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Der Trump-Fünftausender und der Ederer-Tausender

Der Trump-Fünftausender und der Ederer-Tausender

Der amerikanische Präsident Donald Trump hat jedem Amerikaner 5000 Dollar versprochen, wenn seine Partei die nächsten Parlaments-(Halb-)Wahlen gewinnt. Das erinnert an unterentwickelte Semi-Demokratien in der Dritten Welt, wo Gaukler als Wahlwerber solcherart naive Wähler zu bestechen versucht haben. Das erinnert aber auch an die einstige österreichische Staatssekretärin Brigitte Ederer, die jedem Österreicher im Fall eines EU-Beitritts tausend Schilling, also rund 70 Euro, und zwar pro Monat in Aussicht gestellt hatte.

Hätte Trump eine Ahnung von Österreich, könnte man fast glauben, dass er sich denkt: Was in Österreich funktioniert hat, kann doch auch in den USA funktionieren.

Solche Versprechungen sind jedenfalls Produkte der Ratschläge leichtfertiger PR-Berater, die mit politischen Inhalten auch die naivsten Wähler zu erreichen suchen, welche Politik immer danach beurteilen "Was hab ich davon?" Das wird auf der anderen Seite freilich intelligentere Wähler eher abschrecken. Bei naiven Österreichern führte Ederers Aussage hingegen nach dem EU-Beitritt bald zur frustrierten Frage: "Wo ist jetzt mein monatlicher Tausender?"

Das war wenig hilfreich für das Vertrauen mancher Österreicher in Politik und EU. Den Tausender gab es in bar natürlich nie. Es gab ihn aber sehr wohl durch Erhöhung der Kaufkraft. Denn der Beitritt zum Binnenmarkt erhöhte das reale Einkommen der Österreicher spürbar. Zehn Jahre später errechnet die Nationalbank, dass der Beitritt jedem Österreicher zwischen 700 und 5000 Euro pro Jahr gebracht hat, also meist mehr als den einstigen Schilling-Tausender.   

Das zeigt den großen Unterschied zum 5000-Dollar-Versprechen Trumps. Dieses würde deutlich mehr als eine Billion Dollar kosten: Trump legt im Gegensatz zur damaligen Wiener Regierung keinerlei konkrete Strategie zur Belebung der Wirtschaft vor – wie es insbesondere eine Rückkehr zum Ziel einer atlantischen Freihandelszone wäre. Sein Versprechen ist völlig unerfüllbar. 

Es sei denn, Trump treibt die Inflation in saftige zweistellige Höhe, oder er versucht, die USA noch weiter zu verschulden – sofern noch jemand bereit ist, ihnen so viel Geld zu borgen.

Beides sind extrem gefährliche Perspektiven. Das sind sie auch für Europa – selbst wenn dort Menschen und Politiker herumlaufen, die meinen, mit einer solchen Geld-aus-dem-Nichts-Strategie nach Keynes-Art könne man die Wirtschaft ohne schädliche Folgen wiederbeleben …

Ich schreibe in jeder Nummer von Österreichs einziger Finanz- und Wirtschafts-Wochenzeitung "Börsen-Kurier" die Kolumne "Unterbergers Wochenschau".