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Der allzu grüne Spinat

Der allzu grüne Spinat

Was sind schon 190 Arbeitsplätze in einer Zeit, da in Österreich 381.159 Menschen arbeitslos gemeldet waren? Und das in einem September, nach dem traditionell die Arbeitslosen-Zahlen winterlich noch weiter steigen. Und doch sind diese 190 Arbeitsplätze ein Fanal, das für all die Probleme der österreichischen Wirtschaft und auch ein Stück Identität des Landes steht.

Es geht um das einzige Werk für Tiefkühlgemüse, das die Produkte der Gemüsekammer der Nation, des ostösterreichischen Marchfelds, verarbeitet. Der belgische Konzern Ardo sperrt es zu und transportiert die Maschinen an einen anderen Standort. Dieser andere Standort wird ebenfalls in Europa sein, höchstwahrscheinlich in Osteuropa. Es geht also gar nicht um die sonst immer ins Treffen geführte unfaire Konkurrenz aus China.

Dafür sprechen auch klar die drei Gründe, die Ardo ganz offiziell nennt, warum die Produktion in Österreich nicht mehr rentabel werden kann – selbst wenn es Förderungen aus Steuergeld gäbe; das sind Energiepreise, Arbeitskosten und Rohstoffkosten.

  1. Für die Rohstoffkosten sind die Marchfeld-Bauern verantwortlich, die nun bald nicht mehr wissen werden, wohin mit dem von ihnen angebauten Gemüse.
  2. Für die Arbeitskosten sind die österreichischen Gewerkschaften verantwortlich, die auch bei der heurigen Lohnrunde (zum Unterschied von ihren viel vernünftigeren Kollegen im Osten) allen Ernstes darauf beharren, dass österreichische Arbeitgeber ihnen voll die vor allem durch ausländische Ölexporteure in die Höhe getriebene Inflation ausgleichen. Die nicht begreifen, dass dann genau deshalb Produktionsstätten in Österreich schließen müssen, weil die erhöhten Kosten im internationalen Wettbewerb nicht mehr unterzubringen sind.  
  3. Und für die Energiekosten sind jene vor allem aus dem grünen Eck Kommenden verantwortlich, die zum einen mehrfach Kraftwerksbauten verhindert haben, weshalb Österreich heute sogar Strom importieren muss, und zum anderen jene, die verhindern, dass die unter dem Boden liegenden Gas- und Ölvorräte genutzt werden können.

Dabei waren viele im Land immer so stolz auf die hohen Löhne und auf den Sieg gegen Atom- und Donaukraftwerke. Jene, die vor den Konsequenzen warnten, wurden als böse Kapitalisten verhöhnt. Jetzt aber können wir nicht einmal mehr auf das so fruchtbare Marchfeld stolz sein. Und wir werden im Tiefkühlregal bald nur noch importierten Spinat finden.

Ich schreibe in jeder Nummer von Österreichs einziger Finanz- und Wirtschafts-Wochenzeitung "Börsen-Kurier" die Kolumne "Unterbergers Wochenschau".