Warning: Illegal string offset 'portraitimage' in /var/www/lweb50/htdocs/science-blog.at/conf.php on line 67
Infantino und viele andere

Infantino und viele andere

Unzählige Eltern bemühen sich jahraus, jahrein, ihren Kindern positive Werte zu vermitteln, darunter nicht zuletzt die Bedeutung von Recht und Ordnung. Die Politik vieler theoretisch demokratischer Länder macht ihnen das schon länger zunehmend schwer. Jetzt aber ist alles an schlechten Beispielen übertroffen worden – weil es sich in einem Bereich abgespielt hat, der im absoluten Zentrum des Interesses vieler Jugendlicher steht, die sich ja noch wenig für Politik interessieren.

In diesem Zentrum steht zumindest bei männlichen Jugendlichen fast weltweit eindeutig der Fußball. Genau dort haben sie aber jetzt miterleben müssen, wie Schiebung und Korruption sich austoben – ausgerechnet bei jener Organisation, der Jugendliche viel Zeit und Geld opfern, beim Weltfußballverband Fifa. Diese Fifa hat die eigentlich in abertausenden anderen Fällen zwangsläufige Sperre eines amerikanischen Fußballers willkürlich und ohne Begründung aufgehoben, die auf diesen nach einem schweren Foul und einer "Roten Karte" gewartet hatte.

Eine solche Sperre aufzuheben hat die Fifa bisher noch nie auch nur angedacht. Das ist einzig deshalb geschehen, weil der amerikanische Präsident den Präsidenten der Fifa angerufen, sich als Experten ausgegeben und die Aufhebung der Sperre verlangt hat. 

Niemand weiß, warum Herr Infantino dem nachgegeben hat: 

  • Wollte der schweizerisch-kalabresisch-libanesische Fifa-Chef einfach nur die Gunst des mächtigen US-Präsidenten behalten, des wichtigsten Gastgebers der gegenwärtigen Fußballweltmeisterschaft? 
  • Hat Donald Trump ihm oder der Fifa mit irgendetwas gedroht? 
  • Hat Trump ihn bestochen?
  • Laufen rund um das Milliardengeschäft dieser Fußball-WM andere schmutzige Geschäfte, etwa rund um die Versteuerung und Verteilung der überteuerten Eintrittskarten, mit denen Trump den Herrn Infantino erpressen kann?

Letztlich ist die genaue Frage nach dem Warum schon fast egal. Denn der Schaden im Welt- und Menschenbild für Abermillionen Jugendliche ist so und so nicht mehr gutzumachen. 

Zwar haben diese immer schon gesehen, dass es beim Fußball auch arge Fouls gibt, dass sich Schiedsrichter irren, dass sie nicht alles sehen können. Aber immerhin haben sie gesehen, dass man sich – zumindest bei wichtigen Spielen – bemüht hat, durch Einführung der Video-Schiedsrichter die Fehler des Schiedsrichters zu minimieren, die Gerechtigkeit zu erhöhen. Eines war dabei immer klar: Das letzte Wort hat der Schiedsrichter.

Jedoch ab jetzt gibt es einen ungeheuerlichen Ausnahmefall von diesem bisher ehernen Grundprinzip: Wenn der amerikanische Präsident anruft und behauptet, ein guter Sportler gewesen zu sein, sich auch im Fußball gut auszukennen (wo gibt er, das zu sein, nicht vor?) und daher am besten beurteilen zu können, dass ein vom Schiedsrichter bestraftes schweres Foul kein Foul gewesen sei, dann knickt die angeblich so unabhängige Fifa sofort ein. 

Die jungen Burschen lernen: Nicht Gerechtigkeit, nicht Gleichheit (aller Teams), nicht Regeln sind so entscheidend wie die nackte Macht. Es gibt kein Gutes, das am Ende immer die Oberhand behält, das immer Recht hat. Das ist eine wirklich katastrophale Lehre.

Diese wird dadurch nicht gemildert, dass die US-Fußballer dann trotzdem, obwohl der von Trump gerettete Spieler antreten hat können, das nächste Spiel sang- und klanglos hoch verloren haben.  Diese katastrophale Lehre kann nur noch durch eines aus der Welt geschafft werden: Dass die nationalen Fußballverbände geschlossen und umgehend dem Herrn Infantino den Abschied nahelegen. Und selbst wenn nicht alle mittun, so erwartet man sich jedenfalls als Österreicher vom österreichischen Fußballpräsidenten Josef Pröll ein klares und mutiges Wort. Nur dann würde es im Übrigen nachträglich auch einen klaren Sinn machen, dass man einen ehemaligen Spitzenpolitiker zum Fußball-Präsidenten gemacht hat, wenn der jetzt mit seinem ganzen Gewicht und all seiner in der Politik gemachten Erfahrung vortreten und den Rücktritt Infantinos verlangen würde.

Aber bis jetzt hört man nichts, weder von Pröll noch von seinen Kollegen aus anderen Ländern.

Nicht nur im Fußball

Wachsen die Jugendlichen über das reine Fußballalter hinaus, könnten sie freilich auch an vielen anderen Orten erleben, wie Willkür und Korruption, Brutalität und Macht über Recht und Demokratie siegen. Dazu braucht man gar nicht auf die zweifellos abschreckendsten Schreckensregime der Welt zu blicken, auf Russland, auf China, auf den Iran oder auf Nordkorea. Auch in vielen Demokratien geht es oft gar nicht rechtsstaatlich und demokratisch zu. 

Dennoch wagt kaum jemand in der Welt, ein kritisches Wort dazu zu sagen.

  • Da sitzen in der Türkei (viele) und in Brasilien (einige) Oppositionspolitiker wegen zum Teil lachhafter Vorwürfe jahrelang hinter Gittern – in Wahrheit nur, weil die jetzigen Machthaber Angst vor ihnen haben.
  • Da wird der weitaus aussichtsreichsten Oppositionspolitikerin Frankreichs von einer schlagseitigen Justiz so der Prozess gemacht, dass sie mit Fußfessel und Ausgehbeschränkung keinen effektiven Wahlkampf für die Präsidentenwahl absolvieren kann. Dabei könnte der ihr gemachte Vorwurf, sie habe ihre parlamentarischen Mitarbeiter im Interesse ihrer Partei eingesetzt, praktisch sämtlichen Politikern Europas gemacht werden, den Abgeordneten aller Ebenen wie auch den Ministern in Hinblick auf ihre Kabinette.
  • Da wird von einer linksradikalen Abteilung der österreichischen Staatsanwaltschaft der einzige Vorgesetzte, der sie zum sinnvollen und zügigen Arbeiten anzuhalten versucht hat, mit rechtswidrigen Methoden unter wohlwollendem Wegschauen ähnlich gesinnter Ministerinnen so gejagt, dass er schließlich sein Leben verliert.
  • Da werden in Deutschland der größten Partei des Landes rechts- und verfassungswidrig von der geschlossenen Front der anderen Parteien sowohl ihr zustehende Parteifinanzierungs-Gelder wie auch parlamentarische Positionen verwehrt.
  • Da hat in vielen Ländern Europas eine klare Mehrheit erlebt, wie gegen ihren Willen von einer diffusen, sich oft unter Richterroben versteckenden Machtstruktur unter Berufung auf ein angeblich höheres Recht die zahllosen Gesetzen widersprechende Masseneinwanderung von kultur- und zivilisationfremden Millionen durchgesetzt worden ist, was die Menschen nur als freches Brechen aller Versprechungen empfinden können, dass sie in einer Demokratie leben würden, wo das Recht vom Volk ausgehen würde.

Wen wundert es da, dass auch in Europa immer weniger an die Versprechungen von Recht und Demokratie glauben?

PS: Obwohl die Hauptschuld am WM-Desaster einzig bei der Fifa liegt, tragen die Amerikaner durch das Agieren Trumps vielleicht den größten Schaden davon. Denn normalerweise sind gerade die Amerikaner faire Sportsleute. Denn ihre tollen Stadien mussten vielen Europäern (wie insbesondere auch den Betreibern des Praterstadions aus dem Wiener Rathaus) geradezu Minderwertigkeitskomplexe einjagen. Aber jetzt hat seine machtbesessene Intervention jeden Imagegewinn durch die WM zunichte gemacht.