Die 17 Denkfehler des bildungsfernen Bildungsministers
Die Schulen hatten anscheinend schon diesbezügliche Entzugserscheinungen: Aber jetzt versucht sich zum Glück endlich wieder ein Bildungsminister durch Schulversuche selbst zu verwirklichen. Auch die Eltern hatten anscheinend schon Entzugserscheinungen: Aber jetzt wird ihnen endlich wieder die Gesamtschul-Debatte aufgezwungen, obwohl ihre Mehrheit dazu eine klar ablehnende Meinung hat. Auch die Nation hatte anscheinend schon Entzugserscheinungen: Aber jetzt wollen ihr wieder ein paar Linke eine Ideologie aufdrängen, so wie andere halt regelmäßig die skurrile Angst vor Impfungen oder Flugzeug-Kondensstreifen zum Zentralthema zu machen versuchen. Auch die Lehrer hatten offenbar schon solche Entzugserscheinungen: Schon wieder basteln Politiker ideologisch und, ohne die Erfahrungen der Lehrer abzuholen, an der Schule herum. Nur bei einem Phänomen hatten wir nie Entzugserscheinungen: bei Ministern, die ihre Bildungsferne demonstrieren.
Der Herr Wiederkehr hat wie alle Sozialisten der letzten Jahre offensichtlich nur ein Ziel: Er will die Zwangsgesamtschule einführen. Dass er eigentlich für eine Partei kandidiert hat, die sich als liberal bezeichnet und damit eigentlich die Freiheit (damit wohl auch untrennbar die Freiheit der Familien) als zentrales Ziel haben sollte, scheint ein weiterer Teil seiner Bildungslücken zu sein – es sei denn, Wiederkehr verwendet das Wort "líberal" auch schon als tarnendes Synonym für sozialistisch (was übrigens das Ausscheiden von bereits zwei der drei echten Liberalen aus der Neos-Fraktion erklären würde).
Wiederkehr schlägt die Zwangsgesamtschule halt jetzt für die ersten sechs Schuljahre vor, nicht für acht oder neun, wie seine sozialistischen Vorgänger. Er hat mit dieser Strategie auf die alte Salami-Taktik zurückgegriffen, mit der die Kommunisten nach 1945 in den Nachbarstaaten die Macht stückweise an sich gerissen hatten.
Freilich scheinen die Bürgerlich-Liberalen und Konservativen hoffentlich inzwischen klug genug zu sein, um nicht auf den Trick hineinzufallen und im Interesse der österreichischen Schüler und Eltern bei ihrem klaren Nein zur Gesamtschule zu bleiben, ob nun für sechs oder acht Jahre.
Wie die Sozialisten macht Herr Wiederkehr nämlich gleich eine ganze Reihe an Denk- und Analysefehlern:
- Er ignoriert komplett, dass die künftige Entwicklung von Kindern in Wahrheit schon rund um den vierten Geburtstag mit ziemlicher Treffsicherheit vorhergesagt werden kann, woran Schulmodelle praktisch nichts mehr ändern können.
- Er ignoriert komplett, dass wir in Wahrheit ein noch viel besser differenzierendes Schulsystem bräuchten: eines, in dem die wirklich talentierten und lernwilligen Kinder speziell gefordert und gefördert werden, damit wir wieder mehr Spitzenleistungen oder gar Nobelpreise sehen; aber auch eines, in dem (etwa aus dem Elfenbein-Turm ahnungsloser Bildungspolitiker) der Weg ohne Matura nicht zwanghaft als etwas Minderwertiges dargestellt wird, den es zu vermeiden gilt, in dem der Weg über die Lehre als etwas Wichtiges und Schönes erkannt wird.
- Er ignoriert die internationalen Schulstudien, die zeigen, dass die österreichischen Schulkinder mit 10 Jahren – also nach vier Jahren Gesamtschule! – im Vergleich insgesamt schlechter dastehen als die österreichischen Schulkinder mit 14, also schon vier Jahre nach der angeblich so katastrophalen Trennung in unterschiedliche Schul-Laufbahnen.
- Er ignoriert die Stimmen der wahren Schulexperten, also der Lehrer (die er übrigens in seiner sozialistischen Sprache zu "Lehrpersonen" abwertet), die in ihrer Summe ganz klar gegen die Gesamtschule sind, und beruft sich nur auf ein paar Wissenschaftler, die Schulen meist nur übers Einsammeln von Fragebögen kennen.
- Er ignoriert die Erfahrungen von vielen Oberstufenschulen (wie BORG, HAK, HTL), die praktisch durchwegs berichten, dass jene Schüler, die mit 14 aus einer – so böse differenzierenden – AHS-Unterstufe kommen, weit bessere Schüler sind als jene, die aus einer "Mittelschule" kommen, einer Missgeburt früherer gesamtschulbegeisterter "Reformen"; und dass auch die Absolventen klassischer Hauptschulen einst weit besser waren als die der "Mittelschulen", als die beiden Typen etliche Jahre parallel existiert hatten.
- Er ignoriert geradezu zynisch das demokratische und das Erziehungs-Recht der Eltern. Diese dürfen in den Schulversuchsschulen nach Wiederkehr-Art nicht etwa selbst mehrheitlich darüber entscheiden, ob die Klasse ihres Kindes einen Gesamtschulversuchs-Weg gehen soll. Statt dessen verweist er einfach darauf, dass die Eltern ja die Kinder nicht in dieser Schule anmelden müssen, sondern in eine andere geben können: Das ist eine schlichte Frechheit des Neos-Ministers gegenüber großen Teilen Österreichs, wo man oft froh sein muss, zumindest eine Volksschule in erreichbarer Nähe zu haben. Das ignoriert auch die Verhältnisse etwa in Wien, wo Eltern oft nur noch die Möglichkeit einer teuren Privatschule haben, wenn sie eine Schule voller bildungsferner Migranten vermeiden wollen, in welche die Genossen von der Bildungsdirektion ihre Kinder stecken wollen. Und dazu kommt der totale Wegfall der Elternrechte, wenn ihm sein Ziel gelingen sollte, sein Modell im ganzen Land obligatorisch durchzusetzen.
- Er ignoriert, dass er im totalen Widerspruch zu der – auch von ihm vorgebrachten – Klage, dass man jetzt schon im zehnten Lebensjahr eines Kindes eine wichtige Schulentscheidung treffen müsste, und dass das doch viel zu früh wäre und die Eltern zwingen will, schon im sechsten Lebensjahr eine ähnliche Entscheidung zu treffen: nämlich darüber, ob man sein Kind in eine Schule steckt, wo nachher die Klasse nahtlos in eine "Mittelschule" übergeführt wird, oder ob der Übergang in eine AHS stattfinden wird (was wahrscheinlich die Ausnahme darstellen dürfte).
- Er ignoriert, dass es in den allerersten Schuljahren im Grund vor allem auf drei Dinge ankommt: auf eine wirkliche Beherrschung der Grundrechnungsarten, auf flüssiges Lesen und auf weitgehend fehlerloses Schreiben in deutsch.er Sprache. Die diesbezüglichen Defizite sind auch mit 14 Jahren und später für viele die zentralen Probleme. Aber zur Behebung dieser eindeutigen Hauptprobleme hat Herr Wiederkehr nicht einmal einen halben Gedanken geäußert.
- Er ignoriert auch jede genaue Auswertung der ansonsten ständig zitierten Pisa-Tests: Diese zeigen nämlich, dass wir in Wahrheit sehr gute Schulen und Schüler haben, wenn wir nur die Ergebnisse der autochthonen Schüler international vergleichen: Da liegen die Österreicher in der EU an zweiter Stelle nur hinter Estland, in Europa an vierter (hinter Estland, der Schweiz und Großbritannien), und international (neben den drei genannten Ländern) hinter einigen Ostasiaten mit ihren sehr strengen wie erfolgreichen Bildungssystemen (und ohne Einwanderer aus Afrika oder dem islamischen Raum). Das gibt der Schule in Wahrheit eine sehr gute Note, wenn sie nicht mit dem fast unlösbaren Problem der Massenmigration überfrachtet und erschlagen wird.
- Er ignoriert eben vor allem den immer größer werdenden Elefanten in der österreichischen Schule, also die Schüler mit Immigrationshintergrund. Diese sind in Österreich im internationalen Vergleich besonders zahlreich, vermehren ihren Anteil ständig und liegen im Schnitt laut den Pisa-Tests um zwei bis drei Schuljahre zurück. In seiner gesamten Pressekonferenz hat Wiederkehr dennoch in brav sozialistischer Art das Thema Immigration und die damit zusammenhängenden Probleme für die Schule aber kein einziges Mal erwähnt.
- Er ignoriert damit das weitaus dringendste und größte Problem im gesamten Schulsystem: Er ignoriert die zwingende Notwendigkeit, nämlich vor allem die Eltern der Immigranten in die Pflicht zu nehmen, mit ihren Kindern schon lange vor Schulbeginn Deutsch zu sprechen und sich auch sonst viel mehr um deren Förderung zu kümmern.
- Er ignoriert die sich gerade aus der Schulrealität ergebende Notwendigkeit, die Immigration von analphabetischen Frauen ins Land komplett zu stoppen, die auf dem Weg der sogenannten Familienzusammenführung ins Land kommen und die dann hier fürs Gebären und für die Erziehung vieler Kinder verantwortlich sind. Aber Familienzusammenführung ist ja kein Naturgesetz, sondern ein vor allem von Richtern geschaffener Anreiz zur Immigration, dessen Abschaffung auch von den sogenannten Liberalen in Europa betrieben werden könnte – die aber dort statt dessen zusammen mit Rot und Grün oft für noch großzügigere Migrationsregeln eintreten.
- Er ignoriert auch die wirklich interessanten Modelle aus dem Ausland. Etwa jenes Israels, das viel Erfahrung mit der Eingliederung großer Immigranten-Mengen hat, die allesamt nicht die Landessprache Hebräisch konnten. Diesen Kindern wird oft jahrelang weitgehend getrennt Hebräisch beigebracht, weil dessen Beherrschung für den Staat und seine Identität zentral ist (Israel ist trotzdem oder gerade deswegen in Sachen Wissenschaft und vielem anderen ein absolutes Spitzenland!).
- Er ignoriert auch die Kosten, wenn die teureren AHS-Lehrer künftig auch ein paar Fächer schon in der dritten und vierten Schulstufe übernehmen sollen, und wenn umgekehrt Volksschullehrer auch noch in der fünften und sechsten Schulstufe in AHS oder "Mittelschulen" unterrichten sollen. Denn beides führt automatisch zu einem gewaltigen Nivellierungsdruck Richtung höherer Gehälter für die jeweils schlechter bezahlte Lehrergruppe.
- Er ignoriert, dass die Gesamtschule das größte Förderprogramm für teure Privatschulen darstellt, wo Eltern die Gewissheit haben, dass ihre Kinder nicht durch eine Mehrheit bildungsferner Kameraden zurückgeworfen werden, dass also genau wegen der Zwangsgesamtschule erst wirklich der Geldbeutel über die Chancen der Kinder entscheiden wird.
- Er ignoriert, dass es vor allem außerhalb der Städte zu baulichen Problemen führen wird, wenn die Volksschulen sechs Jahre dauern sollen. Oder will er auch das auf dem Rücken der für die Volksschulen zuständigen Gemeinden abladen, die ja alle ohnedies schon in katastrophalen Finanznöten stecken?
- Er ignoriert komplett, dass nach zahllosen Analysen wie aber auch gemäß einem wirklich liberalen Menschenbild die entscheidende Rolle für die Entwicklung eines Kindes die Eltern spielen, dass es für die spätere Bereitschaft der Kinder, auch einen fordernden Bildungsweg zu gehen, vor allem darauf ankommt,
- ob das Elternhaus Leistung, Pflichterfüllung und Ordnung als Werte vorlebt,
- ob es bildungsnahe Interessen fördert,
- ob den Kindern daheim vorgelesen wird,
- welche Art von Gesprächen am Familientisch geführt werden,
- ob es in dem Haus Bücher und Zeitungen gibt,
- welche Sprache die Eltern sprechen,
- ob das Kind geborgen aufgezogen wird oder nicht,
- welche Interessen gefördert werden.
Gewiss sind jene Kinder nicht "schuld" daran, die all das nicht hatten, aber das ist noch kein Grund, die anderen besser, liebevoller erzogenen Kinder durch Zwangsgesamtschulen auf ihrem Entwicklungsweg zu bremsen.
Wenn man durch die Zwangsgesamtschule also die Rolle der Eltern komplett wegignoriert und durch staatliche Institutionen wie die Schule substituieren will, dann ist das ein eindeutiges Verstaatlichungskonzept nach klassisch sozialistischer Art. Dann ist das das absolute Gegenteil jeder klassischen Idee von Liberalismus.
Der Verdacht ist riesig, dass diese Schulversuche vom Minister in unfairer Weise einseitig mit zusätzlichem Geld ausgestattet werden (worüber er bisher freilich wohlweislich schweigt), damit sie nach ein paar Jahren dadurch trotz allem als irgendwie erfolgreich dargestellt werden können.
Ach ja, um dem Herrn Wiederkehr nicht Unrecht zu tun: Er konnte bei seiner Präsentation auch zumindest einen Vorteil seiner Idee nennen: Kinder behalten dadurch länger den Bezug zu ihrem Volksschullehrer, den sie nach seinem Konzept nämlich noch zwei weitere Jahre bisweilen als Klassenvorstand sehen werden. Der Abschied von der Volksschullehrerin nach vier Jahren ist vor allem für zehnjährige Mädchen in der Tat oft ein tränenreicher. Aber Wiederkehr ignoriert auch bei diesem Zentralpunkt seiner Präsentation,
- dass nach aller Erfahrung die geliebte Volksschullehrerin nach ein paar Wochen in der neuen Schule überraschend schnell vergessen ist, so wie auch die geliebte Kindergärtnerin bald vergessen gewesen ist;
- dass es völlig unklar ist, ob alle Volksschullehrer dann überhaupt plötzlich irgendwelche Fächer auf AHS-Niveau unterrichten können und wollen;
- dass die Trennung vom Klassenvorstand nach der sechsten Schulstufe, wo dann ja jedenfalls ein neuer Klassenvorstand kommen wird, genauso tränenreich sein wird;
- dass dieser einzige Mini-Vorteil vielleicht doch all die Nachteile, Kosten und Anstrengungen nicht wert sein kann – auch wenn einige sozialistische Brennpunktschul-Direktoren in ihrer Verzweiflung wirklich glauben mögen, dass im Wiederkehr-Rezept die Lösung ihrer Probleme liegt, und bei seinem Projekt mitmachen.
PS: Wie sehr auch in anderen Bereichen der Elefant im Raum ignoriert wird, konnte man praktisch gleichzeitig mit dem Auftritt Wiederkehrs bei einer Initiative sehen, die durch Strafmilderung das Problem der überlasteten Gefängnisse lösen will: Auch dabei wurde das Zentralproblem der Massen-Immigration aus afrikanischen und islamischen Ländern praktisch ignoriert, die für die Überfüllung der Gefängnisse natürlich hauptverantwortlich ist.
