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Als Österreich noch kaum Schulden machte

Als Österreich noch kaum Schulden machte

Warum schafft Österreich eigentlich nicht mehr, was es während der ersten drei Nachkriegsjahrzehnte in der Mehrzahl der Jahre geschafft hatte, was seit einem halben Jahrhundert mit Ausnahme zweier Jahre (2018 und 2019) nie mehr gelingt: nämlich ein Staatshaushalt, der ausgeglichen oder mit Überschuss endet? Warum ist die Staatsverschuldung, die bis 1973 deutlich unter 20 Prozent der – damals noch sehr geringen! –Wirtschaftsleistung gelegen war, seither praktisch ständig gestiegen, um nun deutlich mehr als 80 Prozent des BIP auszumachen?

Dabei kann es keinen Zweifel geben: In jenen Jahren war der Wiederaufbau- und Renovierungsbedarf dramatisch. Er ist überhaupt nicht mit den saturierten Strukturen des 21. Jahrhunderts vergleichbar.

Diese beklemmenden Fakten werden noch dadurch potenziert, dass genau in jenen frühen 70er Jahren die Österreicher auch bei der wichtigsten Investition in die Zukunft gleichsam deinvestiert haben: Sie haben weniger Kinder in die Welt gesetzt, als zur Erhaltung des Bevölkerungsniveaus notwendig gewesen wäre.

Damit haben sie, damit hat ihr Land sich gleich auf zwei entscheidenden Gebieten verschuldet. Wofür ihnen zwangsläufig eine hohe und vor allem schmerzhafte Rechnung präsentiert werden wird.

Der Rückblick auf die Nachkriegsjahre macht deutlich, dass die politischen Erklärungen für die Jahre des besonders steilen Schuldenanstiegs nur billige Ausreden dafür sind, dass Österreich schon mehr als ein halbes Jahrhundert lang über seine Verhältnisse lebt. Die steilsten Anstiege waren 2008 durch die Weltwirtschaftskrise (Lehman-Krise) ausgelöst worden, 2020 durch die Corona-Pandemie und zuletzt durch die Energiekrise im Gefolge zweier großer Kriege und der unter dem Titel "Green Deal" segelnden Fehlentwicklungen.

All diese Krisen sind aber Peanuts im Vergleich zum Zustand Österreichs in der Nachkriegszeit, als es das ärmste Land Europas gewesen ist, als die Menschen schwer unterernährt waren, weder Kohle zum Heizen noch Glas "zum Einschneiden" hatten. Aber sie hatten auch bis zum Marshall-Plan niemanden, der ihnen Geld borgte und danach waren sie daran gewöhnt, dass man nur das ausgeben darf, was man einnimmt.

Vielleicht kommen die Menschen erst dann wieder zur Vernunft, wenn es neuerlich so weit ist, dass ihnen niemand etwas borgt. Wie es etwa Griechen (bis 2018) oder Argentinier (sogar schon mehrmals) erfahren mussten, bevor dann Kettensägen und andere schmerzhafte Sanierungen notwendig wurden.

Ich schreibe in jeder Nummer von Österreichs einziger Finanz- und Wirtschafts-Wochenzeitung "Börsen-Kurier" die Kolumne "Unterbergers Wochenschau".