Die vier Gründe, warum Pig scheitern muss
Wie erwartet ist APA-Geschäftsführer Clemens Pig der neue ORF-Generaldirektor. Und wie in diesem Tagebuch schon einmal klar geschrieben, hat er keine Chance, den ORF noch einmal zu dem anerkannten und von der ganzen Bevölkerung geschätzten Leitmedium zu machen, das er unter Gerd Bacher wirklich und unter Teddy Podgorski weitgehend gewesen ist. Diese Chancenlosigkeit beruht weniger auf Geldmangel, weniger auf der inzwischen erstandenen Konkurrenz anderer inzwischen entstandener Fernseh- und Radioanstalten, sondern auf drei ganz anderen Gründen.
Pig ist nicht nur Geschäftsführer wie bei der APA, sondern auch oberster Chefredakteur, der jetzt einen im Gleichschritt nach links marschierten Redakteurshaufen wieder zur Linie der Ausgewogenheit, der Objektivität und der Erreichung aller Lager bewegen müsste. Dies umso mehr, als die Bevölkerung, wie sämtliche Wahlergebnisse und Umfragen zeigen, heute in ihrer Mehrheit deutlich rechter steht als in den Zeiten Bachers.
Zum ORF sollten eben auch konservative, christlich orientierte, heimatbewusste, wirtschaftsliberale, migrations-, feminismus- und islamkritische Österreicher wieder Vertrauen fassen können. Denn das haben sie im breiten Umfang verloren. Das werden sie aber angesichts der schwer ideologischen Einstellung der meisten Redakteure keinesfalls können.
- Dieses Vertrauen werden sie nicht fassen können, solange im ORF krampfhaft gegendert wird.
- Das werden sie nicht können, solange im ORF als "Experten und Expertinnen" immer nur Menschen auftreten, die weit links stehen.
- Das werden sie nicht können, solange Ö1 (außerhalb der Journale) weiterhin von einer rein kommunistischen Mannschaft gemacht wird.
- Das werden sie nicht können, solange in den Fernsehredaktionen die innere Sympathie erkennbar knallgrün ist.
- Das werden sie nicht können, solange keiner der vielen Naturwissenschaftler und Nobelpreisträger sachlich die massiven Argumente gegen den Glauben vorbringen kann, dass die Klimaänderungen menschengemacht wären.
- Das werden sie nicht können, solange keine Biologen ungestört auftreten dürfen, die beweisen können, dass es nur zwei Geschlechter gibt.
- Das werden sie nicht können, solange nicht massive Kritiker der Trans-Ideologie und geschlechtsverändernden Operationen faire Chancen bekommen.
- Das werden sie nicht können, solange interessante Typen wie ein Martin Sellner von den Identitären zwar bei Servus-TV, aber nicht im ORF zu sehen sind.
- Das werden sie nicht können, solange die einzig kritische Fragen-Linie gegenüber SPÖ-Politikern im Vorwurf besteht, dass sie sich – angeblich – nicht gegen die ÖVP durchsetzen können.
- Das werden sie nicht können, solange es im ORF nicht kritische Reportagen und Analysen zu jenem Thema gibt, das die Österreicher am meisten besorgt. Das wären Analysen, in denen sie ihre Sorgen über Massenmigration und Islamisierung geteilt und nicht verachtet sehen.
Das sind nur ein paar der wichtigsten von den ORF-Redaktionen praktisch geschlossen boykottierten Themen und Persönlichkeiten. Bei Pig scheint klar zu sein, dass er nicht einmal versuchen wird, einen dieser Punkte umzusetzen. Hat er doch in der APA völlig tatenlos zugesehen, als die dort früher über um objektive Korrektheit bemühte Redaktion völlig in den linken Mainstream abgeschwommen ist.
Der zweite Grund, warum Pig scheitern muss – warum auch jeder andere Kandidat vielleicht mit Ausnahme von Johannes Larcher gescheitert wäre –, hängt eng mit dem ersten zusammen: Die ORF-Redaktionen haben dem schwachen bisherigen Generaldirektor ein unglaubliches Redaktionsstatut abgetrotzt (auch wenn sein Hinauswurf ein himmelschreiender Skandal gewesen ist, ist eben doch festzuhalten, dass Roland Weißmann bei allen Fragen, die über Geld hinausgingen, furchtbar überfordert gewesen ist).
Jenes Statut gibt den redaktionellen Politkommissaren so viele Rechte, dass sie de facto jeden Vorgesetzten abberufen können, wen auch immer Pig künftig in die mittleren Führungspositionen berufen sollte. Die Basis und die Räte dürfen jedenfalls ganz legal und ungestraft ein dauerhaftes Kesseltreiben gegen jeden Vorgesetzten inszenieren, sodass kein Vorgesetzter es wagen wird, gegen die Redakteure auch nur einen einzigen der oben genannten Punkte durchzusetzen (sollte ihn Pig überhaupt damit beauftragen). Aber auch schon vor dem Statut war gegen die militanten Typen in der Redaktion praktisch nichts mehr zu erreichen. Der letzte, der das eine Zeitlang versucht hat, war der Chefredakteur Werner Mück – bis er vor rund zwanzig Jahren genau deswegen abgeschossen worden ist.
Der dritte Grund des Scheiterns: Pig hat als erste inhaltliche Festlegung über sein Team ausgerechnet die Geschlechterparität angekündigt. Er will also nicht die Besten suchen, sondern krampfhaft jeweils eine Frau und einen Mann bestellen, was die Chancen auf eine Wiedererringung des Publikums-Vertrauens noch weiter reduziert.
Und der vierte Grund, warum Pig scheitern muss: Er wird finanziell Tag und Nacht wegen des soeben beschlossenen Wegfalls von 93 Millionen aus dem Staatsbudget so unter Druck stehen, dass er vor lauter Sparen, Sparen, Sparen überhaupt keine Zeit mehr finden wird, sich um seine eigentliche Aufgabe zu kümmern, selbst wenn er das wollte und könnte. Diese Aufgabe wäre in einem Satz: Der ORF-Chef soll erstens ständig das gesamte Programm überdenken (wozu müssen wir beispielsweise für den wenig gesehenen Boulevardsender ORF1 oder für die Übertragung von Formel-1-Rennen Zwangsbeiträge zahlen?); und er soll zweitens die journalistischen Programmteile etwa durch Realisierung der kurz aufgezählten zehn Punkte wieder zu dem machen, was sie laut Gesetz sein sollten.
Wäre der Job nicht sehr gut honoriert, müsste einem dieser Clemens Pig wirklich leid tun. Hat er doch keine andere Chance als zu scheitern, als zusehen zu müssen, wie der ORF weiter an Seher- und Hörer-Quoten verliert, wie er weiter an Vertrauen verliert.
