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Ist Schönheit eine politische Dimension?

Ist Schönheit eine politische Dimension?

Es ist nur noch empörend, wie in der Stadt Wien – genauer: in deren Rathaus – wirklich jeder Sinn für Ästhetik verloren gegangen ist. Das zeigt sich keineswegs nur bei dem kriminellen Projekt eines Hochhauses zwischen Konzerthaus und dem Jugendstil-Eingang zum Stadtpark, sondern auch an vielen anderen Elementen der Stadt, die einst für ihre Schönheit berühmt gewesen ist, deren historischer Glanz und Ruhm noch immer viele Touristen samt deren Geld in die Stadt bringen. Im Vergleich zum Wiener Sumpertum zeigt das Bundesland Oberösterreich (das ja auch ohne eine mit Wien oder Salzburg vergleichbare Metropole einen respektablen Tourismus hat), dass es aber auch anders geht.

In Oberösterreich hat das Landesverwaltungsgericht jetzt das Projekt eines großen Hotels in dem einmaligen und in aller Welt, nicht zuletzt in Ostasien berühmten Ort Hallstatt mit einer exzellenten Begründung rechtskräftig abgeschmettert, nachdem schon die Bezirkshauptmannschaft (Gmunden) das Projekt abgelehnt hatte. Eine Bezirkshauptmannschaft ist rechtlich mit dem Wiener Magistrat gleichzusetzen – mit dem einzigen Unterschied, dass in diesem offenbar nur noch kulturlose und ästhetikfreie Banausen amtieren, deren "kultureller" Horizont sich im Song-Contest, in schwulen Aufmärschen und im wirren Aktionismus des Festwochen-Kasperls Rau erschöpft.

Schon ein paar Sätze aus den 33 Seiten des Landesverwaltungsgerichts zeigen, wie bedacht man hingegen in Oberösterreich auf die Schönheit des Landes und auf ein Unesco-Weltkulturerbe ist:

  • "Die Sensibilität des Vorhabens wird durch die Lage des Vorhabens neben landschaftlich markanten, sowie historischen Gebäuden zusätzlich betont."
  • "Die Eingriffswirkung wird (neben der Gebäudehöhe, bzw. Geschoßanzahl) durch die auffällige Formensprache sowie durch die markante Kubatur des Hotels … weiter verstärkt."
  • Daher kommt das Gericht zum Schluss, dass "das Hotelgebäude das Landschaftsbild wesentlich – mit einer sehr hohen Eingriffsintensität – stört".
  • Daraus folgt, "dass mit der Errichtung des Hotelgebäudes dem bisherigen Landschaftsbild ein sich vom bereichstypischen Gebäudebestand abhebendes, deutlich wahrnehmbares Element hinzugefügt wird, was dem öffentlichen Interesse an der Erhaltung der heimischen Natur und Landschaft in ihren Lebens- und Erscheinungsformen diametral zuwiderläuft".
  • Und diesem öffentlichen Interesse komme ein "überragendes Gewicht" zu, das laut dem Gericht größer ist als alle anderen durchaus anerkannten Interessen etwa der Gemeinde an zusätzlichen Steuereinnahmen oder des Betreibers, der schon etliche Kosten investiert hat.

Gratulation Oberösterreich! Dort hat man noch ein öffentliches Interesse an ästhetischen Fragen und gibt denen sogar ein überragendes Gewicht.

Im Banausenrathaus zu Wien hat man hingegen überhaupt kein Interesse an ästhetischen Fragen, seit es dort keinen Helmut Zilk und Jörg Mauthe mehr gibt.

Das sieht man nicht nur am Wiener Hochhausprojekt, das noch viel massiver in die Lebens- und Erscheinungsform des Weltkultur-Erbes eingreift, als es das sechsgeschoßige Projekt in Hallstatt tun würde, und das in einer Stadt errichtet werden soll, die international noch viel mehr bekannt ist. Daneben gibt es noch andere Beweise im Wiener Stadtbild, welche die Kulturlosigkeit des Rathauses beweisen:

Da fällt vor allem auch die völlige Verachtung für das Gründerzeit-Wien auf, obwohl dieses neben den kaiserlichen Bauten zweifellos den wichtigsten und attraktivsten Teil der Schönheit Wiens ausmacht – oder genauer: ausgemacht hat. Denn dieses die Bezirke innerhalb des Gürtels prägende Gründerzeit-Wien ist in den letzten Jahren durch zahlreiche mehrstockige Dachausbauten wie durch schwere Pockennarben entstellt worden.

Vordergründig hat man das mit Geschwafel über eine angeblich dadurch ermöglichte Planetenrettung begründet. In Wahrheit stehen da einerseits massive Profitinteressen zugunsten von wem auch immer dahinter, sind doch solche Dachbodenausbauten extrem gesuchte und daher teure Wohnungen. Andererseits ist da zumindest im Unterbewusstsein einer Partei, die ihre geistigen Wurzeln tief im 19. Jahrhundert und im damaligen Proletariat hatte, ganz eindeutig noch eine genetische Klassenkampf-Aversion gegen das Bürgertum und seine stolzen Bauten der Jahre bis 1914 zu spüren, ob diese nun im Zeichen des Historismus oder des Jugendstils gebaut worden sind.

Diesem Bürgertum, dem Gründerzeit- wie auch dem kaiserlichen Wien, hat man lange krampfhaft die Ästhetik der Gemeindebauten der Zwischenkriegszeit gegenüberzustellen versucht, die es ja in ihrer eigenen Art zweifellos auch gibt (im Gegensatz zu den nach dem zweiten Weltkrieg errichteten völlig gesichtslosen Emmentalerbauten).

Jetzt geht man aber auch denen an den Kragen: Das Rathaus hat nun allen Ernstes offiziell erlaubt, dass an den Außenseiten der Gemeindebauten zu Tausenden die Splitgerät-Kästen von Klimaanlagen errichtet werden dürfen. Damit werden Wiens Gemeindebauten dann endgültig an die hässlichen Plattenbauten des osteuropäischen Realsozialismus erinnern, wo die Bewohner die Hitze der niedrigen Wohnungen durch individuelle Klimaanlagen zu bekämpfen versucht haben, die halt dann wie Blutegel an den Fronten der Häuser kleben – soweit diese Bauten in ihrer Unerträglichkeit nicht nach der Wende schon abgerissen worden sind (diese Anmerkungen bedeuten keineswegs das Verlangen, dass die heute schon überwiegend migrantischen Gemeindebau-Bewohner einfach in der Hitze schmoren sollen; gibt es doch schon viel bessere Gemeinschafts-Anlagen, die dann auf den Dachböden oder Dächern versteckt ihre Lufttauschgeräte haben).

Das heißt aber auch schon auf Grund des Gleichheitsprinzips der Verfassung, dass auch andere Wiener Häuser künftig mit Klimaanlagen verziert werden dürfen.

Die Hässlichkeit von all dem hier Skizzierten wird nur noch durch drei Großbauten inmitten des historischen Wien übertroffen, wo die Rathausgenossen noch viel direkter verantwortlich gewesen sind. Das ist der Ringturm und das sind die beiden hohen Würfel des AKH.

Und dann haben sie als letzte Untat die Stadt und ihre Straßen mit Bäumen übersät. So als ob sie sich für jene Gebäude schämen würden, die sie noch nicht direkt verhässlichen haben können. Fast wäre ihnen das auch bei der kaiserlichen Hofburg gelungen, wo man es ja am Michaelerplatz auch schon versucht hat.