KI: die Vorteile, Nachteile und Notwendigkeiten
Es ist verblüffend, die Bedeutung und Wirkung der Künstlichen Intelligenz mit Bedeutung und Wirkung der Atomenergie zu vergleichen. Beide sind atemberaubende Produkte von Forschung und Wissenschaft. Beide bringen unglaubliche Fortschritte wie auch große Sorgen und Gefahren mit sich. Wegen dieser Sorgen möchten viele Menschen am liebsten beide verbieten. Beide lassen sich aber nicht mehr aus der Welt schaffen, weil das Wissen sowohl um die Atomkraft als auch um die KI nun einmal in der Welt verbreitet ist und daher nicht mehr in die Büchse der Pandora gestopft werden kann. Beide können das globale Kräfteverhältnis und die wirtschaftliche wie militärische Macht fundamental ändern. Bei beiden stehen aber durchaus ernsthafte Sorgen im Raum, dass sie der Menschheit schwer schaden können. Beide sind wie ein Zauberbesen – nur hilft gegen sie kein Friedensmarsch und kein Zauberspruch, der sie mit einem "Sei´s gewesen" wieder in die Ecke verbannt.
Der Feind, der sie einst zur Entwicklung der Atombombe trieb, waren für die Amerikaner (die ihr Wissen später mit den verbündeten Briten teilten): zuerst die Nazis, die im Krieg ebenfalls relativ weit mit der Forschung waren, dann die Japaner und dann die Sowjets, die sehr bald ebenfalls Atomwaffen entwickelten. Teils durch Spionage, teils durch eigene Forschung kamen aber auch viele weitere Länder in den Besitz der Atombombe: China, Frankreich, Israel, Pakistan, Indien, einst auch Südafrika.
Während bei diesen Ländern die restliche Welt die atomare Entwicklung relativ ohnmächtig hinnahm, versuchen die USA (und Israel, beziehungsweise Südkorea) bei zwei Ländern durch eine Mischung aus Sanktionen, Drohungen, Zuckerbrot, aber zum Teil auch konventionellem Krieg, die Entwicklung von Atomwaffen zu stoppen: bei Nordkorea und Iran. Bisher war das völlig erfolglos.
Alle genannten Länder sehen im Besitz der Atombombe mit etlichem Grund eine Garantie gegen Bedrohungen von außen. Die erhoffte Garantie hat bisher bei allen gewirkt. Und das einzige Land, das freiwillig Atomwaffen zurückgegeben hat, muss das seit vier Jahren bitter bereuen: die Ukraine. Sie hat geglaubt, sich auf die Zusage Russlands und der USA verlassen zu können, dass ihre Grenzen respektiert würden, wurde jedoch einige Jahre später von Russland brutal angegriffen.
Genau diese Beispiele lassen auch Iran und Nordkorea so vehement an der Atomwaffe festhalten. Die dortigen Diktatoren werden zwar eigentlich nicht von außen bedroht, müssen höchstens ihre eigene Bevölkerung fürchten, sehen aber in der Atomwaffe Garantien für die eigene Herrschaft.
Selbst die Schweiz hat – ähnlich wie Deutschland – eine Zeitlang mit dem Gedanken an eigene Atomwaffen zur Abschreckung eventueller Angriffe gespielt. Letztlich hat man aber von Europa bis Südkorea und Japan geglaubt, unter dem Atomschirm der USA sicher zu sein. Was sich spätestens seit Donald Trump als gefährliche Illusion erwiesen hat. Deswegen gibt es seit einiger Zeit unter den westeuropäischen Nationen Überlegungen zu einer europäischen Abschreckungsbombe. Die sind freilich noch nicht weit gediehen, weil EU-Mitglied Frankreich ja eine hat, die es einerseits teilen, aber andererseits doch unter alleiniger Kontrolle behalten will.
Die Künstliche Intelligenz
Auch bei deren Entwicklung ist jenseits aller Warnungen vor Gefahren und Problemen das gleiche Argument stark: Wenn wir sie nicht haben, dann würden wir in große Gefahren geraten, sobald die Gegenseite die Künstliche Intelligenz entwickelt. Der einzige Unterschied: Einst in den Geburtsjahren der Atombombe war die Gegenseite, vor der der Westen und die USA sich fürchten mussten, Russland; heute in den Jahren der Künstlichen Intelligenz ist es vor allem China.
Dort sind parallel zu Amerika durchaus eindrucksvolle KI-Entwicklungen im Gange. Zwar werden die Rufe sogar der Chefs amerikanischer KI-Giganten immer lauter, die Geschwindigkeit der KI-Entwicklung eine Zeitlang zu bremsen und gleichzeitig eine über allen Unternehmen stehende Weltbehörde zu schaffen, welche die KI-Agenten auf Sicherheit prüft. Aber mangels Vertrauen zum totalitären China werden die USA wohl nicht auf die Schalmeienklänge einer gemeinsamen KI-Weltbehörde eingehen können, wie sie auch Peking vorschlägt. Denn die Furcht ist zu groß, dass die Chinesen schwindeln und sich sowohl militärisch wie wirtschaftlich durch KI-Entwicklungen einen uneinholbaren Vorsprung am Weg zur Weltbeherrschung verschaffen könnten, um so wirklich global das "Reich der Mitte" zu werden.
Aber auch anderswo hat man kein Vertrauen zu China. Man denkt weltweit intensiv daran, welche globale Katastrophe China durch außer Kontrolle geratene Experimente mit dem Corona-Virus ausgelöst hat (das erinnert am Rande an die Dummköpfe in europäischen Verfassungsdiensten, welche jeden Hinweis auf den Ursprung des Virus in chinesischen Armeelabors eine Zeitlang als "extremistisch" bekämpft haben).
Man kann auch nicht ganz sicher sein, was hinter den in den letzten Tagen laut gewordenen Alarmrufen einiger Firmenchefs großer amerikanischer KI-Unternehmen über die eigenen Entwicklungen und dem Verlangen nach externen Evaluationen der eigenen Systeme steht:
- Ist das nur ehrliche Sorge und echte Humanität?
- Ist das vielleicht auch eine raffinierte PR-Aktion dieser Unternehmen, die durch Warnungen vor sich selbst effektvoll kommunizieren können, welch tolle und interessante Dinge sie entwickelt haben (und nun an alle Welt verkaufen wollen)?
- Ist das der Versuch einiger Platzhirsche, sich durch ein solches Regelwerk gegen den Wettbewerb aufkommender kleinerer Unternehmen zu sichern?
- Ist es der Versuch, Regierungsgelder locker zu machen, damit die KI-Unternehmen auch die nötigen Abwehr-Technologien gegen KI-Exzesse (natürlich vor allem anderer Unternehmen) zu entwickeln beginnen?
Der zuletzt genannte Vorschlag erinnert ein wenig daran, dass die USA recht vielversprechende Abwehrsysteme gegen anfliegende Atomraketen entwickelt haben, mit deren Entwicklung durch Ronald Reagans "Strategische Verteidigungsinitiative" begonnen wurde und die anfangs als "Krieg der Sterne" verlacht worden sind. Es gilt aber das Motto: Gegen jede Bedrohung kann es eine Abwehr geben.
Was sind aber nun die Bedrohungen, was sind die Sorgen, die man sich wegen der KI machen muss?
- Auf der höchsten philosophischen Ebene hat der Papst zu Recht das sorgenvolle Verlangen artikuliert, dass der Mensch immer wichtiger bleiben muss als die KI (ohne aber deren vielfältigen Nutzen für die Menschheit zu leugnen).
- Das betrifft insbesondere die Entwicklung eines Überwachungsstaats, der die Meinungsfreiheit der eigenen Bürger mit KI bedroht.
- Immer mehr entwickeln sich KI-Systeme selbständig weiter und sind nicht mehr von menschlichem Handeln abhängig, sodass es auch immer weniger Menschen – mit der Tendenz Richtung Null – gibt, die noch verstehen, was da geschieht.
- Wenn es KI-Systemen, die interessanterweise neuerdings "Agenten" genannt werden, gelingt, in globale Energie- oder Kommunikationssysteme einzudringen, können sie die ganze Welt oder zumindest attackierte Länder und Kontinente lahmlegen.
- KI-Systeme, wie sie jetzt schon im Ukraine-Krieg entwickelt wurden und werden, können eigenständig Jagd auf Menschen machen.
- KI-Systeme und die zugehörigen Datenzentren brauchen gigantische Energiemengen, die nur mit eigenen Atomkraftwerken erzeugt werden können, weil sonst die Energieversorgung von Haushalten und klassischer Industrie gefährdet wäre.
- Sie können viel rascher – sowohl für die Weltgesundheit als auch für Internet-Systeme – gefährliche Viren entwickeln.
- Immer wieder ist von Gewerkschaften und Co prophezeit worden, dass durch KI die Arbeitslosigkeit wachsen werde, weil sie viele Routinearbeiten am Schreibtisch übernehmen könne. Das hat sich allerdings nicht bewahrheitet.
- Jedes KI-System hat einen ideologischen Touch (vergleichbar mit der – auch schon ganz ohne KI – linkslastigen Wikipedia, auf die man sich bei allen sonstigen Vorteilen nicht mehr verlassen kann, wenn es um ideologiebelastete Fragen insbesondere mit grünem Anstrich geht).
- Als Exempel der Gefahren mag die Szene eines chinesischen Roboters gelten, der plötzlich physisch gegen seinen Entwickler losgegangen ist.
- Trotz aller Abschirmungen ist es KI-Agenten gelungen, in fremde Computersysteme einzudringen. Dabei haben sie sich auch in Agenten-Gruppen zusammengeschlossen.
Gegen diese fast apokalyptischen Gefahren klingen die bekanntesten Sorgen fast noch harmlos:
- Das war und ist die Manipulation von Bildern und Filmen, die aber auf der anderen Seite die Bedeutung des Vertrauens in die Photographen und Kameraleute dramatisch erhöht, wenn sie persönlich garantieren, dass sie die Bilder, die Filme selbst erstellt haben. Dadurch ist jedenfalls der Glaube vieler Menschen an "Informationen", die sie irgendwo im Internet gefunden haben, ad absurdum geführt.
- Das war und ist das Schwindeln bei Hausaufgaben und Diplomarbeiten, das dazu führen muss, dass Prüfungen künftig unter ganz anderen Bedingungen stattfinden müssen, etwa viel mehr auf mündlichem Weg oder in streng abgeschirmten Computersystemen.
Wie die Atomkraft, die in vielen Ländern bisher den großen Energiebedarf moderner Industriestaaten gedeckt hat, die auch von Österreich (wenn auch gegen viel Geld für ausländischen "Atomstrom") genutzt wird, die als bisher einzige Technologie (im Gegensatz zu den lächerlichen Windrädern der Grünen) auch eine Antwort auf die grüne Klimapanik sein könnten, hat aber die KI jenseits aller Gefahren auch große Vorteile:
- Die populärsten liegen auf dem Gebiet der Medizin. Nur mit KI können etwa maßgeschneiderte und individualisierte Medikamente entwickelt werden, welche die besten Aussichten im Kampf gegen den Krebs haben.
- Mit der KI können unglaubliche Mengen von Daten und Wissen durchforstet und nach relevanten wissenschaftlichen Aspekten durchsucht werden.
- Mit großer Sicherheit können KI-Systeme den weltweiten Wohlstand und den Kampf gegen Hunger und Armut verbessern.
- Der KI-Einsatz könnte gerade in der Dritten Welt den Zugang zu Bildung und Wissen beschleunigen, wenn sie von Lehrern richtig genützt wird
- Statt die Arbeitslosigkeit zu erhöhen, hat die KI zumindest in den USA zuletzt einen richtigen Job-Boom entwickelt, auch wenn es in der Wirtschaftsstruktur spürbare Umwälzungen gibt. Der britische "Economist" formulierte das vor ein paar Tagen so: "KI-Startups stellen Mitarbeiter an, als ob es kein Morgen gäbe". Allein in den USA sind durch KI eine Million neuer und überwiegend gut bezahlter Jobs entstanden.
- Auch von dieser US-Entwicklung abgesehen, gibt es viele Analysen, dass KI sehr hilfreich sein wird, eine überalterte Gesellschaft gut in Gang zu halten.
- KI ist sehr nützlich bei der Suche nach Kriminellen oder illegalen Migranten.
- KI erhöht die Produktivität vorhandener Unternehmen vieler ganz anderer Branchen.
Unabhängig von Vorteilen und Nachteilen ist die künstliche Intelligenz heute jedenfalls das weitaus dynamischste Feld der globalen Entwicklung und des Wettbewerbs. Sie hat den Chip-Entwickler Nvidia – dessen Chips von den meisten amerikanischen KI-Unternehmen verwendet werden und das sich inzwischen an etlichen dieser Unternehmen selbst beteiligt hat– zum weitaus teuersten Unternehmen der Welt gemacht. Nur zum Vergleich: Nvidia ist zweiundvierzigmal so wertvoll wie das gesamte österreichische Jahresbudget.
Das gibt natürlich auch politische Macht, wie man sie etwa am mutigen Auftreten von Elon Musk gesehen hat, dem reichsten Mann der Welt, dem spannendsten Erfinder der Gegenwart und einem der jetzt für ein KI-Bremsen plädierenden KI-Bosse: Er ist Donald Trump mutig entgegengetreten, als dieser Amerikas Wirtschaft auf einen falschen Weg geführt hatte. Er hat durch seine Starlink-Satelliten eindeutig in den letzten Jahren die Ukraine gerettet.
Europa hingegen ist – fast hätte ich gesagt: wie immer – auf dem falschen Weg. Es hat zwar ausführliche Regulierungen der KI verabschiedet. Aber weder die USA noch China kümmern sich darum (und das in Sachen KI ohnedies schon weit zurück liegende Russland schon gar nicht). Europa hat aber keinen einzigen relevanten Mitspieler auf dem spannendsten Feld des globalen Wettbewerbs zustandegebracht, eben dem der KI. Es hat noch immer keinen gemeinsamen Kapitalmarkt, der nötig wäre, um den US-Riesen starke europäische KI-Firmen entgegenzusetzen.
Das KI-Vakuum wird sich für Europas Sicherheit und Wohlstand mindestens ebenso schädlich auswirken wie die Abhängigkeit seiner militärischen Sicherheit von der amerikanischen Atomrüstung und wie sein selbstverschuldetes industrielles Zurückfallen durch Überregulierung und Green Deal, durch zu mächtige Gewerkschaften und arrogantes Weltverbesserertum.
Und letztlich muss die Welt mit einem nur schwer fassbaren Widerspruch leben: Die Atombombe hat – nicht trotz, sondern wegen ihrer Gefährlichkeit – der Menschheit die längste Phase eines globalen Friedens beschert (trotz schlimmer lokaler Kriege in Jugoslawien, Nahost, Afghanistan, Kongo, am Golf und in der Ukraine). Auch die Künstliche Intelligenz könnte sich trotz aller Gefahren sehr segensreich auswirken.
