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Weltpolitik vom Unfeinsten
Leo Dorner
 

Weltpolitik vom Unfeinsten

Ironisch könnte man sagen: Trump verliert sich zu rasch ins Absurde. Bei Obama und seinen Dems-Nachfolgern hat man hingegen sicher sein können, dass sie ihrer woken und grünen Ideologie gemäß dachten und handelten.

Das reichte

  • vom "Yes we can", das Israel wehrlos seinen Todfeinden ausgeliefert hätte, -(b)
  • über das No-Bordern an den Staatsgrenzen der USA,
  • bis zum (c) sinnlosen Abmarsch aus Afghanistan,
  • weiters von einem (d) selbstzerstörerischen Green Deal, der auch die Wirtschaft der USA zu demolieren begann,
  • bis hin zu (e) "diversen und antirassistischen" Geschlechter-Verrücktheiten in Erziehung, Schule, Universität und Massenunterhaltungskultur ("Befreit Hollywood").

Bei Trump lässt sich sagen: Er denkt und agiert in Zickzack-Sprüngen, die auch seinen engsten Ministern und Beratern Migräne bescheren. Sein jeweils nächster großer Deal, den er sich auf seine Krone zu setzen wünscht, macht ihn realitätsblind.

Zwischenfazit: Ist das Ende der Pax americana zugleich das Ende von "God's Own Country"? Ein Land und Staat, aus dem nur noch absurde Interventionen katholischer Päpste zu erwarten sind?

Wenn der Schaden dieses epochalen Endes für die gesamte Welt und Menschheit einerseits und der innenpolitische Schaden für die USA andererseits einander wechselkausal steigern, verliert die westliche Welt ihre letzte rationalitätsfähige Führerschaft, und die übrige Welt macht multipolaren Kirtag. Wie die islamisch unterwanderte UNO "beindruckend" vorführt und ebenso eine EU, die unter dem verführerischen Namen "Neue Demokratie" eine neue Diktatur für ein neues Europa vorbereitet, in dem sich der multikulturelle Rest der Menschheit versammelt. Nur noch unbelehrbare Alteuropäer singen jetzt noch das entlarvende alte Lied vom erfreulichen Ende des letzten "Weltpolizisten".

Als Trump vor Kurzem neuerlich einen seiner überschwänglichen Helikoptersätze verkündete – ganz im Stil des "Wir schaffen das" einer deutschen Politikerin, die seitdem als Retterin der Ehre Europas gehandelt wird –, entfachte er in Israel einen Sturm der Entrüstung. Digitale und nichtdigitale Öffentlichkeiten versuchten ihn zu belehren, dass die USA zu Moses Zeiten ganz sicher nicht an der Gründung des "ersten Staates Israel" beteiligt waren.

Ungeklärt blieb allerdings, ob und wie oft Mister Präsident den bekannten Hollywood-Schinken mit Charles Heston als bare historische Münze genommen hat. Dieser Superstar der wahrhaft globalen Filmkunst durfte noch mit "toxischer Männlichkeit" den zurückgekehrten Moses mimen und seinen berühmten Berg auf Sinai besteigen, um Gottes heilige Felsplatten mit eigenen Händen zu empfangen.   

Im Zuge der Entrüstung des heutigen Israel gegen das Zickzack der aktuellen Administration wird auch Trumps Trophäenjagd nach immer neuen Deals einer erbarmungslosen öffentlichen Kritik unterzogen. Obwohl man zugleich verkündet, für immer dankbar zu bleiben für alles, was die USA unter Trump für Israel geleistet haben und immer noch leisten.

Momentan steckt Trumps Nahostpolitik sowie sein mit Israel gemeinsamer Kampf gegen das schiitische Mullah-Regime in einem undurchsichtigen Labyrinth stets wechselnder Absichtserklärungen fest. Doch sind Absichtserklärungen keine Strategie in einem epochalen Kampf entgegengesetzter Prinzipien, zwischen einer immer noch freien westlichen und einer viel weniger freien nicht-westlichen Welt. (Obwohl einige Absichten und Ideen Trumps durchaus das Zeug haben, den Nahen Osten aus seiner Sackgasse herauszuführen.)

Der (zugleich welthistorische) Begriff dieser "Sackgasse" lautet auf einen einfachen Nenner gebracht: Zurückgebliebene Weltreligionen gebären    Gottesstaaten, die nicht durch sich und nicht auf Dauer existenzfähig sind. (Al Banna und Khomeini stehen für die genaue Gegenposition in ihren sunnitischen und schiitischen Varianten. In Israel ist der säkulare Emanzipationsprozess am weitesten fortgeschritten, hier wünscht nur noch die orthodoxe Variante der Haredim einen Gottessstaat von des Messias Gnaden.)

Gottesstaaten müssen sich durch eine starke Militärmacht samt einem die Gesellschaft durchdringenden System von Geheimdiensten oder durch die Erdölschätze ihrer Wüstenregionen oder durch beides zugleich aufrechterhalten. Das ist ein Schicksal, dessen militärischer Seite sich auch das halbsäkulare Israel bekanntlich nicht entziehen kann. Ohne seine überragende militärische Macht hätte es schon längst sein Wüstengrab gefunden.

Und in dieser "Sackgasse" ist Wankelmut kaum weniger schädlich als das gedankenlose Appeasement eines "Yes, we can." Schon verkünden einige Ayatollahs: "Wir haben diesen Krieg gewonnen und werden dem Großen Satan bis nach Washington heimleuchten." Das schändliche "Yes, we can" wird durch ein obsessives "Dealmachen" nicht wirklich ad acta gelegt.

In Israel sieht man die Sache noch kritischer: "Deals" mit einem von sich überzeugten islamischen Gottesstaat, dessen Repräsentanten noch nicht abgesprungen sind, können nur zu einem selbstverschuldeten Dauer-Misserfolg führen. Tarnen und Täuschen sind im Islam höchste religiöse Tugenden, wenn es um die Bewahrung der Religion des Propheten zu tun ist. Und wer dieser dient, ob Monarchie, Diktatur oder Demokratie, ist im Angesicht der Würde des Erhabenen gleichgültig.

"Entscheide Dich" ruft das denkende Israel seinem Gönner in Washington zu: Wenn Du zu einem wirklichen Angriff bereit bist, werden wir uns "von ganzem Herzen anschließen." Wenn Du einen Deal mit dem schiitischen Satan suchst, wirst Du scheitern, und Israel wird allein oder mit arabischen Verbündeten weiterkämpfen.

Wenn Du aber meinst, unser Kampf gegen unsere islamistischen Todfeinde an unseren Landesgrenzen sei ein "unfreundlicher Akt" gegen Deine Deals, dann müssen wir wohl auch das Ende Deiner Präsidentschaft abwarten. Wir sind an diese "präsidiale" Geduldsprobe seit mehr als einem halben Jahrhundert gewöhnt. 

Auch die Ayatollahs haben sich ihre religiösen Basistugenden mitten im "Trommelfeuer" von Trumps triumphalen Wechselworten unbeschadet erhalten. Sie wissen nun, wo und wie sie den Großen Satan erpressen können. Bist Du nicht willig an jener Front, sind auch wir es nicht an dieser Front. Willst du Israel nicht zu einem totalen Rückzug aus Gaza, Libanon und Syrien bewegen, werden sich auch die deal-geschmückten Finger unserer Hand nicht mehr bewegen.

Ihre bisher letzte Botschaft an Washington ließen sie durch ihren Patensohn im Jemen ausrichten:

Alle Kriegsziele verfehlt, das gesuchte Uran ruht noch sicherer vergraben als vorher, unsere Raketenarsenale sind zureichend bestückt, um Israel noch lange Jahre hindurch belästigen zu können, und unser Volk steht dicht hinter uns. Der Krieg der siegreicheren Worte hat den Krieg der Tatsachen abgelöst. Und noch ein orientalisches Geschenk obendrauf: Auch die "Straße" des Roten Meeres ist jetzt unser, eine Sperre folgt demnächst.

Welche Zukunft könnte auf Trumps (noch ungewisses) Scheitern folgen? Ein Blick in USA und in den Nahen Osten:

  • Die US-Dems gewinnen die Zwischenwahlen, sie zweifeln nicht mehr an der Richtigkeit ihres linksgrünen und woken Kurses. Die US-Reps trauern um eine vergebene Gelegenheit, sie verlieren die Mehrheit im Kongress und ihren letzten Mut.
  • Im Nahen Osten werden neue langfristige Kriege geplant und sukzessive ausgeführt. Auch Erdogan tritt aus seinem ungeliebten Schatten, um seine ganze Größe sichtbar zu machen. Die Golfstaaten investieren in einen Pipelinebau, der die Straße von Hormuz "neutralisieren" könnte.
  • Der Iran führt die Produktion für seine Atom- und sonstigen Waffenarsenale ungestört weiter (Raketen und Drohnen usf.), ebenso die Unterstützung der Terrornetze seiner Proxys im Nahen Osten und in der westlichen Welt.
  • Die Militärausgaben im ganzen Nahen Osten erreichen neue Rekordhöhen. Israel versucht eine größtmögliche Waffenunabhängigkeit zu erreichen. Die Zerschlagung der Hamas, der Hisbollah und der vielen anderen islamistischen Brüderverbände nimmt weitere Jahre in Anspruch. Auch für die FPV-Drohnen der Gotteskrieger wird sich eine abfangdichte Lösung finden.
  • Europa und die UN verwalten ihren weiteren Niedergang mit schwurbelerfüllten Resolutionen und schwindenden Geldspenden an die "unterdrückten Völker im globalen Süden."

 

Leo Dorner ist ein österreichischer Philosoph.