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„Klimaneutralität“: Das große Wunschdenken

„Klimaneutralität“: Das große Wunschdenken

Die Vorstellung, mit heimischen Ressourcen Strom zu erzeugen und dadurch bis 2040 Klimaneutralität zu erreichen, dürfte Wunschdenken bleiben. Zu den Ressourcen, über die Österreich verfügt, gehören Wasserkraft, Wind- und Sonnenenergie, Biomasse sowie möglicherweise bedeutende geothermische Vorkommen. Ihre Nutzung erfordert jedoch Rohstoffe, die nicht in Österreich gewonnen werden.

Welche Rohstoffe benötigt werden, hängt von der jeweiligen Art der Energieerzeugung ab. Für erneuerbare Energien wie Wind- und Solarenergie sind das vor allem Kupfer und Seltene Erden. Letztere werden im Wesentlichen von China kontrolliert. Es folgt daraus, dass unsere Wirtschafts-/Energiepolitik von China gesteuert werden kann.

Gewaltige Mengen dieser Rohstoffe sind nötig. In den Medien bleibt hingegen unerwähnt, welche großen Rohstoffmengen sich durch den Einsatz von Atomkraft einsparen ließen.

Eine dezentrale Stromerzeugung erfordert zudem einen stärkeren Ausbau von Übertragungsnetzen, Transformatoren und Umspannwerken, deren Kupferbedarf in den Medien nicht beachtet wird.

Die folgenden Angaben berücksichtigen nicht den zusätzlichen Kupferbedarf der Übertragungsnetze durch die dezentrale Energieerzeugung. Dieser übersteigt den Kupferbedarf der eigentlichen Windkraftanlagen um ein Vielfaches.

Die folgenden Angaben zum Material- und Ressourcenverbrauch sind Mittelwerte. Sie wurden anhand einer Flotte von Windkraftanlagen mit 5-MW-Turbinen ermittelt, die zusammen so viel Strom erzeugen wie ein 1.000-MW-Atomkraftwerk.

                          Windräder     Atomkraftwerk Faktor

Stahl Tonnen      240,000                181,000     1,3

Beton Tonnen     1,983,000         300,000  6,6             

Kupfer Tonnen    17,000                  650           25,4

Platzbedarf ha    289                       75               3,9

 

Besonders der Verbrauch von Kupfer ist hervorzuheben. Es wäre im Sinne der Schonung von Ressourcen, die Verwendung von Kupfer zu minimieren. Die Gewinnung von Kupfer hinterlässt besonders große Umweltschäden, da der Kupfergehalt in den großen Lagerstätten Chiles nur bei 0,5 bis 0,7 Prozent liegt und daher der Flächenbedarf für die Entsorgung der Abraumberge beträchtlich ist.

Zu erwähnen ist auch, dass Windkraftanlagen große Mengen an Seltenen Erden in den Generatoren verwenden müssen, die Atomkraftwerke nicht benötigen. Die Abhängigkeit von China ist damit deutlich.

Die prognostizierte Verdoppelung des Strombedarfs bis 2040 erfordert ein Umdenken in der Stromerzeugung. Die fossile Stromerzeugung soll durch erneuerbare Energien ersetzt werden. Da diese jedoch nur zeitweise Strom liefern, sind kostspielige Ersatzkraftwerke erforderlich. Viele Staaten haben erkannt, dass erneuerbare Energiesysteme den Strombedarf von Rechenzentren nicht decken können und zugleich einen hohen Ressourcenverbrauch sowie hohe Brennstoffkosten verursachen.

Deshalb bauen oder planen sie Atomkraftwerke, um angesichts des erwarteten Anstiegs des Stromverbrauchs die Probleme der Brennstoffkosten für Gaskraftwerke zu umgehen. Auch sind Speicherbatterien geplant, doch angesichts der Kosten und des enormen Ressourcenverbrauchs je GWh gespeicherte Energie können diese auch in naher Zukunft nur teilweise eine sichere und leistbare Stromversorgung ermöglichen.

Die internationale Atomenergiebehörde (IAEA) geht davon aus, dass sich die weltweite Kernkraftkapazität bis 2060 mehr als verdreifachen könnte. Haupttreiber sind der steigende Strombedarf – insbesondere durch den Ausbau Künstlicher Intelligenz, Rechenzentren sowie den Wunsch vieler Länder nach zuverlässiger und CO₂-armer Grundlastenergie.

Ein Blick nach Schweden oder Finnland würde genügen, der uns hilft, die Strommisere im Winter zu bewältigen. Aber in dieser Richtung ist man blind und taub. In einer Parlamentsdebatte erklärte der ehemalige Bundeskanzler Nehammer, Atomkraft sei in Österreich kein Thema.

Umstellung der fossil betriebenen Fahrzeugflotte

Ein Problem, das offenbar nicht untersucht wurde, ist überdies der Ressourcenverbrauch für die Umstellung auf die Voll-Elektrifizierung der Fahrzeugflotte in der Europäischen Union. Derzeit werden 91 Prozent der 250 Millionen Pkw sowie 96,3 Prozent der 6,2 Millionen Lkw mit fossilen Kraftstoffen wie Benzin oder Diesel betrieben. Wollte man diese voll elektrifizieren, wären enorme Mengen an Rohstoffen zur Verfügung zu stellen.

Im Internet und in Vaclav Smil "Wie die Welt wirklich funktioniert" (Seiten 140/141) finden sich nachfolgende mittlere Werte in Kilogramm für Batterien für jeden einzelnen Pkw bzw. Lkw. Sowie die Werte in Tonnen für die Fahrzeugflotten in der EU und die vorhandenen Ressourcen.

                    Pkw LKW Gesamt Weltproduktion Faktor

                    kg      kg         t            t

                 450   4,300          148,049,000                 

Lithium    11     80     2,980,000    290,000  10,28

Kobalt     14      25     3,334,000    310,000  10,76

Nickel     20    350   6,640,000    3,600,000    1,84

Kupfer    40    250    10,593.000  22,000,000 0,48

Graphit  50   75      15,853,000  18,000,000   0,88 

 

Besonders auffällig sind die berechneten Werte für Lithium, Kobalt und Nickel. Dies gilt umso mehr, als nicht nur die EU, sondern auch andere Staaten ihre Fahrzeugflotten elektrifizieren wollen, um den CO₂-Ausstoß zu senken. Die für eine Elektrifizierung der weltweiten Fahrzeugflotte erforderlichen Ressourcen sind nicht verfügbar. Man träumt zwar davon, durch den Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel die Anzahl der Fahrzeuge zu verkleinern, wie die Entwicklung jedoch beobachten lässt, ist das Gegenteil der Fall. Eine weltweite Elektrifizierung des bestehenden und künftig hinzukommenden Fahrzeugbestands ist daher unrealistisch. Und dennoch wird in Brüssel diese irre Politik verfolgt, ab 2035 keine fossil betriebenen Fahrzeuge mehr zuzulassen.

Ganz zu schweigen vom Bedarf an Ressourcen anderer Zweige der Industrie, wollen auch andere Staaten sämtliche Bereiche und Produkte elektrifizieren. Hinzu kommt die Idee der CO₂-Sequestrierung, deren Aufwand wenig untersucht wurde. (z.B. Anlagen, Pipelines etc.)

Zudem drohen der Europäischen Union durch die geplante unterirdische CO₂-Speicherung kaum tragbare Kosten. Für eine Senkung der globalen Durchschnittstemperatur um lediglich 0,04 Grad Celsius wäre dies ein kostspieliger Irrweg.

So viel zur Wissenschaft, die von Politik regiert wird. Man höre unseren Bundespräsidenten, der wünscht: "Ich möchte, dass auch noch unsere Kinder und Enkelkinder die Gletscher unserer Alpen bestaunen können." Ob künftige Generationen in Österreich noch Gletscher besichtigen können, hängt weder von der österreichischen noch von der Klimapolitik anderer Staaten ab, sondern von den natürlichen Klimaschwankungen der Zwischeneiszeit. Wie durch das Ausapern eines Zirbenstammes aus Österreichs größtem Gletscher, der Pasterze, belegt ist, gab es vor etwa 6000 Jahren keinen Gletscher.

Ich meine, die Erkenntnis, dass die Weltressourcen nicht ausreichen, ja nicht vorhanden sind, hat schon Dr. Simon Michaux in seiner heftig kritisierten Studie: "Die aktuellen globalen Mineral- und Rohstoffreserven reichen bei Weitem nicht aus um die geplante Energiewende wie beabsichtigt umzusetzen", festgestellt. Zwar könnten steigende Preise die Erschließung zusätzlicher geologischer Ressourcen ermöglichen. Die steigenden Preise werden wohl dazu führen, gewisse Ressourcen durch andere, neue, an die bisher nicht gedacht wurde, zu ersetzen. Doch aus heutiger Sicht können die grünen Träume nicht realisiert werden.

Es ist daher festzustellen:

  • Stromerzeugung mit geringerem Ressourcenaufwand wäre möglich.
  • Für eine vollständige Elektrifizierung stehen nicht genügend Ressourcen zur Verfügung.

 

Gerhard Kirchner ist Bergingenieur und liebt die Umwelt.