Die Bankrotterklärung der Wiener Universität
Der Senat der Universität Wien hat gegen den Wunsch des Rektors eine für den 13. Mai ausgeschriebene Verleihung des goldenen Doktordiploms an den Mathematiker, Universitätsprofessor und Abgeordneten Rudolf Taschner im letzten Moment verhindert. Das wird Taschner nicht weiter stören, verlangt doch die Schnorruniversität von den solcherart Geehrten sogar noch Geld für das Glas Sekt, das dabei neben einem Stück Papier gereicht wird. Jedoch ist die Begründung für die Ausladung so abenteuerlich, dass sie der beste Beweis dafür ist, dass dieses Mitbestimmungsgremium dringend abzuschaffen ist, dass an der Uni eine miese woke Sippschaft regiert, die auch kein Problem hat, glatt gegen die Verfassung zu verstoßen, und dass das Budget dieser Universität ganz offensichtlich einer der vielen Budgetposten wäre, wo die klamme Republik sparen könnte und sollte, es aber nicht tut.
Im Wortlaut schreibt nämlich der Vorsitzende des Senats, ein bisher völlig unbedeutender Mann namens Stefan Krammer: "Der Senat hat den Antrag auf Erneuerung des Doktorates von ao. Univ.-Prof. i.R. Dr. phil. Rudolf Taschner aufgrund seiner Äußerungen in Bezug auf Evidenz, Autonomie und Freiheit der Wissenschaft (insbesondere zum Klimawandel, zu Vergaberichtlinien des FWF, zu Gender und Postcolonial Studies) abgelehnt."
Diese Attacke eines durch seine Zusammensetzung überaus problematischen Gremiums ehrt in Wahrheit Taschner. Sie wird ihm mit Sicherheit nicht schaden. Sie ist eher Garantie dafür, dass er trotz seines Alters der Wissenschaftsminister der nächsten Regierung wird. Weder in FPÖ noch in ÖVP gibt es spätestens ab jetzt irgendjemanden, der ihm für diese Funktion das Wasser reichen könnte.
Denn die Begründung des Uni-Senats zeigt mit anderen Worten: Weil Taschner zu den linksradikalen Thesen, die an der Uni im Bereich der Pseudowissenschaften Postkolonialismus, Genderologie und Klimapanikmache verzapft werden, andere Auffassungen hat und ausspricht, und weil er die Geldvergabe des ebenfalls von Steuergeldern lebenden Forschungsförderungsfonds zu kritisieren wagt, muss er bestraft werden.
Das ist das absolute Gegenteil von Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit (ganz abgesehen davon, dass Taschner mit all seinen Kritikpunkten höchstwahrscheinlich Recht hat). Denn diese Freiheit kann nur bestehen, wenn niemand fürchten muss, wegen seiner Kritik, wegen seiner – noch dazu wohlfundierten – Meinung, oder, wie der Senat schreibt: "aufgrund seiner Äußerungen" zensiert zu werden. Schon gar nicht ein anderer Wissenschaftler.
Gewiss: In der Nazizeit haben jene, die anderer Auffassung waren als die herrschende Lehre, mit viel schlimmeren Konsequenzen rechnen müssen als Taschner heute. Aber der Geist der doktrinären Intoleranz ist absolut der Gleiche. Er kommt nur aus einer anderen Ecke und hat nicht die Durchsetzungswaffen, welche die Nazis hatten.
Gewiss: Taschner selbst kann sich problemlos abbeuteln. Es soll ihm nie Schlimmeres passieren.
Aber der ganze Vorgang ist aus einem anderen Grund besorgniserregend. Er ist ein massiver Beweis, wie sehr auch hinter den Mauern der Universität der Muff und Filz der Intoleranz herrscht – gerade in jenen Bereichen, die nach der linken Übernahme der Universitäten in der Kreisky-Zeit überhaupt erst mit Professorenstellen rechnen konnten, deren Wissenschaftlichkeit vielfach bis heute bezweifelt wird. Und die nun endgültig bewiesen haben, dass sie gerade aus einem gewaltigen (und berechtigten) Minderwertigkeitskomplex über den eigenen Stellenwert heraus auf allen Ebenen Kritik und anderslautende Meinungen umzubringen versuchen.
Man kann sich nur voll Beklemmung vorstellen, wie es tagtäglich in dieser einst angesehenen Universität zugeht. Wie chancenlos da Professoren, Studenten oder Mittelbauangehörige sind, die nicht genau die herrschende Doktrin nachplappern. Wie unmöglich es für einen Wissenschaftler ist, der sich um eine Professur an einer solchen Uni bewerben will, wenn er die herrschende Ideologie nicht ganz teilt.
In dieser Uni hat keine Chance, wer etwa die Europäer gegen den afrikanisch-islamischen Rassismus verteidigt (welcher nämlich der zentrale Punkt der "Postcolonial Studies" ist); wer etwa von der Existenz bloß zweier Geschlechter gesprochen hat; wer etwa (wie Taschner) im Klimaalarmismus ein bloßes Scheinproblem sieht; wer etwa zu erwähnen wagt, dass Männer in vielerlei Hinsicht benachteiligt sind (was sie ja von der Präsenzdienstpflicht über das Pensionsalter bis zur Lebenserwartung eindeutig sind); wer das biologische Geschlecht nicht als etwas frei Wählbares ansieht; oder wer die deutsche Sprache gegen die genderistischen Sprachzerstörer verteidigt.
Dieser Ungeist hat sich ja auch schon in den Fällen der "Cancel culture" gezeigt, als auf Druck linksradikaler Studenten jemand als Referent ausgeladen worden ist, der im Verdacht falscher Meinungen steht. Noch chancenloser sind falsch denkende Wissenschaftler, die sich um einen Professorenposten bewerben.
Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, dass sich diese schlechte Entwicklung der Universität vor allem im durchaus mächtigen Senat kondensiert. Herrscht doch dort noch das alte Mitbestimmungsprinzip aus Kreiskys Zeiten, das leider auch bei der Uni-Reform der Ministerin Gehrer nicht ganz eliminiert worden ist. Im Senat haben die Professoren nur genauso viel Stimmen wie Studenten, Mittelbau und nichtwissenschaftliches Personal zusammen. Aber auch die Professoren sind wenig überzeugend, haben sie doch vielfach eine linke Zensurschranke zu überwinden gehabt.
In Wahrheit braucht niemand mehr die Senate, gibt es doch überall Uni-Räte, die gleichsam als Aufsichtsrat die Rektoren kontrollieren.
Zurück zur Person Taschner: Es gibt derzeit kaum jemanden im Lande, der so viel durch seine Publikationen für die Wissenschaft getan hat, der das Verständnis nicht nur für seine Mathematik, sondern auch für andere Disziplinen so enorm gefördert hat wie er. Zugegeben: Taschner hat sich dabei auch immer bemüht, verständlich zu bleiben – was ja für manche in der Uni eine Todsünde ist, die der Meinung sind: Je unverständlicher ein Gebrabbel ist, umso wissenschaftlicher wäre es.
Dem nun ent-ehrten Taschner sei daher der Vorsitzende dieses Senats gegenübergestellt, dem man alles nachsagen kann, aber nicht, dass irgendetwas von dem, was er publiziert oder vorgetragen hat, relevant oder verständlich wäre oder verdienen würde, von unserem Steuergeld finanziert zu werden. Man kann sich schon allein die Titel auf der Zunge zergehen lassen.
- Da findet sich etwa ein Vortrag unter dem Titel "Feministische Theorie und Männlichkeitsforschung in der Literaturwissenschaft". Dafür hat es Förderungen aus Steuermitteln beziehungsweise Zwangsbeiträgen sowohl von der Stadt Wien wie vom Frauenministerium wie von der Arbeiterkammer gegeben (warum auch immer ein zweistündiger Vortrag überhaupt Förderungen braucht; die nebstbei auch ein typisches Beispiel für die von der Politik ständig dementierten Mehrfachförderungen sind; die daher dringend auch den sonst so umtriebigen Rechnungshof interessieren sollten).
- Da hat er sich habilitiert zum Thema "Identität und Performanz".
- Da hat der – von Taschner kritisierte – FWF ein Projekt des Senatsvorsitzenden mit dem Titel "Tropen des Staates" gefördert.
- Da hat der Senatsvorsitzende sich auch noch unheilvoll in den Schulunterricht eingemischt, etwa durch "(Un)Doing Gender als gelebtes Unterrichtsprinzip".
- Da findet sich der von ihm herausgegebene Titel: "In-Differenzen. Alterität im Schreiben Josef Winklers".
- Da findet sich "Fiktionen des Männlichen. Männlichkeitsforschung in der Literaturwissenschaft".
- Da findet sich der Titel ",redet nicht von Schweigen ….‘ Zu einer Semiotik des Schweigens im dramatischen Werk Thomas Bernhards".
Wie dringend ich das alles lesen möchte! Was für ein großer Wissenschaftler! Was für ein Pech, dass der Schweigen- und Männlichkeitsforscher nicht auch zeigt, wie sehr sich die ganz Welt um ihn reißt, dass er statt dessen praktisch das alles nur fürs Steuergeld des kleinen Österreich zu tun bereit ist. Das alles – sowie eben auch die Verunglimpfung eines ungefähr hundert Mal relevanteren Professoren-Kollegen und die Verletzung der Bundesverfassung ...
PS: Zur Ehrenrettung der Professorenschaft sei hinzugefügt, dass es gleich sechs Professoren waren, die mich auf den Skandal hingewiesen und gebeten haben, dazu zu zuschreiben.
