Der Zusammenhang zwischen Löhnen und Parteipolitik
Es ist eine bemerkenswerte Änderung im Verhalten der österreichischen Gewerkschaften. Es ist eine Änderung, die man erst im Rück- und Überblick erkennen kann, die aktuell auch positiv zu bewerten ist, die aber insgesamt sehr bedenklich stimmt. Es geht um die von ihnen erkämpften Lohnerhöhungen im Vergleich zur Entwicklung im ganzen Euroraum. Also zu jenem Raum, der für Österreichs Außenhandel und Industrie entscheidend ist.
Das macht vor allem die Entwicklung dieses Vergleichs spannend: Da zeigt sich, dass die Löhne in Österreich stärker als im Euro-Raum insgesamt gestiegen sind. 2021 war die Differenz zugunsten der österreichischen Arbeitnehmer und zum Nachteil der Exporteure 0,3 Prozentpunkte, dann 0,1, dann 3,9(!), dann 2,7 und dann 1,7 Prozentpunkte. Das mögen manche für wenig und vernachlässigbar halten, das ist aber in Summe eine Katastrophe für Österreichs Unternehmen.
Nun gibt es aber eine plötzliche Änderung: 2026 sind die (zum Gutteil 2025 ausgehandelten) österreichischen Tariflöhne erstmals weniger stark – um 0,2 Prozentpunkte – gestiegen als im Euroraum. Das ist alles andere als ein Zufall: Denn im ÖGB kann man gut rechnen – und hat eine enge Beziehung zur Parteipolitik. Und ab März 2025 ist erstmals wieder die SPÖ mit in der Regierung, was sie seit 2017 nicht mehr gewesen ist.
Das ist ein Beweis dafür, dass der ÖGB Regierungen unterstützt, an denen die Sozialdemokraten beteiligt sind, und dass er kämpferischer wird, wenn das nicht der Fall ist. Und das ist ein Skandal. Denn Gewerkschaften sind keineswegs dazu da, um sich in die Parteipolitik einzumischen.
Das erinnert auch an eine Untersuchung, die einst der große Ökonom Erich Streissler angestellt hat. Diese hat dasselbe gezeigt wie die jetzt von der Agenda Austria zusammengetragenen Daten: Streissler hat damals die Lohnentwicklung mit Deutschland verglichen und herausgefunden, dass lange die Österreicher alljährlich um einige Zehntelpunkte unter den deutschen Gewerkschaften abgeschlossen haben. Auch das war kein Zufall, sondern bewusste, wenn auch nie laut verkündete Politik von ÖGB-Präsident Anton Benya. Das hat damals Österreich sehr geholfen – bis dann die Schuldenpolitik der Ära Kreisky zum Kollaps geführt hat.
Ich schreibe in jeder Nummer von Österreichs einziger Finanz- und Wirtschafts-Wochenzeitung "Börsen-Kurier" die Kolumne "Unterbergers Wochenschau".
