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Der Krieg hat sich gewendet

Der Krieg hat sich gewendet

Der Ukraine-Krieg dauert für Russland schon deutlich länger denn die eigene Kriegsteilnahme in jedem der beiden Weltkriege. Und dennoch stehen die Chancen für den Möchtegern-Eroberer in Moskau schlechter denn je. Schon allein die Tatsache, dass sich jetzt Donald Trump wieder anscheinend ganz an die Seite des von ihm einst heruntergemachten Ukrainers Selenskyj stellt, spricht Bände. Bei Trump sind dabei zweifellos nicht Gerechtigkeitsmotive im Spiel, sondern er will am Schluss einfach auf der Gewinner-Seite stehen. Das ist ein ganz großer Erfolg – wenn auch nur Zwischenerfolg – für die Europäer, die stets standhaft an der Seite der überfallenen Ukrainer gestanden sind, als Trump sich opportunistisch abgewendet hatte. Und das ist ziemlich blamabel für AfD und FPÖ, die zum Unterschied von anderen Rechtsparteien Moskau unterstützt haben.

Sie haben dies – hoffentlich – bloß im Glauben getan, die Ukrainer hätten eh keine Chance, diese sollten sich ins Unvermeidliche fügen und damit trösten, dass sie doch ohnedies schon so lange Untertanen der Russen gewesen waren (und dass sie sich, so merken andere an, bei ihren von Moskau deshalb als "faschistisch" denunzierten Freiheitskämpfen während des zweiten Weltkriegs auf die falsche Seite gestellt haben .... Jede andere Erklärung für die eigentlich unfassbaren Moskau-Sympathien der beiden Rechtsparteien wäre ein absoluter Skandal: dass diese entweder Geld und sonstige Unterstützung (etwa durch Massenpostings von Automaten) von den russischen Machtstrukturen bekommen haben oder dass sie gar innere Sympathien für die russische Diktatur und deren Imperialismus haben.

Überhaupt nur noch lächerlich ist das von FPÖ-Agitatoren ausgestreute Argument: Man könne doch die Ukraine nicht unterstützen, die wäre ja korrupt. Das ist nur noch absurd. Denn:

  1. Korruption gibt es in jedem Land der Welt, auch in der EU, auch in Österreich (freilich sind die Berichte der in linksradikale Hände geratenen Organisation "Transparency" in letzter Zeit in Hinblick auf Österreich nicht mehr ernst zu nehmen) – dennoch kommt niemand auf die Idee, das Land der Gier eines Angreifers zu opfern.
  2. Die Ukraine hat nachweislich mit dem Geld zu 99 Prozent extrem Sinnvolles zur Abwehr des Aggressors gemacht.
  3. Die Informationen über ukrainische Korruptionsfälle sind überhaupt nur deshalb bekannt geworden, weil Selenskyj und die Justiz sehr energisch dagegen vorgehen, während Diktaturen wie jene Stalins, Hitlers oder Putins nie darüber berichten, weshalb einfache Gemüter glauben, dort habe es keine Korruption gegeben.
  4. Mit absoluter Gewissheit ist die Korruption in der russischen Armee sogar tausend Mal schlimmer als die der Ukraine (Russische Offiziere lassen sich sogar regelmäßig bestechen, damit sie die zahlenden Soldaten nicht zu gefährlichen Missionen schicken, wie übereinstimmende Berichte gefangener und geflüchteter Russen bestätigen) – nur wird sie dort nie verfolgt, es sei denn, jemand wagt es, Kritik an Diktator Putin zu üben, dann wird ihm sofort Korruption vorgeworfen. 
  5. Bei der Unterstützung der Ukraine geht es nicht primär um ein Wohlverhaltenszeugnis für alle Politiker des Landes, sondern erstens um die moralische Pflicht, einem überfallenen Volk zu helfen, das in seiner ganz großen Mehrheit nie wieder unter russische Oberhoheit geraten will, und zweitens um das Eigeninteresse jeder europäischen Nation – ob in der Nato oder neutral –, dass es keinesfalls hingenommen werden darf, wenn größere Länder sich kleinere einfach aneignen.

Wie hat das die Ukraine aber konkret geschafft, dass Russland heute so schlecht dasteht, das am Anfang geglaubt hat, binnen weniger Wochen in Kiew zu stehen?

  • Die Ukraine hat mit Entschlossenheit und Unterstützung fast des ganzen Volkes unglaublich viel Kreativität und Durchhaltekraft gezeigt. 
  • Sie hat die gesamte Methode der Kriegsführung durch Drohnen, künstliche wie natürliche Intelligenz ins 21. Jahrhundert katapultiert, während die Russen lange geglaubt haben, noch einmal die Taktiken des letzten Weltkrieges wiederholen zu können. 
  • Ganz entscheidend war und ist zweifellos auch die taktische Unterstützung durch die Informationen aus dem Weltraum und durch die Kommunikation über ihn, also durch die Starlink-Satelliten des – von allen Linken dieser Welt so gehassten – Elon Musk. Dieser wird zweifellos der erste sein, dem die Ukraine nach dem Krieg ein Denkmal baut.
  • Der Ukraine ist vor allem auch der Auf- und Ausbau einer eindrucksvollen Rüstungsindustrie gelungen. Diese ist so toll, dass Waffenexporte zu einer der wichtigsten Einnahmequellen der Ukraine geworden sind. Das ist historisch wohl einmalig, dass ein seit mehr als vier Jahren in einem bitteren Abwehrkampf steckendes Land gleichzeitig in großem Umfang modernste Waffen exportieren kann, um die sich alle Welt reißt. 
  • Und wenn die Ukraine von Trump wirklich die jetzt versprochene Lizenz der USA bekommt, auch noch Patriot-Abwehrraketen zu bauen, dann erreicht diese Erfolgsgeschichte einen neuen Höhepunkt. Denn während die Ukraine schon gute Abwehrerfolge gegen russische Drohnen durch eigene  Drohnen erzielt, helfen gegen Raketen nur die Patriot-Raketen (die ja auch für Israel so wichtig sind).

Was bedeutet das alles nun für den unmittelbaren Krieg?

  • Die Entwicklung an der unmittelbaren Front hat immer mehr an Bedeutung verloren. Sie ist weitestgehend eingefroren. Dafür ist das, was dahinter geschieht, zunehmend wichtig geworden.
  • Die Russen haben durch Raketen- und Drohnenangriffe immer wieder die Stromversorgung der ukrainischen Zivilbevölkerung und deren Wohnhäuser zerstören können. Sie haben aber überhaupt nicht die sensationelle Waffenindustrie der Ukraine ausschalten können. Damit haben sie nur die Entschlossenheit der leidenden Bevölkerung der Ukraine erhöht, aber keine strategischen Vorteile erzielt.
  • Die Ukrainer hingegen haben mit ihren Drohnenangriffen dreierlei erreicht:
    1. Sie haben die Öl- und Gasexport-Anlagen Russlands signifikant beschädigen und damit die einzige (durch die westlichen Sanktionen ohnedies schon beeinträchtigte) Einnahmequelle des Putin-Regimes deutlich reduzieren können.
    2. Sie haben sogar die Treibstoffversorgung der russischen Bevölkerung selbst empfindlich beschädigen können, die in Schlangen an den Tankstellen auf ihren Diesel warten muss. Das hat das Märchen Putins endgültig kollabieren lassen, in der Ukraine ginge es nur um eine Spezialoperation gegen ein "Nazi-Regime", das militärisch ohnedies bald am Kollabieren sei: Durch diese Alltags-Beeinträchtigungen wird die Kriegs-Unwilligkeit der Russen immer größer und zu einem wachsenden Problem für Putin, der immer mehr als jener dasteht, der eigentlich als einziger diesen Krieg will.
    3. Und die Ukrainer haben in letzter Zeit ihre Drohnenangriffe ganz auf die russischen Nachschubrouten Richtung Front konzentriert, was nach vielen Hinweisen dort schon zu empfindlichen Mängeln und zu einem Verlust der Offensivkraft geführt hat. Satelliten-Aufnahmen zeigen zahlreiche zerstörte LKW und militärische Fahrzeuge auf den wichtigsten Fernstraßen nach Süden. Laut FAZ hat ein russischer Militärblogger über diese Angriffe der Ukrainer geschrieben: "Sie brennen einfach alles nieder."

Natürlich ist es denkbar, dass Russland wieder Alternativen zu diesen erfolgreichen ukrainischen Strategien entwickeln kann, etwa den Aufbau einer eigenen Starlink-Alternative. Aber das geht nicht von heute auf morgen.

Ausländische Geheimdienste verfolgen naturgemäß die Entwicklung des Krieges sehr genau. Sie wollen wissen, wie dieser weitergeht. Sie wollen aber auch möglichst viel der waffentechnischen Weiterentwicklung absaugen. 

Einer der genauesten Beobachter ist zweifellos China, das formal neutral ist. Es liefert nicht nur Russland, sondern auch der Ukraine kriegswichtige Dinge. China ist durchaus erfreut über eine Schwächung Russlands, das fast schon auf den Status eines Satelliten Chinas abzusinken begonnen hat. Peking will aber andererseits schon gar nicht eine Niederlage Russlands und damit einen Triumph der USA. Deswegen hat China jetzt sogar mit der Ausbildung russischer Soldaten begonnen. Es versucht aber gleichzeitig auch für seine Armee möglichst viele Erkenntnisse aus dem Ukraine-Krieg zu ziehen und die Russen zu Verbündeten der eigenen Aggressionspläne im Osten zu machen. Deswegen gibt es immer öfter gemeinsame Luftwaffen- und Flottenübungen der russischen und chinesischen Kräfte bis vor die Küsten Alaskas. 

Das ist ein weiteres Zeichen, dass sich Peking ganz darauf konzentriert, den USA die Rolle als Weltmacht Nummer Eins zu nehmen und selbst zur dominierenden Macht im ganzen ostasiatischen und pazifischen Raum zu werden. 

Damit deutet sich aber auch die wirklich große Gefahr an, wo aus dem Ukraine-Krieg ein wirklicher Weltenbrand entstehen könnte. Denn weder die USA noch die vielen Nationen in Südostasien und rund um den Pazifik sind bereit, eine chinesische Vorherrschaft zu akzeptieren.

Diese Eskalations-Gefahr ist jedenfalls größer als die ebenfalls existierende Wahrscheinlichkeit, dass Russland mit militärischen Provokationen gegen EU-Staaten beginnt. Jedoch rechnen immer mehr Experten damit, dass solche Provokationen gleichzeitig mit chinesischen Aktionen im pazifischen Raum gesetzt werden könnten.

Wenn man dieses größere Bild im Auge behält, dann wird es aber auch klarer, warum sowohl die Europäer als auch die Amerikaner die Türkei so hofieren, obwohl diese eine fast ebenso grausliche Diktatur wie Russland ist.