Zwischen Brexit und Teuro
Es ist beklemmend, auf informiert wirkende Menschen zu treffen, die voll naiver Nostalgie schwärmen, vor der EU, vor dem Euro sei alles besser und billiger gewesen. Es ist auch beklemmend, dass immer noch ein Viertel der Österreicher für einen Austritt aus der EU ist – oder schon wieder.
Auch die Fakten – jenseits der Emotionen – aus der britischen Realität zeigen, dass sich die Versprechungen beim EU-Austritt vor zehn Jahren nicht erfüllt haben. So hat sich das britische Pro-Kopf-Einkommen seither um 4 bis 8 Prozent schlechter entwickelt als gleichzeitig das der EU-Staaten. Diese Entwicklung führt auch das Netto-Zahler-Argument ad absurdum. Überdies hat ein Industrieland wie Großbritannien (oder Deutschland oder die Niederlande oder auch Österreich) viel mehr von der Offenheit des Binnenmarktes profitiert als die Agrarländer.
Es sind auch die britischen Hoffnungen auf großartige Handelsdeals mit anderen Ländern unerfüllt geblieben. Denn auch die EU hat gleichzeitig (siehe etwa Mercosur) für sie sehr vorteilhafte Handelsverträge abgeschlossen.
Gewiss störten und stören viele Überregulierungen durch die EU. Die Wahrheit ist aber, dass letztlich auch die Briten gezwungen sind, von der absurden Beschränkung der Staubsauger-Stärke bis zur durchaus sinnvollen Vereinheitlichung der Gurkenkrümmung auch als Nichtmitglied fast alle wirtschaftlichen Normen der EU mitzumachen. Das müssen sie, wollen sie nicht eine wirtschaftliche Insel der Unseligen werden. Und selbst beim wirtschaftlich belastenden Kampf gegen das CO2 machen die Briten voll mit.
Sie machen nur bei einem nicht mit: Sie können bei den EU-Entscheidungen nicht mehr mitentscheiden und mitstimmen. Das ist freilich nicht nur für die Briten ein Nachteil, sondern auch für alle, die eine Stimme der ökonomischen Vernunft in der EU vermissen.
Ich schreibe in jeder Nummer von Österreichs einziger Finanz- und Wirtschafts-Wochenzeitung "Börsen-Kurier" die Kolumne "Unterbergers Wochenschau".
