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Ein Spitzenplatz mit Pferdefuß

Ein Spitzenplatz mit Pferdefuß

Wien brüstet sich gerne mit Spitzenplätzen bei internationalen Rankings. Jetzt gibt’s wieder so einen "Spitzenplatz" unter den ersten zehn im Ranking der "besten Städte für Studierende". Die Gründe für diesen "Erfolg" sind ziemlich durchsichtig und haben unangenehme Folgen für den Steuerzahler.

Da wurde die Attraktivität einer Universitäts-Stadt anhand von Lebensqualität, Leistbarkeit und Beschäftigungssituation beurteilt. Für Wien wurden als besonders positive Punkte zwei für Österreichs Steuerzahler ziemlich problematische Tatsachen hervorgehoben:

  • erstens, dass es keine Studiengebühren gibt,
  • und zweitens, dass der Anteil internationaler Studenten hoch ist.

Der zweite Punkt ist alarmierend: Seit Beginn des Jahrzehnts beginnen alljährlich viel mehr Ausländer als Inländer an unseren Unis zu studieren. 

Mittlerweile kommt ein Drittel aller Studenten an den heimischen Universitäten aus dem Ausland – am stärksten vertreten sind Deutschland, Italien, die Ukraine (allerdings erst seit Beginn des Krieges), Russland und Kroatien.

Zwei Drittel der ausländischen Studenten stammen aus EU-Ländern und das heißt: Solange sie innerhalb der Regelzeit studieren, ist dieses Studium für sie kostenlos. Einen Numerus Clausus haben wir auch nicht, daher haben wir besonders viele deutsche Studenten, die es in ihrer Heimat nicht an eine Universität geschafft hätten.

Und das auch noch in kostenintensiven Studienfächern wie Medizin, wo pro Studienplatz rund 60.000 Steuer-Euro pro Jahr ausgegeben werden. Und so finanzieren wir unserem reichen Nachbarn einen Teil seiner Ärzte mit mehrstelligen Millionenbeträgen, während wir zu wenig Ärzte haben, aber uns auch nicht mehr Studienplätze für diesen teuren Studienzweig leisten können.

Ganz nebenbei: Den höchsten Ausländeranteil haben die Kunst-Universitäten, die bekanntlich strenge Aufnahmeverfahren haben, aber dann ein Gratisstudium anbieten, das den Steuerzahler auch stolze 25.000 Euro pro Studienplatz kostet.

Und trotzdem weigert sich die hauptsächlich mit Frauenfragen beschäftigte Wissenschaftsministerin Holzleitner über Studiengebühren auch nur nachzudenken, obwohl sie in den nächsten beiden Jahren auch noch 213 Millionen einsparen muss. Sie und die linke Hochschülerschaft reagieren in dieser Frage auf Knopfdruck mit einem ideologischen Nein.

Die Begründung ist immer dieselbe: Der Bildungszugang dürfe nicht durch finanzielle Hürden eingeschränkt werden, um die soziale Durchlässigkeit und (na klar) die Inklusion zu erhöhen.

Was Frau Holzleitner und ihre Genossen übersehen: Wir haben die Fachhochschulen, bei denen man ihre Argumentation leicht widerlegen kann.

Mit ganz wenigen Ausnahmen sind dort ja Studiengebühren fällig. Und es zeigt sich: Die FHs sind sozial viel durchlässiger als die kostenlosen Universitäten:

  • 63% der Studienanfänger an Fachhochschulen sind First-Generation Students – also die ersten in ihrer Familie, die ein Studium aufnehmen. An Gratis-Universitäten liegt dieser Anteil hingegen nur bei 48%. 
  • Mit knapp 65% tragen die Fachhochschulen zur Aufstiegsmobilität von Studienanfängern aus eher bildungsfernen Schichten bei – gemessen am Bildungsabschluss der Väter (ohne Matura).
  • Der Zugang zur Fachhochschule wird außerdem über ein Aufnahmeverfahren reguliert, bei dem es auch um Motivation und Eignung geht; eine AHS-Matura, die stärker mit einem akademischen Elternhaus korreliert, genügt - anders als bei den Gratis-Unis - nicht.

Freilich: Lästige Fakten haben noch nie ideologischen Unfug zerstören können.

P.S.: Eigentlich erschütternd ist die Tatsache, dass die für das Ranking befragten Studenten gute Betreuungsverhältnisse und besondere Forschungsleistungen an einer Uni nicht besonders attraktiv fanden. Und deshalb landete auch keine US-Universität auf einem Spitzenplatz. Natürlich: Dort gibt es hohe Studiengebühren, die man nur durch ein mit besonderen Leistungen erarbeitetes Stipendium umgehen kann.