Die Alten diktieren, und die Jungen haben zu kuschen
Das klingt krass. Aber das ist politisch die klare Folge einer komplett deformierten Alterspyramide. Die Babyboomer – ja, meine Generation – haben als erste Generation der Geschichte viel zu wenige Kinder in die Welt gesetzt. Jetzt sind sie selber alt. Sie lasten dennoch weiterhin und sogar in mehrfacher Hinsicht komplett die Folgen ihres eigenen Versagens und ihres verantwortungslosen wohlfahrtsstaatlichen Genusslebens den heutigen und künftigen Jungen auf. Sie konsumieren zwischen Mallorca und Kreuzfahrten sogar noch weitere ungedeckte Schecks auf die Zukunft.
Genau in jenen Jahren (jedoch nicht in den unmittelbaren Nachkriegszeiten, wo wirkliche Armut geherrscht hat!) begann nachweislich die staatliche Schuldenmacherei ohne jede Hemmung ebenso wie die Abkehr von einer nachhaltigen Energiepolitik durch Verbot der Atomkraftnutzung ebenso wie die Beschädigung der Landesverteidigung durch Einführung eines Wehrersatzdienstes; in Österreich wird diese Epoche von den Resten der SPÖ freilich noch immer als goldene Kreisky-Jahre verherrlicht. Was sie für die SPÖ auch insofern tatsächlich gewesen ist, als die feiernden Babyboomer Kreisky damals zu absoluten Mehrheiten verholfen haben.
Das alles wäre nicht so katastrophal geworden, wenn die Babyboomer nicht gleichzeitig das Kinderkriegen (mit Hilfe der damals auf den Markt gekommenen Anti-Baby-Pille und der weitgehenden Freigabe der Abtreibung) als zu mühsam weitgehend eingestellt hätten.
Jetzt aber steht die nächste Generation vor den Scherben, welche die Babyboomer zurücklassen:
- Staatsschulden, die nicht nur absolut, sondern auch relativ (im Vergleich zur gesamten Wirtschaftsleistung) Rekordhöhen erreicht haben;
- Ein sich katastrophal verschlechterndes Zahlenverhältnis zwischen jenen, die noch arbeiten und damit ins System einzahlen, und jenen, die aus dem System entnehmen und die die einstigen Pensionsgarantien – obwohl mathematisch total unhaltbar – noch mit Zähnen und Klauen verteidigen;
- Politische Entscheidungsverhältnisse, wo die Älteren total dominieren;
- ein dramatisches Zurückfallen der Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen und westeuropäischen Wirtschaft gegenüber Ostasien und Osteuropa;
- unbezahlbaren Folgen einer illusionistischen Grün-Politik (gerade hat laut "Times" ein britisches Forschungsinstitut errechnet, dass die leichtfertig beschlossene "Netto-Null"-Emissionspolitik jeden einzelnen Haushalt bereits in vier Jahren weit über 1600 Euro jährlich kosten wird);
- und eine völlig ausgedünnte Landesverteidigung, der man – nicht nur in Österreich – zugunsten des Konsums einerseits das Geld entzogen hat, und der andererseits mangels Nachwuchses die Soldaten ausgehen, weil man nach der Implosion des Kommunismus gierig eine riesige Friedensdividende verjubelt, aufs Kinderkriegen vergessen und gleichzeitig übersehen hat, dass neue aggressionslüsterne Diktatoren an die Macht könnten und dann auch gekommen sind.
Die österreichische Regierung hat in den letzten Tagen so getan, als ob sie die Folgen zumindest für das österreichische Bundesheer durch eine Verlängerung des Wehrdienstes abmildern würde. Das wird aber zwangsläufig schief gehen, solange man nicht den für die paar noch vorhandenen jungen Männer viel bequemeren Zivildienst gleichzeitig kräftig verlängert. Das hat man aber auf Wunsch der Neos und aus politischer Feigheit unterlassen. Gleichzeitig greift man populistisch ohne jeden Nutzen neuerlich tief in die Schuldenkasse und glaubt geradezu infantil, dass die Jungen wegen einer Erhöhung des Soldes auf tausend Euro zu Lasten des schwer überschuldeten Budgets jetzt in Massen zum Heer drängen werden.
Man fasst es nicht, in was für einer Welt die politische Klasse lebt. Hauptschuld an der total verkorksten Heereslösung, die das Gegenteil des Notwendigen erreichen wird, sind eindeutig die Neos (und alle jene, die auf diese – bei aller Notwendigkeit eines klassischen Liberalismus – mehrheitsmäßig eigentlich überflüssige Partei noch Rücksicht nehmen!).
Dabei ist es ausgerechnet ein ehemaliger Neos-Abgeordneter – der Vorarlberger Gerald Loacker – der den bisher klügsten Vorschlag zu einer wenigstens teilweisen Milderung dieser Generationenungerechtigkeit gemacht hat. Sein Vorschlag lautet zusammengefasst: "Wehrdienst verlängern? Dann auch später in Pension". Aber er hat offenbar schon länger gefühlt, in dieser Partei keinen Platz zu haben.
Wenn man den Jungen eine längere Wehrdienstzeit aufzwingt – was für die österreichische Landesverteidigung in Zeiten eines wahnsinnigen Diktators in Moskau absolut notwendig geworden ist – dann sollte auch von den Älteren eine längere Lebensarbeitszeit, also ein späterer Pensionsantritt, verlangt werden können.
Das wäre eine echte, eine notwendige, eine logische und vor allem gerechte Reform gewesen. Aber mit der SPÖ in der Regierung ist die ganz offensichtlich nicht machbar. Sie ist eindeutig die populistischste, die verantwortungsloseste Partei des Landes (wobei freilich zugleich total offen ist, ob so wie unter Jörg Haider und H.C. Strache, auch unter Herbert Kickl die notwendigen Reformen mit der FPÖ möglich wären – während man den Neos im Gegensatz zu ihrer sonstigen Performance zumiindest in Hinblick auf das Pensionsantrittsalter einen dicken Gutpunkt in Sachen Reformbereitschaft gutschreiben muss).
Eine echte, notwendige, logische und gerechte Reform wäre es überdies gewesen, endlich auch für Frauen eine Dienstpflicht einzuführen. Sind letztlich doch die Frauen hauptverantwortlich für den Geburtenrückgang. Das hören sie zwar nicht gerne, aber das kann man umso mehr sagen, als die Unterstützung für alleinerziehende Frauen wirklich großzügig geworden ist, falls sich die Väter in manchen Fällen ihrer Pflicht entziehen sollten (was so manche deshalb tun, weil ihnen die Medienwelt eingeredet hat, Kinder wären eine Last, weil diese in der Vergnügungs-, Kultur-, Unterhaltungs- und Filmwelt fast nicht mehr vorkommen dürfen).
Kurz konnte man in diesem Tagen beim Lesen von Überschriften glauben, dass ausgerechnet die zuletzt radikal nach links abgedriftete Katholische Jugend in diesem Zusammenhang nach "Gleichberechtigung" gerufen hätte. Jedoch im Kleingedruckten wird rasch klar, dass die vom Beitrag aller Kirchenmitglieder finanzierte KJ-Funktionärsschar nicht die sonst ständig verlangte Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen im Sinn haben, sondern die zwischen Zivildienst und Wehrdienst. Womit sie massiv gegen die von der Kirche durchaus als notwendig anerkannte Landesverteidigung agitieren.
Womit man zum bedrückenden Schluss kommen muss, dass auch die Jungen nicht schlauer sind als die Alten.
