneller weg sein dürfte als aufgebaut, und das dann auch noch unwiederbringlich. Das wäre aber völlig unvermeidlich der Fall, weil ja ein Betrug klarerweise früher oder später auffliegt.
DerTurm | 09. September 2012 14:31
Lieber phaidros, ich denke, Du missverstehst mich. Ich werfe weder alle Klimawissenschaftler in einen Topf, noch weigere ich mich fundierte wissenschaftliche Arbeit anzuerkennen (und Du kennst ja einen kleinen Ausschnitt meiner gesammelten Literatur zu dem Thema).

Ich bin froh, dass es noch Wissenschaftler wie Hr. Böhm gibt, der sich im Unterschied zu unserer Prima-Ballerina-Apokalyptikerin Kromp-Kolb an die wissenschaftlichen Konzepte hält, anstatt Politik zu machen.

Ich kritisiere in erster Linie Leute wie Hansen, Rahmstorf, Schellnhuber & Co, welche weitab der eigentlichen Wissenschaft primär ihre Ideologie verbreiten wollen (siehe Große Transformation).

Dass mit dem Klima inzwischen Milliardengeschäfte betrieben werden (vom Glühbirnenverbot über die gewaltigen Strompreissteigerungen bis hin zu den Milliarden, welche in die Klimaforschung gesteckt werden - die Atomstromwaschmaschine in Kaprun nicht zu vergessen), kann ja wohl niemand mehr in Abrede stellen. Auch BigOil investiert kräftig in die Klimaforschung, siehe z.B. Beyond Petroleum und andere.

Und meine Kritik am IPCC und den Berichten betrachte ich als völlig berechtigt, bei all den haarsträubenden Fehlern und der massig zitierten grauen Literatur. Das ist alles andere, als "wissenschaftlich".

Ebenso finde ich den Fokus auf das Konstrukt "Globale Temperatur" aus mehreren Gründen unsinnig (die Gründe würden das Blog sprengen, und sind schon des öfteren erwähnt worden). Insofern finde ich äußerst positiv, dass Herr Böhm auch andere wesentliche Klimaparameter betrachtet.

Und um den letzten Absatz von november aufzugreifen:

"Jedenfalls sollte man Öffentlichkeit und Politik darauf hinweisen, dass man nur Aussagen treffen kann, die auch tatsächlich gut fundiert sind."

Hier sind wir absolut einer Meinung, jedoch finde ich, dass

"Die Unsicherheiten im Klima und in unserem Wissen darüber"

nach meiner Rede "wir wissen es nicht genau" kein Grund sein sollten, um Milliarden und Abermilliarden in aberwitzige Luftgeschäfte zu stecken (z.B. in die Entsorgung von Silizium auf Hausdächern und Wiesen, oder das Eintüten von Häusern in Styoporkondome bis hin zum Handel mit Luft an eigens eingerichteten Börsen). Gelder, die man wesentlich sinnvoller investieren könnte und sollte (siehe Kopenhagen Konsensus).

Und schließlich bin ich der bescheidenen Meinung, dass "Klimaschutz" ein unsinniges Konzept ist, denn um das Klima schützen zu können, müsste man das Wetter schützen. Um das Wetter schützen zu können (wovor eigentlich? vor Veränderung?), müsste man es "machen" können, und davon sind wir gottlob noch weit entfernt.

Und schließlich noch ein Disclaimer: Nein, ich bin nicht gegen Umweltschutz, ich bin nur gegen die Auswüchse der Ökoindustrie und strikt gegen jeglichen Öko-Imperialismus.
terbuan | 09. September 2012 18:59
Danka allen Postern für die hochinteressanten Beiträge, habe wieder einmal als Nichtexperte einiges dazugelernt!
phaidros | 09. September 2012 20:12
Nochmal DerTurm, zu einem Detail, aber diese Dinge sind wichtig, meine ich, um ein richtiges Bild zusammenzufügen: Da das Eis ständig in Bewegung ist*, wird es auch nicht sonderlich alt. Im Durchschnitt beträgt das Alter des arktischen Eises 4 Jahre, mit einem Maximum von 8.

Das glaube ich so nicht: Eisbohrkerne aus der Antarktis und aus Grönland liefern Information für mehrere 10000 Jahre durch Schichten ähnlich wie Jahresringe der Bäume. Für einige 1000 Jahre liefern sie (in Form von Bläschen) versiegelte Gasproben (Stichwort: »Paläoklimatologie«) , bevor der Druck das eingeschlossene Gas einfach im Eis löst. Irgendwann ist dann gänzlich Schluss: der enorme Druck zerstört ab etwa 100kyr (wenn ich da richtig liege) die Schichtung, aber ich glaube sogar, dass das älteste Antarktische Eis eine knappe Mio Jahre ist.
phaidros | 09. September 2012 20:35
Oh, ich seh grad: Missverständnis! Arktis/Antarktis! 'Tschuldigung.
november | 09. September 2012 22:24
Auch das IPCC ist wesentlich besser als sein bewusst mittlerweile beschädigter Ruf

Nicht unerwähnt bleiben soll, dass Böhm ein Co-Autor beim IPCC ist. Oder dass der IPCC-Bericht aus drei Teilen besteht, wovon der erste die relevanten wissenschaftlichen Arbeiten zusammenfasst. Und dass im ersten Teil keine Fehler aufgetaucht sind, ganz zu schweigen von haarsträubenden.

Um auf die Arktis zurückzukommen. Der rasante Schwund (v.a. Volumen) des Meereises läßt sich einfach nicht mehr leugnen und könnte ein großes Problem werden. Wenn nämlich die bisherige noch moderate globale Erwärmung ausgereicht hat, um über die arktische Amplifikation das Meereis im Spätsommer auf nahe Null zu reduzieren, ist das wirklich kein gutes Zeichen. In wenigen Jahren werden wir Gewissheit haben, ob sich der inzwischen exponentielle Trend fortgesetzt hat. Sollte das wirklich so schnell gehen, dann stellt sich die Frage, wie instabil das System bereits geworden ist, und wie lange unter diesen Bedingungen das Wintereis durchhalten wird. Vielleicht noch ein paar Jahrzehnte, wer weiß? Ein ganzjährig eisfreies arktisches Meer hätte massive Auswirkungen auf die Permafrostböden (Methan!) und das Grönlandeis (Meeresspiegel).

Ist das alarmierend genug? Natürlich. Und niemand kann sagen, dass das auch passieren wird. Aber alleine, dass dieses Szenario in den Bereich der Möglichkeiten geraten ist, könnte zu denken geben. Oder auch nicht.
inge schuster | 09. September 2012 22:58
@november

Eine Zusammenfassung der Voraussagen hinsichtlich der Klimaverschiebung bis zum Jahr 2100 , und zwar für die beiden extremen IPCC Szenarien - minimale und maximale Erwärmung - finden Sie unter:

http://www.zamg.ac.at/cms/de/klima/informationsportal-klimawandel/klimazukunft/global/klimazonen

Diese Berechnungen erfolgten an Hand von 5 unterschiedlichen Klimamodellen. Hinsichtlich der polaren Klimazone wird im besten Fall, d.h. bei minimaler Erwärmung, mit einem Verlust von 2.93 % (Reduktion von 15,15 auf 12,21 % der weltweiten Landfläche - dies entspricht etwa 40 % der Fläche Europas), im Fall der maximalen Klimaänderung mit einer Reduktion um 4,11 % (Reduktion von 15,15 auf 11,04 %) gerechnet.
november | 10. September 2012 20:01
Als sicher kann hingegen angenommen werden, dass sich die Klimazonen vom Äquator in Richtung der Pole verschieben.

Modelle haben prinzipiell Schwierigkeiten nichtlineare Prozesse zu beschreiben. Und dabei ist die Methanausgasung noch gar nicht berücksichtigt, weil noch nicht quantifizierbar. Übrigens war bereits 2007 klar, dass sich die Arktis viel schneller verändert als im IPCC-Bericht des gleichen Jahres vorausgesagt [1]. Zumindest in dieser Hinsicht haben die Modelle komplett versagt. Vielleicht kann man das als Fehler vom IPCC bezeichnen, aber sicher nicht im Sinne der Skeptiker.

[1] http://www.ualberta.ca/~eec/Stroeve2007.pdf
dssm | 06. September 2012 22:40
Sehr geehrter Herr Böhm, es scheint fast als hätten Sie die Diskussion, welche ich mit phaidros im Blog geführt habe gelesen. Danke für Ihre gute Darstellung.

Es ging um Meßergebnisse, ich glaube sagen zu dürfen, daß sowohl phaidros als auch ich gemeinsam an eine Steigerung der gemessenen Temperaturen (zumindest ich bin kein einschlägig tätiger Forscher, daher:) glauben.
Das wunderbare Beispiel in Abbildung 2, zeigt, eine Traumstation. Egal ob nun in 6m, am Haus, oder in 2m, im Garten, wir befinden uns in einem grossen, seit langem kaum veränderten Gebäudekomplex, die Abweichungen sind nicht dramatisch und leicht algorithmisch herauszurechnen.
Nehmen wir nun aber an, die Station wäre bei einem Flughafen. Diese wäre schon mehrfach versetzt worden, wegen Ausbau des Flughafens. Gleichzeitig sind Gewerbeflächen, Hotels, Parkhäuser entstanden, eine Baulichkeit nach der Anderen, dazu wurden aus Grünflächen Strassen, Parkplätze und Landebahnen. Dreierlei Effekt: Einmal ist die Energiespeicherung des Tageslichts vermehrfacht. Dann ist die aktive Energieabstrahlung von Fahrzeugen und Gebäuden (auch im Sommer!) wesentlich höher. Und natürlich die Schneeräumung (helle Fläche wird dunkel!) und Reinigung (Wasser verdampft!) für die immer grösser werdenden Flächen.
Eventuell wird auch die Konvektion durch den Wind mehr und mehr verhindert, oder auch vermehrt?!?
Vielleicht könnte sich auch Herr Böhm hier nochmals einbringen, auch wenn hier nur auf ein Randthema des Eintrags eingegangen wurde?
inge schuster | 06. September 2012 23:38
Mit dieser sehr wichtigen Frage beschäftigen sich zahlreiche Publikationen von Reinhard Böhm, beispielsweise:

"Klimarekonstruktion der instrumentellen Periode – Probleme und Lösungen für den Großraum Alpen" (in: alpine space - man http://www.zamg.ac.at/histalp/downloads/abstract/Boehm-2009a-F.pdf )

Diese Arbeit beschreibt Meß- und Analysemethoden, die Problematik von Metadaten, etc. und enthält Zitate von Arbeiten, die diese Punkte sehr detailliert behandeln.
dssm | 07. September 2012 08:32
Danke Frau Schuster!!!