Was uns wohlhabend und langlebig gemacht hat
Die scheinbar einfachen Fragen sind oft die verblüffendsten, aber auch die, bei denen die Antwort vielen schwer fällt. Das gilt etwa für die zwei Fragen: Warum geht es uns eigentlich so gut? Und: Stimmt das überhaupt? Sind doch die Medien voller schlechter Nachrichten. Trotzdem ist Fakt: Uns geht es viel besser als früheren Generationen. Die Menschen leben im Schnitt doppelt so lange wie alle Vorfahren. Sie sind gesünder. Der Anteil jener, die Lesen und Schreiben können, ist größer denn je. Es gibt kaum noch Hungerkatastrophen.
Die Ursachen dieser Entwicklung lassen sich auf drei zentrale Prinzipien kondensieren:
- erstens die Explosion der freien Wissenschaft (von der Technik über die Medizin bis zur Entwicklung der Landwirtschaft);
- zweitens die Freiheit von Wirtschaft und Handel;
- und drittens die Rechtsstaatlichkeit mit den Grundbegriffen: gleiches Recht für alle und maximale Freiheit für alle.
Streiten kann man höchstens noch darüber, ob es auch einen ethnischen Faktor gibt. So sind beispielsweise in den USA Bürger asiatischer, lateinamerikanischer und europäischer Abstammung signifikant erfolgreicher als die Afroamerikaner.
In all diesen Bereichen hat vor allem die Freiheit fundamentale Bedeutung. In jedem Land lässt sich nachweisen, je stärker die drei genannten Grundprinzipien wirken, je mehr Freiheit im geordneten Rahmen es für Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft gibt, umso besser geht es den Menschen. Das stimmt nicht nur für Europa, sondern auch für Asien, wo in den letzten Jahrzehnten die – späte – Einkehr der ersten beiden Prinzipien in China und aller drei in Indien die zwei größten Völker der Erde geradezu entfesselt hat.
Das ist eine traurige Nachricht für Parteipolitiker und Sozialpartner. Denn sie wollen uns weismachen, dass im Grund sie es sind, die für ein Aufblühen von Wohlstand und Lebensqualität gesorgt hätten, dass man nur sie wählen müsste, und allen (oder zumindest den von ihnen vertretenen Gruppen) ginge es automatisch besser.
Was für ein Schwachsinn. Die Politik hat in Wahrheit nur die Freiheit der Menschen auf allen Ebenen, Recht und Ordnung sicherzustellen. Dann ist der Wohlstand – die Amerikaner nennen es Glück – garantiert.
Ich schreibe in jeder Nummer von Österreichs einziger Finanz- und Wirtschafts-Wochenzeitung "Börsen-Kurier" die Kolumne "Unterbergers Wochenschau".
