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Wenn der ORF jeden journalistischen Standard verliert

Wenn der ORF jeden journalistischen Standard verliert

Ob die ORF-Genossen glauben, damit die im Absterben befindliche SPÖ noch retten zu können? Ob der für die Filmförderung aus Steuergeldern wie auch für den Zwangsgebühren-ORF zuständige Andreas Babler glaubt, damit sich selber noch retten zu können?

Jedenfalls ist es ein unglaublicher Skandal, wie intensiv der eigentlich gesetzlich zur Überparteilichkeit verpflichtete ORF für einen Propagandafilm zur Heiligenverehrung von Bruno Kreisky Werbung macht. Er tat dies in der ZiB 1 am Montag schon wieder. Und gleich anschließend noch einmal mit einem noch längeren Beitrag in der – freilich weitgehend seherfrei ablaufenden – Sendung "Kulturmontag".

Die ZiB-Genossen, die immer so präpotent behaupten, journalistisch zu arbeiten (wohl um ihre üppigen Gehälter aus Zwangsgebühren zu rechtfertigen), ließen neuerlich die journalistisch wie politisch weitaus wichtigste Frage zu dieser Hagiographie unbehandelt: nämlich die Frage danach, wie viel öffentliche Gelder aus Steuer- und ORF-Kassen in diesen Spielfilm voller ideologischer Phrasen und voller peinlicher Heroisierung Kreiskys geflossen sind, mit dem man gleichzeitig die "Faschisten" des österreichischen Ständestaates attackiert. Wobei völlig klar ist, dass man damit eigentlich immer die heutige ÖVP in den Unterleib treten will.

Das sind nach den vorliegenden Informationen nicht weniger als eine Dreiviertel Million Euro alleine aus den ORF-Zwangsgebühren und noch größere Beträge aus den Steuertöpfen sowohl der Gemeinde Wien, für die Michael Ludwig zuständig ist, wie auch der Bundes-Filmförderung, für die Andreas Babler zuständig ist. 

In anderen Ländern würden sich zweifellos die für Korruption zuständigen Staatsanwälte damit befassen. Aber die jagen ja in Österreich nur schwarze und blaue Politiker. Sozialdemokraten kommen hier höchstens auf Bürgermeisterebene ins Visier der roten Staatsanwälte.

Neben der Finanzierung des Kreisky-Films blieben in der ZiB-Berichterstattung auch noch weitere Aspekte unerwähnt, deren Behandlung bei journalistischer Herangehensweise und unabhängiger Distanz ebenfalls unverzichtbar gewesen wäre. Wenn man einen solchen parteipolitischen Film in der ZiB behandelt, wäre das zweifellos journalistische Pflicht gewesen (zumindest mit der gleichen Logik, mit der kein ORF-Bericht, in dem – in welchem Zusammenhang auch immer – der für Wiens Entwicklung wichtigste Bürgermeister Lueger auch nur erwähnt wird, ohne Hinweise auf dessen antisemitische Redezitate auskommt). 

Verschwiegen wurden beim Bericht zum Film über Kreisky Hinweise darauf, 

  • dass dieser jener österreichische Regierungschef gewesen ist, der später so viele (nämlich gleich vier) ehemalige Nationalsozialisten in seine Regierung aufgenommen hat wie kein anderer Nachkriegs-Regierungschef vor oder nach ihm; 
  • mit welch antisemitischen Tönen Kreisky als Bundeskanzler Israel ständig heruntergemacht hat; 
  • dass Kreisky intensiv mit arabischen Terroristen von Gaddafi bis Arafat gepackelt hat; 
  • Dass Kreisky den weltberühmten jüdischen Nazi-Jäger Simon Wiesenthal mit Hass verfolgt hat. 

Das alles darf ein journalistischer Bericht über einen Film keinesfalls verschweigen, der den jungen Kreisky als heldenhaften und ideologisch gefestigten Kämpfer gegen Ständestaat und Nazis zu verherrlichen versucht.  

Während der Kreisky-Heldenverehrung breiter Raum gewidmet worden ist, haben hingegen weder die ZiB1 noch die ZiB2 eine Sekunde Zeit für ein viel wichtigeres aktuelles Ereignis, das der gewiss ebenfalls links stehenden deutschen "Tagesschau" am gleichen Abend einen ausführlichen Beitrag wert gewesen ist: Das war der Abschluss des erstaunlich gut angekommenen Papstbesuchs in Frankreich, bei dem entgegen ursprünglichen Ankündigungen auch Staatspräsident Macron an einem Gottesdienst teilgenommen hat, und bei dem der Papst auch eine sehr politische Rede über Europa mit Seitenhieben gegen die USA gehalten hat. 

Der Papst aber interessiert die knalllinken ORF-Redakteure – natürlich – nicht. 

Ach ja, in der ZiB 2 bekam man statt dessen dann gleich den nächsten Jubelbeitrag für die SPÖ serviert: Deren neue Steuererhöhungspläne wurden propagandistisch geschickt mit Bildern von Kindern eingeleitet, denen das Geld angeblich zugute kommen soll. Diese Pläne in einem Staat mit jetzt schon einer der höchsten Abgabenquoten wurden solcherart positiv "geframed", wie man in der Branche solche Manipulationen nennt.

Und wir müssen für diesen praktisch täglichen Skandal des SPÖ-Fernsehens zahlen – derzeit über Gebühren und möglicherweise bald über Steuern plus Schulden …