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Die Ärzte, unsere Gesundheit und das liebe Geld

Die Ärzte, unsere Gesundheit und das liebe Geld

Es gibt kaum eine Berufsgruppe, die mehr Sympathien in der Bevölkerung genießt als die Ärzte. Ahnen doch alle, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit ihr eigenes Leben einmal – oder öfter – von der Kunst eines Arztes abhängig sein wird. Dennoch laufen auch die Ärzte Gefahr, an Sympathien zu verlieren, wenn der Eindruck zu stark wird, es ginge ihnen immer nur um finanzielle Interessen. Das wäre extrem bedauerlich, ist doch das Vertrauen fast die wichtigste Währung jedes Berufsstandes, und bei den Ärzten noch viel mehr. Zeigen doch Studien, dass alleine der Händedruck und ein paar beruhigende Worte eines Arztes, dem man vertraut, tatsächlich heilende Wirkung haben.

Dieses Vertrauen ist fataler Weise bei einem Teil der Bevölkerung seit der Covid-Pandemie angekratzt. Deren Folgen waren für die ganze Gesellschaft vieler Länder so dominierend, dass sich wüste Amateur-Spekulationen und Verschwörungstheorien ausbreiten konnten, dass – bei jedem Medikament, jeder Impfung, jeder Therapie gelegentlich auftretende – Nebenwirkungen zum einzigen Hauptthema von Covid geworden sind. Dazu kam der häufige Wechsel der verunsicherten Politik zwischen Über- und Unterreaktionen auf die Pandemie. Dazu kam der anfangs verbreitete Glaube, dass die Covid-Impfung, so wie viele andere, vor Erkrankung und damit auch Ansteckung schützen könnte. Schutz gibt es aber, wie wir heute wissen, nur vor schweren oder tödlichen Verläufen. In der Folge fühlten sich manche bewusst getäuscht, was ebenfalls das Vertrauen in die Ärzte erschütterte, wenn auch zu Unrecht.

Zugleich haben sich die Ärzte – oder genauer: ihre Vertreter – wegen anderer Fragen in einen Mehrfrontenkrieg verwickelt. Gegen Apotheker, gegen die Krankenkassa, gegen die Politik. Und allzu oft steht dabei das Geld im Vordergrund. Auf Seite der Politik und Kassen, welche die explodierenden Gesundheitskosten in den Griff bekommen müssen (wo die ÖGK auch noch mit der absurden Konstruktion einer Leitung durch die Sozialpartner zurechtkommen muss). Und auf Seite der praktischen Ärzte, wie auch der Fachärzte, wie auch der Apotheker, die um ihre Umsätze bangen.

Man beobachte etwa den Konflikt der Ärzteschaft mit den – auch nicht unbedingt nur an Wohltätigkeit interessierten – Apothekern. Dürfen diese künftig impfen? Das sehen die Ärzte, nicht sehr überzeugend, als viel zu gefährlich an. Dürfen Ärzte Medikamente abgeben? Das lehnen wiederum die Apotheker strikt ab. Sind sie doch zusammen mit den Notaren einer der letzten Berufsstände, die so etwas wie einen Gebiets- oder Konkurrenzschutz haben.

Dabei wäre beides wohl sinnvoll: Die Apotheker könnten die maßlos überlaufenen Arzt-Ordinationen entlasten und zu einem kleinen Gesundheitsstützpunkt werden (als welcher sie ohnedies jetzt schon von vielen Kunden mit allen möglichen Fragen angesprochen werden). Für die ganz selten bei Impfungen aufgetretenen Komplikationen kann mit gutem Willen eine Konstruktion gefunden werden. Ich werde jedenfalls nie vergessen, dass ein guter Freund von mir vor Jahren sogar in der Ordination eines Arztes gestorben ist, weil auch dieser nicht das nötige Gegenmittel zur Hand hatte …

Umgekehrt wird einem ein Arzt keine unwirksamen Homöopathie-Tropfen aufschwatzen, wie es in mancher Apotheke passieren kann.

Ähnlich geht es beim nächsten Konflikt zu. Da schlagen die Politik und die Kassen vor, dass es erst dann einen von der Krankenversicherung bezahlten Facharzttermin geben darf – wie schon vor Jahrzehnten! –, wenn der Allgemeinmediziner eine Überweisung geschrieben hat. Davon erwarten sich die Kassen eine Reduktion der teureren Facharzt-Besuche. Die Fachärzte wieder bangen um Umsätze, weil etliche Probleme der Patienten zweifellos auch gleich vom Allgemeinmediziner gelöst werden könnten.

Beides geht jedenfalls am Leben der Patienten völlig vorbei: Denn diese haben schon jetzt da wie dort gewaltige Probleme, einen Termin zu bekommen, wenn sie nicht bereit sind, viele Stunden in einem Wartzimmer zu sitzen. Das wäre dann künftig bei den Allgemeinmedizinern noch viel schlimmer, wenn jeder Patient, egal ob er zu einem Wahlarzt oder ins Spital will, sich erst bei solchen Torwächtern ("Gatekeeper") eine Überweisung holen müsste. Wegen der überfüllten Kassen-Ordinationen blühen jetzt schon die sogenannten Wahlärzte auf, wo die Patienten dessen – ordentliches – Honorar direkt bezahlen müssen und dafür später von der Kassa ein Trinkgeld refundiert bekommen. Deswegen gibt es neuerdings das früher völlig unbekannte Phänomen von Allgemeinmedizinern (praktischen Ärzten) ohne Kassenvertrag, wo man selber zahlt, aber wenigstens gleich drankommt.

Der Mangel an Kassen-Allgemeinmedizinern hat eine klare Ursache: Sie bekommen von den Krankenkassen nur skandalös geringe Honorare und müssen daher durch Patientenmenge ihre Kosten decken, was wiederum auf Kosten der Qualität gehen muss. Da bleibt dann eben keine Zeit, jeden Patienten eingehend anzuschauen und mit ihm zu reden über Probleme wie Problemchen, die halt subjektiv oft auch als echte Probleme empfunden werden.

Was wäre die Lösung? Sie liegt zweifellos dort, wogegen sich die Politik so wehrt, was praktisch undurchführbar ist, solange die Sozialdemokraten in der Regierung sitzen: in Selbstbehalten.

Wenn jeder Besuch bei einem Allgemeinmediziner beispielweise den Patienten 5 Euro kostet, die der Arzt zusätzlich zum Kassenhonorar bekommt, jeder Besuch beim Facharzt 10 Euro und in einer Spitalsambulanz 20 Euro, wären die finanziellen Probleme zweifellos gelöst:

  1. Dann wären die Ambulanzen frei für die wirklichen Not- und Problemfälle.
  2. Dann gäbe es weiterhin freie Arztwahl.
  3. Dann würden die Ärzte ordentlich verdienen, noch bevor sie Oberarzt oder Primar in einem Spital geworden sind.
  4. Dann würde nicht ein so hoher Anteil von Jungmedizinern nach dem Studium des besseren Verdienstes wegen ins Ausland gehen.
  5. Dann würden nicht einsame Menschen nur deshalb eine Ordination besuchen, weil sie Gesprächssehnsucht haben.
  6. Dann würden die derzeit meist ganz gratis mitsegelnden Migranten (die noch dazu noch viel seltener als die Österreicher gesundheitsbewusst leben) wenigstens einen kleinen Beitrag ins System einzahlen.
  7. Dann müsste nicht ständig über eine Erhöhung der Sozialversicherungsbeiträge (=Lohnnebenkosten) diskutiert werden, die österreichische Produkte international noch weniger wettbewerbsfähig machen würde.

Wem es diese paar Euro nicht wert ist, der ist eindeutig selbst schuld an seinen Problemen. Hört doch auch niemand zu rauchen auf, weil selbst die billigste Packung Zigaretten mehr kostet als ein Arztbesuch.

Und für die maximal 5 bis 10 Prozent der Österreicher, die nachgewiesenermaßen wirklich arm sind, wie auch für die chronisch Kranken könnte man durchaus den zweiten Arztbesuch im Monat und alle folgenden per Eintragung auf der e-card gratis machen.

Aber wie gesagt: Mit den Sozialdemokraten lässt sich im Gesundheitsbereich genausowenig eine sinnvolle Reform machen wie etwa bei den Pensionen oder bei der Entbürokratisierung. Und bei Selbstbehalten zieht die Alles-Gratis-SPÖ schon deshalb nicht mit, weil solche einst (für Ambulanzen) von der schwarz-blauen Regierung Schüssel eingeführt worden waren. Lieber freut man sich klammheimlich darüber, dass Ärzte und Apotheker aufeinander einprügeln und als geldgierig dastehen, dass praktische und Fachärzte einander bekämpfen, und dass Patienten keine Arzttermine bekommen.