Elektrostahlerzeugung in Österreich
Notwendigerweise braucht man Strom, viel Strom und preiswerten Strom, um Stahl in einem Elektrolichtbogenofen zu schmelzen. Dieser soll aus Ökostromanlagen kommen. Das ist der Wunsch der Öko-Lobby, möglicherweise auch der VOEST.
So konnte man vor Kurzem im Energy News Magazin lesen: "45 Millionen Euro investieren die Energie Steiermark mit ihrem 50-Prozent-Projektpartner Verbund, um das neue Murkraftwerk im Bereich Judendorf zu errichten." Baustart soll Herbst 2026 sein. "Das Kraftwerk soll eine Leistung von 7,5 Megawatt haben und jährlich 37 Gigawattstunden Energie produzieren."
"Vor allem die Industrie soll vom Bau des Murkraftwerks Leoben-Ost profitieren – allen voran die Voestalpine Donawitz, die derzeit riesige, aufwändige und kostspielige Baumaßnahmen setzt, um bei der Produktion auf Greentec-Steel mit Elektro-Lichtbogen-Hochöfen umstellen zu können."
"Ein Teil unseres Kraftwerksprojekts wird eine Direktleitung zur Voestalpine Donawitz sein", erklärt Harnik-Lauris weiter. Insgesamt handle es sich um einen wesentlichen Beitrag zur "Ökologisierung der Stahlproduktion".
"Elektro-Lichtbogen-Hochöfen" waren mir bisher unbekannt. Muss eine neue, journalistische Kreation des Schauspielers und Bereichsleiter Konzernkommunikation, Konzernsprecher, Energie Steiermark AG sein.
Also dieser im Bau befindliche "Elektro-Lichtbogen-Hochofen" soll einen der konventionellen Donawitz Hochofen ersetzen und teilweise mit der nötigen Energie durch das Mur-Kraftwerk Leoben-Ost betrieben werden. Das ist interessant. Nämlich aus mehreren Gründen.
- Ein Hochofen in Donawitz produziert pro Jahr 850.000 Tonnen Stahl.
- Der Lichtbogenofen verbraucht 300 bis 500 KWh, um eine Tonne Stahl zu schmelzen.
- Daher wären zwischen 225 bis 425 GWh erforderlich, um die Produktion eines Hochofens durch einen Lichtbogenofen zu ersetzen.
- Das geplante Mur-Kraftwerk Leoben-Ost produziert 34,6 GWh.
Also eine gewaltige Spanne zu den 225 bis 425 GWh. Hinzu kommt, dass auch das Kraftwerk in Donawitz durch den Ausfall des Gichtgases weniger Strom erzeugen kann. Demnach müssen 200 bis 400 GWh Solar- oder Windstrom zugekauft werden. Nimmt man dafür Windräder mit einer Leistung von 7 MW, so müssten unter hiesigen Wetterbedingungen (Kapazitätsfaktor 0,23) zwischen 14 bis 28 Windkraftwerke gebaut werden.
Zusätzlich ist der durch die Stilllegung eines Hochofens entstehende Verlust von Gichtgas, das zur Stromerzeugung Verwendung fand, auszugleichen. Doch Ökostromanlagen liefern nur Strom, wenn die Natur das genehmigt, also bei Flauten muss Strom durch Batterien oder Gaskraftwerke zum Einsatz kommen.
Einige statistische Werte seien genannt:
Investition Mill.€ je MW install. Leistung Investition in Euro je KWh/Laufzeit
Mur-Kraftwerk Puntigam 5,25 1,12
Salzach-Kraftwerk Stegenwald 7,13 1,38
Mur-Kraftwerk Gratkorn 7,46 1,49
Mur-Kraftwerk Leoben-Ost 6,00 1,30
Atomkraftwerk Barakah 6,06 1,22
Atomkraftwerk Al Dabaa 6,25 1,32
Österr. größter Windpark 1,64 3,98
Grafenwörth Schwimmende PV-Anlage 0,90 4,12
Es ist ersichtlich, dass Laufkraftwerke in etwa gleich hohe Investmentkosten je MW installierter Leistung wie Atomkraftwerke beanspruchen. Ebenfalls sind die Energiegestehungskosten über die Laufzeit der Laufkraftwerke etwa gleich wie für Atomkraftwerke.
Ein Riesenunterschied dagegen kann man bei dem Wind- oder Solar-Kraftwerk feststellen. Außerdem ist anzumerken, dass diese alle 20 bis 25 Jahre erneuert werden müssen und im Endeffekt (Inflation) deutlich teurer sind als in der Tabelle dargestellt. Hinzu kommen die Backup-Gaskraftwerke und alle notwendige Struktur. Auch ist der Schaden für die Umwelt zu berücksichtigen, der durch zusätzliche Straßen, Stromnetzanlagen, Umspannwerke und Bodenversiegelung entsteht.
Für Industriekomplexe wie es Donawitz oder Linz sind, kämen small modulair reactors (SMR) in Frage. Diese neuesten Reaktoren können neben Strom auch Prozesswärme liefern. In Donawitz wäre das zunächst ein Reaktor mit einer Leistung von etwa 60 MW, (oder mehrere kleine Reaktoren wie sie gegenwärtig in China getestet werden) der, skaliert aus Werten von Barakah, eine Investition von etwa 350 Millionen Euro verlangen würde. Eine solche Anlage könnte im Werksgelände errichtet werden und würde keine Backup-Einrichtungen erfordern, wie es bei Wind- und Solarkraftanlagen der Fall ist. Leider sind SMR derzeit für die Industrie noch nicht vorhanden, jedoch sollte man SMRs für die Zukunft in Betracht ziehen, denn es sollen ja alle Hochöfen – in Donawitz und in Linz – durch Lichtbogenöfen ersetzt werden.
Wie Georg Steinhauser, Professor für Radiochemie an der TU Wien, im Verhör durch Armin Wolf auf ORF 2 feststellt, ist moderne Kernenergie unfassbar sicher.
Ein entscheidender Vorteil der Atomkraftwerke liegt in der Sicherheitsbilanz: Statistisch gesehen gibt es je Terawattstunde produzierten Strom weniger Todesfälle als bei Solarkraftwerken. Diese Tatsache unterstreicht die hohe Sicherheit von Atomkraftanlagen im Vergleich zu anderen erneuerbaren Energieformen.
In der Diskussion rund um Tschernobyl und Atomkraft war es nicht möglich, Prof. Steinhauser zu negativen Aussagen über die Atomkraft zu bewegen – zum Leidwesen von Herrn Wolf, der offenbar eine kritische Stellungnahme erwartet hatte.
Die Zukunft wird zeigen, ob das geplante Megarechenzentrum in Wien, oder die gesamte Stahlerzeugung mit Solar- oder Windstrom betrieben werden können. Die Erfahrung in den USA lässt am österreichischen Weg zweifeln. Speicherung von sommerlichen Überflussstrom wird zwar immer als Lösung angepriesen, doch niemand hat je die Kosten für Speicherkapazitäten, die mehrere TWH umfassen müssen, dargelegt. Und sich in Flauten auf den Import von Atomstrom unserer Nachbarn zu verlassen, ist eine zweifelhafte Politik.
Leider musste Prof. Steinhauser feststellen, dass in Österreich Atomkraft mangels Akzeptanz vorerst kein Thema ist.
Gerhard Kirchner ist Bergingenieur und liebt die Umwelt.
