Gerhard Glatzel
Gerhard Glatzel | 24. Januar 2013

Umweltökologie und Politik - Der Frust der nicht gehörten Wissenschaftler

Die öffentliche Empörung über Korruption und Spekulation und entsprechender medialer Druck haben nun letztendlich zu Gesetzen geführt, die evidente Missstände eindämmen sollen. Nicht minder schädlich als Korruption ist aber auch die Nichtberücksichtigung wissenschaftlicher Erkenntnisse und/oder deren missbräuchliche Anwendung durch klientel-verpflichtete Lobbyisten, wenn politische Entscheidungen zu Umwelt- und Ressourcenfragen mit potentiell gravierenden Auswirkungen für künftige Generationen getroffen werden. Derartige politische Weichenstellungen sollten von den Akademien geprüft  werden, vergleichbar dem Prüfauftrag der Rechnungshöfe in wirtschaftlichen Fragen. Darüber hinaus sollten in Parteiakademien verstärkt wissenschaftliche Grundkurse angeboten werden.

Gerhard Glatzel für den Science-Blog

Nach einer ganzen Reihe von erfolglosen Konferenzen zu Fragen des Klimawandels und des Klimaschutzes sowie politischen Fehlentscheidungen bei Biokraftstoffen und anderen Ressourcen fragt man sich, warum wissenschaftliche Erkenntnisse zu komplexen Systemfragen von der Politik so wenig berücksichtigt werden. Die stetig wachsende Zahl wissenschaftlicher Veröffentlichungen zu diesen Fragen nehmen Politik und Öffentlichkeit zur Kenntnis wie einst die Predigten Abraham a Santa Claras oder die Höllenbilder der Jesuitentheater. Wir erschaudern vor den Visionen der schrecklichen Folgen unseres Tuns, versprechen Besserung, sündigen aber hemmungslos weiter.

Der negative Einfluß der Lobbyisten

Wenn wir die Lösung für den Mangel an wissensbasierten politischen Entscheidungen darin sehen, die Politiker mit noch mehr wissenschaftlicher Forschung zum selben Thema zu fundierteren Entscheidungen zu bewegen, schließen wir vor der Realität politischer Entscheidungsvorgänge die Augen. Wir übersehen, dass der wichtigste Werkzeugkoffer der Naturwissenschaftler – gute wissenschaftliche Praxis und Veröffentlichungen in anerkannten, hochrangigen Zeitschriften – in erster Linie der wissenschaftsinternen Qualitätssicherung und der Leistungsbeurteilung von Wissenschaftlern dient, wenn es um deren Karrieren und um Forschungsfinanzierung geht. Es ist der international anerkannte Werkzeugkoffer für Ordnung innerhalb des „Elfenbeinernen Turmes“ aber für die Einflussnahme auf politische Entscheidungen wenig geeignet.

Auch der zweite gut ausgestattete Werkzeugsatz der Natur- und Technikwissenschaften, das für industrielle Anwendungen bestimmte Patentwesen, taugt wenig, wenn es um politische Entscheidungen geht. Dort kommt nämlich der üppig ausgestattete Werkzeugkoffer der klientelverpflichteten Lobbyisten zum Einsatz. Dieser Werkzeugkoffer verfügt über eine gut gefüllte Geldlade, beinhaltet schlechte Wissenschaft, Pseudowissenschaft, falsche Argumente, mannigfache Zugänge zu den Medien, Netzwerke und, wie wir täglich lesen, oft auch Spezialwerkzeuge für Korruption.

Politische Parteien halten sich „Experten“, die als Wissenschaftler auftreten, aber als Abhängige ihrer Auftraggeber in deren Interesse argumentieren. Gegen den Werkzeugsatz der Lobbyisten mit seriösen wissenschaftlichen Veröffentlichungen in hochrangigen internationalen Zeitschriften ankämpfen zu wollen ist aussichtslos, besonders dann, wenn die Entscheidungsträger wenige Hemmungen haben, moralische Grundsätze und Werte auszublenden und weder Verständnis noch Wertschätzung für wissenschaftliche Methodik haben.

Die manipulierbare Stimme des Volkes

Ein weiteres wirkungsvolles Werkzeug der Politik ist die „Stimme des Volkes“, die mit den dafür bestimmten Spezialwerkzeugen leicht manipuliert werden kann. Der sogenannte „Hausverstand“ gilt dabei als verlässlichere Entscheidungshilfe, als die Ergebnisse akribischer wissenschaftlicher Untersuchungen, die oft nicht  für jedermann zu verstehen sind und die - wie leicht zu zeigen ist - immer wieder von neueren Erkenntnissen überholt werden, und daher von Menschen mit „Hausverstand“ grundsätzlich anzuzweifeln sind.

Täglich sehen wir im Fernsehen Damen und Herren in weißen Mänteln vor Laborkulissen, die uns vermitteln wollen, dass die von ihnen angepriesenen Produkte wissenschaftlich geprüft sind. Wir erfahren von den wunderbaren Wirkungen besonderer Mikroorganismen im Joghurt und von den von ihnen getesteten Wundermitteln, die Gewichtsabnahme oder üppigen Haarwuchs garantieren. Da leicht zu durchschauen ist, dass die uns durch die Werbung vermittelten vorgeblichen „Forschungsergebnisse“ oft ein großer Schwindel sind, kommen viele Leute zum Schluss, dass man der Forschung und Wissenschaft insgesamt wenig trauen dürfe. Es ist nicht verwunderlich, dass die simplen Zerrbilder der Volksverhetzer geglaubt werden, obwohl sie die Wissenschaft als nicht der Faktenlage entsprechend bloßgestellt haben.

Erschreckend ist, dass auch Politiker, wenn es um ihre Interessen und Vorteile geht, häufig so argumentieren, als hätte es Aufklärung und die Forderung, Entscheidungen auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse zu treffen, nie gegeben.

Unzulängliche Vereinfachungen und Worthülsen

Fundamentalismus und übersimplifizierte Konzepte komplexer Phänomene entstehen auch aus Unverständnis für wissenschaftliche Methodik und Logik. Lehrer und Forscher versuchen allzu oft, die Dinge einfacher darzustellen, als sie in Wirklichkeit sind. Schlagwörter wie Klimagerechtigkeit, Gleichheit, Nachhaltigkeit, Gleichgewicht der Natur, Energiesparen, müssen in ihrer ganzen Komplexität erklärt werden, sonst bleiben sie Worthülsen oder Feigenblätter hinter denen sich Geschäftemacher verstecken können. Gerechtigkeit und Gleichheit bedeuten nicht, jedem Menschen dieselbe Menge an Wasser oder Medikamenten zu geben. Am Schreibtisch brauche ich viel, viel weniger Wasser als ein Bauer, der seine Felder bewässern muss oder als ein Donauschiffer, der sein Boot im Fluss bewegt. Naturkatastrophen resultieren nicht notwendigerweise aus einer Störung des Gleichgewichtes der Natur durch den Menschen, und sein Haus besser zu isolieren hilft nicht, den globalen Energieverbrauch zu senken, wenn man das ersparte Geld für eine Reise in die Karibik oder einen Schiurlaub verwendet.

Fazit: Politisch unabhängige wissenschaftliche Instanzen als Berater

Alle Schuld an den Defiziten der Umwelt-, Klima- und Energiepolitik auf inkompetente, unmoralische und korrupte Politiker abzuwälzen, wäre ungerecht, wäre zu einfach und würde kaum Möglichkeiten für Verbesserungen eröffnen.

Resignierend zur Kenntnis zu nehmen, dass der Werkzeugkoffer der Naturwissenschaftler wenig geeignet ist, politische Entscheidungen mehr wissensbasiert zu machen, ist allerdings auch keine Lösung. Die Tatsache, dass naturwissenschaftliche Erkenntnisse über komplexe, interdisziplinär zu bewertende Phänomene von der Politik so wenig berücksichtigt werden, ist ein Systemfehler, der untersucht, diskutiert und behoben werden muss.

Die Öffentlichkeit hat sich in den letzten Jahren zu Recht über Korruption und Spekulation empört und der mediale Druck hat letztendlich zu Gesetzen geführt, die evidente Missstände eindämmen sollen. Nichtberücksichtigung wissenschaftlicher Erkenntnisse und missbräuchliche Anwendung wissenschaftlicher Methoden bei politischen Entscheidungen zulasten der Umwelt im eigenen Land, aber auch in fernen Ländern, ist ebenso schädlich wie Korruption, -  ist oft deren komplementärer Begleiter. Es ist daher höchste Zeit, auch für diesen Bereich strengere Regeln zu schaffen.

In den entwickelten Ländern gibt es Akademien der Wissenschaft als höchste, politisch unabhängige wissenschaftliche Instanzen. Politische Weichenstellungen zu Umwelt- und Ressourcenfragen mit potentiell gravierenden Auswirkungen für künftige Generationen wären von den Akademien zu prüfen, vergleichbar dem Prüfauftrag der Rechnungshöfe in wirtschaftlichen Fragen. Die Wissenschaft müsste aber auch vermehrte Anstrengungen unternehmen, ihre Methoden und Ergebnisse der breiten Öffentlichkeit und der Politik verständlich darzustellen, ohne in die Falle der Übervereinfachung zu tappen.

Besonders wichtig wäre es, auch in Parteiakademien, aus denen heutzutage der überwiegende Teil der Politiker hervorgeht, verstärkt Grundkurse über wissenschaftliche Methodik, insbesondere über systemwissenschaftliche Ansätze anzubieten und die Querbezüge zu Ethik und Moral zu betonen.

 

Anmerkungen der Redaktion:

National Academy of Sciences USA: ein herausragendes Beispiel für politisch unabhängige wissenschaftliche Instanzen als Berater (http://www.nasonline.org/):

“Advisers to the Nation on Science, Engineering and Medicine

These private, nonprofit institutions enlist the aid of the nation’s most knowledgeable scientists, engineers, health professionals, and other experts who volunteer their time to provide authoritative, independent advice on many of the pressing challenges that face the nation and world.”

“Briefings are events organized through the Office of Congressional and Government Affairs to inform members of Congress and/or their staff on the conclusions and recommendations of reports of the National Academies.”

Rezente Beispiele für derartige Reports sind nachzulesen unter: http://www.nasonline.org/about-nas/150th-anniversary/150-years-of-service.pdf

Der Autor

Gerhard Glatzel wird hier vorgestellt.

 

Leser-Kommentare
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ViennaCodePoet | 07. Februar 2013 21:39
Was ist ein Experte ?

Ein Mensch der für mein Geld meine Meinung vertritt.

Bin selber einer - quasi ein Edel-Stricher im Softwarebereich.

Wie Experten die Meinung vertreten können, dass eine Expertokratie irgendwie besser sein könnte ist mir vollkommen schleierhaft.
phaidros | 08. Februar 2013 06:55
Stimmt schon, aber andererseits: Glatzels Vorschlag betrifft ja nicht Leute, die sich quasi um den Job bewerben. Nur peer-reviewte Veröffentlichungen und entsprechend hohe Zitationsindizes ermöglichen es überhaupt, in so ein Gremium eingeladen zu werden (korrigierst Du mich bitte, liebe Inge, wenn ich da etwas Naives sage?)

Und das macht den Vorschlag zu einer anderen Kategorie, finde ich, wie von Ihnen zurecht kritisierte Experten.
Haider | 06. Februar 2013 00:03
Könnte nicht der Science-Blog eine ähnliche Rubrik starten, wie die wöchentliche Kontroverse Dr. Unterberger:Krawagna-Pfeifer? Nur halt auf wissenschaftlich fundierter Basis, z.B. über populäre Themen wie Umweltverschmutzung, Alternativenergien, Sprachverhunzung, Ernährung, Gesundheitswesen, Architektur, Regietheater, Verkehr ... schier endlos scheint mir diese Liste. Natürlich müßte dies allgemeinverständlich und kontrovers (spannend) dargeboten werden und dürfte keinesfalls zu lang sein. Nicht nur die Geduld, auch die geistige Aufnahmefähigkeit der Leser wird im Zeitalter der Reizüberflutung leider immer geringer.
inge schuster | 07. Februar 2013 13:04
@Haider

das ist durchaus zu überlegen und einen Versuch wert!

Allerdings kann eine derartige Rubrik nicht als "Doppelconference" laufen - da der blog ja ausschließlich seriöse, "state of the art"- Inhalte vermitteln will, wäre eine Art KKP wohl fehl am Platz. Die Themen sollten im wesentlichen auf naturwissenschaftliche Richtungen beschränkt sein (Regietheater fällt damit wohl aus).

Eine derartige Darstellung von in der Öffentlichkeit kontrovers gesehenen Themen könnte im Schnitt einmal im Monat einen "rein wissenschaftlichen" Artikel ersetzen. Eine höhere Frequenz und ein Erscheinen parallel zu den blog-Beiträgen ist kaum machbar oder auch anzustreben, da ja auch für diese wie auch für jene das Prinzip der fundierten, wissenschaftlich belegten Aussagen gilt.

Dabei möchte ich darauf hinweisen, daß es hat im science blog zu einigen Themen - beispielsweise zu Wissenschaftspolitik und Forschung oder Klimawandel/Klimahysterie oder auch zu Energiefragen - bereits eine Reihe von Artikeln gegeben hat. Deren Inhalte haben noch nichts an Aktualität verloren, sind nach wie vor frei zugänglich und können auch jetzt noch als Basis für eine breite Diskussion dienen. (Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge, nach Themen zusammengestellt und aufrufbar, wird in Kürze online gestellt.)

Im übrigen kann ich mir in Kürze eine generelle Diskussion zu "fraud in science" im science-blog vorstellen - in Anlehnung an die zur Zeit (auch im AU-Tagebuch) laufende Plagiats-Debatte. Dazu habe ich eine Menge an unterschiedlichen Arten von Betrug einwandfrei dokumentiert vorliegen (und kann auch aus eigener Erfahrung davon ein Lied singen).
Thaker | 04. Februar 2013 18:45
Aus dem Glatzel-Beitrag spricht ziemliche Arroganz. Er erweckt den Eindruck, die Wissenschafter würden die absolute Wahrheit kennen. Dabei verkehrt sich diese auch in der Naturwissenschaft binnen weniger Jahre oft ins Gegenteil.
Die Wissenschafter können also höchstens den jeweils aktuellen Stand der Forschung samt den jeweils gegebenen Wahrscheinlichkeitsgraden formulieren. Nur weil die Politik oft Unsinn sagt, hat die Wissenschaft auch nicht immer recht.
Die Glatzel angesprochene Aufklärung hat nicht nur der Vernunft, sondern auch dem Willen der Menschen, also der Demokratie zum Durchbruch verholfen. Eine Diktatur der Experten wäre eine absolute Katastrophe und ein Widerspruch zur Aufklärung. Auch ein Hitler hat ja behauptet, die Vorsehung zu kennen.
Die Wissenschafts-Experten haben auch schon Hunderte Male geirrt. Sie (nicht nur der Papst) haben die Erde als Mittelpunkt des Weltalls verteidigt; sie haben mehrheitlich Einstein verteufelt; sie haben einst die Computer-Revolution völlig falsch eingeschätzt; Und sie behaupten nun zum Global Warming Dinge, die maximal von einem (menschlich gefütterten) Computer behauptete Wahrscheinlichkeiten darstellen. Sie ignorieren dabei total die viel größeren Temperatur-Änderungen der Geschichte. Und wenn sie in privaten Diskussionen sagen, die UNO-Berichte seien problematisch, dann sollten sie dies auch öffentlich tun und zugeben, dass seriöse Wissenschaft noch immer vor allem aus Fragezeichen besteht.
Und besonders schlimm ist, wie Glatzel dagegen polemisiert, dass Menschen eine Reise antreten, weil sie ihr Haus isoliert und Geld erspart haben. Er ignoriert dabei beispielsweise, wie sehr die - angeblich wissenschaftlich fundierten - Windmühlenbauer durchgesetzt haben, dass jeder Haushalt ihre Betonsäulen kräftig subventionieren muss, sodass selbst bei besserer Isolierung aus diesem Titel nichts für Fernreisen bleibt.
Die Sache ist eine ziemlich oberflächliche Polemik.
phaidros | 04. Februar 2013 23:06
Sg. Thaker, vieles stimmt, was Sie schreiben, aber beiweitem nicht alles. Unterm Strich, ist meine Überzeugung, liegen Sie mit Ihrer Einschätzung nicht richtig.

Im Detail: eine Arroganz lese ich aus den Worten Prof. Glatzels nicht heraus. Denn die Wissenschaft hat seit Jahrhunderten kein Problem mehr damit, anzuerkennen, dass ein sich weiter entwickelnder Wissensstand ältere Ergebnisse obsolet machen kann.

Das bedeutet aber nicht, wie von Ihnen ein wenig insinuiert, dass quasi im Dezennientakt das jeweilige Gegenteil »richtig« wird. Nehmen Sie bspw. die Newtonsche und Einsteinsche Mechanik. Obwohl Newton streng genommen »falsch« ist, und Einstein (derzeit) »richtig«, ist doch in keinem PKW ein relativistischer Tachometer eingebaut. Der Grund: nach wie vor ergibt die Newtonsche Mechanik in ihrem Gültigkeitsbereich völlig brauchbare Vorhersagen, lediglich für große Geschwindigkeiten liefert sie falsche Ergebnisse. Dem Wortsinn nach also »falsch«, aber ohne praktische Bedeutung für das Alltagsleben. Und das ist eher der Regelfall; dass Theorien durch Gegenteiliges ersetzt werden müssen, sind eher Jahrhundertausnahmen.

Richtig ist wieder, dass auch die Wissenschaft das Kopernikanische Weltbild verteidigte. Aber nicht aus Sturheit, sondern mit gutem Grund: Galileo bspw. konnte nicht erklären, wieso die Gestirne im Jahreslauf der Erde keine Parallaxenverschiebung aufwiesen. Dieses Ergebnis war den Messgeräten 3 Jahrhunderte später vorbehalten. Und auch, wenn es unvorstellbare Intuition beweist, »vernünftig« war der berühmte Satz Galileis »Eppur si muove« aus damaliger Sicht nicht.

Zur Klimadiskussion: es gibt eine ganze Reihe sehr guter Gründe anzunehmen, dass unsere Prognosen belastbar sind, und keine die dagegen sprächen (das wird von Skeptikern gerne ignoriert - und würde hier auch viel zu weit führen). Auch, dass es sich »nur« um Wahrscheinlichkeiten handelt, wird von der Wissenschaft in keiner wie auch immer gearteten Weise verschwiegen.

Und gänzlich korrigieren muss ich: »Sie ignorieren dabei total die viel größeren Temperatur-Änderungen der Geschichte.« Das ist rundheraus falsch. Da wird weder etwas ignoriert, noch bleibt etwas unberücksichtigt. Wenn Sie die Aussage eines weltweit anerkannten Klimawissenschaftlers zur Problematik der UN-Berichte selbst lesen wollen, so brauchen Sie nicht weit zu gehen: bitte suchen Sie die Artikel des Reinhard Böhm auf www.science-blog.at und überzeugen Sie sich selbst. Auch sein Buch »heiße Luft« ist voll von kritischen Untertönen.

Auch polemisiert Glatzel nicht gegen Leute, die eine Reise antreten, sondern weist darauf hin, dass eine CO2-Einsparung aufgrund von Isolation durch eine Reise durchaus zunichte gemacht werden kann. Das ist Fakt.

Und bitte bedenken Sie abschließend auch folgendes: Glatzel ist bereits in Pension (das ist das richtige Wort, der »Ruhestand« ist solchen Kalibern unbekannt), hat beruflich also nichts mehr zu erhoffen und ganz sicher ausgesorgt. Seine Reputation kann er nicht mehr verbessern - höchstens im Nachhinein beschädigen. Schon aus diesen Gründen wird und kann er sich keinesfalls für Polemik hergeben.

BG phaidros.vie@gmail.com
darwin | 05. Februar 2013 17:10
@Thaker

kein einigermaßen seriöser Naturwissenschafter wird von sich behaupten, daß er im Besitz der Wahrheit ist!

Jedem ist bewußt, daß naturwissenschaftliches Wissen, ebenso wie alles andere in unserer Welt- von Ökosystemen bis hin zu Gesellschaften - einer fortwährenden Evolution unterliegt, die sich nicht umkehren oder auch nur aufhalten läßt (höchstens bei gegebenen Rahmenbedingungen in eine Richtung lenkbar sein kann:

Unsere heutige Forschung baut auf den Modulen des bereits Bekannten auf. Zu diesem werden mehr und mehr Details erarbeitet, die in Folge zu neuen Ansatzpunkten führen können - in manchen Fällen auch zum Fallenlassen früherer Hypothesen - eben ein "survival of the fittest". Wirkliche Experten kennen den Stand des aktuellen Wissens, sind sich aber auch der Unsicherheiten darin bewußt.

Wenn einer der europäischen Spitzen-Ökologen darauf hinweist, daß Ressourcen nicht unerschöpflich sind, heißt das noch lange nicht, daß er für Windmühlenbauer plädiert!
phaidros | 01. Februar 2013 07:53
(Zu dssm, 30.1. 22:28)

Lieber dssm,

Ihr wie immer kluger Einwand ist mir jetzt lang durch den Kopf gegangen, aber schlussendlich muss ich sagen: ich kann Ihnen nicht beipflichten.

Und zwar aus folgenden Gründen:

Zum einen sagen Sie, man solle 20 Jahre warten, bevor etwas unternommen wird, und wir tun bereits wie gesagt 35 Jahre lang nichts. Aber das nur am Rande.

Schwerer wiegt folgendes: wenn wir warten, bis die Diskussion abebbt, dann warten wir ewig. Denn die (fachlich ja unhaltbaren) Einwände würden einfach ad infinitum immer weiter erhoben, und somit die Diskussion in Gang gehalten und das Patt erzwungen, das Sie fordern. Ein bisschen ist das wie mit dem »falschen« Zeitpunkt, mit dem Rauchen aufzuhören: es gibt ihn nicht, und je früher, desto mehr bringt es (trotz allem bereits entstandenen Schaden).

Weiters gälte es, die Diskussion endlich zu differenzieren: ja, es gibt Wisenschaftler, die - und das weit - übers Ziel schießen. Hansen etwa mit seinem depperten (und falschen, wie wir mittlerweile glauben) »slippery slope to hell« (Abschmelzen von Grönlandeis). Oder Mann mit seinem Herumgeeiere um den Hockeystick. Die haben allerdings mehr Schaden als Nutzen in der Diskussion gestiftet (das ist es, was ihnen anzukreiden ist); der Hockeystick bspw. wurde mittlerweile auf völlig unangreifbarer Basis wiedergefunden (@DerTurm, der den Einwand brachte, was »nur« eingereicht aber unveröffentlicht ist, zähle nicht: das Paper ist mittlerweile peer reviewed und veröffentlicht): http://www.berkeleyearth.org .

Daher wäre es die Aufgabe der Politik, Sachaussagen zu entdramatisieren (wo das nötig ist - es gibt weiß Gott genug seriöses Material, das auf solche Überspitzungen verzichtet) auf ihren Sachgehalt hin zu untersuchen und entsprechende Maßnahmen abzuleiten.

Aber es entspricht in diesem Falle voll dem Subsidiaritätsprinzip, auf supranationaler Ebene vorzugehen, denn jede kleinere Einheiten ist ja gezwungen, ihren Vorteil - genauer: die Vermeidung ihres Nachteils - zu betreiben. Die kleinste, die sich das eventuell erlauben kann, ist eben eine von der Größe Europas: 25% des Weltmarkts können eventuell auch den Anstoß geben, dass anderswo ein (Um-)Denken einsetzt. Besser wäre, noch umfassender anzusetzen. Genau das war der (mehr oder weniger gescheiterte) Versuch der UN-Klimakonferenzen. Hier johlend ein paar Tonnen CO2 anzuprangern, das diese Treffen verursachen, ist an Umbetamtheit unüberbietbar (erkennt aber wenigstens nebenbei das Problem als solches an).

Bitte nicht falsch verstehen: ich verteidige nicht irgendwelche konkreten Maßnahmen - schon, weil mir dazu jegliche Kompetenz fehlt - aber ich habe genug Problemverständnis entwickelt, um davon überzeugt sein zu können, dass jemand die Sache angehen muss. Wo mehrere Dutzend Staaten im Boot sitzen, wird es natürlich kompliziert. Es geht um Interessengerangel, Vorteilschinderei, Winkeladvokatentum und gegenseitiges über-den-Tisch-Ziehen. Aber unterm Strich finde ich es gut, dass jemand am Problem dran ist, und ich könnte nicht sagen, wer außer den Vereinten Nationen das sein könnte.

Auch finde ich es gut, dass Kanada, Rußland et.al. ausgetreten sind, die anderen aber weitermachen. Auch die NATO ist nach dem Austritt Frankreichs nicht implodiert, und heute ist es wieder dabei. Ich bin optimistisch: das zunehmende Problem in Kombination mit dem Gruppendruck (ich glaube durchaus, dass es so etwas auch zwischen Staaten gibt) wird à la longue das Richtige bewirken.

In diesem Sinne nämlich richte ich mein Schlusswort nicht an Sie, sondern möchte es allgemein verstanden wissen: »Confidence is what you have, before you understand the problem.« (Woody Allen)

BG phaidros.vie@gmail.com

P.S. Zu Ihren Fragen:

Wer sind nun die sogenannten Forscher, welche uns andauern mit lebensbedrohlichen Szenarien verärgern?
Wie ich die Sache sehe, gibt es sie nicht.

Welche präzisen Wissenschaften fordern dauernd den Umbau der Gesellschaft?
Keine. Die präzisen Wissenschaften erklären allenfalls, was bei Nichtumbau passieren wird. Punkt.

Wer daraus eine Forderung ableitet, hat genau das getan: er hat sie selbst abgeleitet, aber das heißt nicht, dass »die Wissenschaft« sie erhoben hätte. Schwierig ist dabei natürlich: auch der Wissenschaftler, der sein Ergebnis erklärt, ist eine Privatperson mit einer privaten Meinung, das ist sicher für ihn selbst selbst nicht immer leicht wegzublenden (wohl aber für den Zuhörer).

Wenn Sie einen Giganten lesen wollen, der meiner Ansicht nach geradezu exemplarisch vorgeführt hat, wie es gemacht werden sollte, lesen Sie bitte die »Heiße Luft« vom leider voriges Jahr viel zu früh verstorbenen Reinhard Böhm (er schrieb auch hier im Blog). Siehe »Buchtipp«: http://www.andreas-unterberger.at/Tipps-und-Hinweise/Buecher/311 (gratis e-Book)

Welche Forschungsergebnisse sollte der Staat permanent im Auge behalten?
Die, auf die die Wissenschaft aufmerksam macht (natürlich nach der Filterung auf Plausibilität bzw. möglicher Interessensverstrickung - aber das geht relativ leicht)

D.O.
dssm | 06. Februar 2013 00:24
Ja, da spießen sich zwei Weltanschauungen.
Ich habe den Glauben an gebildete 'Eliten' aufgegeben, in einer repräsentativen Demokratie, noch dazu bei guter Bezahlung der Regierenden, wird ein ungebildeter Mob an die Spitze gespült.
Diese Trottel (Verzeihung, aber beschönigen bringt nichts) sind einfach nicht in der Lage aus vorhandenen wissenschaftlichen Beiträgen auch nur irgendeine begründbare Meinung abzugeben.
Auch in der Wissenschaft haben, insbesondere durch die Massenuniversitäten, die guten Leute abgenommen, wer will sich das Theater denn noch antun?

Ich jedenfalls glaube, daß bestenfalls zufällig eine 'richtige' Entscheidung zustande kommen kann. So gesehen halte ich es für vernünftiger, wenn die 'Eliten' gar nichts tun – eben ein paar Jährchen warten.
inge schuster | 06. Februar 2013 14:53
@dssm

Ihre Frustration ist erkennbar, es ist auch durchaus nachzuvollziehen, daß Sie den Glauben an gebildete "Eliten" aufgegeben haben. Ähnlich dürften auch viele andere Leute - nicht nur in unserem Land - denken und sich in die innere Resignation (eines "gar nichts tun" oder wie es Zen heißt "Wu-Wei" ) zurückziehen.

Natürlich sehe ich auch, welchen jämmerlichen Zustand viele unserer Bildungseinrichtungen aufweisen - von den Schulen über die FHs bis zu den sogenannten "Hohen Schulen", von den Lehrern bis zu den Schülern/Studenten. Erst gestern habe ich, anläßlich einer mündlichen Prüfung, wieder bemerkt, wie wenig an allereinfachsten, fachspezifischen Grundlagen Studenten in höheren Semestern wissen und wie sie damit aber offensichtlich doch ihr Studium erfolgreich abschließen können. Üblicherweise kann dies durch schriftliche Prüfungen verschleiert werden, bei denen (zumindest von einigen Studenten, vor allem in den hinteren Reihen) ungeniert und wortgetreu vom danebenliegenden Smartphone abgeschrieben wird (Leibesvisitation, Wegnahme von Handys und anderen "Hilfsmitteln" ist ja wohl nicht der Weg, der beschritten werden kann).

Wir leben in einer Zeit der Plagiatoren und Schwindler. Auch in der Wissenschaft sehen wir in Reinkultur überall "des Kaisers neue Kleider".

Sollen/Müssen wir deshalb aufgeben?

Ist es nicht Aufgabe - gerade der Naturwissenschafter - die möglichen Auswirkungen all dieser Fehlentwicklungen aufzuzeigen und anzuprangern?
Müssen wir uns nicht diesem negativen Auswuchs entschieden entgegen stellen?

Es besteht natürlich das Problem überhaupt gehört zu werden, d.h. eine kritische Masse der Detektion überhaupt zu erreichen.

Unser science-blog ist ein bescheidener Anfang Information zu wichtigen Themen zu vermitteln - aus der Hand unbestrittener Experten und als Grundlage einer möglichst objektiven Diskussion. Vielleicht können wir damit Befürchtungen abbauen, vielleicht aber auch Mängel in unserer Wahrnehmung aufzeigen. Die Entwicklung unserer Wissenschaften ist ja ein evolutionärer Prozeß.

In diesem evolutionärem Prozeß ist Ihre Stellungsnahme wichtig! Ich nehme nicht an, daß Sie:
"der Geist sind, der stets verneint! / Und das mit Recht; denn alles was entsteht / Ist werth daß es zu Grunde geht".
phaidros | 06. Februar 2013 16:37
Lieber dssm, ich versuch's ganz kurz: es mag alles richtig sein, was Sie sagen, und doch: etwas Besseres haben wir ganz sicher nicht zur Verfügung. Denn wenn schon kein Verlass auf das sein sollte, was diejenigen sagen, die zum Thema am meisten wissen, dann kann gar kein Verlass darauf sein, was andere sagen.
dssm | 06. Februar 2013 22:02
Liebe Frau Schuster, lieber Phaidros.

Ich gebe sicher nicht auf, Europa ist meine Heimat, das lasse ich mir nicht ungestraft kaputt machen, daher ein paar Gedanken.

Es gibt durchaus gute Universitäten, welche sich als Zentren der Forschung und Lehre auszeichnen – ich denke an die ETH/Zürich oder an Trondheim, bezeichnender Weise fallen mir in Österreich nur bestimmte Richtungen (insbesondere Mathematik und Metallurgie) ein.

Die Welt erlebt gerade einen Umbruch der Energie-Speichertechnik und niemand schaut hin. Wir verstehen heute die chemischen Prozesse bei Isotopen viel besser, keine Reaktion aus dem Publikum. Die Meeresbiologie hat in jüngster Zeit eine Reihe von neuen Verbindungen aufgedeckt, teilweise schon erfolgreich(!) im Test, kein Interesse außerhalb der kleinen Gruppe von Spezialisten. Die neuen Rumpfformen für Schiffe sind eine Sensation, auch hier kein Interesse des Publikums.

Alle vier Beispiele haben eines gemeinsam, sie werden als akademische Ableger betrieben, von gewinnorientierten Firmen. Grundlagenforschung ohne ernsthafte öffentliche Förderungen.

Die Forschung braucht keine Politiker die zuhören und dann großzügig Geld verteilen. Wir können uns selber helfen. Wenn man uns nur lässt, lösen wir Probleme, aber leider gibt es ja stets die Experten (ich wüsste da, aus persönlicher Erfahrung, ein paar Namen...), welche mit viel staatlichem Geld den Beweis antreten, dass unsere Arbeit niemals funktionieren kann – bis es halt dann funktioniert.

Aber für all diejenigen, welche nicht bereit sind an der Forschung teilzunehmen und dazu muss man kein Fachmann sein – bitte haltet es wie mit dem guten Wein, vergesst uns einfach möglichst lange.
phaidros | 06. Februar 2013 22:34
Ich verstehe nicht ganz, lieber dssm. Denn, wenn die Politik schon einmal fragt, sollten dann nicht genau die antworten, die Sie da beschreiben, und keine anderen? Nichts anderes aber sehe ich unterm Strich im Vorschlag Prof. Glatzels.
dssm | 07. Februar 2013 17:44
@phaidros
Momentan bemüht sich unsere Republik gerade wieder mir das Leben schwer zu machen.
Vor drei Jahren hatte ich eine Idee wie man aus geschlossenen Stahlcontainern mit GSM gut arbeiten könnte. Also habe ich zu rechnen begonnen, einen befreundeten Mathematiker gebeten meine Zahlen zu kontrollieren, und siehe da, wir haben eine neue Antennenform.
Zur Strafe muß ich nun der Statistik Austria gegenüber begründen, ob dies nun Grundlagen- oder Anwendungsforschung war - selbstverständlich unter Strafandrohung.
Zur Strafe hat mir der Zoll eine Lieferung nicht abgefertigt, da ja die Antennen fehlen!
Verstehen Sie jetzt, warum ich der Meinung bin, daß der Staat uns in Ruhe lassen soll?
phaidros | 07. Februar 2013 17:50
Natürlich verstehe ich das, werter dssm! Nicht umsonst haben wir als Motto für unseren Verein »Weniger Staat!« gewählt! (siehe http://www.biö.at )

Aber umso eindringlicher bleibe ich dabei: wenn die Politik schon fragt, dann sollten eben gerade ganz genau die antworten, die Sie oben selbst beschrieben haben, oder etwa nicht?
dssm | 28. Januar 2013 19:06
Der Tenor: Wissenschaftler werden nicht gehört und mein Kommentar: Das ist auch gut so!
Es wäre noch besser, wenn auch die Wissenschaftler dies akzeptieren würden und sich nicht vor den Karren der Ideologen oder von Profittreibern spannen lassen würden, denen sie gruselige Horrormärchen aufbereiten.

Mit der Wissenschaft ist es wie mit Aktien oder gutem Wein, man sollte die Sache beginnen und dann für 20 Jahre im Keller verschwinden lassen, jedenfalls keine Acht geben – egal was passiert!
Man sollte keine 'Fakten' glauben, welche nicht mindestens diese 20 Jahre alt sind, wie halt bei Aktien, wer vorschnell verkaufen muss, verliert meist.
berkeley | 28. Januar 2013 19:11
das meinen Sie aber nicht ernst?
dssm | 29. Januar 2013 10:55
@berkeley
Doch!
Ich bin nun einmal kein Sozialist. Ich suche keine 'Wahrheiten' als Begründung um anderen Menschen Vorschriften machen zu können.
Selbst bei Einführung der Eisenbahnen gab es 'seriöse Studien' welche auf die unglaublichen Gefahren hinwiesen. Oder die sinnlosen Debatten über Wechsel- und Gleichstrom. Oder die noch vor ein paar Jahrzehnten heraufziehende Eiszeit. Auch das Erdöl müsste laut 'Wissenschaft' länst ausgegangen sein. Auch die Anzahl der maximalen Einwohner dieses Planeten wurde drastisch falsch vorhergesagt.

Hätte man in all diesen Fällen den 'klugen' Erkenntnissen der 'Wissenschaftler' Acht gegeben, wären drastischte Maßnahmen die Folge gewesen, wir wären nach wie vor in der Steinzeit und wir würden an einer simplen Blutvergiftung sterben.
phaidros | 29. Januar 2013 16:06
Naja, sg. dssm, (sofern Sie das auf die Klimadiskussion beziehen, aber so hab ich es verstanden): wär's dann nicht auch nach Ihrem »20-Jahre-Abliegen-Modell« ohnehin bald an der Zeit nachzudenken? Die ersten konkreten Erkenntnisse stammen aus den 80ern, und seither wurde das Bild immer nur klarer.

(Und ob wir tatsächlich an Blutvergiftung nicht mehr sterben würden, wenn wir nicht auf die Wissenschaft gehört hätten...)
dssm | 29. Januar 2013 21:03
@phaidros
Nein die Klimadiskussion ist mir zu aktuell, da wird schwarz und weiß erst später feststehen, mal sehen.
Ich meinte insbesondere den Staat (oder die Gesellschaft), der soll eine Ruhe geben. Wenn ein Forscher aus seinen Ideen und Erkenntnissen ein Geschäft machen will, dann soll er - aber halt haften auch. Der verbrecherische Staat und all die Gutmenschen sollen uns Menschen, welche von neuen Erkenntnissen leben, einfach in Ruhe lassen - wir sind die Fachleute!
phaidros | 30. Januar 2013 06:33
Das sehe ich grundsätzlich genauso. Aber, auch wenn ich einer der ersten bin, die dem »Konzept Staat« weniger abgewinnen können würde ich nicht so weit gehen, ihn grundsätzlich und vorauseilend in allen Punkten »verbrecherisch« zu nennen. Ein Problem kann nämlich sein, dass marktartige Regelmechanismen nicht geeignet sind, bestimmte Arten von Problemstellungen zu lösen. Ich verweise dazu auf den Artikel »Tragödie des Gemeinguts« von Dr. Schuster hier im Science-Blog, der genau das thematisiert. (http://www.science-blog.at/2012/05/die-tragoedie-des-gemeinguts/ )
berkeley | 30. Januar 2013 11:32
@dssm

"Ich meinte insbesondere den Staat (oder die Gesellschaft), der soll eine Ruhe geben. Wenn ein Forscher aus seinen Ideen und Erkenntnissen ein Geschäft machen will, dann soll er - aber halt haften auch."

Wer sonst als der Staat soll und kann echte Grundlagenforschung finanzieren? Der einzelne Forscher oder die Gruppe kann kaum jemals die nötigen Mittel aufbringen - der Verkauf von Ideen ohne entsprechende experimentelle Validierung ist in den wenigsten Fällen ein Geschäft.

Was haben Sie dagegen, daß die fachlich kompetentesten Wissenschafter zu Rate gezogen werden, wenn staatliche Entscheidungen anstehen, wohin Forschung und Entwicklung gehen sollen, wohin die mit hohen Kosten verbundenen Förderungen gehen sollten?Hier bei allem Neuen erst einmal 20 Jahre zuzuwarten????

Willkommen im Österreichmuseum!
dssm | 30. Januar 2013 22:28
@berkeley
Na, dann schauen wir doch einmal das Wissenschaftsbudget der Republik Österreich an.
Viel Geld für das CERN. Kaum einer der dort tätigen Forscher erhebt auch nur den leisesten tagespolitischen Anspruch, Forschungsergebnisse führen zu keinen neuen Vorschriften und Gesetzen – was spricht also gegen das 20jährige warten?
Viel Geld für diverse medizinische/biologische Grundlagenforschung, wieder fällt mir kein daraus aktuell gefordertes Gesetz ein – auch hier sehe ich keinen Grund die 20 Jahre (oder mehr) nicht einzuhalten.
Dazu noch Gebiete wie Metallurgie oder biologische Schaltkreise, auch dafür gibt es Geld im Grundlagenbereich, auch dort ist niemals ein Horrorszenario entworfen worden welches sofortiges politisches Handeln nach sich zieht.
Oder speziell in Österreich ist beim Hochwasserschutz und der Wildbachverbauung viel grundsätzliches erforscht worden – die neuen Erkenntnisse haben langsam und ruhig den Weg in die Legislative und Executive gefunden, ohne Stress, ohne Entrechtung und Ausplünderung der Menschen, ganz im Gegenteil zum Wohle der Menschen!

Also, wer sind nun die sogenannten Forscher, welche uns andauern mit lebensbedrohlichen Szenarien verärgern? Welche präzisen Wissenschaften fordern dauernd den Umbau der Gesellschaft? Welche Forschungsergebnisse sollte der Staat permanent im Auge behalten?
durga | 28. Januar 2013 11:47
"Man hüte sich vor Institutionen, die den Menschen sagen, was sie tun sollen oder lassen sollen, was sie glauben sollen oder was Aberglaube ist"

Lieber ambrosius,

Wer sonst als die seriösesten und kompetentsten Wissenschafter müssen sich bemühen aufzuklären und zu beraten?

es geht darum, daß Politiker - nicht nur bei uns - wohl kaum ausreichend qualifiziert sind um wissenschaftlich fundierte Entscheidungen zu treffen. Dies müssen sie aber, wenn es einerseits um die Förderung technologischer Entwicklungen geht, die schließlich die Zukunft unserer Länder bestimmen, andererseits um die Förderung der Grundlagenforschung, ohne die es keine seriöse Basis aller Entwicklungen in Technik, Gesundheitsthemen, Umweltsaspekten, etc. geben kann.

Weltweit rangieren Politiker hinsichtlich des Vertrauens, das ihnen die Bevölkerung entgegenbringt an unterster Stelle. 2012 vertrauten laut Gallup (1) rund 10 % der Amerikaner ihren Kongressmitgliedern, einer europäischen Studie (2) zufolge vertrauten im Schnitt rund 8 % der Europäer ihren Politikern, bei uns allerdings nur mehr 5 % der Österreicher.

Es hapert bei uns nicht nur am Vertrauen in unsere politische Kaste sondern auch an deren Kompetenz und der ihrer Berater (oder wie Gerhard Glatzel sie richtig bezeichnet: ihrer Lobbyisten), wenn sie das Füllhorn unserer Steuergelder über jeden Woodoo (wie beispielsweise das Grander Wasser) ausschütten. Dazu kommt die Nullrisiko Mentalität eines sehr großen Teils unserer Bevölkerung, die meint man könne in einer sich sehr rasch verändernden Welt quasi auf einer "Insel des Stehenbleibens" leben (allerdings unter Nutzung neuester elektronischer Möglichkeiten).

Wer sonst als seriöse Wissenschafter müssen sich bemühen aufzuklären, zu beraten?

Im übrigen kann ich mir nicht vorstellen, daß Sie die Passage: "..der Rest wird auf andere Weise so lange verhungern oder durch Krankheiten umkommen oder wegen Sauerstoffmangel nicht schnaufen können, bis die Zahl der Menschen wieder ein " globusverträgliches" Maß erreicht hat. Ich nenne das Bestandspflege durch den lieben Gott." wirklich ernstgemeint haben!

(1) http://www.blacklistednews.com/New_Gallup_Poll_Shows_the_Least-Trusted_Job_in_America%3A_Congress/22932/0/38/38/Y/M.html

(2) http://www.rdtrustedbrands.com/tables/Trust%2520in%2520professions.country.Austria.shtml
FranzAnton | 02. Februar 2013 15:33
Geschätzte Frau Durga!
Vollkommen d'accord mit ihren Darlegungen. Als Direktdemokratie - Befürworter würde ich Wissenschafter sehr schätzen, welche in der Lage und auch willens wären, ihr know-how so zu veröffentlichen, dass es allgemein einleuchtet; parteiunabhängig, natürlich, damit die Bürgerschaft Vertrauen fassen kann. Beispiel: Das Buch "Physik, Gott und die Materie" von Physikprofessor Tomiska.
Mit unserer in vielerlei Hinsicht versagenden Politikerklüngel ist gewiss kein Staat zu machen; die Menschen wollen - und werden es auch, eher früher als später - erreichen, sich auf allen politischen Ebenen direktdemokratisches Gehör zu verschaffen; nur hiedurch können die immer noch zahlreicher werdenden, politikerseits verursachten, fatalen Fehlentwicklungen "ausgebremst" werden; dessen bin ich ganz sicher.
durga | 03. Februar 2013 13:36
@FranzAnton

Hier und dort gibt es ja Wissenschafter, die dazu bereit sind. Bereitschaft allein reicht aber sicherlich nicht aus um Vertrauen und Akzeptanz einer breiteren Öffentlichkeit zu gewinnen, die keine oder kaum Basiskenntnisse in den Naturwissenschaften besitzen und diesen Gebieten mit prinzipiellem Argwohn begegnen. Auch das eine oder andere „populärwissenschaftliche“ aber dennoch seriöse Buch erreicht – selbst, wenn es ein Bestseller wird – nur einen marginalen Teil der Bevölkerung, die zunehmend das Lesen aufgibt.

Welches Profil müßte also ein Wissenschafter besitzen, wenn er heutzutage beim „Publikum“ ankommen will?

Neben der Notwendigkeit die Öffentlichkeit nicht zu scheuen und charismatisch zu wirken, sollten natürlich hohe Expertise und lange Erfahrung im Fachgebiet vorhanden sein, aber der Blick sollte auch stets weit über den Tellerrand hinaus gehen um größere Zusammenhänge zu sehen, zu erkennen und zu interpretieren. Einem Publikum mit fehlendem wissenschaftlichen Background sollte dies alles stark vereinfacht, aber dennoch vollkommen korrekt und verständlich gebracht werden, wobei auch ein gewisser Unterhaltungswert vorhanden sein muß. Also: gesucht werden wissenschaftliche Entertainer, quasi wissenschaftliche Popstars.

Davor - als „Wissenschafts-Promi“ auf allen möglichen Wissenschafts-Events und Wissenschaftsstadln aufzutreten - scheuen viele Wissenschafter allerdings zurück – es scheint ihnen mit ihrem Ruf als seriöse Forscher nicht vereinbar -, die Jüngeren unter ihnen können überdies dazu auch nicht die Zeit aufbringen.

Das Internet bietet – meiner Meinung nach - eine hervorragende Alternative, mit der man heute mehr Menschen jeder Altersstufe und jeden Bildungsgrads erreichen, informieren und zur Diskussion einladen kann, als mit noch so großen Events/Vortragstourneen.

Wie können nun Laien herausfinden, welche unter den vielen hunderten Diskussionsforen seriöse, hohe wissenschaftliche Qualität bieten?

Ich meine, daß breite Wissenschaftsförderung - wie sie beispielsweise der EU ein Anliegen sein sollte – sich des Mediums Internet-Diskussionsplattform annehmen sollte und - bei Erfüllung erforderlicher Kriterien (Relevanz, state-of-the-art Wissenschaft, Verständlichkeit,...) - Qualitätszertifikate vergeben sollte.
ambrosius | 27. Januar 2013 08:41
@Phaidros
Ich erwarte überhaupt nichts weil schlicht nichts erwartet werden darf.

Ich habe ja auch keineswegs gesagt, daß Prof. Glatzel in seinen Überlegungen punkto Kritik nicht Recht hat
Ich bestreite lediglich, daß neue Gremien und nochmals neue Gremien und dann noch Übergremien, alle mit salbungsvoll fomulierten conducts of behaviour ausgestattet, irgend etwas an der Situation ändern. Das sehen wir doch seit Jahrzehnten an dem Wust an Kompetenzen für Nationalbanken, Ministerien, Bankenaufsichten, Kapitalmarktaufsichten etc. etc. etc. zur Genüge.

Wir erleben ja auch in der doch wirklich sachorientierten Naturwissenschaft die Unmöglichkeit der " absoluten "Erkenntnis, und das nicht erst seit dem Streit, ob der " Wärmetod" des Globus jetzt eintritt oder nicht eintritt, ob er jetzt anthropogen ist oder nicht.

Von dem Moment an, da sich Lehrmeinungen zu organisieren anfangen und Institutionen bilden (das ist bei einer Akademie der Wissenschaft und dgl. nicht anders als bei religiösen Ansichten) von dem Moment an also, bemächtigt sich auch die Politik der Angelegenheit und macht daraus eine mit Heilsanspruch ausgestattete Gewaltherrschaft, wie bei den Grünen ja in mehr als deutlichen Ansätzen bereits erkennbar.

Resumé: Man hüte sich vor Institutionen, die den Menschen sagen, was sie tun sollen oder lassen sollen, was sie glauben sollen oder was Aberglaube ist und man warne alle Menschen, auch die gutgläubigen, davor, solche Institutionen zu fordern. Die Gesetze, nach denen unsere Schöpfung funktioniert weisen uns ohnehin und konsequent auf den richtigen Weg bzw. konfrontieren uns unbarmherzig mit den Konsequenzen, wenn wir Unfug machen.
phaidros | 27. Januar 2013 10:59
Sehen Sie, da haben wir gleich ein Beispiel für das Problem: dass die Erwärmung anthropogen ist, darüber gibt es in (echten) Fachkreisen keinen Streit. Der wird lediglich von eben jenen Lobbies inszeniert, die Hr. Glatzel oben beklagt.

Wenn Sie tatsächlich meinen, die Meinungsbildung bei einer Wissenschaftsakademie ist vergleichbar mit der einer Religionsgemeinschaft, so muss ich korrigieren: von naturwissenschaftlichen Erkenntnissen können Sie sich überzeugen (es kann allerdings im Einzelfall ein ungeheurer Aufwand sein. Das sind dann Ergebnisse, die man den WIssensachaftlern »einfach glauben« muss).

Die Naturgesetze, die uns den richtigen Weg weisen, sind leider ziemlich gnadenlos. Insbesondere kann man sie weder biegen, geschweige denn brechen. Es kann nicht schaden, zu versuchen sie zu ergründen und darauf hinzuweisen, was sie uns nach unserem besten Verständnis oktroyieren werden.

Genau das ist, was in der Klimawissenschaft versucht wird, die hier - leider - ein gutes schlechtes Beispiel abgibt. Scharlatane treten ebenso auf den Plan wie Interessensvertreter, die aus Eigennutz Zweifel säen. Da es für Otto Normalverbraucher nicht zu beurteilen ist, er sich im Zweifel aber immer für die Variante entscheiden wird, bei der ihn keine »Schuld« trifft und die für ihn die bequemere ist, haben wir die chaotische Situation in der öffentlichen Diskussion, die wir haben.

Hier ein Gremium ähnlich einer Schlichtungsstelle oder einem Gericht anzudenken, ist sicherlich überlegenswert.
ambrosius | 27. Januar 2013 13:43
Was die Diagnose b etrifft, bin ich ja mit Ihnen und dem Autor einer Meinung. Bloß die Therapie halte ich für ebenso nutzlos wie die diversen Konzilien zur Bereinigung von Glaubensfragen oder die diversen Behörden, Oberbehörden und Superbehörden zur Bereinigung von finanziellen Fragen.

Wenn wir Menschen es sind- um bei dem Beispiel zu bleiben- die den Glob us aufheizen( was garnicht so unplausibel ist), dann wird uns die Natur das unmißverständlich klar machen: Die Küstenbewohner werden durch Sturmfluten ersäuft, die Älpler durch Felsstürze erschlagen oder durch Sturzfluten fortgespült und der Rest wird auf andere Weise so lange verhungern oder durch Krankheiten umkommen oder wegen Sauerstoffmangel nicht schnaufen können, bis die Zahl der Menschen wieder ein " globusverträgliches" Maß erreicht hat. Ich nenne das Bestandspflege durch den lieben Gott. Das letzte Mal hat er das in größerem Umfang im 13. Jhdt. durch den Beginn der " kleinen Eiszeit" besorgt.

Wenn wir Menschen es aber nicht sind, dann werden zukünftige Generationen über uns ebenso lachen wie wir über die Weltuntergangsphobien der vergangenen Jahrhunderte und Jahrtausend.

Kassandras in Rathäusern, die uns das Leben sauer machen braucht es dazu jedenfalls ebenso wenig wie selb sternannte Klugscheißer.
phaidros | 27. Januar 2013 14:06
Das Risiko, dass künftige Generationen über uns lachen könnten, würde ich persönlich eher in Kauf nehmen, als dass künftige Generationen uns zurecht verteufeln würden. Denn anders als bspw. bei der Pest haben wir nicht nur Möglichkeiten, die Situation zu erkennen, sondern - aber dazu müssen Berufenere etwas sagen - möglicherweise auch solche der Beeinflussung.

Die meisten der »Klugscheißer« sind alles andere als »selbsternannt«, sondern haben viele 1000h Arbeit in ihre Aussagen gesteckt. »Selbsternannt« sind meines Erachtens eher die, die - ohne auch nur einen Tau zu haben - mit absoluter Selbstsicherheit (aber ohne jedes Selbstbewusstsein!) endrichtige Ergebnisse erklären. Das ist genau, was Hr. Glatzel mit dem »Hausverstand« meint. Wäre der Hausverstand ein zuverlässiger Ratgeber, wir könnten auf den Wissenschaftsbetrieb verzichten. Ist er aber nicht; er bildet sich an und genügt daher nur für Probleme des Hauses.

Sie schreiben: »dann wird uns die Natur das unmißverständlich klar machen: Die Küstenbewohner werden durch Sturmfluten ersäuft, die Älpler durch Felsstürze erschlagen oder durch Sturzfluten fortgespült und der Rest wird auf andere Weise so lange verhungern oder durch Krankheiten umkommen oder wegen Sauerstoffmangel nicht schnaufen können, bis die Zahl der Menschen wieder ein " globusverträgliches" Maß erreicht hat. Ich nenne das Bestandspflege durch den lieben Gott.«

Naja, wenn tatsächlich wir es sind, die hier den entscheidenden Einfluss ausüben, so ist es eher »Bestandspflege« durch uns Menschen. Und da sehe ich persönlich es eher so: wer erkennt, dass sein Handeln jemanden in Gefahr bringt, und unterlässt eine ihm mögliche Hilfestellung absichtlich, der macht sich (und zwar durchaus nach bestehendem Recht) schuldig.

Die Klimawissenschaft versucht gerade zu klären, ob wir uns nicht in exakt dieser Situation befinden. Denn ob der Gefährdete zum jetzigen Zeitpunkt bereits geboren ist oder nicht, kann dabei eigentlich keinen Unterschied machen.
ambrosius | 27. Januar 2013 14:37
@Phaidros
Gott gebe es, daß Sie richtig liegen, aber gerade daran glaube ich nach den historischen Erfahrungen eben nicht.
phaidros | 27. Januar 2013 20:00
Ich hoffe das auch! Mehr ist meines Erachtens nicht drin - insbesondere keine Sicherheit, so wünschenswert das auch wäre. Mehr als Sorgfalt und größtmögliche Umsicht kann man nicht anbieten, und letztendlich bleibt alles eine Frage, wie man die jeweiligen Herangehensweisen beurteilt.
diko | 30. Januar 2013 08:55
phaidros
.........dass die Erwärmung anthropogen ist, darüber gibt es in (echten) Fachkreisen keinen Streit. ????????
Was sind dann UNECHTE Fachkreise?
phaidros | 30. Januar 2013 09:27
Ist das nicht offensichtlich? Das sind solche, die nur scheinbar Fachkreise sind. Leute, die nie im Feld selbst oder auch nur einem verwandten gearbeitet haben, sich aber als Klimaexperten gerieren, in Talkshows auftreten, Vorträge zum Thema halten, Bücher darüber schreiben, Webseiten betreiben und versuchen, Pseudoargumente mit wissenschaftlicher Anmutung zu verbreiten. Im Grunde deckungsgleich mit den von Prof. Glatzel oben angeprangerten Lobbyisten und Wichtigtuern.
kpax | 26. Januar 2013 23:42
Was Herr Glatzel hier schildert, wäre eine Situation, wie man sie eigentlich von kritisch und vorausschauend denkenden Menschen in entwickelten Staaten erwarten könnte. Leider zeigt uns die Wirklichkeit, dass Regierungen alles andere als vorausschauend handeln und ich denke nicht, dass es sich in absehbarer Zukunft ändern wird. Solange Menschen zur Macht drängen, die es der Macht halber tun, solange wird es keinen echten moralischen Fortschritt geben.

Das soll aber nicht heißen, dass die Menschheit nicht lernfähig wäre. Sie ist es, leider aber nicht (oder nur wenig) aus Erfahrung und schon gar nicht durch vorausschauendes Nachdenken, sondern hauptsächlich durch Leidensdruck (Tschernobyl, CFCs, Contergan, verbleites Benzin, DDT, etc. pp)

In diesem Zusammenhang würde es auch Sinn machen, zu fragen, was wirklich als wahr in der Bevölkerung angenommen wird (siehe auch: http://www.colbertnation.com/the-colbert-report-videos/72347/july-31-2006/the-word---wikiality )
ambrosius | 25. Januar 2013 16:52
Der Autor beklagt wortreich und völlig richtig, den schamlosen Missbrauch der Wissenschaft bzw. den Einsatz von Pseudowissenschaft zu allgemeinpolitischen Zwecken. Ein Mißbrauch, den die Machthaber selbst mit Begeisterung begehen sowie die Pressuregroups, die die Machthaber in ihrem Sinne beeinflussen wollen, welcher aber auch durch die große Mehrheit der Wissenschafter selbst begangen wird, welche Ruhm, Subventionen und Ehrenpreise gewinnen wollen. (Es gibt ja auch kaum etwas infantileres als Streit unter Gelehrten ).
Der Systemfehler, den der Autor beklagt liegt im " System Mensch" begründet und ist daher mit Institutionen nicht zu beheben:
- Solange es Nachfrage nach unverbindlichem Sex gibt, wird es Mädchenhandel und Prostituiton geben oder Kinderschändung, egal, was ganze Armeen von Tugendwächtern und Polizisten aufführen.
- Solange es Einkäufer oder allgemein mit Macht ausgestattete Beamte gibt, wird es Korruption geben, egal was wir an Spezialstaatsanwaltschaften, Polizisten oder NGO`s dagegen aufbieten
Das gleiche gilt für religiösen Fundamentalismus oder Drogenkonsum oder was uns sonst an der menschlichen Gesellschaft nicht gefällt.

Obrigkeitliche Regulierungen und Repressionsmaßnahmen, ( das ist es nämlich, was der Autor wirklich fordert ) sind teuer und völlig wirkungslos wenn nicht ein neues, allgemeines ethisches Bewußtsein platzgreift.
phaidros | 26. Januar 2013 20:21
Was erwarten Sie genau? Wir reden schließlich von einer ganzen Branche. Natürich gibt's da Mediengeile dabei, Betrüger, Wendehälse und Windbeutel.

Na und?

Würde irgendjemand deswegen »die Opernsänger« pauschal verteufeln? Das glaube ich kaum.

Was einzig zählt ist, dass die Naturwissenschaft wohl als einzige Branche überhaupt bemüht ist, ein System hervorzubringen und ständig weiter zu verbessern, das oben beschriebene Effekte tendenziell erkennen und ausmerzen kann. Nicht das »perfekte System« wird angestrebt (schon, weil das am Definitionsstreit scheitern muss), sondern jenes, das fehlertolerant mit den Auswüchsen umzugehen vermag.

Und da finde ich die Vorschläge von Prof. Glatzel schon sehr wohlüberlegt. Denn auf ein neues ethisches Bewusstsein werden wir wohl noch sehr lange warten müssen.